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Über dieses Buch

Dieses Buch zeigt auf, wie verschiedene Formen des unternehmerischen Engagements als bereichernde Komponenten in die Stadtentwicklung einfließen können. Es benennt die Potentiale und Chancen, die sich für Kommunen und die beteiligten Unternehmen durch die stadtbezogene Anwendung der Instrumente von Coporate Social Resonsibility und Corporate Citizenship eröffnen. Renommierte Experten aus Wissenschaft und Praxis stellen aktuelle CSR-Projekte und -Instrumente vor, die für eine nachhaltige Stadtentwicklung eingesetzt werden und analysieren deren Wirkungen auf Stadt- oder Quartiersebene. Die Bandbreite der Kooperationsmöglichkeiten, u.a. in Form von Stadtteilpatenschaften, Corporate Volunteering Initiativen für öffentliche Räume, Infrastrukturmaßnahmen oder Werkswohnungsbauprojekten, werden exemplarisch dargestellt. Anhand der konkreten Beispiele werden effektive Organisationsstrukturen skizziert und Wege zur zielgerichteten Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kommunen anwendungsorientiert aufgezeigt. Erfahrungen aus der Projektkommunikation und -steuerung werden praxisnah formuliert und handlungsorientiert aufbereitet. Damit eignet sich dieses Buch als wertvolle Grundlage für stadt- oder standortbezogene CSR-Maßnahmen und richtet sich an Unternehmen und CSR-Beauftragte, sowie an Kommunen, Stadtplaner und Vertreter der Raumwissenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Wissenschaft & Forschung

Frontmatter

Unternehmen in der sozialen Quartiersentwicklung

Zusammenfassung
Empirische Erhebungen haben gezeigt, dass das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen sowohl von seiner inhaltlichen als auch seiner räumlichen Ausrichtung einen starken lokalen Bezug und damit eine deutliche Nähe zu Themen und Belangen der Stadtentwicklung aufweist. Zwar ergibt sich dieser Zusammenhang in den meisten Fällen beiläufig, doch stehen dem gegenüber Unternehmensbeispiele, die ihr Engagement gezielt an den lokalen Bedarfen ausrichten.
Der folgende Beitrag befasst sich damit, wie Unternehmen Zugang zu den Themen der Stadt- und insbesondere der sozialen Quartiersentwicklung finden, wie und ob sie lokale Bedarfe erkennen und wie sie ihr Engagement ausrichten. Er baut auf theoretisch-konzeptionellen Überlegungen zum Mehrwert eines gemeinwohlorientierten Zusammenwirkens, zur Verräumlichung sozialer Probleme und ihrer Behandlung auf der Maßstabsebene des Quartiers auf. Folglich stehen sozial benachteiligte Stadtteile als Handlungsräume des Engagements sowie ausgewählte Aspekte der Kooperation zwischen engagierten Unternehmen und der öffentlichen Hand im Mittelpunkt der Ausführungen. Es werden erste Erkenntnisse auf der Basis empirischer Erhebungen und praktische Erfahrungen aus der Zusammenarbeit in einigen ausgewählten Modellprojekten ausgeführt.
Wie die Ausführungen zeigen, besteht Potenzial hinsichtlich einer Intensivierung und Ausweitung des unternehmerischen Engagements in der sozialen Quartiersentwicklung. Zentrale Aufgabe wird es sein, den Dialog zwischen Öffentlichen und Privaten zu suchen und Unternehmen in ihrem gemeinwohlorientierten Handeln Geleit zu geben, das heißt, sie über Bedarfe zu informieren, Unterstützung zu organisieren und bei der Vermittlung von Kontakten zu Sozialpartnern zu helfen.
Bernhard Faller, Nora Wilmsmeier, Christiane Kleine-König

Wolfsburg und VW: Strukturelle Abhängigkeit und dominantes Engagement am Unternehmensstandort

Zusammenfassung
Die Stadt Wolfsburg verbindet mit dem Volkswagen Konzern eine ganz besondere Beziehung. Diese reicht weit über die gemeinhin unter Corporate Social Responsibility oder Corporate Citizenship gefassten Aktivitäten hinaus. Durch die Nachzeichnung der unterschiedlichen Phasen des Verhältnisses von VW‐Werk und Stadt wird der strukturelle, normative und rahmensetzende Einfluss des Volkswagenwerks auf die Stadtentwicklung, die Kommunalpolitik und die Bürgerschaft in Wolfsburg deutlich.
Annette Harth

Bürgerstiftungen: Mit und oder ohne Unternehmen?

