Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Was haben Veränderungen in Gesellschaften und ihren Medien miteinander zu tun? Wo tragen Medien zu gesellschaftlichen Problemen bei und wo können sie diese lösen helfen? Wie wird darüber in der Wissenschaft diskutiert, und wie hängen diese Diskussionen zusammen? Ausgehend von Individuen mit ihren Wahrnehmungen und Handlungsentscheidungen, den von ihnen begründeten Institutionen, und einer knappen Definition von Medien bietet dieser Einführungsband in die Mediensoziologie eine systematische Darstellung, die einen Überblick ermöglicht und Probleme und im Fach geführte Diskussionen einordnen lässt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung

Zusammenfassung
Mediensoziologie ist in der Gegenwart eines der spannendsten Wissenschaftsfelder überhaupt. Denn unsere Gesellschaft ist einem tiefgreifenden Wandel unterworfen, und Medien spielen darin eine große Rolle. Dabei enthält sie Debatten zu ganz unterschiedlichen Themen wie das Internet, die Arbeit von Journalisten, individuell Zusammenhänge des Medienkonsums mit Lebensstil oder Sozialkapital, oder gesellschaftlich Veränderungen der Öffentlichkeit und die Mediennutzung in sozialen Bewegungen. Wie hängen diese und andere Debatten zusammen? Eine Systematik der Mediensoziologie geht sinnvollerweise von der systematischen Struktur der Soziologie aus. In ihr kann man Medien als Produzenten abgeleiteter Wahrnehmung definieren. Die drei Teile dieser Definition geben dann eine klare Struktur vor: Zusätzlich dazu, dass jeder Teil eigene Systematik- oder Methodenkapitel braucht, ist die Akteurssituation durch Erwartungen, Ressourcen und Motivationen definiert, in der sozialen Realität spielen Sozialstruktur, Diskurse und sozialer Wandel eine Rolle, und die mediale Produktion unterscheidet sich in der klassischen 1:n-Kommunikation der Massenmedien und die n:n-Kommunikation und Interaktion im Internet.
Hanno Scholtz

Medien und Akteure

Frontmatter

Kapitel 2. Handeln und Struktur

Zusammenfassung
Dieses Kapitel verfolgt vier Lernziele:
  • Auf der Ebene des ganzen Buches soll es deutlich machen, in welchem spannungsreichen Verhältnis Handlungen und Strukturen in der Soziologie stehen. Wir schauen diese Spannung in Abschn. 2.1 an und lösen sie in Abschn. 2.2 auf.
  • Auf der Ebene der mediensoziologischen Debatten hilft uns, dass wir dafür ein Beispiel nutzen, das es ermöglicht, eine erste dieser Debatten genauer anzuschauen, nämlich den sogenannten Konstruktivismus, in Abschn. 2.3.
  • Auf der Ebene des ersten Teils, den es eröffnet, soll es deutlich machen, warum der Rest dieses Akteursteils in das Tripel aus Motivationen, Ressourcen und Erwartungen gegliedert ist. Sie lernen in Abschn. 2.4 die Spieltheorie als theoretische Methode kennen, die mediensoziologisch zum Beispiel innerhalb der Netzwerkanalyse verwendet wird (z. B. Diekmann et al. 2014), und die wir noch als Grundlage verwenden zum Verständnis von Normen und später von Institutionen (Kap. 6) und sozialem Wandel (Kap. 9).
  • Für all dies verwenden wir in erster Linie das Beispiel der Konvention, die wir in Abschn. 2.2 genauer anschauen.
Hanno Scholtz

Kapitel 3. Erwartungen

Zusammenfassung
Mehr als alles andere beeinflussen Medien die Erwartungen, die Akteure haben. Das wird uns in den sozialen Konsequenzen noch weiter beschäftigen, in diesem Kapitel wollen wir aber zunächst einmal Grundlagen auf der Individualebene legen.
  • Der erste Abschnitt ist dabei dem Weg gewidmet, auf dem die Beeinflussung von Erwartungen rational passiert, nämlich der Information. Medienvermittelte Signale verändern die Erwartungen, die Akteure von der Welt haben, und im Allgemeinen präzisieren sie diese und liefern damit Information im Sinne des Shannonschen Informationsbegriffes.
  • Nicht nur Information spielt in den Medien eine Rolle, sondern auch ihr Gegenstück, die Redundanz, weil sie nötig ist, um Information überhaupt aufnehmen zu können.
  • Aufgrund der Art, wie das menschliche Gehirn funktioniert, ist rationale Information aber nicht die einzige Art, wie Medien Erwartungen und damit Handlungssituationen beeinflussen. Daneben steht das sogenannte Framing, nämlich der momentanen Verfügbarkeit bestimmter kognitiver Strukturen, durch die beeinflusst wird, welche Erwartungen verwendet werden.
Hanno Scholtz

