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01.10.2013 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Wie lebendiger Geschichtsjournalismus Leser bindet

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Mahnmal oder Fußtritt? Wöchentlich berichten Lokalzeitungen über neue Verlegungen von "Stolpersteinen“. Eine Kunstaktion, die nicht frei von Kritik ist. Wie lassen sich Vergangenheit und Erinnerungskultur im Lokaljournalismus diskutieren?

Viele wollen sie, nur wenige nicht: die so genannten Stolpersteine, die als Gedenktafeln im Straßenpflaster an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Rund 40.000 Gedenksteine in 16 europäischen Ländern konnte der Künstler Gunter Demnigseit 1992 verlegen.

Dass Charlotte Knobloch, die ehemalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, die Aktion als buchstäblichen Fußtritt gegen die Opfer verurteilt und Kritiker einen modernen "Ablasshandel“ wittern, ist die Kehrseite der Bodendenkmäler. Ausblenden oder erörtern? Die jüngere deutsche Geschichte ist hochsensible Herausforderung für den Lokaljournalisten.

Geschichte identifiziert mit der Heimat

Geschichtsjournalismus und das Lokalressort sind für einander prädestiniert, schreibt Horst Pöttker in seinem Buchkapitel "Grund der Ortsverbundenheit. Geschichte - Lebenselixier des Lokaljournalismus“ (S. 163) und meint damit den hohen Identifizierungsgrad, der zwischen Lesern und ihrem Ort hergestellt wird. Aber reicht es, wenn der Lokaljournalist sich als sauber recherchierender Chronist versteht?

Es geht um das "Menschenmögliche“

Definitiv nicht, meint Pöttker und fordert dazu auf, "menschenmöglichen Handlungsweisen“ nachzuspüren, um aus der Vergangenheit zu lernen. Erstarrte, rückwärtsgerichtete Erinnerungsrituale hält er im Journalismus für genauso fehl am Platz, wie die Soziologen Dana Giesecke und Harald Welzer in der Museums- und Ausstellungskultur (Hamburg, 2012). "Die besondere journalistische Qualität der Berichterstattung über lokale Vergangenheit ist der Gegenwartsbezug der historischen Information“ (S.176). Starker Geschichtsjournalismus ist nach Pöttker nicht nur aktuell, sondern vor allem uneingeschränkt transparent in sämtlichen historischen und gegenwärtigen Themenkategorien.

Serie Lokaljournalismus:

Teil 1: Vor welchen Problemen der Lokaljournalismus steht
Teil 2: Warum Lokaljournalismus besser ist als sein Ruf
Teil 3: Crossmedia: eine Chance für den Lokaljournalismus

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