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22.03.2017 | Gewässer | Kommentar | Onlineartikel

Entlastung von Mikroschadstoffen nur gemeinsam machbar

Autor:
Dipl.-Ing. Markus Porth

Die Siedlungswasserwirtschaft alleine kann die Herausforderungen durch Mikroschadstoffe nicht lösen. Markus Porth, Chefredakteur der WASSER UND ABFALL, ruft zum Zusammenspiel aller Beteiligten auf.

Mikroschadstoffe sind dort, wo Sie zum Beispiel als Wirkstoffe in Arzneimitteln eingesetzt werden, nicht nur in aller Patienten Munde sondern auch oft wegen ihrer Beständigkeit in der aquatischen Umwelt weit verbreitet. Ihre aus galenischer Sicht wünschenswerten hydrophilen oder auch adsorptiven Eigenschaften erschweren den Zugriff auf sie bei der Reinigung des Abwassers. Vergleichbares trifft für die Anwendung von Kosmetika zu. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Bioziden und anderen Industrie- und Haushaltschemikalien vergrößert die Anforderungen an die Gewässerreinhaltung zusätzlich durch andere Wirkmechanismen.

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Die Minderung der Emissionen von Arzneimittelrückständen aus medizinischen Einrichtungen stellt einen möglichen Ansatz zur Reduktion der Umweltbelastungen dar. Jedoch zeigen die Ergebnisse unterschiedlicher Projekte, dass eine separate Behandlung dieser Abwässer nur in Einzelfällen sinnvoll ist, auch wenn sie technisch möglich ist.


Wirksubstanzen werden, wenn überhaupt, nur teilweise in den Kläranlagen entfernt. Sollten hierbei oder erst im Gewässer dann noch Metabolite entstehen, sind neue Probleme nicht auszuschließen. End-of-the-Pipe-Lösungen sind daher nur begrenzt zielführend. Zur Minderung des Eintrags ist also auch an den Ort des Anfalls zu gehen: Das sind zum Beispiel bei Arzneimitteln die Patienten, die verschreibenden Ärzte, Krankenhäuser, die Apothekenund auch die Pharmahersteller. Ein breites Vorgehen ist daher erforderlich.

Gesellschaft muss erreicht werden

Hiermit wird sich die klassische Siedlungswasserwirtschaft anfreunden müssen. Am Beispiel der Arzneimittel ist offenkundig, dass weiterentwickelte Abwasserbehandlung nur begrenzt weiterführt. Die Gesellschaft in ihrer Breite muss erreicht werden. Und da wird es kompliziert, denn der Blick auf verantwortungsvolles Handeln im Zusammenhang mit der Ressource Wasser richtet sich bei Otto Normalverbraucher oft nur auf das Wassersparen und allenfalls noch auf abwasserentlastende Mülltrennung (Biotonne nicht Toilette). Und: die Vermittlung dieser vergleichsweise schlichten Notwendigkeiten hat schon eine Generation gedauert.

Das greift der Bund im Rahmen seiner nationalen Mikroschadstoffstrategie auf. Mit einem Stakeholderdialog wurden neben den Arzneimittelwirkstoffen auch die Themenbereiche, Pflanzenschutzmittel, Biozide, Waschmittel und Kosmetik, Industrie und Haushaltschemikalien sowie nachgelagerte Barrieremöglichkeiten diskutiert.

Mikroschadstoffe aus der Sicht der Konsumenten

In Ausgabe 03/2017 von WASSER UND ABFALL beleuchten wir daher das Thema Mikroschadstoffe von der Seite des Konsumenten. Wenn die Konsumenten erreicht werden sollen, dann stehen Instrumente im Mittelpunkt, die in der Siedlungswasserwirtschaft noch nicht den notwendigen Bekanntheitsgrad und Anwendungsbereich genießen. Zielgruppenanalysen sind durchzuführen. Informations- und Mitwirkungskampagnen, also partizipative Prozesse sind zu gestalten. Aktionen mit marketingähnlichem Charakter sind auf den Weg zu bringen. Der Konsument als wasserwirtschaftlicher Laie ist einzubeziehen und auch im notwendigen Maße zu ertüchtigen. Die weiteren Akteure, Hersteller und z. B. auch das Gesundheitswesen sind mit einzubeziehen. Die abwassertechnologischen Möglichkeiten sind weiter zu entwickeln. Legislative Ergänzungen gehören mit hinzu, wie zum Beispiel die neue Oberflächengewässerverordnung, hier auch im Hinblick auf den 2. Bewirtschaftungszyklus der Wasserrahmenrichtlinie. Aber nur im Zusammenspiel aller Beteiligten kann hier die notwendige Entlastung unserer Gewässer auf den Weg gebracht werden.

Schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten, andere Versprechungen sind mit Vorsicht zu genießen. Aber auf den Weg zur Lösung dieser Belastung unserer Gewässer sollten wir, die Umweltingenieure uns auf alle Fälle machen

Dieser Kommentar ist unter der Überschrift "Nur im Zusammenspiel aller Beteiligten kann einen Entlastung der Gewässer von Mikroschadstoffen erfolgen" in Ausgabe 03/2017 der Fachzeitschrift WASSER UND ABFALL erschienen.

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