Kapitel 4. Ressourcen

Zusammenfassung
Medien stehen nicht nur mit Erwartungen in Interaktion, sondern auch mit den Ressourcen, die Akteure haben. Die Kausalität geht in beide Richtungen: Einerseits ist die Aufnahme, Verarbeitung und Nutzung medienproduzierter Wahrnehmungen durch Rezipienten von ihrer Ressourcenausstattung abhängig, andererseits tragen Medien auch zur Generierung von Ressourcen bei. In Bezug darauf, wie das die Gesellschaft als ganze strukturiert und Medien und ihrer Nutzung bestimmte soziale Positionen zuweist, werden wir das noch in Kap. 7 anschauen. Jetzt geht es erst einmal darum, unter Bezugnahme auf den einzelnen Akteur und seine Situation die Grundlagen zu legen. Das Kapitel hat zwei große Abschnitte:
  • Der erste Abschnitt befasst sich mit Ressourcen allgemein. Warum heißt das Kapitel überhaupt Ressourcen, warum verwenden (Medien-)Soziologen in diesem Zusammenhang insbesondere den Kapitalbegriff so ausgiebig, welche unterschiedlichen Kapitalbegriffe gibt es, und wie werden sie gegeneinander abgegrenzt? Abschließend enthält der Abschnitt einige Information zur Entwicklung der Verteilung von Ressourcen, nämlich der Frage der sozialen Ungleichheit.
  • Der zweite Abschnitt thematisiert eine Kapitalsorte, die erst relativ kurz, aber doch immerhin auch schon 35 Jahre, in der Soziologie untersucht wird, und die auch die Mediensoziologie derzeit stark beschäftigt: nämlich das sogenannte Sozialkapital. Wir steigen mit einem kleinen Einblick in die (mit der Sozialkapitalforschung verbundene und ihr konzeptionell zugrundeliegende) Netzwerkforschung ein und verfolgen dann die Entwicklung des Begriffes, die gleichzeitig auch die Entwicklung der westlichen Gesellschaften widerspiegelt.
Hanno Scholtz

Kapitel 5. Motivationen

Zusammenfassung
Soziales Handeln wird beeinflusst davon, wie ein Akteur die möglichen Ergebnisse der sozialen Interaktion bewertet. Jede soziologische oder allgemeiner sozialwissenschaftliche Analyse muss also untersuchen, wie Bewertungen aussehen und was sie beeinflusst. Dazu sind zunächst allgemeine Begrifflichkeiten nötig, etw wie Bewertungen von den unterschiedlichen Sozialwissenschaften mit den Begriffen der Motivationen, Ziele und Präferenzen gefasst werden, oder wie sie zeitlich in Motivation und Intention abgegrenzt wird. Zweitens ist es hilfreich, eine Theorie davon zu haben, was für Ziele denn tatsächlich inhaltlich angestrebt werden. Das Konzept des Ziels und seiner Verfolgung erlaubt uns, diese Prozesse bis hinein ins physiologische zu verfolgen und die Motivationstheorien von Maslow und Herzberg einzuordnen. In Bezug auf Motivationen der Mediennutzung lassen sich so drittens die Begriffe der Story und der Prominenz motivationstheoretisch verstehen, Sie lernen eine Theorie kulturellen Erfolgs kennen, und Herzbergs Unterscheidung von intrinsischer und extrinsischer Motivation ermöglicht, eine Medienangeboten innewohnende Spannung zu verstehen. Viertens untersuchen wir, wieder auf der gesellschaftliche Makroebene, wie sich die Motivationen, die verfolgt werden, über die Zeit ändern, und hier lernen Sie die Diskussion und ein paar empirischen Ergebnisse kennen, die es dazu unter dem Thema Werte und Wertewandel gibt.
Hanno Scholtz

Die Realität der Medien

Frontmatter

Kapitel 6. Soziale Strukturen

Zusammenfassung
Im Einstieg zur Diskussion mediensoziologisch relevanter Aspekte der sozialen Realität diskutieren wir als erstes Strukturen des Sozialen.
  • Zunächst kehren wir noch einmal zum Schema der soziologischen Erklärung zurück und diskutieren Entstehung, Motivation, und Begrifflichkeiten.
  • Im Folgenden nehmen wir die spieltheoretischen Überlegungen noch einmal auf und kommen über den Begriff der Institution zu dem der Organisation.
  • Drittens schauen wir uns die Tradition der Systemtheorie, die soziale Strukturen in ganz andere Begrifflichkeiten als die bisher verwendeten fasst.
Hanno Scholtz

