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Über dieses Buch

Wohnen bedeutet Verortet sein, Schutz, raumzeitliche Ordnung, Selbstbestimmung und soziale Einbindung. Wie Menschen wohnen, unterliegt gesellschaftlichen Einflüssen, so dass sich durch die Individualisierung der Gesellschaft auch das Wohnen verändert. Die demografische Entwicklung, zunehmendes technisches Know-how, die Fortentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie, vermehrte räumliche Mobilität und die anhaltende Verstädterung machen den Menschen zunehmend zum allein wohnenden Einzelwesen ohne tief reichende örtliche und soziale Bindungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Das vorliegende Buch befasst sich mit psychologischen Fragen des Wohnens in einer sich zunehmend individualisierenden Gesellschaft. Es geht sowohl um allgemeine Fragen, wie Menschen ihre Wohnumwelt erleben, wie sie davon beeinflusst werden und welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit sie sich ein persönliches Zuhause schaffen können, als auch um die Frage, wie sich das Wohnen und das alltägliche Leben und der Mensch selbst in einer individualisierten Gesellschaft verändern.
Antje Flade

Kapitel 2. Grundlegendes zum Wohnen

Zusammenfassung
Ein Urmotiv des Menschen ist, sich vor Bedrohungen zu schützen. Aus den Schutz bietenden Höhlen und Hütten haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte hochdifferenzierte Wohnumwelten entwickelt, die außer dem Verlangen nach Sicherheit noch viele weitere Bedürfnisse befriedigen. Wohnen beinhaltet das Bleiben an einem Ort. Dadurch kann sich ein enges Mensch-Umwelt-Verhältnis mit vielfältigen Beziehungsformen herausbilden. Wohnumwelten besitzen eine territoriale Struktur. Wohnungen sind primäre Territorien, zu denen nur die Bewohner zugangs- und nutzungsberechtigt sind. Wohnumgebungen bestehen aus sekundären Territorien mit Zugangs- und Nutzungsrechten für bestimmte Gruppen und öffentlichen Territorien, zu denen jeder Zutritt hat. Wie bedeutsam die Wohnung für den Menschen ist, zeigen die negativen Folgen der Wohnungslosigkeit. Wohnumwelten sind immer auch kulturelle Umwelten und wie diese einem Wandel unterworfen. Wohnen in der individualisierten Gesellschaft bedeutet eine Vervielfältigung der Wohn-und Lebensweisen.
Antje Flade

Kapitel 3. Von der Philosophie zur Theorie

Zusammenfassung
Planungsphilosophien sind Denkweisen bzw. Weltsichten (world views), die den Ideen und Entwürfen von Planern und Architekten zugrunde liegen, ohne dass sie explizit darauf Bezug nehmen. Die formalistisch-ästhetische Weltsicht unterscheidet sich von dem Anpassungs-, dem Gelegenheitstruktur- und dem soziokulturellen Modell dadurch, dass sie weniger auf eine nutzerorientierte Gestaltung abzielt, was, wie Beispiele belegen, Fehlplanungen zur Folge haben kann. Leitgedanke des Anpassungsmodells ist, Menschen mit passenden Wohnungen und Einrichtungen zu versorgen. Planung auf der Grundlage des Gelegenheitsstrukturmodells lässt den Nutzern Gelegenheiten für selbstbestimmte Gestaltungen. Das soziokulturelle Modell berücksichtigt, dass bauliche Formen nicht nur physische Umwelt, sondern auch Zeichen sind, die etwas über die Vorstellungen und Absichten der Erbauer und Nutzer aussagen. Theorien sind gedankliche Werkzeuge, um empirische Phänomene mithilfe definierter Konzepte zu erklären und zu verstehen. Sie sind Grundlage wohnpsychologischer Forschung und der daraus gewonnenen Erkenntnisse.
Antje Flade

Kapitel 4. Ortsverbundenheit und Orts-Identität

Zusammenfassung
Die Konzepte Ortsverbundenheit und Orts-Identität haben einen engen Bezug zum Wohnen. Ortverbundenheit ist eine emotionale Bindung des Menschen, die sich in einer Verwurzelung mit der physisch-räumlichen Umwelt (rootedness) und einem sozialen Eingebundensein (bondedness) ausdrückt. Im Heimweh tritt diese Bindung spürbar zutage. Die Orts-Identität ist eine Substruktur der Ich-Identität, sie umfasst außer Emotionen Erinnerungen, Einstellungen, Erfahrungen, Deutungs- und Verhaltensmuster bezogen auf Umwelten. Die Ich-Identität eines Menschen lässt sich mit der Frage: Wer bin ich?, ermitteln.
Antje Flade

Kapitel 5. Privatheit

Zusammenfassung
Privatheit ist ein soziokulturelles Phänomen. Privatheit bedeutet, dass man die Grenze zwischen sich selbst und den anderen kontrollieren kann. Es ist eine Kontrolle in beide Richtungen, sodass ein Kontrollverlust sowohl Einsamkeit als auch Sozialstress beinhaltet. Inwieweit Privatheit möglich ist, hängt von räumlichen Strukturen und der Zahl der in einem Raum anwesenden Menschen ab. Neben der visuellen und akustischen Privatheit rückt zunehmend die Frage in den Blickpunkt, inwieweit im Smart Home und in der Smart City die informatorische Privatheit gewährleistet bleibt.
Antje Flade

