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13.12.2022 | Werkstoffrecycling | Im Fokus | Online-Artikel

90 Prozent der Bauabfälle sollen wiederverwertbar werden

verfasst von: Frank Urbansky

3 Min. Lesedauer
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Bauschutt macht über 60 Prozent der Deponielast aus. Eine neue EU-Verordnung soll nun regeln, dass 90 Prozent der bei Abbruch- und Bauarbeiten anfallenden Materialien wiederverwertet werden.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind absolute Notwendigkeiten unserer Zeit. "Veränderungen und Antriebe, die das Potenzial haben, die aktuelle Schein-Kreislaufwirtschaft zur umweltschonenden Ressourcenwirtschaft zu entwickeln, können aus zwei Richtungen gesehen werden. Einerseits sind verschiedene Rohstoffe mittlerweile so knapp und wertvoll geworden, dass Hersteller sich diese am Markt sichern wollen. Andererseits verändert sich gerade unter jungen Menschen der Anspruch an die Produkte, jedenfalls in einigen Bereichen, weg vom Besitzen hin zum Nutzen", benennt Springer-Autor Hartwig Haase in seinem Buchkapitel Nachhaltigkeit ist einfach komplex auf Seite 158 zwei wesentliche Impulse dafür.

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Einer der Bereiche, der hier noch eheblichen Nachholbedarf hat, ist die Bauwirtschaft. Reste aus Abbrucharbeiten und anfallende Materialien am Bau machen gut 60 Prozent der Masse auf deutschen Deponien aus. Diese Stoffe sind für eine Wiederverwendung meist verloren. Zum Vergleich: Autos werden heute schon zu gut 85 Prozent recycelt.

EU-Kommission treibende Kraft

Das soll sich nun ändern. Die technische Arbeitsgruppe der Sustainable Finance Platform der Europäischen Kommission hat einen Bericht vorgelegt, der einen generellen Übergang in die Kreislaufwirtschaft auch am Bau beschreibt. Die Experten schlagen vor, dass künftig 90 Prozent der nicht gefährlichen Abbruch- und Bauabfälle für die Wiederverwendung oder das Recycling vorbereitet werden sollen. Eine entsprechende Verordnung könnte noch im Herbst 2022 erlassen werden.

Eine entsprechende Methode ist bei nachhaltig denkenden Bauherren schon heute verbreitet: Neue Gebäude müssen in ihrem gesamten Lebenszyklus betrachtet werden. Dazu müssen 50 Prozent der eingesetzten Gebäudeteile, entweder nach Gewicht oder Fläche berechnet, aus recyceltem Material oder erneuerbaren Materialien bestehen. Davon sollen wiederum 15 Prozent aus wiederverwendeten Bauteilen, 15 Prozent aus recyceltem Material und die restlichen 20 Prozent aus wiederverwendeten oder recycelten Inhalten bestehen. Nachwachsende Rohstoffe sind dafür ebenfalls eine Erfüllungsoption.

Das Gros der hiesigen Gebäude ist jedoch der Bestand. Hier sollen bei Sanierungen 50 Prozent des Gebäudes erhalten bleiben – entsprechend der alten Bau-Weisheit: Nur ein nicht neu gebautes Gebäude ist ein gutes, weil nachhaltiges Gebäude. Auch hier sollen 50 Prozent der Materialien, bezogen auf den Vermögenswert der Immobilie, den genannten Vorgaben entsprechen.

Nachhaltiges Bauen als Lösung

In Deutschland wird mit der neuen Bundesregierung ebenfalls intensiv über nachhaltiges Bauen nachgedacht, ist es doch ein wesentlicher Punkt im Koalitionsvertrag. Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat dazu eine Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema "Digitale Anwendungen zur Steigerung der Ressourceneffizienz in zirkulären Produktionsprozessen – DigiRess" vorgelegt. Damit sollen kleine und mittlere Unternehmen gefördert werden, die mit ihren Ressourcen effizienter umgehen wollen.

Das betrifft auch, aber nicht nur, die Bauwirtschaft. Erklärte Ziele sind, mittels digitaler Lösungen den Ressourceneinsatz zu reduzieren, Emissionen zu vermeiden oder zu reduzieren, die Produktlebensdauer zu erhöhen, die überbetriebliche Kreislaufdauer zu fördern oder die Aufbereitung und Wiederverwendung von Produkten zu verbessern.
Dabei helfen kann das schon vor vielen Jahren in der Bauwirtschaft eingeführte Building Information Modeling. Bei dieser Methode wird von Anfang an bei einem neu zu bauenden oder sanierenden Gebäude ein digitaler Zwilling erstellt, der allen am Bauwerk Beteiligten zugänglich ist. Für alle verwendeten Materialien und Komponenten werden Lebensdauer sowie Möglichkeiten der Weiterverwendung oder des Recyclings nach Ende des Lebenszyklus‘ hinterlegt.

Das alles läuft letztlich auf einen kompletten Wandel eines Wirtschaftszweiges hinaus. "Der Abfallwirtschaft kommt eine neue Rolle als Ressourcenwirtschaft zu", benennt dies Springer-Autor Peter Orth in seinem Zeitschriftenbeitrag Kunststoff-Rezyklat – Aufkommen und Einsatz erhöhen auf Seite 41.

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