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28.11.2014 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Die Herrenriege muss Plätze räumen

Autor:
Anja Schüür-Langkau
3:30 Min. Lesedauer

Die Frauenquote für Aufsichtsräte ist beschlossen. Sie ist aber nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer wirklichen Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt. Ein Kommentar.

Die Bundesregierung hat jetzt Tatsachen geschaffen. Ab 2016 müssen die rund 100 börsennotierten Unternehmen ein Drittel ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. Darauf haben sich Union und SPD nun geeinigt. Sollten die Unternehmen dieser Frauenquote nicht nachkommen, bleiben die Plätze unbesetzt. "Ich bin mir sicher, dass am Ende kein Stuhl leer bleibt, weil es genug Frauen gibt, die qualifiziert sind, genau diese wichtigen Jobs zu machen", zitiert N-TV die Frauenministerin Manuela Schwesig. Das Konzept sieht außerdem vor, dass sich die 3.500 mittelgroßen Firmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen sollten. Bei den zehn umsatzstärksten Dax-Unternehmen sieht die Situation allerdings besser aus. So zitiert Tagesschau.de eine Statista-Auswertung, nach der die Unternehmen Allianz, Deutsche Telekom und die Deutsche Post schon über der geforderten 30 Prozent-Marke liegen. Und Daimler, BMW, Siemens und BASF sind mit einem Frauenanteil von 25 Prozent schon auf einem guten Weg.

Deutsche Aufsichtsräte sind männlich, deutsch und über 60 Jahre

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Es verwundert kaum, dass diese Entscheidung in den deutschen Vorstandsetagen auf wenig Gegenliebe stoßen wird. Denn der Handlungsbedarf ist groß. Wie die aktuelle Studie „Board Diversity Index“ zeigt, sind die Aufsichtsratsposten zur Zeit immer noch zu fast 80 Prozent mit Männern besetzt. Dabei dominieren die Über-60-Jährigen mit 63 Prozent. 72 Prozent haben einen deutschen Pass und 47 Prozent ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. "2013 und 2014 waren Superwahljahre für Aufsichtsräte, die Aktionärsseite hat fast die Hälfte ihrer Positionen neu besetzt. Doch ein Durchbruch zu mehr Vielfalt in den Gremien ist nicht gelungen", zitiert das Magazin "Markenartikel" den Studienautor Klaus Schweinsberg.

Gefahr der Ämterhäufung steigt

Das Bestreben, die Gleichbehandlung von Frauen im Arbeitsleben voranzutreiben, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch birgt die neue Quote die Gefahr, das nur die wenigen Frauen gefragt werden, die schon Erfahrungen als Aufsichtsrat haben. Und bekanntlich trägt Ämterhäufung nicht zur Qualität dieses Gremiums bei. Eine wichtige Aufgabe der Räte ist es, den Vorstand zu beraten. Doch das gelingt nur, wenn die Räte die Zeit und die Kompetenz haben, strategische Unternehmensentscheidungen zu bewerten. Doch diese Kompetenz fehlt in vielen Aufsichtsräten schon heute. Im Beitrag "Eine Roadmap für den Aufsichtsrat" fasst Springer-Autor Peter Ruhwedel die Anforderungen, die Aufsichtsräte erfüllen müssen, zusammen (Seite 193). Danach müssen Aufsichtsräte neben den rechtlichen Mindestanforderungen eigenverantwortlich handeln (keine Weisungsgebundenheit), verschwiegen (striktes Stillschweigen), unabhängig vom Unternehmen und gewissenhaft sein. Und vor allem der letzte Punkt erforderte dem Autor zufolge einen ausreichenden zeitlichen Einsatz und den leisten viele Kontrolleure schon heute nicht.

Immer noch wenige Frauen in Führungsetagen

Allerdings ist auch klar, dass es sich bei dem Gesetz nur um einen Tropfen auf den heißen Stein handelt. Denn die Chance auf einen Aufsichtsratsposten betrifft – wenn überhaupt – ein paar Hundert Frauen. Der großen Mehrheit der weiblichen potenziellen Führungskräfte bringt das wenig. Experten, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigten, weisen darauf hin, „dass in Unternehmen oft nur einige wenige Positionen in den Vorständen und Aufsichtsräten mit Frauen besetzt werden, jedoch unterhalb dieser Positionen wenig passiert“, schreibt ein Springer-Autorenteam im Beitrag „Ein historischer Möglichkeitsraum für die Karrierechancen von Frauen“ (Seite 24).

Hilft eine Frauenquote?

Wenn Frauen aber nur darauf warten, dass männliche Kollegen ihren Platz für sie räumen, wird sich die Situation auch die nächsten Jahre kaum verändern. Viele Unternehmen haben zudem kein Konzept, wie sie mehr Frauen in Führungspositionen bringen sollen, meint die Unternehmensberatung McKinsey in einem Report zum Thema Management-Trends. Doch oft fehlt in den Unternehmen der echte Wille dazu. Daher macht eine verbindliche Quote auch für Vorstands und untere Führungspositionen durchaus Sinn. Effektiv wäre sie aber nur, wenn Erziehungszeiten auch für Männer der Normalfall werden und keinen Karriereknick mehr bedeuten.

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