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10.09.2020 | Biomasse | Im Fokus | Onlineartikel

Wird aus Biomethan ein Brennstoff mit Zukunft?

Autor:
Frank Urbansky
2:30 Min. Lesedauer

Biomethan ist eine der wenigen grundlastfähigen erneuerbaren Brennstoffe. Bisher wird es vorrangig verstromt. Aber auch eine Einspeisung ins Erdgasnetz könnte in Zukunft sinnvoll sein.

Biomethan entsteht in Biogasanlagen. "Auch eine Einspeisung von Biomethan in das Erdgasnetz kann für Großanlagen eine Option sein", beschreiben die Springer-Autoren Ralf Böhm, Ralph M. Schaidhauf, Benedict Wytopil und Jörg Franke eine Nutzungsmöglichkeit in ihrem Zeitschriftenbeitrag Analyse der Marktaussichten von Biogasanlagen auf Seite 175.

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12.04.2018 | Ausgabe 2/2018

Analyse der Marktaussichten von Biogasanlagen

Ohne garantierte Vergütung der eingespeisten elektrischen Energie nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) befinden sich regenerative Erzeugungsanlagen unterschiedlichen Typs im Wettbewerb auf dem Strommarkt. 

Doch diese Option wird kaum in Betracht gezogen. Denn Biogas aus den 9.200 Biogasanlangen wird vorrangig verstromt – meist in BHKW vor Ort. Diese sind mit den Erzeugungsanlagen verbunden und weisen eine Leistung von insgesamt 4.200 MW auf, was etwa zwei Atomkraftwerken entspricht. Der Grund ist ein einfacher: Jede verstromte Kilowattstunde wird nach dem EEG-Gesetz vergütet – jährlich mit gut 9 Milliarden Euro. Bei einer Einspeisung ins Erdgasnetz wird maximal der für Erdgas übliche Preis gezahlt.

Einspeisung schlechtes Geschäft

Das jedoch ist ein schlechtes Geschäft. Die Erdgaspreise an der Leipziger Energiebörse EEX liegen sowohl bei den kurzfristigen Spot- als auch bei den mittelfristigen Terminmärkten in einem Bereich von 2 bis 4 Eurocent je kWh. Biomethan hingegen, das ins Erdgasnetz eingespeist wird und dafür aufwendig gereinigt werden muss, kostet je Kilowattsunde etwa 8 Eurocent. Eine Kostendeckung ist auf diese Art nicht zu erreichen.

Das führt letztlich auch dazu, das Biomethan im Wärmemarkt keine Rolle spielt. Zwar gibt es in Baden-Württemberg mit dem dortigen Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz eine verpflichtende Erfüllungsoption bei Sanierungen, für die Biomethan zu zwei Dritteln genutzt werden kann. Doch ein großer Markt ist dadurch nicht zu erschließen. Denn in anderen Bundesländern gibt es keine solche Regelung.

Deutschlandweit gibt es deshalb auch nur zwei reine Biogas-Tarife, die das grüne Gas aus Anlagen in der Umgebung in naheliegenden Gasnetzen vertreiben. Dennoch gibt es Unternehmen, die jetzt auf Biomethan als einen der Energieträger im Wärmemarkt setzen. Dazu gehört die BALANCE VNG Bioenergie GmbH, eine Tochter des Leipziger Erdgaskonzerns VNG AG, die sich ausschließlich mit Biogasanlagen befasst. 15 Biogasanlagen finden sich in ihrem Portfolio, die alle im mitteldeutschen Raum stehen. Fünf davon speichern Bioerdgas direkt ins Gasnetz ein. Alle anderen beliefern naheliegende Wärmenetze.

Potenzial als Handelsprodukt

Biomethan wird als Handelsprodukt dabei einen besonderen Raum einnehmen. Das Unternehmen ist schon Partner des Biogasregisters der Energieagentur dena. Den Vertrieb der Produkte übernimmt bmp greengas in München. Die Leipziger sehen sich damit auf dem rechten, Weg, da immer mehr Biogasanlagen aus der 20-jährigen Förderung mittels EEG herausfallen und das weiter produzierte Gas ja genutzt werden soll – jedenfalls für den Fall, dass die Anlagen nicht stillgelegt werden.

Stünden dann einmal ausreichende Mengen zur Verfügung, kämen noch ganz andere Kundengruppen für Biomethan in Frage. "Durch Umwandlung von Biomasse in Prozessgase wie Wasserstoff, Biomethan oder in flüssige Biotreibstoffe ist eine Versorgung der Industrie mit nachhaltigen Brennstoffen für die Hochtemperaturwärmeversorgung theoretisch möglich", zeigt solch eine Möglichkeit Springer Vieweg-Autor Günther Brauner in seinem Buchartikel Handlungsoptionen auf Seite 244. 

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