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2017 | Buch

Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation

herausgegeben von: Heinz Bonfadelli, Birte Fähnrich, Corinna Lüthje, Jutta Milde, Markus Rhomberg, Mike S. Schäfer

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Wissenschaftskommunikation ist zentral für moderne Wissensgesellschaften – und in den vergangenen Jahren immer vielfältiger geworden. Sie findet in der Wissenschaft auf Konferenzen oder in Fachpublikationen statt, in der Politik- und Unternehmensberatung, in Kampagnen, in Massenmedien und in Social Media. Die Kommunikationswissenschaft und andere Sozialwissenschaften haben sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Thema Wissenschaftskommunikation befasst. Der Band kartiert dieses Forschungsfeld, identifiziert zentrale Themen, theoretische Perspektiven und Fragestellungen und stellt den Wissensstand überblickshaft dar.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter
Das Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Information und wissenschaftliches Wissen bilden die Basis moderner Wissens- und Mediengesellschaften. Wissenschaftliches Wissen durchdringt immer umfassender gesellschaftliche Teilbereiche sowie die Gesellschaft als Ganzes und prägt das Handeln von Einzelpersonen ebenso wie die Entscheidungen politischer, wirtschaftlicher und anderer Institutionen (Gibbons et al. 1994; Nowotny et al. 2001; Weingart 2001).
Heinz Bonfadelli, Birte Fähnrich, Corinna Lüthje, Jutta Milde, Markus Rhomberg, Mike S. Schäfer

Historische und theoretische Grundlagen

Frontmatter
Kritische Beobachtungen zur Geschichte der Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Es gibt kaum eine Historiographie der Wissenschaftskommunikation. Ziel dieses Beitrags ist es, anhand von fünf thematischen Feldern zu erarbeiten, was als Grundlage für eine Historiographie der Wissenschaftskommunikation dienen kann. Ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf eine erschöpfende Literaturübersicht. Vielmehr soll hier der Versuch unternommen werden, programmatisch fünf Themen anzudeuten, die eine künftige Geschichte der WK beachten könnte: (1) Wissenschaftskommunikation im Rahmen der Wissenschaftsgeschichte; (2) die Professionalisierung der Wissenschaftskommunikation; (3) eine Ideen- und Modellgeschichte der Kommunikation von Wissenschaft; (4) die Entwicklung der Kommunikationsgenres, und (5) die Periodisierung vor und nach dem angeblichen Neuanfang in den 1980er Jahren. Forschungsstrategisch geht es dabei um nichts Geringeres, als die Praxis der Kommunikation dahingehend abzubilden, dass wir uns auf einem Kontinuum zwischen „Dienst an der diskursiven Vernunft“ oder „Handeln mit symbolischer Gewalt“ verorten können, um damit schließlich die aufklärende Diskussion anzuregen.
Martin W. Bauer
