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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

5. Quarantäne als Therapie: Corona-Miniserien

verfasst von : Gabriele Dietze

Erschienen in: Das Virus im Netz medialer Diskurse

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Der Text beschäftigt sich mit Reaktionen auf die Corona-Pandemie in narrativen Fernsehformaten in Deutschland und den USA. Mainstream Formate des Unterhaltungsfernsehens meiden das Thema Covid 19 und verlautbaren offen, dass sie Eskapismus ermöglichen und Wiederholbarkeit gewährleisten wollen. In dieser Lücke sind Nischenprodukte, Corona Mini-Serien wie Drinnen, Ausgebremst oder Social Distance, entstanden. Der Artikel entwickelt, wie über meist traumatisierte weibliche Hauptfiguren Quarantäne als Erzählung über Krisen bewältigende ‚Therapie‘ entwickelt wird.

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Fußnoten
1
Eine Ausnahme bildet die Dortmunder Tatort-Folge Heile Welt (WDR, Erstausstrahlung am 21.02.2021), wobei die „Ersterwähnung der Coronavirus-Pandemie im ARD-Sonntagabendkrimi“ allerdings beim Kritiker der ZEIT nur bedingten Gefallen fand (vgl. Dell 2021).
 
2
Inzwischen kann man die komplette Serie auf YouTube sehen, zur Verfügung gestellt von TNT im Rahmen der #Kunstnothilfe, für die zu spenden die Zuschauer*innen aufgefordert werden (vgl. TNT Comedy 2020).
 
3
In der Queer Theory spricht man auch von „reparative reading“ (Sedgwick 1997), zu übersetzen etwa mit „versöhnende Lesart/en“. Allerdings meint die Queer-Theoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick damit eher eine subversiv versöhnende Lesestrategie, die sie homophob diskriminierten Menschen anempfiehlt. Ich dagegen verstehe hier unter „heilender Erzählung“ eine Neuformation von Machtdiskursen, die über eine erzählende Sinnstiftung ein tröstendes Neuarrangement durch eine große Krise gegangener Machtverhältnisse anbieten.
 
4
Zum Beispiel ist die Fernsehserie M*A*S*H, erstmals ausgestrahlt zwischen 1972 und 1983, die die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Koreakriegs aus der Perspektive von verzweifelt komischen Chirurgen eines Feldlazaretts behandelt, eine Dramedy. Der Absurdität eines Stellungskriegs gegen den ‚Kommunismus‘ im Nirgendwo mit zwangsverpflichteten zivilen Ärzten, die nichts mehr wollen, als nach Hause zu fliegen, schien nicht anders beizukommen zu sein.
 
5
Es handelt sich um eine Coverversion von Casino der Band The Notwist (veröffentlicht auf dem 2014-er Album Close To the Glass, City Slang).
 
6
In der sogenannten „Wirklichkeit“ passiert das eher nicht, wie die gehäuften Nachrichten über das Anwachsen psychischer Probleme während des Lockdowns aufzeigen. Erste umfassende Ergebnisse zur psychischen Belastung während des (ersten) Corona-Lockdowns in Deutschland findet man in der NAKO-Gesundheitsstudie 2020 (vgl. Peters et al. 2020).
 
7
Im Fremdwörterbuch des Duden findet man beide Bedeutungen nebeneinander: „1. Literaturwissenschaft: Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des [antiken] Trauerspiels [;] 2. Psychologie: das Sichbefreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch eine emotionale Abreaktion“ (Duden 2000, S. 697).
 
8
Ausgebildete Drehbuchautor*innen aus den Film- und Fernsehakademien sind natürlich mit diversen Erzähltheorien vertraut.
 
9
Diese seltsame – auch rassistisch interpretierbare – Bildinszenierung kombiniert Heilung mit ‚Wildnis‘ und verweist Beziehungsprobleme damit in den Bereich der ‚Zivilisationsschäden‘. Zur umgekehrten Bedeutung von „heilen“ als „die Wildheit nehmen“ bzw. „zahm und brauchbar machen“ im Kontext rassistischer Machtverhältnisse vgl. Lorey (2007) und Stein (2005).
 
10
Die Rezensions-Plattform Rotten Tomatoes (2020) bewertete die Serie mit 58 % Zustimmung recht niedrig.
 
11
Prominent war bzw. ist die frühe Warnung von Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Anfang Mai 2020: „Frauen werden [eine] entsetzliche Redtraditionalisierung erfahren“ (zitiert nach Anne Will 2020). vgl. dazu aber etwa auch Kohlrausch/Zucco (2020); Etheridge/Spanting (2020); Möhring et al. (2020).
 
12
Ich beziehe mich hier auf Antonio Gramscis Begriff der „kulturellen Hegemonie“, der viel zu selten Eingang in Gendertheorien gefunden hat. Hier ein Vorschlag der Politologin Brigitte Rauschenbach: „Gramsci verstand unter kultureller Hegemonie einen Modus der Macht, bei der Gewalt und Konsens, Zwang und Überzeugung, Recht und Freiheit, Staat und Kirche, Politik und Moral ineinandergreifen. […] Auf kein anderes Phänomen passt diese These so gut wie auf die Geschlechterordnung. Die Platzanweisung der Geschlechter muss im Denken, Fühlen und Alltagshandeln instinktiv funktionieren und eingeschrieben sein. Paradoxerweise fühlen sich Menschen umso mehr zu Hause und frei, je unauflöslicher die zivilen, schon längst nicht mehr spürbaren Gängelbande sind, die ihnen seit ihrer Kindheit angelegt wurden. Es ist das Werk der Kulturen, diese paradoxe Freiheit zuwege zu bringen. Kultur ist so gesehen ein Zwang, der zwanglos, wie aus eigenem Impuls als persönliches Einvernehmen im kollektiven Konsens wirkt. Kultur wirkt als Natur“ (Rauschenbach 2005, S. 4, Hervorhebungen im Original). Rauschenbach bezieht sich hierbei auf Gramsci (1992, Heft 6, § 87).
 
Literatur
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Zurück zum Zitat Foucault, M. (1978): Ein Spiel um die Psychoanalyse. Gespräch mit Angehörigen des Département de Psychoanalyse der Universität Paris/Vincennes. In: ders.: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin: Merve Verlag, S. 118–175. Foucault, M. (1978): Ein Spiel um die Psychoanalyse. Gespräch mit Angehörigen des Département de Psychoanalyse der Universität Paris/Vincennes. In: ders.: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin: Merve Verlag, S. 118–175.
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Metadaten
Titel
Quarantäne als Therapie: Corona-Miniserien
verfasst von
Gabriele Dietze
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36312-3_5