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30.08.2016 | Photovoltaik | Im Fokus | Onlineartikel

Photovoltaik wird unabhängig

Autor:
Sabine Voith
3 Min. Lesedauer

Ein neuer Trend in der Photovoltaik-Branche geht hin zu Geschäftsmodellen für Kunden, die sowohl Energie erzeugen, als auch darin investieren. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind der Schlüssel.

Es zeigt sich ein Wandel in der Photovoltaik-Branche. Themen wie Netzparität, Einspeisevergütung oder Anlagekosten treten zunehmend in den Hintergrund. Es hat sich ein Trend hin zu nachhaltiger, umweltfreundlicher und unabhängiger Energienutzung als Investitionsargument ergeben. Diese Entwicklung wird von privaten Investoren vorangetrieben.

Sie schätzen es, durch Instrumente wie das Crowdfunding unabhängiger vom klassischen Energieversorger zu werden. Start-up-Unternehmen haben durch sie eine Finanzierungsmöglichkeit, die unabhängig von klassischen Kapitalgebern ist. Außerdem können sie zukunftsfähige Geschäftsmodelle umsetzen und bekommen direkt eine Rückmeldung, ob der Markt diese annimmt. Vertiefend beschreibt dies Springer-Autorin Sara Kunkel im Buchkapitel "Green Crowdfunding: A Future-Proof Tool to Reach Scale and Deep Renovation?"

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Ein Beispiel ist das dritte Crowdfunding einer Solarfirma auf der Online-Plattform Econeers, das eine neue Ebene im Bereich Schwarmfinanzierung für Sonnenenergie erreicht hat: Rund 500 Investoren haben in wenigen Wochen über 880.000 Euro in das Portfolio aus fünf bereits am Netz befindlichen Solarparks investiert. 1,5 Millionen Euro sollen es werden. Zusammen mit den ersten beiden Crowdfundings konnte die Solarfirma damit rund zwei Millionen Euro für ihre Photovoltaik-Projekte aufbringen.

Grün investieren

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Investition sind die Faktoren, die die Firma privaten Investoren bietet. "Wir freuen uns sehr, dass wir in nur sieben Wochen so viele Investoren für 'Sonneninvest 3' gewinnen konnten", sagt Solarparkbetreiber Michael Richter. "Wir bieten Investoren die Chance, dieses nachhaltige Projekt zu unterstützen und gleichzeitig wirtschaftlich von ihrem Investment zu profitieren. Unsere Crowdfundings zeigen, dass sehr viele deutsche Anleger von Sonnenenergie überzeugt sind und Umweltschutz in der Bevölkerung weiter an Bedeutung gewinnt.“

Ein Beitrag ist bereits ab 250 Euro möglich. Pro eingespeister Kilowattstunde Strom erhält die Betreibergesellschaft eine feste, gesetzlich garantierte Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Investoren, die sich am Crowdfunding beteiligen, erhalten für ihr Kapital von den Solarparkbetreibern eine fixe Grundverzinsung von 4,0 Prozent pro Jahr, über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nach fünf Jahren haben sie die Möglichkeit, zu kündigen. In Jahren, in denen die Anlagen überdurchschnittlich viel Solarstrom produzieren, ist ein zusätzlicher Bonuszins von bis zu 0,5 Prozent möglich.

Geschäftsmodell: Solarstrom mieten

Eine andere Firma machte im vergangenen Jahr mit einem "Solarstrom mieten“-Projekt auf der Crowdfunding-Plattform auf sich aufmerksam. Das Unternehmen möchte die dezentrale Energieversorgung voranbringen. Es übernimmt Planung, Investition, Installation, Versicherung, Betriebsüberwachung und Service der Photovoltaikanlage. Der Kunde mietet diese mit oder ohne Speicher. Er nutzt die erzeugte Energie selbst. Wird kein Strom produziert, bekommt er den Strom aus dem Speicher oder zertifizierten Ökostrom aus der Steckdose. Wird zuviel Strom produziert, wird dieser eingespeist und entsprechend nach dem EEG vergütet.

Die Firma hat als erstes deutsches Unternehmen ein Mietmodell für kleine Solarstromanlagen entwickelt und ist damit nach eigenen Angaben Deutschlands erster dezentraler Stromversorger. Sie haben daher nicht nur mit einem intelligenten Geschäftsmodell den Nerv der Zeit getroffen, sondern auch mit der Finanzierung über die Crowd. Nun sind auch Großbanken an dem Unternehmen interessiert und ein großer Energieversorger stieg mit ein.

Die Rolle des Kunden, der aktiv in die Wertschöpfungskette der Energieversorgung integriert ist, besprechen die Springer-Autoren Uli Huener und Michael Bez im Buchkapitel "Erneuerbare Energien als Grundlage für Prosumer-Modelle". Auf Seite 336 schreiben sie: "Ein Großteil der regenerativen Erzeugungskapazitäten ist mittlerweile in der Hand von Privatpersonen (insb. Photovoltaik), Gewerbetreibenden und Landwirten.“ Neue Akteure in der Photovoltaik-Branche, wie die oben genannten, nutzen dies für ihr Geschäftsmodell. 

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