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08.10.2019 | Mobilitätskonzepte | Nachricht | Onlineartikel

Technologieoffen die Mobilität von morgen gestalten

Autor:
Michael Reichenbach

Auf dem 28. Aachener Kolloquium wird gefordert, die Schärfe aus der Klimadebatte zu nehmen. Jörg Stratmann von Mahle wünscht von der Politik mehr Aufmerksamkeit für das Konzept Cradle-to-Grave. 

Vor zahlreichen Teilnehmern aus 30 Ländern für 100 Fachvorträge konstatierte der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, in seiner Keynote, dass das weltweite Who-is-who zur RWTH Aachen gekommen sei, also die klügsten Köpfe der Automobil- und Motorentechnik, um Techniktrends und Meinungen auszutauschen. 

Denn die Autoindustrie sei im Wandel begriffen, ein ganzes Land hätte sich bislang mit diesem Fortbewegungsmittel identifiziert. Aber inzwischen werde viel über den Pkw gestritten. Diese Entwicklung müsse die Politik beachten, Hürden durch die Klimagesetze täten ihr Übriges. Es komme mehr auf die Ingenieur-Expertise als auf Hysterie an. Für junge Leute sei heute das Smartphone wichtiger als der Führerschein. "Die Schärfe muss aus der Diskussion genommen werden", sagte Wüst. Es ginge um eine Gestaltung der Mobilität von morgen in technologieoffener Form. Dabei müssten die Bürger und Verbraucher mitgenommen werden. Den Verbrennungsmotor abzuschaffen, wäre eine Fehlentscheidung, wenn Wüst nur an die Pendler aus den ländlichen Räumen in die Zentren denke. Der Verbrenner hätte gerade in NRW als Flächenland eine große Zukunft.

Vom modernen Dieselmotor bis zur Drohne

Zuvor hatten Prof. Lutz Eckstein, ika/fka, und Prof. Stefan Pischinger, vka/FEV, die Teilnehmer aufgefordert, die Herausforderungen anzunehmen, seien sie nun bei dem Emissionswerten eines 3-l-Dieselmotors für Pick-ups, bei den mechanischen, elektrischen und thermischen Problemen der Antriebsbatterie, beim automatisierten Fahren nach Level 3 oder bei der Digitalisierung mit der Generierung naturalistischer Verkehrsdaten per Drohne zu finden.

Ganzheitliche Betrachtung mit Cradle-to-Grave erforderlich

Jörg Stratmann, Mahle, forderte in seiner Keynote dazu auf, nicht mehr nach dem Konzept Well-to-Wheel, sondern besser nach Cradle-to-Grave die Antriebstechnik zu entwickeln. Dieser Weg sei nachhaltiger. In Hinblick auf Greta Thunbergs Fahrt mit einem CFK-Segelboot in die USA statt Flug per Boeing 747-8 über den Atlantik sagte er: "Wir müssen uns die Frage stellen, führen wir die richtige Diskussion?". Denn das Segelboot müsse 15 Mal rund um die Welt segeln, damit es mit dem CO2-Ausstoß eines Mittelklasse-Pkw gleichziehe. Bis dahin hätte das Boot kein Gramm CO2 eingespart. 

Leider sei die derzeitige Gesetzgebung rein auf die Betrachtung Tank-to-Wheel ausgerichtet. Für einen nachhaltigeren, ökologischeren Prozess sei aber die gesamte Kette als Cradle-to-Grave erforderlich. "Wir sind uns bewusst, dass diese Betrachtung komplex ist, sie ist aber notwendig, um die Klimaziele zu erreichen". Da das Konzept Well-to-Wheel durch die EU-Politik und CO2-Gesetzgebung bis 2030 fest vorgegeben sei, nur noch minimale Änderungen möglich seien, um Strafzölle abzumildern, sollten sich die Ingenieure schon heute darauf fokussieren, auf eine Cradle-to-Grave-Betrachtung bei der Politik ab 2030 zu pochen.

Mobilität als Konzept von morgen

Für den Straßenverkehr sind große Änderungen zu erwarten. Das automatisierte Fahren eröffnet neue Dimensionen der Mobilität, benötigt jedoch eine andere technische und juristische Absicherung im Entwicklungsprozess des Pkw. Neue Energieträger und optimierte Antriebe ermöglichen einen klimaneutralen Verkehr. Zudem wünscht der Verbraucher individualisierte Mobilität, die in neuen Mobilitätskonzepten wie Carsharing, Ridesharing und Flugtaxis ihre Lösung findet. All dies wird in Aachen von den Ingenieuren intensiv diskutiert, weiß doch bislang keiner, welche Ausprägung der Verkehr 2050 haben wird. 

Mehr zum Thema Zukunft der Mobilität gibt es auf der 1. ATZ-Fachtagung "Fahrzeuge von morgen 2019" am 19. und 20. November in Frankfurt am Main zu hören, wo 30 Referenten innovative Konzepte, Werkstoffe und Konstruktionen vorstellen und in einer Podiumsdiskussion zur Shared Mobility erörtern werden.

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