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Über dieses Buch

Der vorliegende Sammelband ist in drei thematische Blöcke gegliedert. Der erste Block enthält deutsche Übersetzungen von Grundlagentexten des Innovationssysteme-Ansatzes. Im zweiten Block werden einzelne theoretische Aspekte vertiefend analysiert. Der dritte Block enthält Studien zur Ausdifferenzierung des deutschen Innovationssystems. Innovationen entstehen im Kontext interaktiver Lernprozesse systemisch vernetzter Akteure. Im Zentrum strukturell und institutionell eingebetteter Innovationsnetzwerke, die an der Generierung und Diffusion von Innovationen beteiligt sind, stehen private Wirtschaftsunternehmen. Sie kooperieren in ihren Forschungsaktivitäten vorrangig mit öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen, Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie mit Finanzdienstleistern. Historisch betrachtet sind Innovationssysteme zunächst auf nationalstaatlicher Ebene entstanden. Die Globalisierung, aber auch neue technologische Regimes führen zur Ausdifferenzierung lokaler, regionaler und supranationaler, sowie branchenspezifischer Arrangements.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Innovationssysteme im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs

Zusammenfassung
Das Konzept der Innovationssysteme befasst sich mit den institutionellen und technologischen Bestimmungsgründen der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen und Branchen im regionalen bzw. nationalen Kontext. Als Innovationssysteme werden territorial verankerte Netzwerke von Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Finanzakteuren und staatlichen Organen bezeichnet, die sich wechselseitig unterstützend an der Generierung, Modifizierung und Diffusion neuer Technologien beteiligen. Technologische Innovationen entstehen demnach vornehmlich aus den interaktiven Lernprozessen der systemisch vernetzten Akteure in regionalen bzw. nationalen Innovationssystemen. Das dieser Perspektive eigene Forschungsinteresse beinhaltet einen politische Gestaltungsanspruch, der in aktuellen innovationspolitischen Diskussionen zum Ausdruck kommt.
Birgit Blättel-Mink, Alexander Ebner

Innovationssysteme – Konzeptionelle Grundlagen

Frontmatter

Das „Nationale Innovationssystem“ aus historischer Perspektive

Zusammenfassung
Der Beitrag entwickelt die Behauptung, dass ungeachtet intensiver Globalisierungsprozesse der nationale Rahmen wesentlichen Erklärungsgehalt bezogen auf wirtschaftliche Dynamik behält. Konkreter erscheinen die nationalen Beziehungen in innovative Prozesse integrierter Unternehmen nach wie vor zentral für die Beschreibung und Erklärung ihrer Innovationsfähigkeit. Somit bleibt Diversität eine konstante Eigenschaft globalisierter Wirtschaftsordnung. Dies gilt sowohl für inkrementelle als auch für radikale Innovationen, wobei zugleich die Bedeutung von Diversität mit der Radikalität der Innovationsprozesse zunimmt. Der Beitrag diskutiert diese Behauptung vor dem Hintergrund der Unterschiede verschiedener historischer Beispiele, insbesondere den jeweiligen historisch vorhandenen Innovationssystemen in der nationalen Wirtschaftsgeschichte Deutschlands, Japans und der Sowjetunion, sowie mittels eines Vergleichs der Innovationssysteme ostasiatischer „Tigerstaaten“ mit denen lateinamerikanischer Staaten.
Christopher Freeman

Technische Innovation und nationale Systeme

Zusammenfassung
Das seit den 1970er Jahren stagnierende Wirtschaftswachstum, Japans Aufstieg zur wirtschaftlich-technologischen Großmacht und die Entwicklung in Schwellenländern wie Korea und Taiwan, stellt die Wirtschafts- und Forschungspolitik der Industrieländer vor die Frage nach den Gründen nationaler Wettbewerbsfähigkeit – verknüpft mit der Vorstellung, dass die technologischen Fähigkeiten der Unternehmen eines Landes im nationalen Rahmen gefördert werden können. Dieser Beitrag stellt die Verflechtung von Wissenschaft und Technologie dar und identifiziert für die Wettbewerbsfähigkeit wesentliche institutionelle Akteure. Es ergeben sich unterschiedliche Modelle, die sich dann nicht nur durch die Akteure, sondern auch durch die Art der Zusammenarbeit unterscheiden. So zeichnet sich das deutsche Innovationssystem durch öffentlich finanzierte außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen aus, die anwendungsorientiert forschen und Grundlagenforschung einerseits und wirtschaftlichen Problemstellungen andererseits verbinden. Im den USA hingegen wurde die staatliche Forschungsförderung vor allem auf den militärischen Bereich konzentriert, was sowohl Universitäten wie auch Forschungsabteilungen der Industrie umfasst.
Richard R. Nelson, Nathan Rosenberg

Warum sollte man nationale Innovationssysteme und nationale Innovationsstile untersuchen?