Zusammenfassung
Bürgerstiftungen und Unternehmen mögen auf den ersten Blick wenig gemeinsame Interessen oder Schnittmengen haben. Wie auch andere Beispiele in diesem Buch zeigen, gibt es aber durchaus Unternehmen, die sich zusehends als Corporate Citizen verstehen und sich im Sinne des Gemeinwohls vor Ort engagieren (wollen). In diesem Beitrag soll dargelegt werden, warum Bürgerstiftungen und Wirtschaft bzw. Akteure aus der Wirtschaft eine Verbesserung der Lebensqualität vor Ort durchaus gemeinsam angehen können – wenn nicht gar sollten.
Elke Bojarra-Becker

Corporate Regional Responsibility (CRR)

Motive der kollektiven regionalen Verantwortungsübernahme von Unternehmen am Beispiel von zwei CRR-Kooperationen
Zusammenfassung
Da Unternehmen hauptsächlich gesellschaftliche Verantwortung im regionalen Umfeld ihres Hautsitzes und/oder ihrer Betriebsstandorte übernehmen, hat Corporate Social Responsibility (CSR) eine nachweislich regionale Dimension. Diese regionale Verantwortungsübernahme von Unternehmen wird als Corporate Regional Responsibility (CRR) bezeichnet. Für CRR wird zudem auf die Effektivität und Effizienz der Vernetzung privatwirtschaftlicher Akteure und der Bündelung unternehmerischer Ressourcen und Kompetenzen verwiesen. Der Beitrag nimmt die gemeinschaftliche Übernahme regionaler Verantwortung (kollektive CRR) in CRR-Kooperationen in den Fokus und präsentiert am Beispiel des Initiativkreises Ruhr und der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain erste Erkenntnisse zu den Motiven für kollektive CRR.
Meike Schiek

Koproduktion und Corporate Social Responsibility: Soziale lokale Unternehmen als Kunden der Wirtschaftsförderung

Zusammenfassung
Kommunale Daseinsvorsorge ist ein sich durch den demografischen Wandel stark veränderndes und bisher vorwiegend staatlich wahrgenommenes Aufgabenfeld. In jüngerer Zeit wurden vielerorts Unternehmungen innerhalb der Bürgerschaft mit dem Ziel gegründet, Daseinsvorsorge aufrecht zu erhalten, da Kommunen diese Aufgabe nicht mehr vollständig erfüllen können. Die Unternehmungen agieren zwar eigenwirtschaftlich, nicht aber gewinnorientiert und gestalten Daseinsvorsorgefunktionen durch neue Akteurskonstellationen und Finanzierungsquellen neu aus. Sie sind Ausdruck einer Koproduktion zwischen öffentlichen und zivilen Akteuren. Vor diesem Hintergrund diskutiert der Beitrag, an welchen Stellen Wirtschaftsförderungen Hilfestellungen für Professionalisierungsstrategien bürgerschaftlicher Unternehmungen geben können. Es geht also darum, wie Wirtschaftsförderungen jenseits der Förderung von CSR-Aktivitäten klassischer Unternehmen auch solche Unternehmungen unterstützen können, deren Gründungszweck soziale Verantwortung ist. Unterstützungsleistungen sind z. B. zusätzlich zu einer an den Bedürfnissen und Motivlagen der bürgerschaftlichen Unternehmungen orientierten Beratungs- und Begleitungsdienstleistung auch die Versorgungslücken und Leerstände zu analysieren und gemeinsam mit interessierten Akteuren Lösungskonzepte zu entwickeln. Eine weitere Stellschraube ist die Unterstützung bei der Erarbeitung „bankfähiger“ Finanzierungskonzepte.
Anna Butzin, Stefan Gärtner

Wie lebenswert sind unsere Städte?

