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29.03.2018 | Konsumentenkredit | Im Fokus | Onlineartikel

Gewinnspiele mit Krediten

Autor:
Anja Kühner

Online-Kreditplattformen stehen in hartem Wettbewerb untereinander. Dieser gipfelte in einem absurden Gewinnspiel, in dem nicht rückzahlbare "Kredite" sozusagen verlost wurden. Auch Check24 warb aktuell wieder mit Krediten zu minus fünf Prozent. Die Zinsspirale dreht sich weiter.

Die Zinsspirale bewegt sich schon seit Jahren abwärts: Erst Niedrigzinsen, dann Nullzinsen, zuletzt Minuszins. Das galt zunächst für Guthaben, inzwischen auch für Kreditzinsen. Den Auftakt machte das Berliner Fintech Smava im vergangenen Sommer, und bot einen Ratenkredit mit einem Negativzinssatz von minus 0,4 Prozent effektivem Jahreszins an. Am 26. Februar 2018 zog Check24 mit einem Zins von minus 1,5 Prozent nach. Ein heftiger Zinskampf der beiden Kreditvergleichsplattformen folgte, der bis zu minus fünf Prozent ging und auch aktuell wieder im TV mit Werbespots beworben wird. Finanzcheck.de konterte damals mit einem minus 100-Prozent-Kredit. Oder anders formuliert: Das Portal schenkte den ersten 100 Antragstellern jeweils 1.000 Euro – denn nichts anderes ist es, wenn Geld ausgereicht wird, aber nicht zurückgezahlt werden muss. In weniger als zwei Stunden war der Lostopf leer und alle 100 erfolgreichen Antragsteller hatten ihre Gewinnbenachrichtigung per E-Mail erhalten, die "Kreditzusage". "Was Betriebswirtschaftler als wahnwitzig bezeichnen würden, ist in Wahrheit eine gezielte Marketingaktion", beschreibt Horizont.net die Maßnahme. Die gut 100.000 Euro aus dem Marketing-Budget waren also gut investiert.

Direkt nach der Aktion hat Finanzcheck.de mit seiner Rückkehr zum Nullzins ein "deutliches Zeichen" gegen die Minuszinsen-Spiral gesetzt. "Das Feedback unserer Kunden hat uns bestätigt: Der aufgeklärte Verbraucher versteht, dass derartige Zinsaktionen nicht für den Kunden gemacht sind, sondern vielmehr bewusste Angriffe gegen den Wettbewerb und die Banken sind", erklärt Moritz Thiele, Gründer und CEO von Finanzcheck.de. Geld zu verschenken stelle keine langfristige Lösung für ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen dar.

Alles nur Marketing?

 "Das Angebot ist ein reines Marketinginstrument, um Daten und neue Kunden zu gewinnen“, kommentiert Niels Nauhauser, Abteilungsleiter des Fachbereichs Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die Abwärts-Zinsspirale. Er weist damit auf ein weiteres Ziel solcher Aktionen hin: Auch wenn ein Kredit nicht bewilligt wird – oder der Antragsteller zu spät zur Verschenk-Aktion kam: Die Vergleichsportale erhalten detaillierte Datensätze von attraktiven – da solventen – Kunden, die sie auch weiterhin nutzen können, beispielsweise um künftig Kreditangebote zu unterbreiten. Denn: "Entsprechende Kredite sind in der Regel nur für eine Kundenschicht abschließbar, die eigentlich keinen Kredit benötigt", erklärt Daniel Franke, Betreiber des Fachportals Kreditvergleich.net. Denn Voraussetzungen für einen Minuszins-Kredit seien eine sehr gute Bonität und eine maximal positive Schufa-Auskunft. "Wir sehen hier einen ruinösen Preiskampf und Verdrängungswettbewerb, der aus dem Marketingbudget oder aus Investitionsrunden finanziert wird", so Franke.

Instrument zum Daten sammeln

Auch Stefan Graß, Kreditexperte bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro, weist auf das erfolgreiche Generieren wertvoller Datensätze hin: Mit ihrer Aktion hätten die Kreditportale viele neue Kundendaten inklusive aller Bonitätsinformationen finanziell solider Kunden erhalten. Seine Analyse: "Der Kampf um die Kunden auf dem Markt für Ratenkredite nimmt weiter an Dynamik zu. Die Marke der Banken zieht im klassischen Ratenkreditgeschäft nicht mehr." So genannte White-Label-Produkte hätten weitgehend die gleiche Stellung wie der Kredit einer etablierten Bank erreicht. Etablierte Institute, die im Massengeschäft mithalten wollen, müssten daher ihre Prozesse bis zum letzten Schritt konsequent automatisieren, unter vollständiger technischer Integration der Vertriebskanäle. Es bleibe allerdings durchaus Raum für maßgeschneiderte Angebote. Banken sollten sich als Partner unentbehrlich machen und auf das fokussieren, was die Kunden wollen. Dann seien höhere Zinsen durchsetzbar, wie auch die Erfahrungen im Zuge der Erhöhung der Kontoführungsgebühren zeigen, ist der Cofinpro-Kreditexperte überzeugt. Insbesondere Filialbanken, die auf ihren Vertriebskanälen den Vorteil der besseren Kundenkenntnis nutzen, können sich dem Trend entgegenstellen.

Banken und Sparkassen halten sich bedeckt

Auf Nachfrage von Springer Professional bei Verbänden der Banken und Sparkassen ist das Kopfschütteln über die jüngste, "schon geschickte" Marketing-Aktion einhellig. Offizielle Stellungnahmen gibt es keine – nur den Hinweis: "Wir äußern uns zum Geschäftsgebaren einzelner Wettbewerber grundsätzlich nicht." "Die deutschen Sparkassen haben noch nie etwas verschenkt und dies auch stets abgelehnt. Eine gutes Angebot muss auch etwas wert sein und zu einem fairen Preis angeboten werden", heißt es aus Sparkassen-Kreisen. Ähnliches kommt auch aus dem genossenschaftlichen Lager: "Die Volksbanken und Raiffeisenbanken nehmen für sich in Anspruch, ihren mehr als 30 Millionen Kunden in allen Fragen des Bankgeschäftes ein verlässlicher Partner zu sein, auch in Finanzierungsfragen." Begrenzte und eher theoretische Kreditangebote würden daher nicht zu den Genossenschaftsbanken passen.

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