Kapitel 7. Sozialstruktur und Lebensstile

Zusammenfassung
Jenseits der individuellen Bedeutung von Ressourcen, wie sie in Kap. 4 diskutiert wurde, bezieht sich die Mediensoziologie auf die soziale Struktur, welche die Ressourcenverteilung der Gesellschaft gibt. Mediennutzung hängt ab von der sozialstrukturellen Position und Medien vermitteln ihre Bilder der Welt in einer Welt, die sozial strukturiert ist. Soziale Unterschiede werden wesentlich auf drei Weisen konzeptionalisiert: Erstens als Klassen, das heißt nach bestimmten Merkmalen differenzierte Gruppen, und zweitens als Schichten, das heißt Gruppen, die auf einer vertikalen Achse angeordnet sind. In neuerer Zeit sind drittens Formen der zweidimensionalen Anordnung in sozialen Räumen hinzugekommen. Dazu kommt das Geschlecht als zusätzliche sozialstrukturelle Kategorie. Das Kapitel schließt zur Illustration mit einem kurzen Blick auf die Forschungsrichtung zur Digital Divide und einem der vielen Beispiele der qualitativen mediensoziologischen Thematisierung sozialer Differenz.
Hanno Scholtz

Kapitel 8. Diskurse

Zusammenfassung
Dieser Abschnitt verbindet zwei bereits behandelte Konzepte: Konventionen und Frames. Frames sind Erwartungsstrukturen, die bei Akteuren bestehen und von gegenwärtiger Wahrnehmung aktiviert und damit handlungsleitend werden können. Konventionen sind Einigungen auf bestimmte Erwartungen, und in der Interaktion mehrerer Akteure ist es hilfreich, wenn bei ihnen ähnliche Frames aktiviert sind. Interaktionen, die auf Konventionen über Frames beruhen, bezeichnen wir als Diskurse. Hier werden diskutiert: (1) Als Beispiel ein Typ von Diskursen, der in der Mediensoziologie besondere Bedeutung besitzt, die sogenannte ‚Moral Panic‘; (2) Leben und Werk von Michel Foucault, den zentralen Theoretiker des Diskursbegriffs, (3) verschiedener seiner Aspekte in der theoretischen Analyse; (4) die hierauf aufbauende Methodologie der Diskursanalyse; und (5) die Bedeutung von Macht in Diskursen und der damit zusammenhängenden Frage, ob der Blick auf Diskurse notwendigerweise zum Relativismus führen muss oder ob Kommunikation über sie nicht doch allgemeingültige Ergebnisse erlaubt oder ob Kommunikation über sie nicht doch zur Findung allgemeingültiger Ergebnisse führen kann.
Hanno Scholtz

Kapitel 9. Sozialer Wandel

Zusammenfassung
Medien sind in Gesellschaften eingebettet, die sich wandeln, und Veränderungsprozesse und Medien beeinflussen einander wechselseitig. Dieses Kapitel betrachtet (1) die Parallelität von Medien- und allgemeinmenschlicher Sozialgeschichte; (2) vier Theoretiker sozialen Wandels, deren Impulse in der Mediensoziologie aufgenommen und verwendet werden; (3) in handlungstheoretischer Analyse, was da passiert, bezüglich der grundsätzlichen Entwicklung der Modernisierung, und (4) wieso sie in Europa zu zwei Schüben gesellschaftlicher Modernisierung und der als Großgruppengesellschaft verfassten Industriegesellschaft mit ihren Massenmedien führte; (5) wie die Großtheoretiker das darstellen und wie Mediensoziologie mit ihnen arbeitet.
Hanno Scholtz

Kapitel 10. Methoden

Zusammenfassung
Wissenschaft ist ein System der Produktion von Wissen und Sichtweisen, die durch die Anwendung von Methoden gewonnen werden. Ziel dieses Kapitels ist, Ihnen in der Vielfalt dieser Methoden eine systematische Orientierung zu ermöglichen. Es betrachtet (1) die Entwicklung wissenschaftlicher Methodik, in der drei Phasen gesellschaftlicher Entwicklung im Sozialsystem Wissenschaft alle ein jeweils spezifisches Erbe hinterlassen haben; (2) die Struktur wissenschaftlichen Arbeitens; (3) einen kleinen Einblick in das große Feld der qualitativen Methoden; und gibt (4) einen Crash-Kurs im Lesen von Regressionstabellen, der zentralen Kompetenz, die Sie besitzen müssen, um sich Ergebnisse quantitativer Forschung erschließen zu können.
Hanno Scholtz