CSR und die Maximen der Stadtentwicklung
Zusammenfassung
Wer nimmt Einfluss auf die Stadtentwicklung? In welchem Umfang und welchem Interesse? Zu welchem Zweck und mit welchem Ziel? Wir diskutieren CSR als Thema der Verteilung der Verantwortung für Stadtentwicklung zum einen und des Nutzens aus Stadtentwicklung zum anderen. Aus dieser Diskussion ergibt sich, dass CSR‐Initiativen – wollen sie vor dem Hintergrund klammer kommunaler Kassen und einer langen Phase neo‐liberaler Hegemonie mehr als reines Marketing sein – aktiv die Interessen der städtischen Stakeholder beachten müssen. Dies können sie wiederum nur, wenn Stadtentwicklung zum einen chancennutzend, zielorientiert und auf gesellschaftliche Wertschöpfung ausgerichtet wird und zum anderen re‐politisiert wird, also transparent und diskursiv vor dem Hintergrund gegensätzlicher Interessenlagen und unterschiedlicher Machtverteilung organisiert wird. Hierzu skizzieren wir zwei analytische Konzeptionen aus der Innovations‐ und Nachhaltigkeitsforschung, die auch zur strategischen Stadtentwicklung beitragen können: Die eine orientiert sich am Modell der Polychromen Nachhaltigkeit, um Hilfestellung für die Ableitung von Zielen städtischer Entwicklung aus einer sozio‐ökonomischen Perspektive zu geben. Die andere greift das Modell der Institutionellen Reflexivität auf, um Kriterien für innovationsförderliche Steuerung von Entwicklungsprozessen vorzubringen.
Manfred Moldaschl, Matthias Wörlen

Unternehmerisches Engagement in der Clusterentwicklung – Konzeptionelle Überlegungen und Fallbeispiele aus Wolfsburg und Mitteldeutschland

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die Rolle des unternehmerischen Engagements in der Entwicklung regionaler Cluster konzeptionell sowie anhand von zwei Fallbeispielen. Die allgemeine Diskussion des Zusammenhangs von freiwilliger regionaler Verantwortungsübernahme durch Unternehmen (Corporate Regional Responsibility, CRR) und Clusterentwicklung zeigt, dass sowohl Unternehmen als auch Städte und Regionen profitieren können, indem die Standortbedingungen und das Unternehmensumfeld aufgewertet werden. Als Fallbeispiele wurden das Engagement des dominanten Großunternehmens Volkswagen an seinem Standort Wolfsburg sowie das vernetzte Engagement vieler strukturbestimmender Unternehmen in der Region Mitteldeutschland ausgewählt. In beiden Fällen ist das regionale Engagement der Unternehmen durch Clusterentwicklung und die Steigerung der regionalen Attraktivität zwecks Rekrutierung und Retention hochqualifizierter Arbeitskräfte motiviert. Corporate-Regional-Responsibility-Aktivitäten wurden jeweils durch Standortdefizite ausgelöst, die als Bedrohung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmenssitzes bzw. der Betriebsstandorte wahrgenommen wurden. Daraus ergeben sich Handlungsempfehlungen für Unternehmen und die öffentliche Hand zur Nutzung und Mobilisierung strategischer CRR sowie Ansatzpunkte für weitere Forschung.
Matthias Kiese

CSR und Ortsentwicklung

Zur Rolle von kleinen und mittleren Unternehmen in ländlichen Räumen Niedersachsens
Zusammenfassung
Das Thema CSR gewinnt vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Ortsentwicklung in ländlichen Räumen eine besondere Bedeutung. Denn Bevölkerungsrückgang, unausgelastete Infrastrukturen, kommunale Finanznot oder strukturschwache Wirtschaft – um nur einige der Herausforderungen aufzuzählen – engen die Handlungsspielräume von Kommunen stark ein. Hinzu kommt der interkommunale Wettbewerb um Einwohner, Unternehmen und staatliche Fördermittel. Neue Handlungsoptionen werden vor diesem Hintergrund dringend gebraucht.
Der Beitrag untersucht, welche Rolle kleine und mittlere Unternehmen in Bezug auf die ländliche Ortsentwicklung in der Praxis tatsächlich einnehmen und wie CSR speziell für Umnutzungen von Gebäuden genutzt werden kann. Es werden die Ergebnisse aus den sechs empirischen Fallstudien Eisdorf (Landkreis Osterode), Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch), Leiferde (Landkreis Gifhorn), Löningen in der Region Hasetal (Landkreis Emsland) sowie Bunde und Weener (beide Landkreis Leer) analysiert. Hierbei stehen neben den Unternehmenscharakteristika vor allem das Engagement vor und für den Ort, die Einschätzung zur zukünftigen Ortsentwicklung und die Wahrnehmung von Leerstand im Fokus.
Rainer Danielzyk, Isabelle Klein, Linda Lange, Pia Steffenhagen-Koch, Winrich Voß, Alexandra Weitkamp

Corporate Social Responsibility in der Immobilienwirtschaft als Ressource für Stadtentwicklung und Unternehmen nutzen

