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22.09.2020 | Sportwagen | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Emotionaler Elektrosportwagen Porsche Taycan 4S im Test

4:30 Min. Lesedauer

Springer Professional hat den ersten Elektro-Porsche getestet. Der Taycan 4S kombiniert Emotion und Sportlichkeit mit zukunftsweisender E-Technologie. Doch bei den Langstreckenambitionen hakt es. 

Der Porsche Taycan elektrisiert in vielerlei Hinsicht. Die Lager der Fans und Abgeneigten sind durch eine tiefe Schlucht getrennt. Darf ein Porsche rein elektrisch fahren? Jedenfalls ist der Taycan laut Car Industry Analysis mittlerweile das meistverkaufte Porsche-Modell in Europa. Wir hatten die Möglichkeit, den Taycan 4S zu testen und uns ein eigenes Bild vom ersten batterieelektrischen Porsche zu machen. 

Gesamtfahrzeug

Der Taycan ist technisch ein durchdachtes Fahrzeug. Das kann ihm niemand streitig machen. Angefangen von der in die Fahrzeugstabilität und Crashsicherheit aufwendig in den Alurahmen (von Waldaschaff Automotive) integrierten Batterie im Unterboden über die Einbindung intelligenter Fahrprogramme zur effizienten Routenführung bis hin zu den kleinen Details wie der eisbrechenden Ladeklappe oder dem (optionalen) komfortablen Beifahrer-Bildschirm. Wie man es von einem Porsche erwartet, verhält sich das fünf Meter lange Elektromobil (4.963 Millimeter x 2.144 Millimeter x 1.379 Millimeter) auch auf der Straße. Aerodynamisch auf einen Luftwiderstandskoeffizienten von 0,22 optimiert, mit einem Radstand von 2.900 Millimetern und dank der serienmäßigen Fahrwerkskomponenten und -helfern wie der "4D Chassis Control", dem aktiven Federungsmanagement PASM und dem Stabilitätsmanagement PSM hält man das Fahrzeug jederzeit in anspruchsvollen Situationen in der Spur. Die optionale Hinterachslenkung perfektioniert dabei die Präzision der 2.220 Kilogramm schweren Limousine. Drifts mit bis zu 90 Grad sollen dank der Systeme möglich sein – das haben wir im Alltagstest nicht ausprobiert. Der Taycan fährt nicht per One-Pedal-Modus, das Betätigen des Bremspedals zur Verzögerung ist obligatorisch – dabei wird allerdings die mechanische Bremse tatsächlich selten betätigt, sondern hauptsächlich über die Elektromaschinen rekuperiert.

Motor + Antrieb

Der 4S ist das Einstiegsmodell des ersten Elektro-Porsche. Dennoch leisten die beiden Elektromotoren im kleinsten Taycan kombiniert stolze 360 Kilowatt (490 PS). Mit bis zu 650 Newtonmetern maximalem Drehmoment (bei aktivierter Launch Control und dann kurzzeitig mit bis zu 420 kW/571 PS) werden die 2,3 Tonnen Gewicht in gerade einmal vier Sekunden bis auf 100 km/h beschleunigt. Aufgrund der sofort verfügbaren Kraft fühlt sich die Beschleunigung extremer an. Den Sprint auf 200 km/h schafft der Porsche in 12,9 Sekunden und bis zur Spitze von 250 km/h ohne jeden Anflug von geringerem Vortrieb. Im hinteren Elektromotor ist beim Taycan ein Zweigang-Getriebe integriert, dessen Schaltvorgang man kurz hören, aber nicht spüren kann. Die permanenterregten Synchronmaschinen wurden laut Porsche selbst entwickelt, vermutlich mit der Kompetenz des japanisch-italienischen Lieferanten Magneti Marelli, der die Motor-Getriebe-Pulsrichter-Einheiten produziert. Schon im 4S fühlt sich die Beschleunigung aus dem Stand jedenfalls an wie in einem Katapult – ohne dass man je das kleinste Gefühl hat, die Kontrolle über den Allradler verlieren zu können. 

Elektronik + Connectivity

Um uns intensiv mit Infotainment und Connectivity im Taycan zu beschäftigen, war der Testzeitraum leider zu kurz. Daher beziehen wir uns auf den E-Kern, die Batterie- und Ladetechnik. Die Batteriepacks (von Dräxlmaier aus Vilsbiburg aus LG-Chem-Zellen vormontiert) liefern als optionale "Performance Batterie plus" eine Kapazität von 93,4 Kilowattstunden, nutzbar sind 83,7 Kilowattstunden. Der Taycan ist das erste Serienfahrzeug mit einer 800-V-Infrastruktur. Die maximale Ladeleistung an Gleichstrom (DC) gibt Porsche mit 270 Kilowatt an, an einer 350-Kilowatt-Ionity-Säule erreichten wir bei einer Spannung von 735 Volt in der Spitze 200 Kilowatt. Serienmäßig hat der Taycan ansonsten einen 50-Kilowatt-On-Board-Charger (OBC) für die Nutzung von 400-Volt-Ladepunkten an Bord, wie auch einen 11 Kilowatt OBC für Wechselstrom-Säulen (im neuen Modelljahr, das ab Oktober 2020 bei den Händlern steht ist optional ein 22-kW-OBC für AC-Laden zu haben). Der 150-kW/400-V-OBC ist optional für knapp 420 Euro zu haben. Die Langstreckenreichweite der Batterie gibt Porsche mit 365 Kilometern an. Etwa 305 Kilometer erreichten wir realistisch während des Alltagstests. Sehr zurückhaltend und sparsam im entsprechenden Fahrprogramm unterwegs lassen sich vermutlich um die 340 Kilometer erreichen. 

Kritik + Fazit

Pro:

  • Der Taycan 4S ist ein vollwertiger Porsche mit perfekter Verarbeitung und luxuriösem Fahrgastraum. Man fühlt sich sehr wohl. 
  • Die Antriebs- und Fahrleistungen sind herausragend. Der Taycan bringt großen Spaß und eignet sich trotz seines Gewichts auch sehr für sportliches Fahren.
  • Das Auftreten des Taycan mit seiner Optik und dem Elektro-Sound lassen ihn zu einem sehr emotionalen Fahrzeug werden.

Contra:

  • Die realistische Reichweite ist für ein Premium-Fahrzeug dieser Klasse zu gering. Der Spagat zwischen Sportlichkeit und Langstreckentauglichkeit gelingt nicht gut. 
  • Die beschränkte Rundumsicht macht das aktive Nutzen von Kameras und Sensoren beim Einparken und engen Manövrieren zur Pflicht.
  • Porsche-typisch ist die Bedienung der Infotainmentlösung mit ihren unzähligen Einstellungen komplex und erfordert intensive Einarbeitung. 

Preis:

Der Listenpreis des Porsche Taycan 4S beginnt bei 103.802 Euro (inklusive 16 Prozent USt.). Unser Testwagen mit diversen Zusatzausstattungen lag bei einem Listenpreis von etwas mehr als 155.000 Euro. Die teuersten Optionen waren die Performance Batterie plus (circa 6.500 Euro), die 21-Zoll Mission-E-Design-Räder (rund 4.200 Euro sowie die Bicolor-Lederausstattung (rund 4.000 Euro).
 

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