Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Lisa Heschel erforscht im Rahmen einer Trendanalyse das Phänomen Achtsamkeit mithilfe qualitativer Interviews mit Experten und Praktizierenden. Sie zeigt, wie ein ursprünglich buddhistisches Gedankengut den momentanen Zeitgeist westlicher Länder trifft, welche Rolle Achtsamkeit gesellschaftlich bereits spielt und in Zukunft einnehmen wird. Die Autorin stellt u.a. fest, dass die neue Achtsamkeit heute ein heterogeneres und größeres Publikum anzieht, weil sie säkular gelehrt, wissenschaftlich untermauert und digital zugänglich ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Die Zeit sitzt uns im Nacken. Trotz zunehmenden Zeitgewinns durch technische Neuerungen, kommt es uns vor, als würde die Zeit immer knapper werden: „Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen“ (Rosa 2014: 11). Jeder zweite Deutsche gibt an unter starkem Stress zu leiden (vgl. Techniker Krankenkasse 2016) – Depressionen und Burn-Out werden gar als Leitkrankheiten des 21. Jahrhunderts deklariert (Ehrenberg 2006, 2011; Han 2016: 19).
Lisa Heschel

Kapitel 2. Hintergrund

In seinem neusten Buch schreibt Byung-Chul Han: „Wir haben scheinbar alles. Uns fehlt aber das Wesentliche, nämlich die Welt“ (Han 2016: 104). Hartmut Rosa (2016 a: 306) greift den von Marx geprägten Begriff der „Entfremdung“ auf und ist der Meinung, das Individuum sei heute auf Grund der starken Beschleunigung vermehrt der Welt gegenüber gleichgültig oder sogar feindlich eingestellt. Für Alain Ehrenberg (2006; 2012) haben die Überforderungserscheinungen in unserer Gesellschaft ein bisher nicht da gewesenes Ausmaß erreicht – die Depression wird zur Volkskrankheit. Tatsächlich wird nach einer Prognose der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) zufolge die Depression bis zum Jahr 2020 in den industrialisierten Ländern die weltweit führende Krankheitsursache neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2016).
Lisa Heschel

Kapitel 3. Einführung in die Thematik „Achtsamkeit“

In die Gegenwart einzutauchen und den Moment wahrzunehmen, klang lange Zeit für viele nach einer Beschäftigung für Esoteriker. Heute gewinnt jenes „bewusst im Moment sein“ immer mehr Zuspruch und Anhänger aller Gesellschaftsschichten, die sich alle unter dem Begriff „Achtsamkeit“ (engl. mindfulness) vereinen. „Augen auf und dabei“ statt „Augen zu und durch“, heißt es bei der Achtsamkeit. Es folgt einem ca. 2.500 Jahre alten buddhistischen Konzept, das heute in säkularisierter Form, wissenschaftlich fundiert und teilweise bewusst ganz ohne klischeebelastete Aspekte der Esoterik gelehrt und praktiziert wird.
Lisa Heschel

Kapitel 4. Über die Trendforschung

Es klingt einfach: Trendforschung ist jene Forschung, die Trends zum Gegenstand hat. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass weder der Begriff „Trend“ eindeutig definiert ist, noch die (Selbst-) Benennung der Unternehmung als „Forschung“ unumstritten ist (vgl. Pfadenhauer 2004: 3). Als Trendforschung definiert Michaela Pfadenhauer (2004: 3) „all diejenigen Aktivitäten, die auf die (Früh-) Erkennung, Benennung und Bewertung sozialer und kultureller Entwicklungen bzw. Veränderungen abzielen“, wobei sich diese unter zeitlicher Ausdehnung und räumlichen Reichweiten unterscheiden können.
Lisa Heschel

Kapitel 5. Forschungsdesign

Ziel dieser Arbeit ist eine Vertiefung und Systematisierung der Achtsamkeit als Trend-Phänomen in Deutschland. Die übergeordnete Fragestellung dieser Arbeit lautet: Für das Forschungsdesign der Arbeit bieten sich nur bedingt die Methoden der Trendforschung an, da – wie im vorherigen Kapitel aufgezeigt – ein einheitlich definierter Methodenbestand fehlt (vgl. Pfadenhauer 2004; Rust 2009; Müller 2009: 25). Allerdings können doch Ähnlichkeiten in der Vorgehensweise der Trendanalyse gefunden werden. So verfolgt die Mehrheit der Forschungsstrategien eine einheitliche Logik in ihren Prozessen, indem meist drei verschiedene Erkenntnisphasen, wie „Informationen“, „Wissen“ und „höheres strategisches Verständnis“ durchlaufen werden (vgl. Liebl 2000: 70 f.; Müller 2009: 25).
Lisa Heschel