Kapitel 6. Erleben der Wohnumwelt

Zusammenfassung
Wahrnehmungen und Kognitionen als interne Repräsentationen der Umwelt und die damit verbundenen Gefühle und Gestimmtheiten machen das menschliche Erleben aus. Die Umweltästhetik befasst sich mit der Frage, was Umwelten auszeichnet, die als schön erlebt werden. Es sind Umwelten, die als kongruent, lesbar und hinreichend komplex und geheimnisvoll erlebt werden. Menschen fühlen sich in Umwelten wohl, die sie als funktional, kognitiv, emotional und motivational passend erleben. Umwelten sind Wahrnehmungs-, Handlungs- und gestimmte Räume. Der gestimmte Raum ist ein multisensorischer Gesamteindruck, der sich mit den drei Dimensionen des Semantischen Raums: Valenz, Aktivierung und Dominanz, beschreiben lässt. Umwelten können sowohl gesundfördernd als auch belastend sein. Stressoren sind Lärm, Luftverschmutzung, bauliche Dichte, öffentliche Unsicherheit und Verkehrsunsicherheit. Die Wohnqualität hängt von einer Fülle von Merkmalen ab, die sich drei Kategorien: den technischen, funktionalen und psychologischen Merkmalen zuordnen lassen. Bewertungen der Wohnqualität durch Fachleute, die vor allem die technischen und funktionalen Merkmale im Blick haben, unterscheiden sich von den Bewertungen der Nutzer, für die auch die psychologischen Merkmale von Bedeutung sind. Die Wohnzufriedenheit ist nicht lediglich ein Spiegelbild der objektiven Wohnqualität. Drei Modelle der Wohnzufriedenheit werden vorgestellt.
Antje Flade

Kapitel 7. Umweltaneignung

Zusammenfassung
Die psychologische Umweltaneignung ist ein auf die Umwelt gerichtetes Handeln. Ausgehend vom Konzept der wechselseitigen Mensch-Umwelt-Beziehung wird hier die Wirkrichtung Mensch→Umwelt in den Fokus gerückt. Zu unterscheiden sind eine faktische Umweltaneignung, durch die sich die Umwelt verändert, und eine kognitive Umweltaneignung, die keine äußerlichen Spuren hinterlässt. Die Voraussetzung für ein faktisches Aneignen sind Gestaltungsfreiräume. Das kognitive Aneignen wird durch dinglich-räumliche Strukturmerkmale, darunter vor allem Landmarken, erleichtert. Umwelten, die man sich zu eigen gemacht hat, bekommen eine persönliche Bedeutung. Angeeignete Umwelten sind ein Mittel der sozialen Differenzierung, sie stärken die Ich-Identität im Sinne von „So bin ich“.
Antje Flade

Kapitel 8. Gemeinschaftlichkeit und Nachbarschaft

Zusammenfassung
In einer sich individualisierenden Gesellschaft steht Individualität hoch im Kurs. Das wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Gemeinschaftlichkeit und Nachbarschaft heute überhaupt noch haben. Dass sie nach wie vor von Bedeutung sind, lässt sich daran ablesen, dass immer noch Kinder in Familien aufwachsen, dass es Wohngemeinschaften und Nachbarschaften gibt, dass die Menschen in großer Zahl soziale Orte und Treffpunkte im öffentlichen Raum aufsuchen und dass sich zwei Menschen als Lebensgemeinschaft verstehen, auch wenn sie getrennt wohnen. Die vielen Haushalte, in denen Haustiere leben, sind ebenfalls ein untrügliches Zeichen, dass es den Menschen nach Gemeinschaftlichkeit verlangt.
Antje Flade

Kapitel 9. Individualisierung des Wohnens

Zusammenfassung
Individualisierung ist ein strukturelles Phänomen. Es bezeichnet eine Vervielfältigung gesellschaftlich akzeptierter Lebens- und Wohnformen. Einflussfaktoren des gesellschaftlichen Wandels sind die demografische Entwicklung, die technologische Entwicklung einschließlich der Digitalisierung, zunehmende Mobilitätsanforderungen und Mobilitätsbedürfnisse und eine fortschreitende Verstädterung. Alle diese Entwicklungen spiegeln sich in den Wohn- und Lebensformen wider. Forschungsergebnisse zu den psychologischen Auswirkungen dieser Entwicklungen werden dargestellt. Abschließend wird auf die erholende Wirkung grüner Natur eingegangen, die genutzt werden kann, um den in den großen hoch verdichteten Städten erlebten Stress leichter bewältigen zu können.
Antje Flade

Kapitel 10. Schlussbemerkungen

Zusammenfassung
Die Folgen der Individualisierung, der demografischen und technologischen Entwicklung, der zunehmenden Mobilität und Verstädterung werden skizziert. Individualisierung ist ein strukturelles Phänomen, dem der einzelne Mensch ausgesetzt ist. Die Wohnformen und Lebensweisen verändern sich grundlegend. Die Gründe sind: Unterschiedlichkeit und individuelle Besonderheit werden zur Norm. Zunehmende Mobilität bedeutet ein Weniger bleiben und damit auch weniger Wohnen an einem festen Ort. Die mit der Digitalisierung möglich gewordene Ortsunabhängigkeit hat zur Folge, dass auch in Wohnungen gearbeitet werden kann. Der Mensch ist trotz Individualisierung nach wie vor auch ein Sozialwesen mit sozialen Bedürfnissen, das sich an anderen orientiert.
Antje Flade

Backmatter

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