Mediale Produktion

Frontmatter

Kapitel 11. Beeinflussung

Zusammenfassung
Wie beeinflusst die mediale Produktion die Wahrnehmung von Akteuren und damit ihr Handeln? Die bisherigen Kapitel lieferten das Handwerkszeug, nun diese Hauptfrage der Mediensoziologie angehen zu können. Dabei wird diskutiert, (1) wie die Kritische Theorie vor entgegen der sozialen Ausdifferenzierung von Wissenschaft als wertfreiem Empiriegeschäft eine normative Ausrichtung von Soziologie vertritt; (2) in welchem Verhältnis mediale Produktion und Beeinflussung sowie positiv-empirische und normative Wissenschaft stehen; (3) wie Jürgen Habermas in seiner Theorie des kommunikatives Handelns Normativität auf der Mikro-Ebene anwendet; und (4) wie er dies mit seiner Theorie der Öffentlichkeit auf der Makro-Ebene tut.
Hanno Scholtz

Kapitel 12. Die Rolle der Technik

Zusammenfassung
Sozialer Wandel und technischer Medienwandel sind nicht zu trennen – einerseits hat das Internet insbesondere seit den 1990er Jahren massiv zur gesellschaftlichen Veränderung beigetragen, andererseits ist es selbst eine Neukombination von technischen Möglichkeiten, die schon länger da waren und erst durch die Individualisierung und neuen Interaktionsformen seit 1968 zu Nachfrage nach dieser spezifischen medialen Form und ihrem Angebot geführt haben. Hierzu betrachtet das Kapitel (1) spezifische Ansätze der mediensoziologischen Theorie von Harold Innis und Herbert Marshall McLuhan und des allgemeinsoziologischen Akteur-Netzwerk-Ansatzes von Bruno Latour und Michael Callon; (2) aktuelle konkrete Entwicklungen zur Diskussion intrinsischer Produktionsmotivationen (Prosumption), individueller Konsequenzen der Einbindung und Aktivität im Internet, und die Konsequenzen von Anonymität. Die Konsequenzen des Internet im öffentlichen Diskurs werden in den kommenden Kapiteln diskutiert.
Hanno Scholtz

Kapitel 13. Vernetzte Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Das Internet ermöglicht mediales Produktionshandeln für jeden. Die industriegesellschaftliche Trennung zwischen relativ wenigen Medienakteure einerseits und der Bevölkerung als passiven Rezipienten ist Vergangenheit. Individuelle Produktions- und Weitergabeprozesse sind Formen sozialen Handelns mit medialem Aggregationspotenzial. Sie erreichen zwar im normalen Einzelfall nur ein begrenztes Publikum, schaffen aber in der Summe eine neue Art der Öffentlichkeit. Dazu betrachten wir (1) auf Mikroebene die Fragen, was erfolgreich weitergegeben wird und wie das Internet sich auf Beteiligung auswirkt; (2) auf Mesoebene die alte politiksoziologische Frage kollektiven Handelns und ihre neue mediensoziologische Relevanz und (3) auf Makroebene, ob das Internet zur Fragmentierung der Öffentlichkeit führt.
Hanno Scholtz

Kapitel 14. Massenmediale Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Die alten Massenmedien Buch, Zeitung, Radio und Fernsehen vor dem Aufkommen des Internet kommunizierten in einem industriellen Produktionsmodus: zentrale Produktion durch relativ wenige Sender und Rezeption relativ einheitlicher Produkte durch viele Empfänger. Daraus ergibt sich eine Gegenüberstellung der beiden klar unterschiedenen Akteursgruppen von Produzenten und Konsumenten und der Diskurse in diesen beiden Gruppen. Das Kapitel diskutiert (1) den Einfluss der Massenmedien auf Diskurse in der Gesellschaft die unterschiedlichen Sichtweisen von Kritischer Theorie und Cultural Studies auf die Rolle der Rezipienten sowie die Fähigkeit der Medien, die Tagesordnung öffentlich diskutierter Probleme zu bestimmen (Agenda-Setting), und andererseits (2) die Diskurse innerhalb der Massenmedien anhand empirischer Beispiele der inneren Organisation von Medien, insbesondere die intensiven qualitativen Studien zu Inhaltsauswahl und Selbstverständnis in Medienorganisationen seit den 1970er Jahren, einen gesellschaftsvergleichenden Überblick über Mediensysteme um die Jahrtausendwende, und die aktuellen Fragen der „Krise des Journalismus“ seither.
Hanno Scholtz

Backmatter

Weitere Informationen