Zusammenfassung
Unter dem Oberbegriff Corporate Citizenship engagieren sich Unternehmen zum Wohl der Allgemeinheit. Dabei kommt der Immobilienwirtschaft als einer der kapitalstärksten Branchen in Deutschland eine besondere Bedeutung zu. Die Marktstudie „Die Immobilienwirtschaft übernimmt Verantwortung“ (CC PMRE, PMRE Monitor Spezial 2015) zeigt, wo die Akteure der Immobilienwirtschaft heute bereits Verantwortung übernehmen und welche Faktoren das gesellschaftliche Engagement zukünftig verstärken. Untersucht werden die Ansatzpunkte von CSR im Kerngeschäft der Unternehmen, die Auswirkungen der CSR-Aktivitäten auf die Unternehmensziele sowie mögliche Win-win-Effekte für die Unternehmen und die Gesellschaft. Die Analyse zeigt, wie die Verantwortung der Immobilienwirtschaft als Ressource für die Stadtentwicklung genutzt werden kann. Die Integration der CSR-Aktivitäten in die Gesamtstrategien der Quartiers- und Stadtentwicklung als auch die Vernetzung der CSR-Protagonisten mit Kooperationspartnern sind hierbei die zentralen Erfolgsfaktoren.
Regina Zeitner, Marion Peyinghaus, Anna Stratmann

Corporate Urban Responsibility – Hintergründe, Motive und Rahmenbedingungen für nachhaltiges Engagement von multinationalen Unternehmen in der Stadtentwicklung

Zusammenfassung
Der Beitrag zeigt Hintergründe und Motive für unternehmerisches Engagement in der Stadtentwicklung auf. Neben aktuellen politischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen werden anhand von zwei kontrastierenden Fallbeispielen konkrete Kontextbedingungen für das Engagement zweier multinationaler Unternehmen für Stadt- bzw. Regionalentwicklung in einem Entwicklungsland bzw. in einem Industrieland einander gegenüber gestellt. Dabei wird gezeigt, dass es sich bei Corporate Urban Responsibility zunehmend um strategische Investitionen zur Ausweitung des wirtschaftlichen Handlungsspielraums handelt. Inwiefern multinationale Unternehmen unter den aufgezeigten Bedingungen durch ihr Engagement zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen, wird einer kritischen Betrachtung unterzogen.
Kerstin Falk

Anwendung & Best Practice

Frontmatter

Initialkapital für den Stadtteil – die Urbane Nachbarschaft Samtweberei

Zusammenfassung
Mit dem Programm „Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung“ hat die Montag Stiftung Urbane Räume gAG ein Modellvorhaben gestartet, das Immobilienentwicklung, Gemeinwesenarbeit und zivilgesellschaftliches Engagement miteinander kombiniert, um Chancengerechtigkeit und Gemeinwohl in benachteiligten Stadtquartieren zu stärken. Durch Investitionen in Schlüsselimmobilien eines Stadtviertels und die enge Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort sollen wichtige Impulse für die weitere Entwicklung gesetzt werden. Das in die Immobilien investierte Kapital soll – bei günstigen Mieten und Pachten – Überschüsse erzielen, die dauerhaft einen Teil der stadtteilbezogenen Gemeinwesenarbeit finanzieren und zur Förderung von mehr Teilhabe, Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft im Viertel verwendet werden. Ein erstes Pilotprojekt wird gegenwärtig im Krefelder Samtweberviertel umgesetzt. Die dortige Schlüsselimmobilie ist die Alte Samtweberei, deren umfänglicher Gebäudebestand für Wohnen, Arbeiten und verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen entwickelt wird.
Das Modellvorhaben kombiniert bewährte und besondere Instrumente der gemeinwohlorientierten Immobilienentwicklung und möchte das Zusammenwirken von staatlichem, kommunalem, unternehmerischem und zivilgesellschaftlichem Handeln erfolgreicher machen. Es richtet sich daher nicht nur an Kommunen und zivilgesellschaftliche Initiativen, sondern auch an Wohnungsunternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung in schwachen Immobilienmärkten und schwierigen Stadtvierteln gerecht werden möchten.
Oliver Brügge, Frauke Burgdorff, Dirk E. Haas

