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12.10.2016 | Elektromobilität | Nachricht | Onlineartikel

Weber: "Wir müssen uns an die Spitze der Elektromobilität stellen"

Autor:
Thomas Siebel

Beim Aachener Kolloquium diskutieren bis zum heutigen Mittwoch 1800 Experten über die Zukunft von Fahrzeug und Motoren. Das Treffen liefert zahlreiche technische Vorträge – und Stoff für Kontroversen.

Zum 25. Jubiläum des Aachener Kolloquiums stellten die RWTH-Professoren Dr.-Ing. Pischinger und Dr.-Ing. Eckstein in ihrer Einführungsrede fest, dass viele Themen der ersten Veranstaltung im Jahre 1987 auch heute noch hochaktuell sind – ob es nun um Motorklopfen, Abgasturbolader oder die Simulation von Einspritzvorgängen geht. Und dennoch, das Themenspektrum hat sich mittlerweile deutlich erweitert – und auch künftig muss die Automobilindustrie fortwährend neue Kompetenzen aufbauen. Das meint Keynote-Redner Professor Dr. Thomas Weber, Vorstandsmitglied bei Daimler und verantwortlich für Konzernforschung und Entwicklung.

Vier Zukunftsthemen für die Automobilindustrie

Vernetzung, autonomes Fahren, Shared Economy, Elektrifizierung – das sind laut Weber die vier großen Zukunftsthemen für die Automobilindustrie. Dabei sei es Aufgabe der Autoindustrie, die an sich schon komplizierten Themen in einem Systemverbund zu vernetzen. Genau hier müsse die Autoindustrie zeigen, dass sie das besser könne "als jemand der Handys baut". Beispielhaft nannte Weber "In Car Office", eine gemeinsame Entwicklung von Daimler und Microsoft, die es Fahrern erlaubt, permanent online zu sein, etwa um Telefonkonferenzen vom Auto aus zu organisieren.

Das vernetzte Fahren erfordert laut Weber Forschung auf zahlreichen Gebieten, etwa in der Sensorik für eine bessere Umfelderkennung oder der Aktuatorik. Besonders hob er jedoch die Bedeutung von Datenverarbeitung und maschinellem Lernen hervor. Zum einen müsse die Datenflut beherrscht werden: Kameradaten müssen vereinfacht, Autos und Menschen sofort als solche identifiziert werden. Und schließlich müsse dem Auto beigebracht werden, die richtigen Entscheidungen in einer autonomen Fahrsituation zu treffen. Gleichzeitig warnt Weber, dass die Weiterentwicklung des Autos alleine längst nicht mehr ausreiche. Genauso müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, die vernetztes Fahren überhaupt erlaube. Im Zusammenhang mit dem Kartendienst Here und der Erzeugung präziser und situationsgetreuer 3D-Karten rief er alle Hersteller auf, sich an der Entwicklung zu beteiligen.

"Eine Verteidungsstrategie fällt uns auf die Füße" 

Die Aufgabe eines Keynote-Vortrags besteht auch darin, Denkanstöße zu liefern, vielleicht sogar zu provozieren. Dass Thomas Weber das gelungen ist, bewies die anschließende Diskussion, in der er sich zum Teil kritischen Fragen zur nun auch bei Daimler hohen Wertschätzung des elektrifizierten Antriebs stellen musste. Unter anderem wurde angemerkt, dass mit dem Fokus auf die Elektromobilität große Summen in eine Entwicklung gesteckt würden, die bisher – gerade im Bereich der Batterietechnik – noch nicht ausreichend beherrscht würde. Zudem sei der Absatz von Elektrofahrzeugen so gering, dass sich die Investitionen kaum lohnten.

Weber trat dieser Ansicht entschieden entgegen: "Auch nach 130 Jahren Automobilentwicklung haben wir immer noch das Problem, als Verhinderer gesehen zu werden". Dabei erinnerte er an den gescheiterten Widerstand der Autoindustrie gegen Katalysator und Partikelfilter. Er warnt in der Debatte um künftige Antriebstechnik, sich auf eine Verteidungsstrategie zu versteifen – diese falle der Autoindustrie früher oder später auf die Füße.

Stattdessen sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich an die Spitze der Elektromobilität zu stellen – da diese ohnehin komme. Wichtig bleibe dabei die Weiterentwicklung der Batterie, der Schlüsselkomponente für die kommenden Antriebssysteme. Mit einem Batteriepreis von 100 €/kWh könne Kunden ein akzeptables Kosten- und Reichweitenverhältnis geliefert werden. Dass dieses Preisniveau in den naher Zukunft auch erreicht würde, hält Weber für realistisch.

Schließlich outet sich Weber auch als passionierten Fahrer eines Elektroautos. "In der Stadt gibt es keine bessere Fortbewegung als das elektrische Fahren". Und dennoch müsse man nicht polarisieren – das Elektroauto eigne sich für die Stadt, während bei Überland- und Autobahnfahrten bisher die anderen Antriebe ihren Platz haben.

Toyotas New Global Architecture

Im zweiten Keynote-Vortrag stellte Masanori Sugiyama, Geschäftsführer bei Toyota, die neue modulare Plattform "Toyota New Global Architecture" (TNGA) für die neuen Fahrzeugmodelle vor. Speziell ging er dabei auf das neue Fahrwerk mit niedrigerem Schwerpunkt, die insgesamt leichtere und kompaktere Bauweise, die neuen Motoren mit hocheffizienter Verbrennung und die Kraftübertragung mit Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe ein. Insgesamt würden dadurch eine bessere Fahrdynamik und ein höherer Fahrkomfort erreicht.

Beim heute zu Ende gehenden Aachener Kolloquium nahmen mehr als 1800 Gäste aus etwa 30 Ländern teil. Ausrichter sind das Institut für Kraftfahrzeuge (ika) und der Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA) an der RWTH Aachen.

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