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Über dieses Buch

Dieser Band legt dar, wie Compliance in der Sportbranche gelebt wird und wie sie theoretisch einzuordnen ist. Dabei thematisieren die Autoren den Bezug zu Moral und Fairness aus verschiedenen Blickwinkeln, legen das Spannungsfeld zwischen Wettkampfsport und Kommerz nebst Herausforderungen wie Doping, Gen-Doping sowie Gender dar und gehen auf die Erziehungsaufgabe des Sports sowie auf Vorstandsvergütungen ein. Ein Sportartikelhersteller vermittelt einen Einblick in die Praxis der Compliance. Eine Skizze des neuen Forschungsfeldes E-Sport, einem heute schon mächtigen Wirtschaftsfaktor, rundet den Band ab.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Compliance und Fairness – Ein Vorschlag zur Begriffsbestimmung

Zusammenfassung
Vorliegender Beitrag gibt einen Vorschlag zur Begriffsbestimmung von Compliance und Fairness, indem er Erste mit Moral und Zweite mit Ethik verbindet. Dabei zeigt sich, dass diese Differenzierung sowohl auf der Ebene des Wettkampfes als auch auf organisationaler Ebene aus verschiedenen Gründen Sinn macht. So ist zunächst von der Außenperspektive kaum zu beurteilen, ob ein Verhalten bloß regelkonform oder aber fair im ethischen Sinne ist. Compliance stellen wir dort fest, wo Akteure Anreize haben, sich gemäß juristischer, moralischer oder sportspezifischer Vorschriften zu verhalten. Eine Reduktion von Fairness auf bloße Regelkonformität höhlt jedoch die Bedeutung des ethischen Charakters aus und lässt eine elementare Dimension menschlichen Zusammenlebens vermissen. Auch ist Fairness mehr als ein Spezialfall von Compliance, denn sie kann über die Konformität mit Regelwerk und Richtlinien hinausgehen. Es gibt informelle Gebote der Fairness, die Vorschriften nicht abbilden. Letztlich sind wir dort, wo Regelwerke defizitär sind und Kontroll- sowie Sanktionsmechanismen versagen, auf die innere Haltung der Akteure – und damit auf die Ethik – zurückgeworfen.
Yvonne Thorhauer

Aktuelle und zukünftige Herausforderungen im (Spitzen-)Sport und vom schwierigen Umgang mit ihnen

Zusammenfassung
Zahlreiche Skandale im letzten Jahrzehnt haben den Spitzensport, seine Akteure, und Zuschauer erschüttert: angefangen von Doping über Wettkampfmanipulationen und Wettbetrug bis hin zu Korruption in den Weltorganisationen des Sports. Auch wenn es sich dabei nicht um neue Phänomene handelt, so haben sie doch das Vertrauen in die Werte des modernen Wettkampfsports und in die Versprechen der Funktionäre nachhaltig erschüttert. Diskussionen über neue Themen, wie etwa Gender, Gen- oder Techno-Doping, nehmen an Intensität zu. Die Frage ist, wie Sport und Politik mit diesen aktuellen und zukünftigen Herausforderungen sinnvollerweise umgehen. Der Verweis auf die Unschuldsvermutung oder das individuelle Verschulden Einzelner ist weder ausreichend, noch trägt es zur Wiederherstellung der Integrität des Sports bei. Vielmehr sind präventive und langfristige Strategien an der Basis gefragt, die dazu führen werden, dass der Spitzensport wieder als Rechtfertigung für dessen Förderung mit Steuergeldern taugt.
Anne Jakob