Zusammenfassung
Der Beitrag wendet sich gegen die neoklassische Perspektive, wonach vor allem die Ressourcenallokation das entscheidende Problem in der Diskussion wirtschaftlicher Prozesse darstellt. Er betont erstens den kausalen Gehalt mittelfristiger Innovationsprozesse und zweitens die Bedeutung einer global diversifizierten und ausdifferenzierten Wissensbasis. Zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten herrschen demnach jeweils unterschiedliche „Innovationsstile“, die sich aus dem raumzeitlich gebundenen institutionellen Rahmen ergeben, wobei vier Institutionen entscheidende Bedeutung besitzen: Der vorherrschende Zeithorizont der Akteure; das etablierte Vertrauen mit seinen Eigenschaften; die konkrete Gestalt der jeweils vorhandenen Rationalitäten; sowie die jeweils institutionalisierten Formen der Ausübung von Autorität. Entscheidend ist, dass sich, je nach spezifischer institutioneller Kombination, hieraus eine Diversität von interaktiven Lernprozessen ergibt, in denen Wissen kontinuierlich wie auch kollektiv weiterentwickelt wird. Vor diesem Hintergrund diskutiert der Beitrag außerdem die analytische Bedeutung der nationalen Ebene in der Diskussion von Innovationsprozessen und dynamischer Wirtschaftsentwicklung.
Bengt-Åke Lundvall

Regionale Innovationssysteme, Cluster und die Wissensökonomie

Zusammenfassung
Dieser Beitrag enthält einen systematischen Überblick zum Konzepte regionaler Innovationssysteme. Anhand von fünf Dimensionen lässt sich analysieren, inwieweit eine Region ein funktionsfähiges Innovationssystem besitzt. Über den vorherrschenden Modus interaktiver Governance, kombiniert mit den Mustern zwischenbetrieblicher Beziehungen, erhält man ein schlüssiges Bild über den Systemcharakter regionaler Innovationen. Einer kritischen Betrachtung werden sodann die europäische und die US-amerikanische Regionalpolitik unterzogen. Wobei der komparative Vorteil Letzterer darauf zurückgeführt wird, dass sie sich stärker auf die Förderung privater Investitionen und Finanzierungskanäle verlässt und somit auch die komparativen institutionellen Vorteile des US-amerikanischen Wirtschaftsmodells mobilisiert. In diesem Sinne werden regionale Varianten kapitalistischer Marktwirtschaften, wie das Silicon Valley-Modell wissensbasierter Unternehmensvernetzung, durch die vorherrschenden nationalen Koordinationsmodelle geprägt. Die Analyse des Verhältnisses institutioneller Architekturen von Innovationssystemen auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen verweist auf die Problematik der Komplementarität der institutionellen Komponenten solcher Systeme.
Philip Cooke

Theoretische Perspektiven des Innovationssysteme-Ansatzes: Governance, Globalisierung, Raum und Feld

Frontmatter

Governance von Innovationssystemen und die politische Ökonomie der Wettbewerbsfähigkeit: Innovationspolitische Potenziale des Unternehmerischen Staates

Zusammenfassung
Der Staat gehört zu den konstitutiven Komponenten der politischen Einbettung von Innovationssystemen auf nationaler und regionaler Ebene. Statt hierarchischer Steuerungsmodelle prägt der moderierende Netzwerkcharakter staatlicher Innovationspolitik zunehmend die sozialen Strukturen und Interaktionen in Innovationssystemen. Die entsprechende Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der politischen Gestaltung von Innovationssystemen verweist auf die Problematik innovationspolitischer Governance. In diesem Zusammenhang kommt der systemischen Interdependenz zwischen organisationalen, sektoralen und politisch-ökonomischen Governance-Strukturen bei der Artikulierung der Unternehmerfunktion in Innovationssystemen eine herausragende Bedeutung zu. Diese staatliche Koordinierung von selektiven Innovationsimpulsen lässt sich im Sinne des schumpeterianischen Konzepts des „unternehmerischen Staates“ nachvollziehen, aufgefasst als spezifische Ausprägung der innovationspolitischen Gestaltung technologischer Neuerungen in entwickelten Industrienationen unter der Bedingung radikaler Unsicherheit.
Alexander Ebner

