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20.10.2021 | Notenbanken | Nachricht | Onlineartikel

Jens Weidmann verlässt die Bundesbank

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2 Min. Lesedauer

Jens Weidmann gibt sein Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank zum Jahresende ab, um "ein neues Kapitel aufzuschlagen". Für seinen Weggang gibt er persönliche Gründe an. In einem Brief bedankt er sich bei den Mitarbeitern sowie beim EZB-Rat. 

Der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, verlässt das Institut zum 31. Dezember 2021. "Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass mehr als zehn Jahre ein gutes Zeitmaß sind, um ein neues Kapitel aufzuschlagen – für die Bundesbank, aber auch für mich persönlich", erklärt der scheidende Bundesbank-Chef in einer aktuellen Mitteilung. 

In einem Brief an seine Mitarbeiter bedankt sich Weidmann für die gemeinsame Arbeit der vergangen Jahre: "Das Umfeld, in dem wir operieren, hat sich massiv verändert und die Aufgaben der Bundesbank sind gewachsen. Die Finanzkrise, die Staatsschuldenkrise und zuletzt die Pandemie haben in Politik und Geldpolitik zu Entscheidungen geführt, die lange nachwirken werden", führt er dort aus. Die Neuordnung der Bankenaufsicht in Europa habe nicht nur zu komplett neuen Aufsichtsstrukturen bei der EZB, sondern auch zu einer gestärkten Rolle der Bundesbank geführt. 

EZB muss Finanzstabilitätsrisiken im Blick behalten

Ein Dank ging auch an den EZB-Rat unter der Führung von Christine Lagarde "für die offene und konstruktive Atmosphäre in den zuweilen schwierigen Diskussionen der vergangenen Jahre". Es sei ein symmetrisches, klareres Inflationsziel vereinbart worden. "Nebenwirkungen und insbesondere Finanzstabilitätsrisiken sollen stärker in den Blick genommen werden. Ein gezieltes Überschießen der Inflationsrate wurde verworfen", so Weidmann. Nun müsse diese Strategie durch konkrete geldpolitische Entscheidungen "gelebt" werden. 

Die EZB-Chefin Christine Lagarde sagte laut dem Magazin "Spiegel", Weidmann sei ein "guter persönlicher Freund, auf dessen Loyalität ich immer zählen konnte". Sie respektiere seine Entscheidung, bedauere sie jedoch sehr. Weidmann habe "klare Ansichten" zur Geldpolitik vertreten, aber im EZB-Rat immer kompromissbereit nach Lösungen gesucht.

Neubesetzung ist große Aufgabe für Bundesregierung

"Der Rücktritt von Jens Weidmann ist ein herber Verlust für den EZB-Rat", bedauert Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW Mannheim. Weidmann gehöre zu den wenigen Mahnern im Rat, die kontinuierlich vor einer Überforderung der Geldpolitik und einer zu großen Nähe zur Fiskalpolitik warnen. 

"2022 könnte den entscheidenden Test bringen, ob die EZB das Ziel der Inflationsbekämpfung ernster nimmt als das Interesse der Finanzminister an niedrigen Zinsen und Anleihekäufen. Hier wird Weidmann fehlen", so Heinemann in einer aktuellen Stellungnahme. Die neue Bundesregierung habe eine große Verantwortung bei der Neubesetzung, mahnt der ZEW-Ökonom. 

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Quelle:
Die Wirtschaft im Wandel

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