„Stadtteilpatenschaften“ in Nürnberg

Zusammenfassung
Die Idee der Stadtteilpatenschaften ist einfach: Ein Unternehmen, eine Stiftung oder ein Serviceclub übernimmt die Rolle des Paten für einen (strukturschwachen) Nürnberger Stadtteil. In enger Zusammenarbeit mit der Kommune engagiert er sich in besonderem Maße für die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und jungen Menschen im Stadtteil. Die Stadt Nürnberg verfügt über gute Strukturen für eine stadtteilorientierte Zusammenarbeit, wodurch das Format der Stadtteilpatenschaft bei sechs Partnern auf positive Resonanz stoßen konnte: Mehrjähriges Engagement für einen Stadtteil, eine alleinige Patenschaft pro Stadtteil, eine kooperative, konsensorientierte Zusammenarbeit, eine jährliche finanzielle Beteiligung an Stadtteilprojekten in Höhe von mindestens 20.000–25.000 Euro, das zusätzliche ideelle Engagement für den Stadtteil. Mittlerweile sind alle Stadtteile, für die die Stadt Nürnberg „einen besonderen Entwicklungsbedarf“ festgestellt und Stadtteilkoordinationen eingerichtet hatte, mit einer Patenschaft bedacht. In Nürnberg sind damit dauerhafte und finanziell anspruchsvolle Stadtteilpatenschaften mit exklusivem Fördercharakter entstanden, die neben Sach‐, Geld‐ und Dienstleistungen auch viel persönlichen Einsatz umfassen.
Alexander Brochier, Uli Glaser, Heike Wolff

Private Initiativen in der Stadtentwicklung am Beispiel von Business Improvement Districts (BIDs)

Zusammenfassung
Mit Business Improvement Districts (BIDs) werden neue Wege der Zusammenarbeit beschritten. Bürger, Eigentümer und Gewerbetreibende schließen sich zur Aufwertung und Revitalisierung von Einkaufsstraßen und Stadtplätzen mit der öffentlichen Hand zusammen. Business Improvement Districts führen zu einer neuen Form von Urban Governance. Es sind nicht mehr nur das Stadtplanungsamt und das Hoch‐ und Tiefbauamt, die sich – nach den politischen Vorgaben – um das öffentliche Infrastrukturangebot und die Flächenbereitstellung kümmern. Vielmehr wird der öffentliche Raum, die Einkaufsstraße oder das Stadtviertel von Bürgern, Einzelhändlern, Gastronomen und Eigentümern gemeinsam mit der öffentlichen Hand aufgewertet. Das setzt eine neue Form von Dialog und des Miteinanders voraus – weg vom rein hoheitlichen Handeln. Dabei geht es bei BID‐Projekten und dieser Form von Urban Governance nicht darum, Aufgaben der öffentlichen Hand, wie den Bau und die Instandhaltung von Straßen oder Bürgersteigen zu übernehmen. Business‐Improvement‐Districts‐Maßnahmen sind solche, die über das öffentliche Infrastrukturangebot hinausgehen. Beispielsweise für mehr Sauberkeit in der Einkaufsstraße zu sorgen, durch zusätzliche Reinigungsdienste oder neue/weitere Pflanzen. Es wird für eine angenehmere Atmosphäre und Aufenthaltsqualität gesorgt und von den Anliegern gepflegt. Wie das gelingen kann, wird anhand von Beispielen aus Flensburg, Hamburg und dem Stadtteil Barmen‐Werth in Wuppertal dargestellt.
Tine Fuchs

Prozess- und Strukturförderung ersetzt Projektförderung in der lokalen CSR- und Engagementpolitik

Zusammenfassung
Das gesellschaftliche Unternehmensengagement wird im Kontext der Stadt‐ und Quartiersentwicklung bislang oft in der Art praktiziert, dass einzelne Projekte mit Geld‐ oder Sachspenden über einen gewissen Zeitraum oder einmalig gefördert werden. Dieses Handeln erzielt oft nur kurzfristige Wirkungen und gilt vor dem Hintergrund eines wachsenden und neuen Aufgabenspektrums nicht mehr als ausreichend. Dieser Beitrag nennt die Defizite der Projektförderung und antwortet mit den notwendigen Grundlagen für eine neue Engagementpolitik, die auf Prozess‐ und Strukturförderung für erfolgreiche Kooperationen setzt. Der Weg zu mehr Prozessqualität wird beispielhaft am Projekt „Engagierte Stadt“ aufgezeigt.
Loring Sittler

Neue Kooperationen initiieren: Unternehmensengagement für die soziale Stadtentwicklung

