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11.02.2016 | Emissionen | Nachricht | Onlineartikel

DUH stellt bei Fiat erhöhte NOx-Emissionen fest

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Laut Deutscher Umwelthilfe überschreitet Fiat bei einem SUV-Modell deutlich die Grenzwerte für NOx-Emissionen. Fiat aber betont, dass seine Dieselmotoren alle gültigen Emissionsvorschriften erfüllen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat zum vierten Mal Stickoxid (NOx)-Emissionen eines Diesel-Pkw bei der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule in der Schweiz untersuchen lassen, wie die Organisation mitteilt. Getestet wurde ein Fiat SUV 500X 2.0 MJ (Euro 6, EZ 2015, 4400 km Laufleistung). Bei allen auf dem Rollenprüfstand gefahrenen Tests mit betriebswarmem Motor habe der Fiat sehr hohe NOx-Emissionen aufgewiesen. Die Werte sollen laut DUH den geltenden Grenzwert für Euro-6-Fahrzeuge um das 11 bis mindestens 22-fache mit einem ausgewiesenen Wert von 1.777 mg NOx/km überschreiten. Bei den Messungen dieses SUV sei häufig der Messbereich des Labormessgerätes für Stickoxide überschritten, die tatsächlichen NOx-Emissionen wären somit noch höher, wie die DUH betont.

Insgesamt habe man acht Prüfungen, davon vier nach dem Prüfzyklus (NEFZ), auf dem Rollenprüfstand gefahren. Nur bei den beiden NEFZ-Messungen im "kalten" Fahrzeugzustand und mit einer speziellen Konditionierung am Vortag seien wie erwartet mit 133 beziehungsweise 105 mg NOx/km relativ niedrige Werte nahe dem Euro-6-Grenzwert gemessen worden, erklärt die DUH. Alle Messungen im betriebswarmen Zustand, bei dem normalerweise die Abgasemissionen niedriger ausfallen, zeigten extreme Erhöhungen. Das Fahrzeug habe während oder nach den Tests keinen sogenannten OBD-Fehler (On-Board-Diagnose) über die Warnlampe gemeldet.

Fiat weist Vorwürfe zurück

Fiat hatte kürzlich generell auf die Diskussion um umstrittene Diesel-Emissionen reagiert und nach einer internen Untersuchung erklärt, seine Dieselmotoren würden alle geltenden Emissionsvorschriften erfüllen. Ferner betont das Unternehmen, dass seine Diesel-Fahrzeuge über "keine Vorrichtung zur Erkennung von Prüfstand-Situationen im Labor oder zur Aktivierung einer Funktion für Emissions-Steuerung speziell bei Labortests" verfügten. Dieselfahrzeuge des Fiat Chrysler-Konzerns (FCA), "die nach dem einzigen Testzyklus geprüft werden, den das Europäische Gesetz (NEDC) vorschreibt, halten die vorgeschriebenen Grenzwerte ein und entsprechen den jeweiligen gesetzlichen Anforderungen", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens vom Februar weiter.

Daneben arbeite Fiat proaktiv daran, die Emissionen seiner Diesel-Fahrzeuge zu verbessern und spreche sich für RDE-Messverfahren aus. Als freiwillige Maßnahme aktualisiere FCA seine Euro-6-Kalibrierungen bis April 2016 mit neuen Datensätzen zur Verbesserung des Abgasverhaltens unter realen Fahrbedingungen. Zusätzlich beabsichtige FCA, seine laufenden Programme zum Einsatz der Technologie Active Selective Catalytic Reduction (SCR) zu erweitern. SCR soll beginnend mit dem zweiten Quartal 2017 auch in anderen Dieselmotor-Familien verfügbar sein.

Auch Mercedes-Benz, Opel, BMW und Renault im Visier der DUH

Die DUH hat in den vergangenen Monaten ähnliche Vorwürfe gegen Opel, Renault, BMW und Mercedes-Benz wegen stark erhöhter Stickoxid-Emissionen erhoben. Die Autohersteller erklärten jeweils, die Grenzwerte einzuhalten.

Der international tätige Verkehrsexperte Axel Friedrich erklärt: "Die zwischenzeitlich festgestellten extremen Überschreitungen der NOx-Emissionen bei einem Opel Zafira, einem Renault Espace, einer Mercedes-Benz C-Klasse und nun einem Fiat-SUV sind technisch nicht plausibel und weisen auf Abschalteinrichtungen hin. Doch anstatt die vorgelegten Messungen zum Anlass für eine Überprüfung auf das Vorhandensein von Abschalteinrichtungen zu nehmen, kämpft die Bundesregierung für Aufweichungen zukünftiger Abgasgrenzwerte für Diesel-Pkw in Europa - zuletzt in Straßburg bei der Abstimmung über die Einführung der Real Driving Emissions am vergangenen Mittwoch im EU-Parlament."  

Hier finden Sie den von der DUH beauftragten Prüfbericht zu NOx-Messungen an einem Fiat 500X 2.0 MJ.

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Quelle:
Abgastechnik für Verbrennungsmotoren

01.09.2015 | Emissionen | Sonderheft 8/2015

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