Gesellschaftstheorien in der Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Das Ziel dieses Beitrags ist die Erfassung der Relevanz von Gesellschaftstheorien für das Forschungsfeld der Wissenschaftskommunikation. Dafür wird zunächst festgestellt, dass das Potenzial von Gesellschaftstheorien zur Analyse von Wissenschaftskommunikation in der Vergangenheit über lange Phasen kaum berücksichtigt wurde. Es wird daran anschließend aber argumentiert, dass Gesellschaftstheorien, insbesondere Systemtheorien, integrative Sozialtheorien sowie normativ-kritische Theorien mittlerweile einen sehr produktiven Beitrag für Analysen im Feld der Wissenschaftskommunikation leisten. Sie tun dies unter anderem im Bereich von Makro-Analysen, Untersuchungen von Interrelationen zwischen Wissenschaft und anderen Teilbereichen der Gesellschaft (Politisierung, Ökonomisierung, Medialisierung), in organisations- und akteursspezifischen Analysen sowie in Untersuchungen, die sich mit Gegenstandsbereichen der Wissenschaftskommunikation auseinandersetzen, zum Beispiel Umwelt und Klima, Schlüsseltechnologien, Risiken und Katastrophen. Dies markiert einen klaren Trend einer immer intensiveren Beschäftigung mit Gesellschaftstheorien im Feld, denn diese können durch ihre Irritationsleistung gleichsam Innovator für neue Zugänge sein und das Feld der Wissenschaftskommunikation interdisziplinär in andere Forschungsbereiche integrieren.
Alexander Görke, Markus Rhomberg
Organisationstheoretische Perspektiven auf die Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
In der Diagnose, die moderne Gesellschaft sei eine ‚Gesellschaft von Organisationen‘ drückt sich die Bedeutung formaler Organisation für gesellschaftlich relevante Kommunikationsprozesse aus. Dies gilt auch für die Wissenschaftskommunikation: Das Wissenschaftsressort füllt die Wissensseite der Tageszeitung, Universitäten geben Pressemitteilungen heraus und Forscher und Forscherinnen werden in Medientrainings auf die Anforderungen medienöffentlicher Kommunikation vorbereitet. Dieser Beitrag befasst sich aus systemtheoretischer Perspektive mit den Grundlagen organisierter Wissenschaftsdarstellung und beschreibt und ordnet an ihr typischerweise beteiligte Organisationen. Argumentiert wird, dass die Relevanz von Organisationen für die Wissenschaftskommunikation am besten durch einen Vergleich dreier Organisationsformen herausgearbeitet werden kann, von denen die beiden ersten den Charakter eines Teilsystems einer Organisation haben, während der dritte eine eigene Organisation bildet: die Wissenschaftsredaktion einer Tageszeitung, die Pressestelle einer Forschungseinrichtung und der neue Organisationstyp des Science Media Centre. Anhand dieser Typologie lassen sich einige Funktionen und Folgen der Organisation von Wissenschaftskommunikation aufzeigen.
Simone Rödder
Handlungstheoretische Perspektiven auf die Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Das soziale und medienbezogene Handeln einzelner Menschen als Laienpublikum und Zielgruppe von Wissenschaftskommunikation steht im Zentrum dieses Beitrags (während das kommunikative Handeln von Wissenschaftlern untereinander oder ihre Interaktionen mit Journalisten nicht Thema dieses Beitrags sind (vgl. dazu Beiträge von Lüthje und Taubert i. d. Bd.). Dieses soll aus einer handlungstheoretischen Perspektive auf der Mikroebene analysiert werden. Dabei werden theoretische Ansätze der einschlägigen Forschung vorgestellt und auf ihren Ertrag für die Analyse von Wissenschaftskommunikation hin abgeklopft.
Heinz Bonfadelli