Zusammenfassung
Das Engagement von Unternehmen im Gemeinwesen in Kooperationsprojekten mit gemeinnützigen Organisationen und der öffentlichen Verwaltung kann zusätzliche Kompetenzen, Ressourcen und Bündnispartner für die soziale Stadtentwicklung mobilisieren. Solche Kooperationen können gezielt initiiert, verbreitet und verankert werden. Der Beitrag beschreibt konkrete übertragbare Ansätze, die bereits in vielen Kommunen funktionieren, und benennt wesentliche Voraussetzungen.
Reinhard Lang

Werkswohnungsbau als wiederentdeckte Aufgabe

Zusammenfassung
Im Jahr 2011 haben sich die Stadtwerke München GmbH (SWM) entschlossen, binnen 10 Jahren mittels der „Werkswohnungsoffensive“ die Anzahl der Mitarbeiterwohnungen auf 1100 Wohneinheiten zu verdoppeln. Während sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten eine Vielzahl von Unternehmen von ihren Werkswohnungsbeständen getrennt haben, zeigt der folgende Beitrag auf, welche Motivation das Unternehmen bei der Umsetzung dieses ehrgeizigen Programms treibt, wo Restriktionen, wo Potenziale bestehen und in welcher Form die Werkswohnungsoffensive umgesetzt wird.
Peter Kadereit

Stadtentwicklung durch gesellschaftliches Engagement – Die Rolle von Sparkassen und Sparkassenstiftungen

Zusammenfassung
Durch ihr gesellschaftliches Engagement tragen Sparkassen und die von ihnen errichteten Stiftungen zur Zukunftsfähigkeit von Städten und Regionen bei. Sparkassen und ihre über 700 Stiftungen unterstützen jedes Jahr gesellschaftliche Belange mit rund 500 Mio. €. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist der größte nicht-staatliche Förderer sowohl von Kunst und Kultur als auch des Breitensports sowie einer der größten Förderer im sozialen Bereich. Der vorliegende Beitrag erläutert, in welcher Form Sparkassen und ihre Stiftungen zur Entwicklung von Städten und Regionen beitragen und auf welcher Grundlage dies geschieht.
Susanne Uhlen

Unternehmerisches Engagement für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Duderstadt

Der Medizintechnikhersteller Ottobock prägt eine Region
Zusammenfassung
Die Idee der Förderung von Menschen und die Unterstützung der Gesellschaft sind für das 1919 gegründete Familienunternehmen Ottobock Teil des Selbstbildes. Der international tätige Konzern mit Stammsitz in Duderstadt, prägt den Ort und eine ganze Region, sowohl als großer Arbeitgeber als auch durch gesellschaftliches Engagement. Viele Initiativen der Stadtentwicklung und Kulturförderung in der südniedersächsischen Kleinstadt werden durch das Unternehmen und seinen Inhaber gefördert. Dabei sind die Übergänge zwischen CSR‐Aktivitäten des Konzerns und des Firmeneigentümers fließend. Zur Analyse können die einzelnen Projekte auf verschiedenen Stufen des CSR-Reifegradmodells nach Schneider dargestellt werden.
Sebastian Tränkner, Carolin Schwarz

Gemeinsam für die Stadt: Community Organizing und die Rolle der Unternehmen

Zusammenfassung
Mit dem Ansatz des Community Organizing werden Gruppen der Zivilgesellschaft gemeinsam handlungsfähig und führen auf kommunaler Ebene in Verhandlung mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft positive strukturelle Veränderungen herbei. Unternehmen nehmen dabei einerseits die Rolle als Verbündete und Unterstützer an, andererseits treten sie situativ als Verhandlungspartner auf. Wenn Corporate Social Responsibility als Corporate Citizenship oder als Corporate Political Responsibility verstanden wird, entstehen daraus spannende Partnerschaften mit gegenseitigem Nutzen. Gerade in Bereichen, in denen Unternehmen und zivilgesellschaftliche Gruppen gleiche Interessen haben, können dadurch produktive Win‐win‐Situationen entstehen.
Tobias Meier