Bewegungskultur, Wettkampf und Kommerz: Über die Relevanz von Moral im Sport

Zusammenfassung
Sport – ein Phänomen, das die Menschheit in zwei Lager teilt: die Faulen und die Fleißigen, die Zügellosen und die Disziplinierten, die Undefinierten und die Zielorientierten, die Bäuche und die Waschbretter. Die Frage, was in unserer leistungsorientierten Gesellschaft tendenziell besser ankommt, ist schnell beantwortet. Nur eine Konsequenz daraus ist, dass kaum ein Lebenslauf unter der Rubrik Hobbies ohne mindestens eine Sportart auskommt und wenige ernstzunehmende Bewerberpersönlichkeiten im Vorstellungsgespräch selbstbewusst dazu stehen, dass sie keinen Sport treiben. Die Macher und Macherinnen in den Chefetagen der meisten DAX-Unternehmen bestätigen, dass ohne Sport nichts zu gehen scheint. Sport gilt als Mittel der Wahl, um zu werden, was wir sein wollen: gesund, belastbar, dynamisch, durchsetzungsstark, engagiert, erfolgreich. Wir spüren, wir formen, wir messen, wir beweisen uns. In diesem Kontext macht uns der Sport zu wertvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft, was ihm gleichzeitig eine moralische Dimension verleiht. Begriffe wie Fair Play, die längst Einzug in unsere Alltagssprache und unsere Führungskultur gehalten haben, kommen aus dem Sport. Sport ist Emotion und Emotion fordert ihren Tribut: Sie will kein Vielleicht, sie will Gewissheit, richtig oder falsch, ja oder nein. Der Videobeweis im Fußball ist nur ein Produkt dieser Sehnsucht nach Wahrheit, die ihre Wurzeln in der Emotionalität sportlicher Ereignisse hat. Sport fördert das Beste in uns zu Tage: Leidenschaft, Fairness im Umgang miteinander und die Fähigkeit, ein guter Verlierer sein zu können. Der folgende Beitrag wird zeigen, dass der Sport ein wenig wie die Liebe janusköpfig ist, uns der Sport nicht per se zu besseren Menschen macht und längst nicht alles gut ist, was gut klingt.
Irina Kummert

Das „zweite“ Gehalt – Wie die DAX-30-Unternehmen durch die Vorstands-Versorgung den Deutschen Corporate Governance Kodex aushebeln

Zusammenfassung
Die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der DAX-30-Unternehmen stehen häufig im Rampenlicht der Öffentlichkeit und der allgemeinen Diskussion. Im Gegensatz dazu befinden sich die Versorgungszusagen für die Vorstände der DAX-30-Unternehmen meist unterhalb des Radars, obwohl sie in den vergangenen Jahren zunehmend umfangreicher geworden sind. Trotz der vorgegebenen Transparenz durch den Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) und dessen verpflichtende Umsetzung in das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz (VorstOG), sind die Versorgungszusagen nicht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.
Auch im professionellen Sport steht die Vergütung im Fokus der Öffentlichkeit, wobei die Transparenz im Sport je nach Land sehr gering bis sehr transparent ist. Einen Kodex zur Schaffung von Transparenz gibt es in Deutschland allerdings nicht. Der Sport könnte aus dem DCGK lernen, um Abhängigkeiten deutlich zu machen und bewerten zu können.
Die transparente Darstellung des Umfangs der Versorgungszusagen für die DAX-30-Unternehmen stellt den Kernpunkt dieser Untersuchung dar. Zusätzlich werden deren Verwaltungsformen sowie implizite „Moral-Hazard“ Probleme betrachtet und Malus-Regelungen für Versorgungszusagen untersucht. Die Untersuchung mündet in Empfehlungen für Aufsichtsräte, den Sport und die Regierungskommission des Deutschen Corporate Governance Kodex.
Ralf Wandmacher, Nadine Leonhartsberger

Gelebte Compliance – Die Praxis der adidas AG

Zusammenfassung
Die adidas AG ist ein Vorreiter in Bezug auf Compliance und Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie. Das Wertemanagement prägt die Unternehmenskultur maßgeblich und ist mittlerweile institutionalisiert. Neben der Überwachung von Rechtstreue sind das Sponsoring sowie Audits in den Produktionsstätten der Lieferanten zentrale Aspekte der Compliance der adidas AG. Über die eigentliche Compliance hinaus, beschreitet die adidas AG innovative Wege der Sustainability. Das Leben und Kommunizieren von Werten bleibt nicht ohne positive externe Effekte für den Markt: Es motiviert auch Mitbewerber zu mehr Engagement.
Markus A. Kürten

E-Sport – Skizze eines neuen Forschungsfeldes

Zusammenfassung
E-Sport hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Durch ihn wurden weltweit millionenschwere Umsätze erwirtschaftet. Die Anzahl der Gamer wächst stetig. E-Sport war bei den Asian Indoor & Martial Arts Games 2017 vertreten, das Internationale Olympische Komitee (IOC) buhlt um die Gunst der E-Sport-Szene. Nun wird in Deutschland um die Anerkennung des E-Sports als Sport im Sinne des DOSB diskutiert. Die Diskussion wird durch die jüngst erfolgte Gründung des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) sowie durch die dem Leipzig eSports e.V. zum 1. Januar 2018 anerkannte Gemeinnützigkeit (vgl. Bink 2017) weiter befeuert. Die Frage ob E-Sport Sport ist oder nicht, lässt sich nicht einfach beantworten, dafür ist das Phänomen zu facettenreich. Wie zu sehen sein wird, müssen neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch rechtliche, gesellschaftliche, soziale sowie gesundheitliche Aspekte betrachtet werden. Dieser Beitrag ist als Einstieg in die Debatte gedacht.
Yvonne Thorhauer, Anne Jakob, Maria Ratz

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