Kommunikation in der Wissenschaft

Frontmatter
Interne informelle Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
In der kommunikationswissenschaftlichen Forschung zu Wissenschaftskommunikation wird informelle Kommunikation bisher kaum thematisiert. Wichtig ist sie jedoch in den kommunikativen Prozessen der Wissensproduktion. Informelle Wissenschaftskommunikation ist traditionell eher interpersonal, wird aber durch die Entwicklung neuer Medientechnologien zunehmend mediatisiert. In diesem Beitrag werden nach einer Definition bzw. Abgrenzung des Bereichs der informellen Wissenschaftskommunikation die beiden dominanten Forschungstraditionen zu Struktur (Informationswissenschaften) und Prozessen (Wissenschaftsethnologie) dargestellt, gefolgt von der neueren Entwicklung der Integration dieser beiden Traditionen. Den Abschluss bildet die Darstellung des Forschungsstands zu mediatisierter informeller Wissenschaftskommunikation.
Corinna Lüthje
Formale wissenschaftliche Kommunikation
Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit der formalen wissenschaftlichen Kommunikation, also denjenigen innerwissenschaftlichen Austauschprozessen, mit der Wahrheitsansprüche mitgeteilt, geprüft und diskutiert werden. Um einen für die Erfassung rezenter Wandlungsprozesse angemessenen Rahmen bereitzuhalten, wird der Gegenstand als Trias konzipiert, indem zwischen der formalen wissenschaftlichen Kommunikation, der Publikationsinfrastruktur und den Trägerorganisationen unterschieden wird. Merkmal der Kommunikation ist ihre Öffentlichkeit und die Adressierung einer wissenschaftlichen Gemeinschaft. Sie erfüllt die vier Funktionen der Registrierung, Zertifizierung, Verbreitung und Archivierung von Forschungsergebnissen und realisiert sich fach- und forschungsfeldspezifisch in sehr unterschiedlicher Weise. Vor allem mit der Wissenschaftssoziologie, Bibliometrie und Bibliotheks- und Informationswissenschaft finden sich Forschungstraditionen, die formale wissenschaftliche Kommunikation untersuchen. Der Beitrag stellt diese Traditionen überblicksartig vor und schließt mit einem Ausblick auf Wandlungsprozesse, die vor allem von der Digitalisierung geprägt werden.
Niels Taubert