Von Heuschrecken und alten Wurzeln

Kleine und mittlere Unternehmer meistern die Herausforderungen der ländlichen Regionen
Zusammenfassung
Unternehmer im ländlichen Raum handeln oft aus sozialer Verantwortung und verfolgen dabei selten explizite Corporate-Social-Responsibility-Strategien. Vielmehr bestimmen ein anderes Sozialgefüge auf dem Land und ein oft stark ausgeprägtes Umweltbewusstsein ihr Engagement. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind tendenziell darum bemüht, Netzwerke zu bilden und dadurch ihre Region aktiv mitzugestalten. Im Bereich der Landwirtschaft spielen Unternehmen des Ökolandbaus eine Vorreiterrolle im Hinblick auf ihr soziales Bewusstsein, der Schaffung eines Mehrwertes für die Region und der Etablierung von regionalen Wertschöpfungsketten.
Mathias Burke, Eleonore Harmel, Leon Jank

CSR und Stadtrendite bei degewo: eine erste Bilanz

Zusammenfassung
Als die größte Berliner Städtische Wohnungsbaugesellschaft degewo im Jahre 2005 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Management an der Humboldt Universität Berlin erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Modell für die Stadtrendite entwickelte, war das auch eine Antwort auf die damalige Kritik an den öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften. Viele Politiker und Journalisten hatten vor allem deren niedrige Bewirtschaftungsrendite im Vergleich zu privaten Immobilienunternehmen kritisiert.
Mit der erstmaligen Berechnung der Stadtrendite in Euro und Cent konnte degewo nachweisen, dass die Gesamtrendite eines kommunalen Wohnungsbauunternehmens nicht nur aus der betriebswirtschaftlichen Dividende besteht, sondern ergänzt werden muss durch eine zusätzliche Rendite, die aus den vielen Aufgaben resultiert, die diese Unternehmen im Auftrag ihres Gesellschafters zusätzlich wahrnehmen – also Corporate Social Responsibility im besten Sinne.
Unternehmen wie degewo sind in ihren Quartieren nicht nur Immobilieneigentümer und Vermieter, sondern wirken weit darüber hinaus: Sie beeinflussen das Wohnumfeld und damit auch die Attraktivität der Stadt. Sie fördern das Sozialleben durch ihre Vermietungspolitik sowie die Unterstützung von Projekten mit Räumen, Geld und Personal. Sie bieten Mieten auch unterhalb des Mietspiegels und übernehmen Kosten für soziale Integration sowie für schulische und berufliche Förderungen.
Die Autoren Reinhard Heitzmann und Janko Jost ziehen in diesem Beitrag erstmals eine vorläufige Bilanz der erwirtschafteten Stadtrendite von degewo für den Zeitraum von 2005 bis 2015. Darüber hinaus zeigen sie an Beispielen, wie sich eine „integrierte Quartiersentwicklung“ als Grundlage von CSR und Stadtrendite positiv auswirkt. Die Autoren weisen auf die herausragende Rolle von großen Städten in der Zukunft hin und empfehlen den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, dass sie ihre stabilisierende gesellschaftliche Funktion am Markt klar, offensiv und selbstbewusst nach innen und außen vertreten, auch mit Zahlen und Belegen für ihre CSR und ihre erwirtschaftete Stadtrendite.
Reinhard Heitzmann, Janko Jost

Verantwortungspartner für Lippe – ein Beitrag zur Regionalentwicklung durch lokales Engagement im unternehmerischen Verbund

Zusammenfassung
Für die Entwicklung von Städten und Landkreisen haben Unternehmen eine besondere Bedeutung. Klassisch beeinflussen Unternehmen mit ihren Arbeitsplätzen, der Wertschöpfung am Standort und ihren Steuern und Beiträgen ökonomische, ökologische und soziale Faktoren von Gebietskörperschaften. Die meisten Kommunen in Deutschland haben massive Haushaltsprobleme oder befinden sich bereits in der Haushaltssicherung. Leistungseinschränkungen sind an der Tagesordnung. Um diesen Prozess zu unterbrechen gilt es, das Engagement der Stadtgesellschaft, hier der Unternehmen aufzunehmen, und mithilfe der Unternehmen die Chancen des Standortes zu verbessern.
Mit dem Verantwortungspartnermodell kann das gesellschaftliche Engagement mehrerer Unternehmen an einem Standort gebündelt und in bestimmte Projekte, die für die Region von besonderer Relevanz sind, kanalisiert werden. Die „Verantwortungspartner für Lippe“ haben mit Dienstleistungen und konkreten Projekten dazu beigetragen, die Entwicklungschancen ihrer Region zu verbessern. In vier Arbeitsgruppen engagieren sich ca. 70 Unternehmerinnen und Unternehmer für die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der beruflichen Orientierung junger Menschen für naturwissenschaftlich-technische Berufe, für eine bessere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Unternehmen oder für die bessere Einbindung älter werdender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben.
Rolf Merchel

