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23.08.2017 | Zahlungsverkehr | Im Fokus | Onlineartikel

Was mit Instant Payments auf Deutschlands Banken zukommt

Autor:
Michael Steinbach

Im November 2017 sollen erste Instant Payments-Systeme live gehen. Die meisten Banken in Deutschland stecken derzeit noch in den Vorbereitungen. Zahlungsverkehrs-Experte Michael Steinbach erläutert im Gastbeitrag die Auswirkungen für Kreditinstitute. 

Es bleibt spannend, wer als erstes Echtzeitzahlungen anbieten wird. Fest steht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Target Instant Payment Settlement (TIPS) und dem European Banking Authority (EVBA) Clearing der Realtime Payment-Plattform RT1 Dienste zur Abwicklung der Echtzeitzahlungen pünktlich anbieten werden. Deutschland muss sich bei der Implementierung allerdings sputen. Denn schon heute sind uns vor allem die Banken in den Niederlanden und Belgien voraus. Das liegt unter anderem daran, dass sie sich, wenn es um die landesweite Einführung von neuen Zahlungssystemen und -abwicklungsverfahren geht, enger untereinander absprechen. Obwohl auch in diesen Ländern ein großer Wettbewerb unter den Kreditinstituten herrscht. Denn Instant Payments funktioniert nur, wenn alle beteiligten Parteien mitziehen. 

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Laut dem"2017 SCT Inst scheme rulebook" des European Payments Council (EPC) darf die Echtzeitzahlung maximal zehn Sekunden dauern. Der europäische Wettbewerb wird dies jedoch noch verschärfen und es gibt Absichten, eine Reaktionszeit von fünf Sekunden zu realisieren. Für diese ehrgeizig kurze Verarbeitungszeit müssen Banken zu allererst ihre IT-Infrastruktur echtzeitfähig machen und von einer Batch- auf eine Verarbeitung von Einzeltransaktionen umstellen. Das betrifft nicht nur die Applikationen des Zahlungsverkehrs, sondern alle Prozesse und Systeme, die Zahlungsverkehrsinformationen und -transaktionen empfangen und senden, wie zum Beispiel das Rechnungswesen. Deshalb dürften dafür die Investitionskosten schätzungsweise sogar noch höher sein als bei der Einführung des Euros.

Banken müssen neue Geschäftsmodelle entwickeln

Vor den Kosten können Geldhäuser jedoch nicht zurückschrecken: Echtzeitzahlungen werden zur Commodity. Denn sie bieten für Verbraucher, Händler und Unternehmen große Vorteile: 

  • Genehmigte Transaktionen werden sofort, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr verarbeitet. 
  • Verbraucher können beispielsweise eine Restaurantrechnung bargeldlos bezahlen und ihr Handyguthaben am Abend, am Wochenende oder an Feiertagen sofort aufladen. 
  • Unternehmen können Rechnungen sofort begleichen und ihren Cash Flow optimieren. Eingehende Zahlungen werden sofort auf ihren Konten gutgeschrieben. 

Hier vereinen sich die Vorteile des Bargelds – sofort und unwiderruflich – mit dem Nutzen von elektronischen Zahlungen – Sicherheit und Bequemlichkeit. Daher sollten wir damit rechnen, dass in absehbarer Zeit globale Zahlungen in Echtzeit unabhängig von Währung und Distanz Realität sind. Der ISO-Standard 20022, der derzeit für Sepa-Zahlungen innerhalb Europas gilt, könnte bis dahin zum weltweiten Standard für Instant Payments werden.

Wettbewerbsdruck kurbelt Innovationen an

Aus diesem Grund wird der steigende Wettbewerbsdruck 2018 die Umsetzung erheblich vorantreiben. Dabei kommt es darauf an, dass Banken bereits jetzt grundsätzliche Überlegungen anstellen, wie sie diesen nachhaltig strukturellen Veränderungen begegnen. Hierzu bedarf es neuer Geschäftsmodelle, die berücksichtigen, dass künftig mit dem Bezahlen und der Abwicklung des Zahlungsverkehrs allein keine Marktanteile mehr zu gewinnen sind. Denn der Nutzer, egal ob Privatkunde oder Unternehmen, wird perspektivisch nicht mehr bereit sein, Gebühren für die alleinige Abwicklung von Instant Payments zu zahlen. Die Chance für Kreditinstitute liegt daher in der Entwicklung neuer Produkte und Services, bei denen zum Beispiel der Zahlungsvorgang in eine Wertschöpfungskette integriert ist, deren Ursprung nicht das Bezahlen, sondern das Kaufen einer bestimmten Ware ist. In diesem Zusammenhang liegt für Banken auch eine Chance darin, Apps bereitzustellen, die sie auch gemeinsam mit und unter Nutzung des Know-How´s von Fintech-Unternehmen entwickeln können.

Instant Payments: Das müssen Banken leisten

Zehn Sekunden: Diese Zeit muss zwischen den beteiligten Banken, dem Clearing-House und den Übertragungsnetzwerken aufgeteilt werden. Damit bleibt für das Kreditinstitut eine Verarbeitungszeit von weniger als eine Sekunde, um

  • die Bezahlnachricht des Kunden zu validieren
  • den Kontostand zu kontrollieren oder das Konto zu belasten
  • die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit der Empfängerbank zu überprüfen
  • einen Betrug auszuschließen
  • eine Nachricht an das Clearing-House zu versenden und auf Rückmeldung zu warten

Direktbank ING verfolgt eigenes Konzept

Ein anderes Beispiel praktiziert schon heute die ING in den Niederlanden. Sie bietet einen Webshop an, in dem ihre Kunden alle möglichen Produkte vergünstigt kaufen und mit Geld oder Treuepunkten direkt bezahlen können. Der Service umfasst hier auch die garantierte Lieferung der bestellten Ware am Folgetag nach Hause. Auch auf eine weitere Veränderung müssen sich Banken gefasst machen: Die heute noch fast täglich genutzte Debitkarte (Girocard) wird es mit der zunehmenden Verbreitung von Instant Payments mittel- bis langfristig in der heutigen Form nicht mehr geben. Denn wenn sich mit Instant Payments die Zahlungsgewohnheiten und -möglichkeiten so verändern, dass damit eine Zahlung wie mit Bargeld sofort und garantiert in der Ladenkasse und auf dem Konto des Händlers erfolgt ist, wird das aus Sicht des Verbrauchers vergleichsweise aufwendigere Verfahren über den Lastschrifteinzug nicht mehr gebraucht.

Was ist TIPS?

TIPS ist ein Dienst der Europäischen Zentralbank zur Abwicklung von Echtzeitzahlungen. Das Instant Settlement der Europäischen Zentralbank steht im Einklang mit SCT Inst, der Instant-Payments-Initiative des European Payments Council (EPC). Banken und Zahlungsdienstleister können Zahlungen direkt über die Europäische Zentralbank austauschen. Auch Equens Worldline wird ihre Services für Instant Payments im Clearing und Settlement unter anderem mit TIPS verbinden. Dadurch sind Banken und Zahlungsdienstleister europaweit über ein technisches Interface erreichbar. Die Verbindung zu TIPS oder auch zu RT1 von EBA Clearing ergänzt die Kompatibilität mit anderen führenden Clearing- und Settlement-Mechanismen (CSM), die beispielsweise in der European Automated Clearing House Association (EACHA) organisiert sind.


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