Kommunikation aus der Wissenschaft

Frontmatter
Strategische Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Strategische Wissenschaftskommunikation ist ein wachsendes Forschungs- und Praxisfeld. Es ist von der Spannung zwischen der strategischen Ausrichtung von Wissenschaftsorganisationen und den gesellschaftlichen Zielen der Wissenschaftskommunikation geprägt. In diesem Kapitel werden theoretische Perspektiven der strategischen Kommunikation und Modelle der Wissenschaftskommunikation zusammengeführt, um eine grundlegende Definition strategischer Wissenschaftskommunikation zu entwickeln. Zentrale Fragestellungen der strategischen Wissenschaftskommunikationsforschung werden anhand von Untersuchungen zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Hochschulen, zum Verhältnis von Wissenschaftsjournalismus und Wissenschafts-PR sowie zur strategischen Wissenschaftskommunikation online behandelt. Aus den gestiegenen Legitimationsanforderungen an Wissenschaft und aus den veränderten medialen Rahmenbedingungen ergeben sich neue Fragestellungen, die abschließend diskutiert werden.
Juliana Raupp
Wissenschaftsevents zwischen Popularisierung, Engagement und Partizipation
Zusammenfassung
Der Beitrag setzt sich mit dem Forschungsstand zu Formen der Wissenschaftskommunikation auseinander, die sich als Events bzw. genuine Ereignisse klassifizieren lassen. Die Entwicklung von Eventformaten in der Wissenschaftskommunikation wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark politisch gefordert und gefördert. Die Forschung zu eventförmiger Wissenschaftskommunikation spiegelt die Entwicklungen der Praxis jedoch nur teilweise wider. Vor allem in der deutschsprachigen Literatur werden nicht-massenmediale Formen von Wissenschaftskommunikation allenfalls als Randphänomen wahrgenommen. International ist die Literaturlage seit einigen Jahren hingegen deutlich ergiebiger. Der Beitrag stützt sich auf diesen Forschungsstand und stellt ihn anhand einer Systematisierung in formatbezogene Ansätze, kritische Ansätze und akteursbezogene Ansätze vor.
Birte Fähnrich
Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik
Zusammenfassung
Angesichts der Steuerungsproblematik in pluralistischen Gesellschaften bedienen sich politische Akteure mehr denn je wissenschaftlicher Beratungsgremien, deren Aufgabe es ist, Probleme zu identifizieren, Hintergrundwissen für Entscheidungsträger aufzuarbeiten, Lösungswege aufzuzeigen oder Handlungsalternativen zu entwerfen. Gerade bei umstrittenen Wissensbeständen ist die Grenze zwischen evidenz-basierten Aussagen und subjektiven Urteilen oft schwer zu ziehen. Von daher sollte wissenschaftliche Politikberatung Bandbreiten des Wissens im Rahmen der Diagnose wie der Empfehlungen ausloten, um unterschiedliche Interpretationen zuzulassen und auf die Pluralität der Perspektiven hinzuweisen. Konsens über konkurrierende Wahrheitsansprüche unter Anerkennung verbleibender Unsicherheiten und Ambivalenzen, Anschlussfähigkeit an die institutionellen und zeitlichen Bedingungen der Politikgestaltung, sowie die deutliche Trennung zwischen belastbarem Wissen und begründbarer Spekulation sind nur einige der im Alltag der Politikberatung bewährten Mittel, um die politische Wirksamkeit und wissenschaftliche Redlichkeit sozialwissenschaftlicher Politikberatung sicherzustellen. Für eine sachlich fundierte und demokratisch legitimierte Politikberatung muss aber die wissenschaftliche Beratung durch eine ergänzende diskursive Beteiligung der betroffenen Gruppen und Individuen erweitert werden.
Ortwin Renn
Wissenschafts- und forschungsbezogene Kommunikation im Wirtschaftskontext
Zusammenfassung
Unternehmen kooperieren in vielfältiger Art und Weise mit staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen und sind zudem in vielen Fällen selbst forschend tätig. Parallel dazu gewinnt auch die wissenschafts- und forschungsbezogene Kommunikation im Wirtschaftskontext an Bedeutung. Der Beitrag gibt einen Überblick über die wissenschafts- und forschungsbezogene Kommunikation im Wirtschaftskontext. Schnell wird dabei deutlich, dass die wissenschafts- und forschungsbezogene Kommunikation von Unternehmen – mit Ausnahme der Innovationskommunikation – kaum erforscht wurde und erheblicher Forschungsbedarf zum Beispiel zur Verschränkung von organisationsinterner und -externer sowie öffentlicher und nicht-öffentlicher Kommunikation in den unterschiedlichen Phasen eines Forschungs- bzw. Innovationsprozesses besteht.
Ulrike Röttger