Zukunft, Ausblick & Perspektiven

Frontmatter

Ausblick: CSR in der Stadt von Morgen

Zusammenfassung
Welche Bedeutung wird CSR in der Stadt von Morgen haben? Dieser Frage geht dieser Beitrag nach und arbeitet heraus, dass die wachsende Komplexität der kommunalen Aufgaben (Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise), die beengten Kommunalfinanzen und der damit verbundene verstärkte Rückzug öffentlicher Akteure auf eher Rahmen setzende und moderierende Aktivitäten zu einem Pull‐Effekt für Unternehmen führen werden, in dieses Handlungsvakuum weiter vorzudringen und entsprechende Aufgaben in der Stadt(‐entwicklung) zu übernehmen. Hinzu treten Push‐Effekte, wie generell ein wachsendes wirtschaftliches Umfeld, die zunehmende Digitalisierung, die weitere Terziärisierung und der Fachkräftemangel sowie die Glaubwürdigkeitsprobleme der Unternehmen im Zuge der Finanz‐ und Wirtschaftskrise, die als weitere Treiber für Aktivitäten von Unternehmen im Bereich CSR fungieren. Auch die Fortführung und Ausweitung von Förderprogrammen zur Sensibilisierung und Verankerung von CSR‐Strategien in KMU werden diese Entwicklung weiter begünstigen.
Guido Spars

Geek-Towns

Wie die Technologiefirmen des Silicon Valley ihr städtisches Umfeld verändern
Zusammenfassung
Der Einfluss der Technologiefirmen im Silicon Valley manifestiert sich nicht nur im Digitalen, sondern zunehmend auch in einem urbanen Kontext. Die Campusse von Apple, Facebook und Google stehen exemplarisch für ein neues Verständnis des Arbeitsumfeldes, bei dem die Grenzen zwischen Persönlichem und Dienstlichem, Privatem und Öffentlichem zunehmend verwischen. Darüber hinaus strahlen die Unternehmenssitze nachteilig in ihr städtisches Umfeld aus: steigende Mieten, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und lokalpolitische Einflussnahme sind einige der Folgen. Gleichzeitig engagieren sich die Firmen jedoch wohlwollend für ihren Standort. Sie investieren in Infrastruktur, unterstützen soziale Projekte oder treiben den Wohnungsbau voran.
Das nahegelegene San Francisco profitiert von der wirtschaftlichen Stärke des Silicon Valley, doch die hohe Konzentration an Kapital führt auch zu Verwerfungen auf dem Wohnungs‐ und Immobilienmarkt und zur Verdrängung weitreichender Bevölkerungsschichten. Mit dem Aufkommen von Geek‐Towns, technologisch optimierten und von Firmeninteressen geleiteten Stadträumen, droht die freiheitliche und pluralistische Essenz der Urbanität verloren zu gehen.
In Europa gilt Berlin als aufstrebendes Zentrum der Digital‐ und Startupindustrie. Die Anzahl der in dem Sektor Beschäftigten steigt und es entstehen erste Firmencampusse nach amerikanischem Vorbild. Obwohl ähnliche Auswirkungen wie im Silicon Valley in Berlin gegenwärtig noch nicht zu befürchten sind, erscheint es angemessen, frühzeitig auf die möglichen Folgen entstehender Geek-Towns für Urbanität und Stadtgesellschaft hinzuweisen.
Felix Hartenstein

CSR auf dem Weg in die digitalmoderne Stadt

Zusammenfassung
Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche der Lebens‐ und Arbeitswelt. Sie ist der Motor ökonomischer Wandlungs‐ und Entwicklungsprozesse, gleichzeitig verändert sie das soziale Miteinander. Vor diesem Hintergrund wird auch das Unternehmensengagement von der Digitalisierung erfasst: das bedeutet neue Formen von CSR, veränderte CSR‐Kommunikation und neue Akteure aus der Digital‐ und Internetwirtschaft. Im Kontext der nachhaltigen Stadtentwicklung ist die Digitalisierung zudem eine zentrale Komponente für aktuelle Herausforderungen und neue Entwicklungschancen. Welche Rolle spielt CSR in der digitalmodernen Stadt und welche Rolle übernehmen dabei Unternehmen der Digitalwirtschaft? Den Weg dorthin und einen Einblick in diesen Themenkomplex soll dieser Beitrag eröffnen.
Hans-Hermann Albers
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