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26.03.2015 | IT-Sicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Deutsche unterschätzen massiv die Internetkriminalität

Autor:
Andreas Burkert

Die Gefahr ist allgegenwärtig. Phishing, Identitätsdiebstahl, Onlinebetrug sowie Angriffe mit Schadsoftware belasten mittlerweile erheblich das Budget der Deutschen. Dennoch unterschätzen sie massiv die Internetkriminalität, die laut einer Studie sogar die Statistik des BKA in den Schatten stellt.

Als wären Phishing, Identitätsdiebstahl, Onlinebetrug mit Waren- und Dienstleistungen sowie Angriffe mit Schadsoftware nicht schon schlimm genug. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wird die Internetkriminalität in Deutschland stark unterschätzt – mit fatalen Folgen: Die Unbekümmertheit kostet dem „Privatbürger“ in Deutschland pro Jahr rund 2,7 Milliarden Euro. Und noch etwas offenbart das vom Bundesministerium geförderte Forschungsprojekt „Wirtschaftswissenschaftlicher Sicherheitsindikator für Deutschland (WISIND): Straftaten wie der Diebstahl von Online-Identitäten und Passwörtern, Onlinebetrug mit Waren- und Dienstleistung sowie Angriffe sogenannter Schadsoftware kommen in Deutschland wesentlich häufiger vor als angenommen.

Allein das Abfangen von Passwörtern und persönlichen Daten, das sogenannte Phishing, kommt der WISIND-Schätzung zufolge etwa 50 Mal häufiger vor, als vom Bundeskriminalamt angenommen. Die Befragungsdaten, durchgeführt durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gemeinsam mit dem Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS), lassen annehmen, dass jeder fünfte Bürger im Land bereits Opfer von Internetkriminalität wurde.

Jährlich 14,7 Millionen Internetstraftaten

Pro Jahr kommt es demnach zu rund 14,7 Millionen Internetstraftaten. Einen großen Teil (63 Prozent) machen dabei die Schadsoftware-Angriffe aus. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist hingegen für das Jahr 2013 insgesamt nur rund 64.000 gemeldete Onlinestraftaten aus. Jeder Privatperson gehen dabei rechnerisch jährlich elf Euro durch Identitätsdiebstahl und zehn Euro durch Phishing verloren. Etwa sieben Euro Schaden entstehen ihr durchschnittlich durch Waren- und Dienstleistungsbetrug, etwa 5,5 Euro werden zur Vermeidung oder Beseitigung von Schadsoftwarebefall aufgewandt.

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Wohlgemerkt: Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Privatpersonen. Straftaten zu Lasten von Unternehmen sind nicht mitgezählt worden. Dabei dürfte sich gerade für Unternehmen die Internetkriminalität gravierender auswirken, wie der Beitrag von Hajo Köppen zeigt. Der Referent für hochschulpolitische Fragen, Datenschutzbeauftragter und Dozent für Datenschutzrecht an der Technischen Hochschule Mittelhessen, hat die Entwicklung der Computer-, IuK- und Internetkriminalität im Laufe der vergangenen Jahre analysiert. Wie erwartet nimmt zwar die Internetkriminalität stark zu. Erschreckend allerdings ist, dass die Aufklärungsquoten bei den Delikten der „Computerkriminalität“ seit 2005 rapide sinkt.

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