Kommunikation über die Wissenschaft

Frontmatter
Wissenschaftsjournalismus
Zusammenfassung
Wissenschaftsjournalismus ist der Teilbereich des Journalismus, der das Themen- und Ereignisfeld Wissenschaft behandelt. Wissenschaft und Journalismus entwickeln sich in der modernen Gesellschaft parallel zueinander, bleiben jedoch autonome Teilbereiche, die sich gegenseitig beobachten. Um die Funktion der aktuellen Vermittlung von gesellschaftlich relevanten Informationen aus der Wissenschaft sowie die Kritik- und Kontrollfunktion erfüllen zu können, hat der Wissenschaftsjournalismus eine Struktur entwickelt, die aus wissenschaftsjournalistischen Redaktionen, Wissenschaftsjournalisten sowie journalistischen Arbeitsroutinen und Vermittlungstechniken besteht. Wissenschaftsberichterstattung als Output des Wissenschaftsjournalismus ist stark auf Forschungsergebnisse fokussiert und greift überwiegend auf Wissenschaftler als Experten zurück. Im Zuge einer Medialisierung öffnet sich das Wissenschaftssystem stärker gegenüber dem Wissenschaftsjournalismus – eine Entwicklung, die der Wissenschaftsberichterstattung entgegenkommt, die aber auch kritisch gesehen wird.
Bernd Blöbaum
Wissenschaft und Populärkultur
Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem bislang verhältnismäßig wenig erforschten Bereich Wissenschaft und Populärkultur und fokussiert hier vor allem auf Wissenschaft in Unterhaltungsmedien und –formaten, wie etwa Spielfilmen, Fernsehserien und Comics und Cartoons. Er beschäftigt sich zuerst mit den Interaktionen zwischen Populärkultur, Forschung und Wissenschaft und untersucht anhand ausgewählter Beispiele den gesellschaftlichen Diskurs über Wissenschaft. Ein weiterer Aspekt, der in dem Beitrag behandelt wird, betrifft den Wandel in der Inszenierung von Wissenschaft in Populärmedien und unterschiedliche stereotype Darstellungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit zukünftigen Forschungsperspektiven und dem weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich des Themenkomplexes Wissenschaft und Populär – und Unterhaltungskultur.
Joachim Allgaier
Rezeption und Wirkung öffentlicher Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie und auf welchem Wege Personen wissenschaftliche Informationen wahrnehmen und wie sich dies auf ihre Meinung zu Wissenschaft, ihr Wissen über wissenschaftliche Themen und ihr wissenschaftsbezogenes Verhalten auswirkt. Die Entwicklung der Forschung in diesem Bereich wird entlang der in der Wissenschaftskommunikation prominenten Paradigmen der Scientific Literacy, des Public Understanding of Science sowie des Public Engagement with Science aufgezeigt. Auf der Makro-Ebene lassen sich der Agenda-Setting-Ansatz, die Wissenskluft- und Kultivierungsforschung sowie die Theorie der Schweigespirale als relevante Wirkungsansätze für Informationen über Wissenschaftsthemen identifizieren. Auf der Mikro-Ebene wird die Rolle von Informationsverarbeitungsprozessen, Framing und Priming bei der Rezeption von wissenschaftlichen Inhalten thematisiert. Der Beitrag zeigt, dass der Großteil der Forschung in dem Bereich mit standardisierten Methoden (Survey-Forschung, Experimente) arbeitet und sich neuere Forschung vor allem der Rezeption von Wissenschaft online widmet.
Julia Metag
Wissenschaftskommunikation Online
Zusammenfassung
Im Bereich der externen Wissenschaftskommunikation haben in den letzten Jahren Online-Medien und Social Media an Bedeutung gewonnen. Dies spiegelt sich in der Forschungsliteratur, die beträchtlich angewachsen ist. Der vorliegende Beitrag zeigt die Relevanz von Wissenschaftskommunikation online auf und liefert einen Überblick über zentrale Konzeptionen des Feldes, einschlägige Studien und den Forschungsstand. Er zeigt u. a., dass Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen Online-Kommunikation und Soziale Medien nur zögerlich für die Kommunikation in die Gesellschaft einsetzen, dass andere gesellschaftliche Stakeholder – wie NGOs – diesbezüglich aktiver sind, dass Online-Kommunikation über wissenschaftliche Themen entsprechend vielfältig ist und gerade bei umstrittenen Themen oftmals von nicht-wissenschaftlichen Akteuren bestimmt wird. Er zeigt auch, dass Wissenschaftskommunikation zunehmend intensiver genutzt wird und, auch wenn die Befunde diesbezüglich teils noch widersprüchlich sind, bei den Nutzern Wirkungen zeitigt.
Mike S. Schäfer