Innovationssysteme und „Varieties of Capitalism“ unter Bedingungen ökonomischer Globalisierung

Zusammenfassung
Die seit den 1990er Jahren zu beobachtende beschleunigte Globalisierung ökonomischer, sozialer und kultureller Prozesse hat die Rolle des Nationalstaates für das Management sozialen Zusammenhaltes wie auch internationaler Wettbewerbsfähigkeit infrage gestellt. In Kontrast zu der ersten und zweiten Welle der Globalisierungsliteratur haben die Konzepte nationaler Innovationssysteme an der Zentralität des Nationalstaates festgehalten. Das vorliegende Kapitel verortet nationale Innovationssysteme innerhalb des analytischen Rahmens ‘Varieties of Capitalism’. Es wird argumentiert, dass der binäre Ansatz des ursprünglichen Ansatzes zu eng ist und es auf die Komplementarität institutioneller Strukturen ankommt, wenn die Effektivität von Innovationsregimes bewertet werden soll.
Kurt Hübner

Zum sich wandelnden Verhältnis von Innovation und Raum in subnationalen Innovationssystemen

Zusammenfassung
Subnationale Innovationssysteme, allen voran regionale Innovationssysteme, haben nicht nur einen festen Platz als Mitglied in der konzeptionellen Familie der territorialen Innovationsmodelle eingenommen, sie gelten auch als wichtige theoretische Grundlage für regionale Innovationspolitik. In diesem konzeptionellen Beitrag werden sie kritisch gewürdigt, d. h. es werden nicht nur die Stärken, wie der systemische Ansatz, die Mischung aus Fokussierung und Offenheit sowie Pragmatismus und die damit einhergehende Handlungsorientierung, sondern auch die konzeptionellen Schwachstellen, etwa die Erkenntnisgrenzen von strukturellen Ansätzen, und die spezifische Art der Nutzung des Innovationsbegriffs und der territorialen Grenzen, herausgearbeitet. Schließlich wird ein Ausblick gewagt, um Wege aufzuzeigen, wie die Stärken beibehalten oder gar ausgebaut und wie einige der gravierendsten Probleme reduziert werden könnten.
Robert Hassink, Oliver Ibert, Martin Sarnow

Innovationssysteme – Soziologische Anschlüsse

Zusammenfassung
Dass die Soziologie etwas zur Analyse nationaler Innovationssysteme beitragen kann und dass ihre Debatten anschlussfähig an Positionen der evolutionsökonomischen Innovationsforschung sind, steht im Zentrum des Beitrags. Es wird die Auseinandersetzung mit Innovation in ausgewählten speziellen Soziologien nachgezeichnet und anhand zweier Dimensionen, der Einbettung und der Koordination, die soziologische Anreicherung des Innovationssystemansatzes diskutiert. Die Dimension der Einbettung durch Netzwerke wird in theoretischer Hinsicht primär an Mark Granovetters Arbeiten festgemacht. Interpersonelle und interorganisationale Netzwerke gelten als soziale Struktur von Marktprozessen. Auf den Innovationssysteme-Ansatz übertragen sind Innovationsprozesse dann als Abfolge spezifischer Phasen darzustellen, deren heterogene Akteurskonstellationen auf Netzwerkbeziehungen basieren. Die Dimension der Institutionen wird anhand von Pierre Bourdieus Theorie der Felder ausgeführt. In sozialen Feldern treten subjektive Handlungsstrategien mit objektiven strukturellen und institutionellen Vorgaben in Verbindung. Felder stellen demnach gesellschaftliche Machtstrukturen und Konfliktkonstellationen dar.
Birgit Blättel-Mink

Innovation und sozialer Wandel: Zur Transformation strategischer Handlungsfelder

Zusammenfassung
Der Beitrag diskutiert neuere Ansätze in der soziologischen Theoriedebatte, die sich mit der Frage der Erklärung sozialen Wandels beschäftigen. In der einschlägigen Diskussion findet sich die Einschätzung, dass die Soziologie nur sehr bedingt das Thema der Veränderung und des Wandels sozialer Systeme angenommen hätte. Das Defizit beseitigen wollen Ansätze, die insbesondere im Umkreis feldtheoretischer Überlegungen und der so genannten relationalen Soziologie ausgearbeitet wurden. Sollte die Diagnose eines nicht tragfähigen analytischen Instrumentariums richtig sein und die vorgeschlagenen neuen Ansätze vielversprechend, können sich hier interessante Querverbindungen zwischen an Innovation interessierter Forschung und allgemeiner Sozialtheorie entwickeln. Am Beispiel der Unterscheidung zwischen inkrementellen und radikalen Innovationen werden die theoretischen Grundpositionen feldtheoretischer Überlegungen verdeutlicht. Zur empirischen Illustration der Überlegungen wird die Transformation des deutschen Systems der Stromgewinnung und -verteilung analysiert.
Gerhard Fuchs

Dimensionen von Innovationssystemen: Innovation als Mehrebenenprozess

Frontmatter

Urbane Innovationssysteme: Das Innovationsnetzwerk in Jena

Zusammenfassung
Der Beitrag verfolgt mit Methoden der Netzwerkforschung die These, dass nicht nur die räumliche, sondern auch die soziale Nähe der Akteure eines Innovationssystems dem Aufbau von Beziehungen und dem Austausch von Wissen in kollektiven Innovationsprozessen förderlich ist. Hierbei repräsentieren die Knoten eines spezifischen Innovatoren-Netzwerks die jeweiligen Anmelder von Patenten, die als Innovatoren gewertet werden. Verbindungen zwischen Innovatoren entstehen durch Erfinder, die für mehrere Innovatoren tätig sind: es entwickelt sich ein soziales Netzwerk. Indem der Beitrag dies, beruhend auf Patentdaten von 1995 bis 2001, auf das urbane Innovationssystem Jenas anwendet, versucht er, die soziale Akteursdynamik von Innovationssystemen nachzuvollziehen. Es zeigen sich Tendenzen zunehmender Vernetzung und Spezialisierung, die sich an den Kernkompetenzen des urbanen Innovationssystems orientieren. Die Verdichtung von Innovationsprozessen im lokalen Raum generiert eine kritische Masse an Innovationserfolgen, die für die weitere Entwicklung des Innovationssystems entscheidend sind.
Uwe Cantner, Holger Graf, Andreas Meder

Das baden-württembergische Innovationssystem als organisationales Feld: eine organisationssoziologische Betrachtung

Zusammenfassung
Die Region Baden-Württemberg war in der Vergangenheit Gegenstand zahlreicher Studien und wissenschaftlicher Untersuchungen. In dem vorliegenden Beitrag werden aus soziologischer Sicht die institutionellen Aspekte dieses regionalen Innovationssystems in den Vordergrund gestellt. Hierfür wird auf das neoinstitutionalistische Konzept des organisatorischen Feldes zurückgegriffen. Die Ausgangsthese ist, dass auch im Zeitalter der modernen, globalisierten Wissensgesellschaft, die den Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität und Fähigkeit zur kritischen Überprüfung tradierter Wissensinhalte und Verhaltensregeln abverlangt, regionale Institutionen eine wichtige Rolle spielen. Allerdings unterliegen diese Institutionen heutzutage einem erhöhten Veränderungsdruck.
Gerhard Krauss

Perspektiven des deutschen Innovationssystems: Technologische Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher Wandel

Zusammenfassung
Gegenstand dieses Kapitels ist es, die heutige technologische Wettbewerbsposition Deutschlands vor dem Hintergrund der jahrzehntelang gewachsenen „typisch deutschen“ Innovationskultur zu betrachten und zu verstehen. Im Einzelnen wird die Entwicklung der Wissenschaftsausgaben ab 1850 und der Forschungsausgaben ab 1945 sowie die Publikationstätigkeit ab 1900 betrachtet, insbesondere auch die industrielle Forschung und Entwicklung ab 1962. Ein weiterer Indikator der langfristigen Analyse sind Patentanmeldungen ab 1812. Auf dieser Basis wird die heutige technologische Wettbewerbsposition diskutiert. Abschließend wird betrachtet, welche Herausforderungen für das in seiner Struktur persistente deutsche Innovationssystem durch die Globalisierung und die Digitalisierung entstehen und wie es darauf reagieren kann.
Ulrich Schmoch, Rainer Frietsch

Backmatter

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