Kapitel 6. Achtsamkeit in der Öffentlichkeit

Um ein tieferes Verständnis dafür zu bekommen, wie das Phänomen Achtsamkeit öffentlich thematisiert wird, soll in diesem Kapitel zunächst eine begriffliche Herleitung der Achtsamkeit stattfinden, in der auch die Praktizierenden mit ihrem persönlichen Verständnis berücksichtigt werden (s. Kapitel 6.1). Des Weiteren ist es entscheidend zu wissen warum, sprich mit welchen Motiven die Menschen heute Achtsamkeit praktizieren (s. Kapitel 6.2). Aufbauend auf diesem Wissen werden im Anschluss die Kontexte und somit der Neuheitswert des Trends bestimmt (s. Kapitel 6.3).
Lisa Heschel

Kapitel 7. Kritische Auseinandersetzung

Den „Trend der Achtsamkeit“ zu untersuchen, wirkt sicherlich für den ein oder anderen grotesk. Es handelt sich hier um sehr altes buddhistisches Gedankengut, welches nicht den Anspruch hat „hip“ zu sein und erst recht nicht das Ziel verfolgt, den Menschen „hippe Achtsamkeitsangebote“ zu verkaufen – im Gegenteil. Auch MBSR-Kurse wurden geschaffen, um Menschen im Umgang mit Schmerzen, Ängsten oder Depressionen zu helfen, aber nicht, um ihnen zusätzlich „Bastelzeitungen“ zu verkaufen. Dieser Kritik ist jedoch zu entgegnen, dass der Achtsamkeit – wie anhand unterschiedlicher Beispiele aufgezeigt wurde – bereits jener „Trendcharakter“ anhaftet.
Lisa Heschel

Kapitel 8. Fazit

Anhand der Yogabewegung lässt sich erkennen, dass eine fernöstliche Praxis zu einer beliebten, teils hippen Freizeitbeschäftigung der Deutschen werden kann. Dies veranlasste mich dazu, zu untersuchen, ob das neue Konzept Achtsamkeit ähnliche Erfolgschancen hat. Da das Thema zumindest in Artikeln und Sonderausgaben und sogar in eigenen Magazinen aufgegriffen wurde, vermutete ich, dass die neue Achtsamkeit bereits einen gewissen Trendcharakter besitzt.
Lisa Heschel

Kapitel 9. Ausblick

Das hier verwendete Forschungsdesign, das durch eine zweistufige qualitative Untersuchung gekennzeichnet war, hat sich als sehr sinnvoll und praktisch erwiesen. Durch die Literaturrecherche, die Beobachtungen und die Gespräche mit den Experten konnte sich dem neuen Forschungsfeld zunächst offen genähert werden, um daraufhin Hypothesen aufzustellen. Die weiteren folgenden Gespräche mit den zehn Praktizierenden dienten dazu, diese Hypothesen zu überprüfen. Da die Gespräche zwar durch einen Leitfaden strukturiert, aber stets offen ausgelegt waren, konnten auch neue unerwartete Erkenntnisse z.B. über die Auswirkungen der Achtsamkeit gewonnen werden, welche bei einer rein quantitativen Studie ausgeblieben wären.
Lisa Heschel

Backmatter

Weitere Informationen

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Systemische Notwendigkeit zur Weiterentwicklung von Hybridnetzen

Die Entwicklung des mitteleuropäischen Energiesystems und insbesondere die Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur sind konfrontiert mit einer stetig steigenden Diversität an Herausforderungen, aber auch mit einer zunehmenden Komplexität in den Lösungsoptionen. Vor diesem Hintergrund steht die Weiterentwicklung von Hybridnetzen symbolisch für das ganze sich in einer Umbruchsphase befindliche Energiesystem: denn der Notwendigkeit einer Schaffung und Bildung der Hybridnetze aus systemischer und volkswirtschaftlicher Perspektive steht sozusagen eine Komplexitätsfalle gegenüber, mit der die Branche in der Vergangenheit in dieser Intensität nicht konfrontiert war. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise