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Über dieses Buch

Der vorliegende Band stellt sich die Aufgabe, soziale Netzwerke im Rahmen gesellschaftlicher Strukturen zu verorten und so den Graben zwischen Gesellschaftstheorie und Netzwerkansätzen zu überbrücken. Die Beiträge beleuchten die Rolle von Netzwerken in gesellschaftlichen Teilbereichen wie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven.
Der InhaltNetzwerke als transversale Felder • Felder und Netzwerkdomänen in der Wissenschaft • Netzwerke im Feld der Politik • Netzwerkanalytische Perspektiven auf externe Demokratieförderung • Eine Diskurs-Netzwerkanalyse zu den Fabrikunglücken in Bangladesch • Die feldspezifische Eigenlogik der praktischen Konstitution sozialer Netzwerke • Institutionelle Komplexität im Krankenhaussektor und die Entstehung von Netzwerkpraktiken zwischen medizinischen, ökonomischen und regionalräumlichen Logiken • Irritation und Resonanz in Netzwerken der Wirtschaft • Eine feldanalytische Untersuchung des „Debt Security“-Marktes • Transnationales Finanzwesen?
Die HerausgeberPD Dr. Jan Fuhse ist Heisenberg-Stipendiat am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin.Dr. Karoline Krenn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Netzwerke in gesellschaftlichen Feldern: Problemaufriss und Forschungsüberblick

Diese Einleitung skizziert knapp den Rahmen für die verschiedenen Beiträge. Zunächst werden verschiedene gesellschaftstheoretische Perspektiven daraufhin beleuchtet, welche Rolle sie für soziale Beziehungsnetze vorsehen. Anschließend betrachten wir Studien zu Netzwerken in verschiedenen Teilbereichen und die aus ihnen entstandenen theoretischen Auseinandersetzungen mit Netzwerken. Es folgt ein Überblick über die Beiträge des Bands und ein Vorschlag einer Systematisierung der Perspektiven, die sie eröffnen.

Karoline Krenn, Jan Fuhse

Netzwerke als transversale Felder

Der Beitrag entwickelt eine eigenständige Konzeption des Felds der Politik, die die besondere Rolle von Konstellationen (Netzwerken) politischer Akteure berücksichtigt. Diese Konzeption kombiniert Bausteine aus der Feldtheorie von Pierre Bourdieus, aus Niklas Luhmanns Systemtheorie und dem Diskursbegriff nach Michel Foucault, sowie aus neueren Feldtheorien und aus der relationalen Soziologie um Harrison White. Das Feld der Politik bildet dabei einen sinnhaft abgegrenzten Kommunikationszusammenhang, in dem Akteure miteinander um kollektiv bindende Entscheidungen, um Einfluss auf diese und um Unterstützung aus dem Publikum ringen. Dabei grenzen sich die Akteure zugleich voneinander ab, um ihre Eigenständigkeit zu betonen, und verbünden sich miteinander, um Mehrheiten zu mobilisieren oder anderweitig politische Entscheidungen zu beeinflussen. In diesem Wechselspiel von Nähe und Distanz entstehen politische Konstellationen („inszenierte Netzwerke“), die spezifischen Mechanismen folgen: Unterstützung und Angriffe zwischen politischen Akteuren sind tendenziell reziprok und transitiv, was die Bildung zweier verfeindeter Lager fördert („natürlicher Dualismus“ nach Duverger). Preferential Attachment finden wir etwa in den Big Man-Strukturen im subsaharischen Afrika. Daneben können der Ausschluss nach sozialen Kategorien (z.B. Ethnien) und institutionalisierte Rollen (Regierung / Opposition) die Interaktion und Relationen im Feld der Politik prägen. Abschließend wird die Untersuchung von politischen Konstellationen in der Kommunikation am Beispiel einer Fernsehdebatte von SpitzenkandidatInnen illustriert. Dabei zeigten sich im Muster von „relationalen Ereignissen“ (Unterbrechungen mit Unterstützung oder Kritik, Handlungserzählungen) tendenziell die Mechanismen der Reziprozität und der Transitivität, aber auch der Orientierung an institutionalisierten Rollen.

Daniel Witte, Andreas Schmitz

Felder und Netzwerkdomänen in der Wissenschaft

Das Verhältnis zweier zentraler Konzepte einer relationalen Betrachtung des Sozialen

Eine relationale Theorie sozialer Differenzierung liegt bislang im Gegensatz zu funktionalen und auf sozialer Ungleichheit basierenden Differenzierungstheorien nur in Grundzügen vor. Hierbei erfreut sich das Feldkonzept wachsender Beliebtheit unter Neo-Institutionalisten wie in kulturalistischen Ansätzen. Ein Vergleich mit dem aus der Netzwerkforschung selbst stammenden Konzepts der Netzwerkdomäne im Bereich der Wissenschaft, soll die Möglichkeiten der beiden Begriffe bei der Grundlegung einer relationalen Differenzierungstheorie erkunden.

Marco Schmitt

Netzwerke im Feld der Politik

Der Beitrag entwickelt eine eigenständige Konzeption des Felds der Politik, die die besondere Rolle von Konstellationen (Netzwerken) politischer Akteure berücksichtigt. Diese Konzeption kombiniert Bausteine aus der Feldtheorie von Pierre Bourdieus, aus Niklas Luhmanns Systemtheorie und dem Diskursbegriff nach Michel Foucault, sowie aus neueren Feldtheorien und aus der relationalen Soziologie um Harrison White. Das Feld der Politik bildet dabei einen sinnhaft abgegrenzten Kommunikationszusammenhang, in dem Akteure miteinander um kollektiv bindende Entscheidungen, um Einfluss auf diese und um Unterstützung aus dem Publikum ringen. Dabei grenzen sich die Akteure zugleich voneinander ab, um ihre Eigenständigkeit zu betonen, und verbünden sich miteinander, um Mehrheiten zu mobilisieren oder anderweitig politische Entscheidungen zu beeinflussen. In diesem Wechselspiel von Nähe und Distanz entstehen politische Konstellationen („inszenierte Netzwerke“), die spezifischen Mechanismen folgen: Unterstützung und Angriffe zwischen politischen Akteuren sind tendenziell reziprok und transitiv, was die Bildung zweier verfeindeter Lager fördert („natürlicher Dualismus“ nach Duverger). Preferential Attachment finden wir etwa in den Big Man-Strukturen im subsaharischen Afrika. Daneben können der Ausschluss nach sozialen Kategorien (z.B. Ethnien) und institutionalisierte Rollen (Regierung / Opposition) die Interaktion und Relationen im Feld der Politik prägen. Abschließend wird die Untersuchung von politischen Konstellationen in der Kommunikation am Beispiel einer Fernsehdebatte von SpitzenkandidatInnen illustriert. Dabei zeigten sich im Muster von „relationalen Ereignissen“ (Unterbrechungen mit Unterstützung oder Kritik, Handlungserzählungen) tendenziell die Mechanismen der Reziprozität und der Transitivität, aber auch der Orientierung an institutionalisierten Rollen.

Jan Fuhse

Demokratisierung als organisationales Feld

Netzwerkanalytische Perspektiven auf externe Demokratieförderung

Dieser Aufsatz geht der Frage nach, wie heterogene Politikbereiche feldtheoretisch konzipiert und netzwerkanalytisch betrachtet werde können. Am Beispiel der externen Demokratieförderung in der Ukraine wird gezeigt, wie sich die unterschiedlichen Förderer auf der Basis ihrer Strategien und regionalen Zugehörigkeiten positionieren und dadurch eine informelle Struktur der Förderlandschaft entstehen lassen. Durch die Kombination von Feld-, Zentralitäts- und Homophilieanalysen wird es möglich, die Vielfalt der Demokratieförderung abzubilden, indem Homogenisierungsprozesse, hierarchische Aspekte der Angleichung, aber auch innovatives Handeln und Differenzierung von Strategien der Förderung betrachtet und systematisiert werden. Der Aufsatz leistet ein Beitrag zu einer soziologischen Fundierung und methodologischen Erweiterung der Erforschung transnationaler Verflechtungen und Demokratisierung.

Susann Worschech

Verantwortungszuschreibungen in transnationalen Feldern

Eine Diskurs-Netzwerkanalyse zu den Fabrikunglücken in Bangladesch

Der Beitrag schlägt die Akteurs-Attributions-Netzwerkanalyse (AAN) als einen neuen Ansatz zur Erfassung transnationaler Felder vor, der es erlaubt, bestimmte soziale Beziehungen – nämlich Verantwortungsbeziehungen – in transnationalen politischen Feldern sichtbar zu machen. Wir argumentieren, dass die Akteurs-Attributions-Netzwerkanalyse als quantifizierendes, diskursanalytisches Verfahren neue Möglichkeiten für die Abbildung der Strukturierung transnationaler politischer Felder eröffnet, da damit die Inhalte und Arten von Attributionen systematisch untersucht und die zu Grunde liegenden Verantwortungsbeziehungen sichtbar gemacht werden können. Wir leisten damit einen Beitrag zu der netzwerkanalytischen Erweiterung von Feldtheorien, indem wir transnationale Feldtheorien um das theoretisch-analytische Instrumentarium der Akteurs-Attributions-Netzwerkanalyse (AAN) ergänzen und politische Kommunikation in Form von Verantwortungszuschreibungen für die Herausbildung transnationaler politischer Felder in das Zentrum der Theorieentwicklung und empirischen Messung stellen. Wir veranschaulichen unsere Argumentation an dem Beispiel des internationalen Diskurses zur Umsetzung globaler Arbeitsstandards in Bangladesch, da nach den Fabrikunglücken Tazreen und Rana Plaza eine neue Debatte über politische Verantwortlichkeiten entfachte, die, wie wir zeigen, zu einer Re-strukturierung des transnationalen Feldes und einer Neuverteilung von Verantwortungen führte.

Sabrina Zajak, Tim Henrichsen

Die feldspezifische Eigenlogik der praktischen Konstitution sozialer Netzwerke

Konzeptionelle Überlegungen und beispielhafte empirische Befunde

In Anbetracht der Relevanz der Struktur sozialer Netzwerke für unterschiedlichste soziale Prozesse, gewinnt die Frage nach ihrer Entwicklung an Bedeutung. Im Beitrag werde ich am Beispiel von informellen Konsultationsnetzwerken aufzeigen, dass die etablierten Erklärungsansätze das Entstehen von Beziehungen vor allem auf die Entscheidungen von Individuen zurückführen. Im Fokus der Untersuchungen steht daher ihr personenbezogenes Wissen und die Logik der Entscheidung. Die praktische Konstitution der Interaktionen wird dagegen nicht systematisch betrachtet. Im Beitrag werde ich aufzeigen, dass eine feldtheoretische Perspektive ermöglicht, den praktischen Akt und seine strukturellen Bedingungen analytisch zu erschließen. Insbesondere werde ich dabei auf die Bedeutung von feldspezifischem Wissen und darin begründeten Institutionen, die (lokale) Kulturen begründen, eingehen. Ich werde unterschiedliche Ansatzpunkte für daran anschließende Forschungsunternehmungen identifizieren. Abschließend werde ich das Potenzial ausgewählter Ansatzpunkte am empirischen Material veranschaulichen.

Philip Roth

Institutionelle Komplexität im Krankenhaussektor und die Entstehung von Netzwerkpraktiken zwischen medizinischen, ökonomischen und regionalräumlichen Logiken

In diesem Artikel wird argumentiert, dass es die Netzwerktheorie seit Harrison Whites (1992, 2008) Theoriekonzeption vermag symbolische Bezüge zu denken und systematisch einzubeziehen. Allerdings weist Whites Theorie eine Leerstelle in Bezug auf die praktische Bearbeitung unterschiedlicher institutioneller Logiken in Beziehungsgeflechten auf. Dieses Desiderat wird durch die Übertragung des Institutional-Logics-Ansatzes (Friedland und Alford 1991) auf Netzwerke behoben. Es wird somit davon ausgegangen, dass auch in Netzwerken verschiedene institutionelle Ordnungen Spannungslagen erzeugen, die praktisch bearbeitet werden müssen. Am Fallbeispiel eines Chefarztes für Kardiologie wird empirisch gezeigt, wie an den Grenzen der Organisation, insbesondere im Verhältnis zu den niedergelassenen Ärzten, die erwähnten Spannungslagen zwischen Medizin, Ökonomie und einer kleinstädtischen Logik in Bezug zueinander gesetzt werden.

Julian Wolf

Irritation und Resonanz in Netzwerken der Wirtschaft

Gesellschaftliche Verantwortung oder Corporate Social Responsibility, kurz CSR, wird von Unternehmen vielfach im Rahmen sogenannter CSR-Initiativen wahrgenommen. Um Fragen nach der Funktion der Verbindungen zwischen den Mitgliedsorganisationen zu diskutieren, werden die Initiativen als Netzwerk zwischen Organisationen konzipiert. Sie stellen damit im Sinne Luhmanns eine Struktur für den Umgang mit Irritationen dar. Diese systemtheoretische Verortung hat Implikationen für die Entstehungsbedingungen und Effekte von Netzwerken zwischen Organisationen sowohl auf Ebene dieser Organisationen als auch auf Ebene des gesellschaftlichen Teilsystems. Die in diesem Beitrag entwickelte Konzeption wird anhand einer Fallstudie zu den Mitgliedschaften der Volkswagen Aktiengesellschaft in CSR-Initiativen auch empirisch nachvollzogen.

Daniela Blaschke

Zur globalen Einbettung nationaler Schuldennetzwerke

Eine feldanalytische Untersuchung des „Debt Security“-Marktes

In diesem Beitrag betrachten wir die Einbettung des internationalen „Debt Security“-Marktes (DSM) in gesellschaftliche Teilbereiche aus einer feldtheoretischen Perspektive. Der DSM ist einer der größten Finanzmärkte und versorgt Staaten, Unternehmen und Banken mit Liquidität. Spätestens seit der letzten Finanzkrise ist klar geworden, dass eine rein wirtschaftswissenschaftliche Analyse von Finanzmärkten zu kurz greift und wichtige soziale Korrelate unberücksichtigt lässt. Aus diesem Grund untersuchen wir die Schuldverhältnisse aus einer netzwerkanalytischen Perspektive, berücksichtigen zugleich jedoch auch deren strukturelle Bedingungen und Voraussetzungen in Form von relationalen Einbettungsverhältnissen in einen globalen Sozialraum. Hierzu werden die aus den Schuldbeziehungen des DSM resultierenden Netzwerkpositionen mittels geometrischer Datenanalysen in ihrem Korrespondenzverhältnis zu sozialen Feldern und zu einem globalen Feld der Macht lokalisiert. Es zeigt sich, dass der DSM eng mit verschiedenen extraökonomischen Einflussbedingungen verwoben ist (etwa Militär, Rechtssicherheit, Wissenschaft, etc.) und sich dabei – wie der gesamte globale Sozialraum – durch feldübergreifend akkumulierende Vorteilsmechanismen auszeichnet.

Raphael H. Heiberger, Andreas Schmitz

Transnationales Finanzwesen?

Eine netzwerkanalytische Perspektive auf grenzüberschreitende Feldstrukturierung

Der Beitrag untersucht Verflechtungen von Organisationen des Finanzwesens und den Wandel ihrer Beziehungen zwischen 2003 und 2013. Wir gehen dabei der Frage nach, ob Tendenzen einer transnationalen Feldentstehung erkennbar sind, die über den Anstieg grenzüberschreitender Finanzgeschäfte hinausgehen. Uns interessiert, welche Akteure zentral sind und ob im Zeitverlauf eine Zunahme stabiler und dauerhafter Organisationsbeziehungen des globalen Finanzwesens beobachtbar ist. Dazu beziehen wir uns auf Feldkonzeptionen der neo-institutionalistischen Organisationstheorie, die wir für die Netzwerkforschung fruchtbar machen. Ausgehend von der Corporate-Interlock-Forschung können wir zeigen, dass es Anzeichen für die Herausbildung eines transnationalen Felds des Finanzwesens gibt, das heute stark durch nicht-kommerzielle Privatorganisationen geprägt ist. Diese nehmen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung von Wissensbeständen und in Deutungsprozessen ein. Auffallend ist insbesondere der Bedeutungszuwachs von Organisationen, die Partikularinteressen vertreten, wie Lobbygruppen, Berufsverbände oder Think Tanks.

Natalia Besedovsky, Sebastian Botzem
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