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16.07.2018 | Omnibusse | Nachricht | Onlineartikel

Mercedes-Benz stellt seinen Elektrobus eCitaro vor

Autor:
Mathias Heerwagen

Der erste vollelektrisch angetriebene Stadtbus von Daimler geht an den Start. Die Reichweite des Mercedes-Benz eCitaro beträgt bis zu 250 Kilometer.

Nicht bei jeder der vielen jährlichen Weltpremieren des Daimler-Konzerns ist ein Vorstandsmitglied anwesend. Dass Martin Daum zur Premiere des ersten vollelektrischen Busses des Daimler-Konzerns nach Mainz gekommen ist, zeigt, wie wichtig das Event ist.

Schon längst stehe kein Fragezeichen mehr im Raum, wenn es um die Elektrifizierung von Lkw und Bussen gehe, sondern ein Ausrufezeichen, sagt Daum. Und dennoch sind die deutschen Hersteller spät dran, verkaufen doch chinesische Mitbewerber bereits seit einigen Jahren E-Busse in die ganze Welt. Im Fall von Mercedes-Benz liegt der späte Einstieg vor allem daran, dass man keine "Schönwetterlösungen" auf den Markt bringen möchte, sondern ausgereift entwickelte Fahrzeuge, die zu jeder Zeit und unter allen Bedingungen funktionieren.

Nun ist der eCitaro also serienreif und ab Ende des Jahres lieferbar – "so viele, wie die Kunden bestellen", betont Martin Daum. Die Produktion erfolgt im Mannheimer Werk auf der gleichen Linie, auf der auch der Diesel-Citaro gefertigt wird.

Modernes Design beim Mercedes eCitaro

Das Design des eCitaro lehnt sich zwar an die tolle Studie des Future Bus aus dem Jahr 2016 an, orientiert sich aber doch am klassischen Citaro – Designchef Stefan Handt musste Rücksicht auf die Verkehrsbetriebe nehmen, allzu futuristisch designte Busse kommen offenbar (noch) nicht gut an. 

Batterie- und Ladetechnik

Maximal zehn Batteriemodule mit einer Kapazität von jeweils etwa 25 Kilowattstunden versorgen den eCitaro mit Strom. Zur Grundausstattung gehören vier Module im Heck sowie zwei auf dem Dach; je nach Kundenwunsch können bis zu vier weitere Module auf dem Dach untergebracht werden. Standardmäßig wird der eCitaro über einen Combo-2-Stecker geladen. Falls eine Zwischenladung gewünscht ist, lässt sich der eCitaro optional mit einem Dachstromabnehmer ausrüsten; möglich sind zwei Varianten: ein fahrzeugfester Abnehmer auf dem Dach, oder Ladeschienen auf dem Dach für das Laden mittels ortsfestem Stromabnehmer. Mit Batterievollbestückung fährt der eCitaro unter Idealbedingungen etwa 250 Kilometer weit; nach dem anspruchsvollen SORT2-Stadtfahrzyklus im Sommer sind es immer noch rund 150 Kilometer.

Für elektrischen Vortrieb sorgt die bewährte und optimierte Elektroportalachse AVE 130 von ZF, die über Elektromotoren an den Radnaben verfügt. Mit zwei mal 125 Kilowatt sowie einem Drehmoment von jeweils 485 Newtonmeter soll der Bus selbst bei voller Besetzung "angemessen dynamisch" unterwegs sein.

Der Energieverbrauch wird bei einem Stadtbus sehr stark vom Thermomanagement beeinflusst: Klimaanlage oder Heizung brauchen viel Strom und müssen mangels Motorabwärme aus den Fahrbatterien gespeist werden. Dank einer Wärmepumpe, die den Innenraum beheizt, bleibt der Stromverbrauch niedrig. Zudem kommt im eCitaro erstmals eine besonders effiziente CO2-Dachklimaanlage zum Einsatz. Im Vergleich zum aktuellen Citaro mit Dieselmotor sinkt der Energiebedarf für Heizung, Lüftung und Klimatisierung um rund 40 Prozent.

eCitaro bald auch mit Feststoff-Batterien und Brennstoffzelle

Nur sehr selten kommt es vor, dass bereits bei einer Produktpremiere so präzise die nächsten Entwicklungsschritte aufgezeigt werden. Der Grund ist simpel: Verkehrsbetriebe brauchen Planungssicherheit, bevor sie viel Geld in die Elektromobilität investieren, sei es in Fahrzeuge oder umfangreiche Infrastruktur. Bedenken der neuen Technik gegenüber zerstreut Daimler mit einer 5-Jahres-Garantie auf alle Hochvoltkomponenten.

Ab 2020 wird eine neue Batteriegeneration mit NMC-Technik zur Verfügung stehen, die Kapazität steigt auf 330 Kilowattstunden bei gleicher Batteriegröße und gleichem Gewicht. Dank Plug-and-Play-Lösung sollen sich die Batteriepakete leicht austauschen lassen. Während die nun präsentierte erste Generation des eCitaro rund 30 Prozent der Anforderungen der Verkehrsbetriebe abdeckt, sind es mit der kommenden Generation bereits 50 Prozent. Laut Daimler ist mit dieser Kapazität auch ein sinnvoller Einstieg für einen Gelenkbus möglich – der eCitaro G kommt also ebenfalls 2020 auf den Markt. Zeitgleich wird Daimler eine neue Batteriegeneration einführen: Kunden haben dann die Möglichkeit, eine Lithium-Polymer-Feststoffbatterie zu wählen, die sich durch besonders hohe Energiedichte und Kapazität (rund 400 kWh) sowie lange Lebensdauer auszeichnet. Die Feststoffbatterie soll ein ganzes Fahrzeugleben lang halten. 2022 wird die Reichweite auf bis zu 400 Kilometer steigen, dank einer selbst entwickelten Brennstoffzelle, die als Range-Extender dient. Spätestens in dieser Entwicklungsstufe soll der eCitaro herkömmliche Stadtbusse mit Dieselmotor nahezu deckungsgleich ersetzen können.

Schon in wenigen Monaten werden die ersten Busse ausgeliefert und im Rahmen einer kundennahen Fahrerprobung in die Praxis gehen. Die Verkehrsbetriebe in Hamburg und Berlin haben bereits insgesamt 35 eCitaro bestellt.

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