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Über dieses Buch

Um die heutige Welt zu begreifen, sollten wir uns nach Präsident Macron mit dem Werk „Das Kapital“ von Marx beschäftigen. Tatsächlich stellt sich nach der Finanzkrise 2007/2008 und nach Karl Marx' 200. Geburtstag im Jahr 2018 die Frage, wie aktuell sein Werk auch oder vielleicht gerade heute noch ist. In diesem Fachbuch werden deshalb verschiedene Aspekte aus dem Leben und Werk von Karl Marx beleuchtet. Dabei verfolgen die Autoren, Forscher der Universität Rostock, einen interdisziplinären Ansatz und behandeln sowohl Marx' Religionskritik als auch die Frage nach seinem politischen Denken. Thematisiert werden Marx' Interpretationen von Kapital und Geld sowie sein Kommunismusverständnis und sein Kapitalverstehen. War Karl Marx ein politischer Denker? Kann Karl Marx die Finanzkrise 2007/08 erklären und wenn ja, vielleicht sogar besser als der ökonomische Mainstream? Welchen Stellenwert kann seiner Philosophie und seiner Geld- und Kredittheorie beigemessen werden? Stimmen Kernaussagen seiner Kapitalismuskritik? In sechs Kapiteln, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können, gehen die Autoren eingehend auf diese Fragen und Themen ein.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Vor 200 Jahren wurde Karl Marx in Trier geboren. Auf Anregung und unter Leitung von Professor Dr. Udo Kern befassten sich Rostocker Wissenschaftler mit dem Werk von Karl Marx. Sie liefern damit zugleich einen Beitrag zur 600-jährigen Geschichte der Universität Rostock im Jahre 2019. Die Beschäftigung mit Marx geschah aus sehr unterschiedlichen Perspektiven.
Udo Kern

Kapitel 2. Karl Marx’ Religionskritik: Religion als Seufzer der bedrängten Kreatur und Opium des Volks

Zusammenfassung
Der französische Präsident Emmanuel Macron (geb. 1977) beschäftigte sich intensiv mit Hegels Denken der Geschichte. Dieser Macron empfiehlt: „Das Kapital’ von Karl Marx, um die Welt zu verstehen.“ (Neffe 2017, S. 393).
Udo Kern

Kapitel 3. War Karl Marx ein politischer Denker?

Zusammenfassung
Im Rahmen seines umfangreichen Werks hat sich Karl Marx, allein oder zusammen mit Friedrich Engels, mit zahlreichen politischen Themenfeldern beschäftigt. Er hat Betrachtungen zu verschiedenen politischen Fragen verfasst, so z. B. zum modernen Staat, zu dem, was wir heute Ökologie nennen würden, zum Cäsarismus, zu dem zu seiner Zeit expandierenden Nationalismus, zur Demokratie und zur Revolution. Er war außerdem ein politischer Aktivist. Als solcher hat er war er vor allem nach der Oktoberrevolution 1917 äußerst erfolgreich und zog weltweit eine große Zahl politisch engagierter Intellektueller in seinen Bann. Dennoch zeigte sich Marx grundsätzlich desinteressiert gegenüber Staatsfragen. Er hat den Wert des Pluralismus für die Politik nicht erkannt und weder die grundlegende Funktion der Agonistik (Ernesto Laclau/Chantal Mouffe), des Widerstreits (Jean-Francois Lyotard) noch der Deliberation (Jürgen Habermas) oder der offenen Gesellschaft (Karl Popper) für die Demokratie gesehen.
Yves Bizeul

Kapitel 4. Wie aktuell sind Marx’ Kernaussagen heute – Hat nur er einen Bart oder auch seine Philosophie?

Zusammenfassung
In seiner Wirkung war Karl Marx der Philosoph, der bis Wladiwostok, Beijing und La Habana weltweit den allergrößten Einfluss hatte. Oder doch nicht? War er vielleicht nur die Galionsfigur eines Sozialismus, der zwar real existierte, aber die von Marx vorgebrachte allumfassende Kritik an der Entfremdung selbst nicht beachtete? Fast mehr noch interessiert heute besonders nach der Finanzkrise 2007/2008 zu seinem 200. Geburtstag im Jahr 2018 die Frage, ob Marx uns noch oder wieder etwas zu sagen hat. Stimmen Kernaussagen seiner Kapitalismuskritik? Oder ist er bloß ein überholter Autor mit Bart aus dem 19. Jahrhundert? Seit der Publikation seiner Werke durchlebt die Philosophie von Marx Modewellen der übersteigerten Beachtung und solche der Missachtung. Der folgende Text versucht demgegenüber Marx als normalen Klassiker der Philosophie zu charakterisieren, der stetige Aufmerksamkeit verdient und der in manchen Punkten überzeugt und ebenso oft danebenliegt. Sein Werk verstehe ich kontinuierlich – ohne grundsätzliche Trennung von Früh- und Spätwerk – als eine interdisziplinär angelegte Philosophie, die Ökonomie und überhaupt Sozialwissenschaften in ihrer Bedeutung für die Philosophie aufwertet und daher auch selbst praktiziert.
Heiner Hastedt

