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26.10.2017 | Anleihe | Im Fokus | Onlineartikel

Deutscher Markt für Mittelstandsanleihen erholt sich etwas

Autor:
Barbara Bocks

Mittelstandsanleihen haben seit Längerem einen schlechten Ruf unter Investoren. Trotz Leistungsstörungen zieht der deutsche Markt jedoch langsam etwas an. 

Ruhig geht anders. Seit Start des Marktes für Mittelstandsanleihen 2010 geht es in diesem Segment turbulent zu. Im aktuellen Jahr gibt es in diesem Marktsegment Neuemissionen in Höhe von 608 Millionen Euro und gleichzeitig Leistungsstörungen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro. Das hat Capmarcon, eine auf Unternehmensfinanzierung spezialisierte Unternehmensberatung, in einer Publikation zum Thema "Mittelstandanleihen" herausgefunden, die am 16. Oktober 2017 veröffentlicht wurde.

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Wie sich speziell dieses Segment weiterentwickelt, ist laut Hans-Werner Grunow, Geschäftsführer von Capmarcon, schwierig zu beurteilen, da "auf dem Markt richtungweisende Impulse auf Marktebene, die einen eindeutigen Trend kennzeichnen, weiterhin ausbleiben". Anleihen von Mittelständlern kamen im Oktober 2017 laut Capmarcon mit 167 Titeln auf ein insgesamt platziertes Volumen von 7,1 Milliarden Euro. Einen Betrag von 1,9 Milliarden Euro konnte die Unternehmen über dieses Segment allerdings nicht bei Investoren platzieren. Die Gründe liegen laut Grunow darin, "dass die Anleger nur Teile der Begebungen zeichneten oder weil die Emissionen wegen mangelnder Erfolgsaussichten bereits noch vor einem offiziellen Angebot zurückgezogen wurden“.

Status und Nominalvolumen

Anzahl Mittelstandsanleihen Volumen in Millionen Euro
Geplante Anleihen 174 9.066,4
Angebotene Anleihen 167 8.730,4
Platzierte Anleihen 167 7.133,1
Abgesagte Anleihen 7 336,0
Nicht voll platziertes Anleihevolumen 88 1.597,3
Getilgt 42 2.001,7
Ausstehend/umlaufend 66 2.422,3/2.484,9
Leistungsgestört/davon mit Tilgungsverschiebung 59/3 2.709,1/81,0

Quelle: Capmarcon, Stand: 16.10.2017

Die Auswertung erfasst Anleihen, die in den "Mittelstandssegmenten" der Börsen Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg/Hannover begeben wurden oder ab dem Jahr 2015 aufgrund ihrer Eckdaten in diesen Segmenten begeben worden wären und jetzt im vergleichbaren Freiverkehr geführt werden. Nicht erfasst werden Anleihen ohne Börsennotierung sowie Eigenemissionen.

Im Jahr 2017 boten 13 Firmen potenziellen Investoren von Januar bis Oktober insgesamt 15 Mittelstandsanleihen in Höhe von insgesamt 625 Millionen Euro an. Von diesen konnten sie 608 Millionen Euro platzieren. Im genannten Zeitraum des Jahres 2017 wurden sieben Anleihen mit einem Volumen von 234,6 Millionen Euro getilgt. Von den 625 Millionen Euro an Nominalvolumen wurden zwei Anleihen mit einem gesamten Volumen von 100 Millionen Euro über "Scale", dem im März 2017 neu geschaffenen Mittelstands-Segment der Deutschen Börse, platziert.

Wie es zur Gründung dieses neuen Marktplatzes kam, erklärt André Wingenbach, stellvertretender Abteilungsleiter "Listing Services & Issuer" bei der Deutschen Börse, in dem Artikel von Autorin Anja Kühner "Vom Markt abgestraft" in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "Return" (Seite 12 bis 13) so: "Wir haben so viele neue Kriterien und Services eingeführt, dass es viel mehr war als nur eine Anpassung – es musste ein neues Segment her." Zuvor hatte sich die Stuttgarter Börse als erste 2014 aus dem Mittelstandsgeschäft zurückgezogen. 2015 folgte dann die Düsseldorfer Börse, beschreibt Kühner die allgemeine Marktentwicklung.

Emissionen in diesem Jahr höher als in 2015 und 2016

Bis Oktober 2017 wurden trotz einer kleineren Auswahl an Börsenplätzen "mehr Mittelstandsanleihen geplant und realisiert als jeweils in den Jahren 2015 und 2016", heißt es in dem Capmarcon-Bericht weiter. Daher ist auch das platzierte Gesamtvolumen dieser Anleihenart nach einem Rückgang über die vergangenen drei Jahre erstmals wieder gestiegen. "Angesichts dieser Veränderungen könnte man hoffnungsvoll annehmen, im Jahr 2016 sei das Tal durchschritten worden und der Markt schaffe wieder dauerhaft positive Wachstumsraten", sagt Grunow. Gerade im Oktober habe es Bewegung im Markt der Mittelstandsanleihen gegeben. Zu diesem Ergebnis ist die Wolfgang Steubing AG, die den Steubing German Mittelstand Fund I emittiert, gekommen. "Es scheint so, als wenn die Verwerfungen der letzten Jahre doch auf Seiten der Investoren und der Emittenten zu ein bisschen mehr Besinnlichkeit geführt hätten", heißt es in deren aktueller Stellungnahme "Standpunkt German Mittelstand".

Geschäft wird zäh bleiben

Verantwortlich für den momentanen Aufschwung sind den Experten zufolge vor allem die Anleihen von Immobilienunternehmen. So wurde beispielsweise die fünfjährige Anleihe des Immobilienentwicklers UBM Development AG in Höhe von 150 Millionen Euro mit einem Koupon von 3,25 Prozent nach wenigen Stunden bereits vollständig platziert. Es gibt aber auch aktuell laut Grunow von Capmarcon weiterhin "sowohl ein unverändert hohes Maß an Leistungsstörungen als auch ein völliges Fehlen substanzieller Änderungen, die indizierten, die Mittelstandsanleihe könnte zu einem seriösen und langfristig tauglichen Finanzinstrument reifen". Daher werde das Geschäft mit Mittelstandsanleihen laut Capmarcon "letztlich für alle Beteiligten zäh bleiben".

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