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19.07.2021 | Unternehmensgründung | Interview | Onlineartikel

"Ohne Businessplan kommt ein Gründer nicht weiter"

Autor:
Andrea Amerland
3 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Prof. Dr. Anna Nagl

ist Professorin für Management an der Hochschule Aalen.

Für Gründer ist er ein lästiges Übel, für Banken ein unerlässliches Instrument: der Businessplan. Welche Vorteile der Geschäftsplan Unternehmern bietet und worauf Finanzinstitute bei der Kreditvergabe achten, erklärt Anna Nagl im Interview.

Springer Professional: Der Businessplan steht immer wieder in der Kritik. Die einen sehen darin ein praktikables Kalkulationswerkzeug, andere eine Pflichtübung. Wie sehen Sie das? 

Anna Nagl: Da die Erarbeitung des Businessplans den Gründer beziehungsweise Unternehmer zwingt, seine Geschäftsidee und daraus abgeleitete Vorhaben systematisch zu durchdenken und durchzurechnen, lohnt sich der Aufwand - auch wenn das viel Zeit, systematisches Vorgehen und Ausdauer erfordert. Wichtig ist, dass der Gründer oder Unternehmer genügend Zeit einplant, um den Businessplan Kapitel für Kapitel zu entwickeln. Darüber hinaus ist ein Businessplan eine notwendige Voraussetzung, um Gelder für die Geschäftsidee einzuwerben. Ohne Businessplan kommt ein Gründer an dieser Stelle definitiv nicht weiter. 

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Welche Kardinalfehler werden Ihren Erfahrungen nach bei der Erstellung von Businessplänen besonders häufig gemacht?

Businesspläne haben oft folgende Schwächen: Sie sind zu technisch und fachspezifisch, Formulierungen sind zu langatmig und oft ist zu wenig betriebswirtschaftliches Know-how erkennbar. Zudem kranken sie an zu optimistischen, realitätsfernen Planungen, der Markttest fehlt. In anderen Worten: Es wird so manches Mal zu wenig Wert auf die Qualität der Zahlen gelegt. Es werden zu optimistische Wunschzahlen vorgelegt, die zu guten Ergebnissen führen, anstatt die wahrscheinlichen Kosten und die Erlöse möglichst realistisch darzustellen. So ein Vorgehen hat zur Folge, dass die Finanzierung der Geschäftsidee eines Businessplans abgelehnt wird.

Hat die Digitalisierung auf die Gestaltung von Businessplänen Einfluss? 

Der häufig durch technische Entwicklungen – insbesondere durch Digitalisierung, Internet der Dinge, Industrie 4.0 und Big Data – sowie veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, wie etwa die Energiewende, bewirkte schnelle und in Teilen disruptive Wandel der Märkte bedroht zunehmend bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen. In Zeiten disruptiver Veränderungen insbesondere bedingt durch die Digitalisierung werden gravierende Auswirkungen auf etablierte Geschäftsmodelle immer häufiger auftreten und die Unternehmen entsprechend herausfordern. Und disruptive Veränderungen bilden auch den Nährboden für Neugründungen auf Basis innovativer Geschäftsmodelle. Reichte es in der Vergangenheit häufig, Geschäftsmodelle über Anpassungen der Businesspläne neu zu justieren, erfordern disruptive Veränderungen innovative Geschäftsmodelle und Businesspläne für etablierte Unternehmen und damit auch eine umfassende Herangehensweise hin bis zu Unternehmensneugründungen.

Wie muss ein Businessplan beschaffen sein, damit Gründer und Unternehmen einen Kredit von der Bank bekommen?

Entscheidend für das Gespräch mit der Bank ist, dass die Aussagen des Businessplans mit Zahlen und Fakten belegt sind. Dies erscheint so manchem Gründer als sehr anstrengend und daher wird nicht selten die Bedeutung einer solchen Darstellung für das erfolgreiche Bankgespräch unterschätzt. Wichtig ist auch zu wissen, dass Bankmitarbeiter meist sachliche und präzise Darstellungen des Unternehmens anstatt emotionaler ausschweifender Ausführungen bevorzugen. 

Worauf sollten Entrepreneure bei der Bank noch achten?

Meist verfügen Bankmitarbeiter darüber hinaus nicht über spezielle Branchenkenntnisse, sondern haben einen guten Überblick über verschiedene Branchen und Geschäftsfelder. Daher ist es für die Bank wichtig, dass die präsentierten Zahlen, zum Beispiel die geplanten Absatz- und Umsatzzahlen, plausibel sind und zur qualitativen Beschreibung der Marktentwicklung, Wettbewerbssituation und Konjunkturentwicklung passen. Die Erfahrung zeigt auch, dass Bankmitarbeiter weniger die Chancen erläutert haben wollen, sondern vielmehr auf mögliche Risiken hingewiesen werden möchten und Aussagen dazu gemacht werden sollen, wie geplant ist, diesen Risiken zu begegnen. Außerdem stehen Besicherungsaspekte, die Liquiditätslage sowie die Verlässlichkeit der Planung bei einem Businessplan für die Bank im Vordergrund.

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