Kapitel 5. Karl Marx’/Friedrich Engels’ Kritik am dialogischen Kommunismus Ludwig Feuerbachs

Zusammenfassung
Karl Marx und Friedrich Engels verstehen sich als Kommunisten, aber nicht als Marxisten. Friedrich Engels (1820–1895) schreibt am 27.08.1890 an Paul Lafargue (1842–1911), den Schwiegersohn von Karl Marx (1818–1883; Paul Lafargue war mit Karl Marx’ Tochter Laura (1845–1911) verheiratet; beide begingen 1911 Suizid): Marx habe vor Marxisten gewarnt: „Marx sagte: ‚Alles, was ich weiß, dass ich kein Marxist bin!‘“ (Marx und Engels 1988, Band 37, S. 450).
Udo Kern

Kapitel 6. Marx als Prophet?

Zusammenfassung
„Karl Marx ist der einzige Prophet, der das Paradies schon diesseits des Grabes verspricht“ – so der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter.
Der Weg in die Knechtschaft: Einleitend wird die – zwangsläufige und wissenschaftlich begründete – Entwicklung der kapitalistischen Klassengesellschaft nach Marx vorgestellt. Stichworte: Werttheorie, Fall der Profitrate, Kapitalkonzentration, Verelendung der industriellen Reservearmee, Krise und Zusammenbruch des Kapitalismus.
Das Paradies auf Erden: Anschließend werden Konturen einer klassenlosen postkapitalistischen Gesellschaft skizziert – Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, Abschaffung des Privateigentums, individuelle Freiheitsrechte, Umrisse einer Politischen Ökonomie des Kommunismus.
Ein verfrühter Nachruf: Hauptaugenmerk ist eine kritische Würdigung von Wirken und Werk des Ökonomen Karl Marx vor den Erfahrungen des beginnenden 21. Jahrhunderts: Erkenntnistheorie und Methodik, Dynamik und Globalisierung des Kapitalismus, globale Konzentration und Verelendung, Zusammenbruch des Kommunismus und Siegeszug des Kapitalismus.
Marx als schöpferischer Wissenschaftler: Ökonomie als gesellschaftliche ‚Veranstaltung‘/methodischer Instrumentenkasten/Dynamik und Universalismus des Kapitalismus.
Gerald Braun

Kapitel 7. Kann Karl Marx die Finanzkrise 2007/2008 erklären? Eine Einordnung der Marxistischen Geld- und Kredittheorie

Zusammenfassung
Der ökonomische Mainstream steht seit Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 vermehrt unter Kritik, hatten doch nur wenige Fachwissenschaftler die Krise vorhergesehen. In der entstandenen Debatte über Ausrichtung und Methoden in der Volkswirtschaftslehre wird auch eine Rückbesinnung auf nationalökonomische Klassiker gefordert, die der Mainstream aus den Lehrbüchern weitgehend getilgt hat. Hätte Karl Marx eine bessere Prognose zur Finanzkrise gestellt? Seine Geld- und Kredittheorie erschließt sich insbesondere aus der Lektüre des dritten Bandes des Kapitals, den Ökonomischen Manuskripten dazu (1863–1865) und den Londoner Heften (1850–1853). Der vorliegende Beitrag rekonstruiert diese aus dem Blickwinkel der herrschenden Ökonomik. In Aspekten wie Wesen und Erscheinungsformen des Geldes, Endogenität und Neutralität des Geldes, Rolle von Krediten, Zinsen und Krisen zeigt sich, dass Marx insbesondere durch seine Analysen zum Kreditgeld die Finanzkrise besser erklären kann als der ökonomische Mainstream. Es handelt sich dabei um eine Krise der Überakkumulation von Geldkapital, die weder einzigartig noch auf das Versagen einzelner Marktakteure zurückzuführen ist. Solche Krisen entstehen unweigerlich aus einem fundamentalen Widerspruch des kapitalistischen Wirtschaftssystems, wonach das endogene Kreditgeld zugleich Triebfeder der Produktion, aber auch der Überproduktion und Überspekulation ist.
Doris Neuberger
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