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10.06.2022 | Anleihe | Nachricht | Online-Artikel

Deutscher Finanzplatz profitiert vom Boom grüner Bonds

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

3:30 Min. Lesedauer
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Deutschland hat eine gute Ausgangsposition, um sich zum führenden Standort für Nachhaltigkeitsfinanzierungen zu entwickeln. Eine aktuelle Analyse von Helaba Research zeigt, wo der Finanzplatz im Vergleich zu europäischen und globalen Wettbewerbern steht.

"Deutschland will zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort werden. Hierfür spielt die Marktdynamik im Segment der Green Bonds eine ebenso wichtige Rolle wie das vielseitige Nachhaltigkeitsengagement am deutschen Finanzzentrum", sagt Ulrike Bischoff, Senior Economist bei Helaba Research, im aktuellen Finanzplatz-Fokus der Landesbank. 

Laut der Analyse von Anfang Juni gehörten Green Bonds 2021 unter den nachhaltigen Finanzprodukten zu den beliebtesten Wertpapieren. Im vergangenen Jahr ist das Neuemissionsvolumen grüner Anleihen um 75 Prozent auf fast 523 Milliarden US-Dollar weltweit gewachsen. Damit machen die grünen Anleihen rund die Hälfte aller Neufinanzierungen im Bereich Environmental, Social und Governance, kurz ESG, aus. 

Deutschland ist spitze bei Green Bonds 

In Europa lag Deutschland 2021 bei der Begebung grüner Finanzierungen an der Spitze und im Hinblick auf das kumulierte Emissionsvolumen an zweiter Stelle hinter Frankreich. "Das Green and Sustainable Finance Cluster Germany (GSFCG) als aktive, gut vernetzte Branchenplattform fördert das Voranschreiten des hiesigen Finanzplatzes auf seinem nachhaltigen Weg", betont Bischoff. Darüber hinaus dürfe sich die Entscheidung, den Hauptsitz des International
Sustainable Standards Board (ISSB) in Frankfurt anzusiedeln, positiv auf die internationale Stellung des deutschen Finanzzentrums auswirken.

Dass sich der globale Markt für Green Bonds so dynamisch entwickelt, dafür ist laut der Helaba-Experten die steigende Zahl von Emittenten verantwortlich, "die mittlerweile aus nahezu 60 Ländern kommen". Unter diesen machten Finanzdienstleister und nicht-finanzielle Unternehmen die größte Gruppe mit einem Marktanteil von kumuliert 44 Prozent aus. 

Die Hälfte aller grünen Anleihen kommt aus Europa

In Europa wurde 2021 mit 265 Milliarden US-Dollar rund die Hälfte des gesamten Green-Bond-Neufinanzierungsvolumens emittiert. Auf Platz zwei folgen Asien/Pazifik und auf Rang drei Nordamerika. 

Das erhöhte Bewusstsein für eine nachhaltige beziehungsweise grüne Finanzierung lasse eine weitere deutliche Marktexpansion erwarten, "zumal sich auch die regulatorischen Rahmenbedingungen im Nachhaltigkeitsbereich dynamisch fortentwickeln". 

Grüne Bundesanleihen mit Wachstumspotenzial

Einen detaillierten Blick wirft Helaba Research auch auf grüne Bundeswertpapiere, die der Staat seit 2020 begibt. Das Emissionsvolumen betrug im ersten Jahr 11,5 Milliarden und im Folgejahr 12,5 Milliarden Euro. "Das damit noch recht junge Segment der Deutschen Finanzagentur, die für das Liquiditäts- und Schuldenmanagement des Bundes verantwortlich ist, soll weiter deutlich expandieren", heißt es weiter. Für 2022 seien die syndizierte Begebung einer neuen grünen Bundesanleihe im 3. Quartal und im Jahresverlauf mehrere Aufstockungen bereits umlaufender grüner Bunds vorgesehen oder schon erfolgt. 

Das Gros dieser staatlichen Finanzierungen entfalle auf den Transportsektor. Zudem liefern diese den Emerging und Developing Markets als auch dem inländischen Energiesektor Kapital für die nachhaltige Transformation. Die grünen Staatstitel orientierten an etablierten internationalen Marktstandards wie den UN Sustainable Development Goals, Green Bond Principles der ICMA oder der International Capital Market Association. 

Als Innovation bewertet die Helaba das deutsche Konzept der Zwillingsanleihe: die Begebung einer grünen Anleihe neben einem konventionellen Bundeswertpapier mit gleicher Fälligkeit und gleichem Kupon, bei differierenden Volumina. Hierfür sei Deutschland bereits mehrfach international ausgezeichnet worden. "Perspektivisch beabsichtigt der Bund, eine grüne Zinskurve aufzubauen, die analog zu den konventionellen Anleihen mit denselben Laufzeitschwerpunkten (2, 5, 10 und 30 Jahre) eine Benchmark im Euroraum etabliert".

Nachhaltigkeitsaktivitäten stringend weiterführen

Die Analyse bewertet außerdem das Engagement von den in Frankfurt ansässigen Instituten wie der Deutschen Bundesbank oder der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Aufsichtsbehörde Bafin. Hierzu gehöre unter anderem die Gründung des globalen Netzwerks von über 120 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zur Konzipierung eines nachhaltigen Finanzsystems (Network for Greening the Financial System, kurz NGFS). 

Die Bundesbank, die derzeit den stellvertretenden Vorsitz des NGFS inne hat, soll ab 2024 die Federführung übernehmen. Ziel des Netzwerks ist die Umlenkung der globalen Finanzströme, um ein kohlenstoffarmes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Die EZB unterstützt das Vorhaben unter anderem durch den diesjährigen Banken-Stresstests mit Fokus auf Klimarisiken oder ihre Prüfung der Banken zum Stand der Implementierung von Systemen und Prozessen für die Steuerung von Klima- und Umweltrisiken.

"Mit seinem vielfältigen Engagement ist das deutsche Finanzzentrum gut unterwegs in puncto Nachhaltigkeitsfinanzierung, wenngleich es für eine führende Positionierung noch einiges zu tun gibt. Die angestoßenen Aktivitäten gilt es stringent und zügig weiterzuverfolgen, wobei die Innovationskraft aller Finanzplatz-Akteure einfließt", resümieren die Analysten.

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