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23.05.2013 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Zu viele Probleme: Elektromobilität kommt nicht richtig in Schwung

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Elektromobilität ist ein vieldiskutiertes Thema in der Öffentlichkeit. Als klimaschonende Alternative hat das Elektroauto in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen. Doch der Hype um die Elektromobilität scheint vorbei. Staatliche Förderungen und Absatzprognosen für Elektroautos sind weltweit rückläufig.

Die Produktionsprognosen für Elektro- (EV) und Plug-In Hybridfahrzeuge (PHEV) sehen pessimistisch aus. Das geht aus dem neuen "Index Elektromobilität" von Roland Berger Strategy Consultants und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen (fka) für das erste Quartal 2013 hervor. Der Index vergleicht die Wettbewerbsposition der sieben führenden Automobilnationen (Deutschland, Frankreich, Italien, USA, Japan, China und Südkorea) im Bereich der Elektromobilität. Technologie, Industrie und Markt werden hier als Indikatoren genauer betrachtet.

Der Index zeige, dass die Herstellung von Elektrofahrzeugen für OEM immer noch finanziell unattraktiv ist. "Beim Verkauf von Elektrofahrzeugen realisieren Automobilhersteller viel geringere Deckungsbeiträge als beim Verkauf von Autos mit konventionellem Antrieb", erklärt Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Denn die Total Cost of Ownership (TCO) der Elektroautos, gerechnet über die Nutzungsdauer, ist deutlich höher als bei konventionellen Fahrzeugen."

Mehrkosten, die so für die Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen entstehen, würden OEM davon abhalten, diese in Großserie herzustellen. Sollten die USA ihre Fracking-Projekte weiter ausbauen, könne sich diese Problematik noch negativer auf den Markt für Elektromobilität auswirken. "Die Ölgewinnung mithilfe der Fracking-Technologie könnte den Ölpreis in den kommenden Jahren stabilisieren", sagt Roland Berger-Partner Thomas Schlick. "Dies würde den Kostennachteil alternativer Antriebe noch weiter verstärken."

Batteriesicherheit

Starken Einfluss auf die Entwicklung der Elektromobilität habe zudem die Batteriesicherheit. Die in Elektrofahrzeugen zumeist eingesetzten Lithium-Ionen-Batterien können bei Beschädigung explodieren oder in Brand geraten. "Diese Sicherheitslücke müssen Batteriehersteller mit innovativen Sicherheitskonzepten schnell schließen und nicht wie bisher auf steife und schwere Sicherheitsstrukturen setzen. Denn nur so geht die Sicherheit nicht zu Lasten der Effizienz ", erläutert fka Senior Engineer Markus Thoennes. Ein Beispiel für ein innovatives Batterie-Sicherheitssystem ist das Schutzkonzept, das unter anderem von Audi und dem Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen University im BMBF-Förderprojekt "e perfomance" entwickelt wurde. Dieses basiere auf der Idee eines deformierbaren Batteriesystems, in welchem die trapezförmigen Makrozellen im Falle eines Unfalls die Crashenergie durch Verschiebung der Elemente in unterschiedliche Richtungen ableiten und die Energie dann von Deformationselementen absorbiert wird.

Infrastrukturaufbau

Darüber hinaus bestehe weiterhin das Problem der mangelnden Infrastruktur für Elektromobilität. Denn voraussichtlich erst nach 2020 werde sich die eingeschränkte Reichweite der Elektrofahrzeuge durch effizientere Speichertechnologien verbessern. "Die Elektromobilität kann nur dann zum Bestandteil der öffentlichen und privaten Mobilität werden, wenn eine flächendeckende Ladeinfrastruktur auf den Straßen vorhanden ist", sagt Wolfgang Bernhart.

Heute verfüge Deutschland über rund 2200 öffentliche Ladesäulen. Ziel der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sei es jedoch, die Anzahl der öffentlichen Ladesäulen bis 2020 auf 150.000 auszubauen. Hinzu kämen noch rund 7000 Schnellladesäulen und circa 800.000 private Ladepunkte beispielsweise in Garagen. Doch um diese Ziele zu erreichen, würden immer noch attraktive Geschäftsmodelle für Privatinvestoren fehlen. So könne nur ein gemeinsames dauerhaftes Engagement von öffentlicher Hand und Wirtschaft für einen Ausbau der Elektromobilität in den nationalen Fahrzeugflotten sorgen.

Weniger Förderung, weniger Elektroautos, weniger Absatz

Die Roland Berger- und fka-Experten haben die sieben wichtigsten Automobilnationen nach den drei Indikatoren Technologie, Industrie und Markt betrachtet. Daraus ergeben sich unterschiedliche Länder-Rankings.

Südkorea halte im Technologiebereich weiterhin die Spitzenposition. Deutschland folge mit knappem Abstand, da sich das Preis-Leistungs-Verhältnis bei deutschen Elektroautos deutlich verbessert habe. An Wettbewerbsfähigkeit verlieren hingegen die USA: Dort sinke der Gesamtabsatz der Elektrofahrzeuge. In allen untersuchten Ländern sinke zudem die öffentliche Förderung für Forschung und Entwicklung im Bereich der Elektromobilität. Die einzige Ausnahme sei China: Das Land investiere mit aktuell laufenden Programmen rund 7,7 Milliarden Euro.

Japan führe immer noch das Industrieranking an, doch wegen der rückläufigen Prognosen bezüglich der Produktion von Elektrofahrzeugen sowie von Batteriezellen verliere das Land langsam an Boden. Voraussichtlich 283.000 Elektro- und Hybridfahrzeuge sollen bis 2015 in Japan produziert werden. An Gewicht im Industriebereich gewinne vor allem Südkorea. Das Land baue seine Fahrzeug- und Batteriezellenproduktion aus. Auch Deutschland und Frankreich würden ihre Prognosen zur Fahrzeugherstellung verbessern. Insgesamt sei die Produktion von Elektrofahrzeugen weltweit jedoch rückläufig. Aufgrund einer Marktkonsolidierung werde sich die Zellenproduktion in Zukunft verstärkt auf Japan und Südkorea beschränken. So erwarten die Experten bis 2015 eine Zellenproduktion von mehr als 7000 MWh in Japan und von mehr als 4200 MWh in Südkorea. Deutschland soll mit rund 200 MWh dagegen nur eine geringe Rolle bei der Batterieproduktion spielen.

Der Anteil der Elektro- und Hybridmodelle an den Neuverkäufen sei in den vergangenen Monaten weltweit leicht gestiegen, er bleibe jedoch in den jeweiligen Ländern im Promillebereich. Japan stehe hier am besten da, weil die Ende 2012 ausgelaufenen Programme zur Verkaufsförderung einen positiven Effekt erzielen konnten. Ihre Fördermaßnahmen für den Verkauf von Elektroautos aufgestockt haben hingegen China, Südkorea und Frankreich.

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Quelle:
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01.08.2012 | Analysen und Berichte | Ausgabe 8/2012

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