Themenbereiche der Wissenschaftskommunikation

Frontmatter
Katastrophen- und Risikokommunikation
Zusammenfassung
Ausgehend von sozialwissenschaftlichen Diskursen der letzten dreißig Jahre erörtert der Artikel, wie Gefahren, Katastrophen und Risiken wahrgenommen und kommuniziert werden. Herausgearbeitet werden zeitliche, soziale und sachliche Dimensionen, mittels derer sich die drei Begriffe unterscheiden lassen. Dabei wird deutlich, dass bei Katpastrophen- und Risikokommunikation jeweils bestimmte Akteure und Organisationen involviert sind. Bezogen auf die Medien- und Nachrichtenberichterstattung zeigt sich, dass Katastrophen in besonderem Maße journalistische Aufmerksamkeit finden und ein aktuelles Thema darstellen, das auf größte öffentliche Resonanz stößt. Forschungsperspektiven ergeben sich zur Kommunikation der Evidenz in den jeweils angesprochenen Domänen wissenschaftlichen Wissens. Journalisten, Medieninhalte und die Rezipienten lassen sich als die zentralen Analyseebenen identifizieren, auf denen sich die Eigenlogiken des Kommunikationsprozess empirisch beobachten und aufeinander beziehen lassen.
Georg Ruhrmann, Lars Guenther
Umwelt- und Klimawandelkommunikation
Zusammenfassung
Medienkommunikation und insbesondere die Berichterstattung von Massenmedien sind wichtige Informationsquellen für die Wahrnehmung von Umweltproblemen sowie des anthropogenen Klimawandels. Entsprechend haben sich in den letzten Jahren viele Forscherinnen und Forscher mit dem Aufkommen, den Charakteristika, der Nutzung und den Wirkungen (massen)medialer Kommunikation zu Umweltthemen im Allgemeinen und zum Klimawandel im Speziellen beschäftigt. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über das Forschungsfeld, resümiert die wichtigsten Befunde und zeigt mögliche Richtungen und Aspekte zukünft iger Forschung auf.
Mike S. Schäfer, Heinz Bonfadelli
Nachhaltigkeitskommunikation
Zusammenfassung
Der Beitrag stellt das Konzept der Nachhaltigkeit vor und gibt einen Einblick in die Forschung zur Nachhaltigkeitskommunikation. Nachhaltigkeitskommunikation wird als analytisches Konzept für die Erforschung von Umweltkommunikation vorgeschlagen. Um einen daran orientierten Analyserahmen zu entwickeln, werden verschiedene Ebenen der Beobachtung und Kommunikation unterschieden. Dieser Rahmen ermöglicht es, das Forschungsfeld zu strukturieren und ein Kategoriensystem zu entwickeln, das zur systematischen Analyse der Forschung zur Umweltkommunikation dienen kann. Durch die Einbeziehung der Nachhaltigkeitsperspektive kann die gesellschaftliche Relevanz der Forschung verdeutlicht werden. An einem Beispiel wird die Vorgehensweise bei der Anwendung des Analyserasters aufgezeigt.
Imke Hoppe, Jens Wolling
Medizin- und Gesundheitskommunikation
Zusammenfassung
Die Medizin- und Gesundheitskommunikation gewinnt sowohl als Forschungsfeld als auch als Anwendungsfeld der journalistischen und medizinischen Praxis zunehmend an Relevanz. Die Darstellung von Gesundheitsinformationen und ihre massenmediale Verbreitung, Verarbeitung und Wirkung spielen dabei genauso eine Rolle, wie die interpersonale Kommunikation im Rahmen der Arzt-Patienten- Beziehung. Der vorliegende Beitrag liefert einen grundlegenden Überblick über zentrale Gegenstände und Dimensionen der Gesundheitskommunikation sowie über Formen und Bedeutung der interpersonalen Kommunikation in der Gesundheitsversorgung. Herausforderungen des Informationstransfers zwischen Wissenschaft und Journalismus werden ebenso beleuchtet wie die Darstellung von Medizin und Gesundheit in den Medien. Abschließend geht der Beitrag auf Medienwirkungsprozesse im Kontext von Medizin- und Gesundheitskommunikation ein und verdeutlicht die praktischen Implikationen dieser Befunde.
Constanze Rossmann, Lisa Meyer
Schlüsseltechnologien in der öffentlichen Kommunikation
Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit der öffentlichen Kommunikation über Schlüsseltechnologien, die insbesondere wegen ihres politischen, gesellschaftlichen und ethischen Konfliktpotenzials für die kommunikationswissenschaftliche Forschung von Bedeutung sind Ziel ist es, einen Überblick über das Forschungsfeld seit seinen Ursprüngen in den 1980er Jahren zu geben Hierzu werden die Rolle von Wissenschaftlern und Journalisten ebenso beleuchtet wie die Ausgestaltung der öffentlichen Diskurse in den Medien sowie Befunde aus Rezeptions- und Wirkungsstudien.
Jutta Milde
Sozial- und Geisteswissenschaften im öffentlichen Diskurs
Zusammenfassung
Der Beitrag verfolgt das Ziel, die Rolle sozial- und geisteswissenschaftlicher Akteure, Themen und Forschungsergebnisse im öffentlichen Diskurs herauszuarbeiten. Hierzu wird der einschlägige Forschungsstand aufgearbeitet. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen: Wie lässt sich der Forschungsstand zur Rolle von Sozial- und Geisteswissenschaften im öffentlichen Diskurs charakterisieren? Welche methodischen Zugänge und Herausforderungen birgt das Forschungsfeld? Was sind die zentralen Ergebnisse, welche Konstanten und Veränderungen lassen sich im Zeitverlauf feststellen und welche aktuellen Entwicklungen charakterisieren das Forschungsfeld? Dabei wird soweit möglich auch speziell auf das Fach Kommunikationswissenschaft Bezug genommen.
Andreas M. Scheu, Anna-Maria Volpers

Praxis- und Forschungsperspektiven

Frontmatter
Forschungsperspektiven der Wissenschaftskommunikation
Zusammenfassung
Das Ziel dieses Beitrags ist es, Perspektiven für ein zukünftiges Forschungsprogramm für die Wissenschaftskommunikation zu erschließen. Dies geschieht einerseits vor dem Hintergrund von Veränderungen der Medienlandschaft mit ihren Begleiterscheinungen für Medien, Journalismus und Öffentlichkeit. Andererseits stellen aber auch Innovationen in der Wissenschaft selbst ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit und zur Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Nicht überraschend aber dennoch auffällig sind Probleme in zwei unterschiedlichen Dimensionen, denen sich die Wissenschaftskommunikation in vielfältiger Weise zu stellen hat: eine Schnittstellen- und eine Vermittlungsproblematik. Einerseits liegt dies in der Kommunikation der Wissenschaft mit anderen gesellschaftlichen Teilbereichen wie der Politik oder der Wirtschaft und den dahinterliegenden Fragen des wissenschaftlichen Selbstverständnisses in der Kommunikation mit diesen Systemen. Andererseits ist es aber die immer wieder neu auszutarierende Kommunikation mit den Publika von Wissenschaftsthemen selbst, die durch die Änderungen in der Medienlandschaft , das Zurückdrängen der traditionellen Massenmedien und die Etablierung neuer Akteure beeinflusst wird. Schlussendlich gilt es, die Frage nach der kommunikativen Funktion der Wissenschaft für die Gesellschaft selbst zu bearbeiten. All dies können aber nur Teilaspekte einer zukünftigen Agenda für die Wissenschaftskommunikation sein.
Markus Rhomberg
Vom Public Understanding of Science zum Public Understanding of Journalism
Zusammenfassung
Dieser Beitrag analysiert Konvergenztendenzen von Wissenschaftsjournalismus und institutioneller Wissenschaftskommunikation durch Forschungseinrichtungen. Entlang normativer Funktionszuweisungen und etablierter journalistischer Qualitätskriterien werden am Beispiel des Projekts „Medien-Doktor“ zur Bewertung von Pressemitteilungen und wissenschaftsjournalistischen Beiträgen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Zeitalter digitaler Verbreitung diskutiert. In der Konsequenz wird die Bedeutung einer verbesserten Kompetenz der Bevölkerung zur Beurteilung solcher Informationen und die Notwendigkeit einer offensiven öffentlichen Kommunikation der Wahrheitsfindungs- und Qualitätsprozesse in der Wissenschaft (im Sinne eines neuen Public Understanding of Science) ebenso wie im Journalismus (Public Understanding of Journalism) herausgearbeitet.
Holger Wormer
Wissenschaftskommunikation in vernetzten Öffentlichkeiten
Zusammenfassung
Die Wissenschaftskommunikation unterliegt einem tief greifenden, hoch dynamischen Wandel. Sowohl die interne Wissenschaftskommunikation (Scholarly Communication) als auch die externe Wissenschaftskommunikation differenzieren sich in der Praxis immer stärker aus. Treiber sind hier vor allem die Digitalisierung, die Medialisierung des Wissenschaftssystems und die Erweiterung der Formate: Blogs, Science Slams, Kinderunis usw. Neben die drei zentralen Akteure der externen Wissenschaftskommunikation – Wissenschaftler, Wissenschaftsjournalisten sowie Medien- und Öffentlichkeitsarbeiter – treten weitere. Der Beitrag kartiert das Feld der praktischen Wissenschaftskommunikation, analysiert die Modulationen nach Akteuren, skizziert Grundzüge der Aus- und Weiterbildung insbesondere von Forschenden und formuliert in Unterscheidung der Kommunikation von, für und über Wissenschaft Forschungsperspektiven im Hinblick auf die Praxis.
Carsten Könneker
Metadaten
Titel
Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation
herausgegeben von
Heinz Bonfadelli
Birte Fähnrich
Corinna Lüthje
Jutta Milde
Markus Rhomberg
Mike S. Schäfer
Copyright-Jahr
2017
Electronic ISBN
978-3-658-12898-2
Print ISBN
978-3-658-12897-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-12898-2