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Über dieses Buch

Das Buch thematisiert den aus der Besiedlungs-, vor allem der Cowboy-Ära hergeleiteten Westernmythos in den USA, der über Generationen hinweg von den populärsten Medien jeder Epoche wiederholt wird. Der bewaffneten Gesellschaft, die das 19. Jahrhundert den Vereinigten Staaten hinterlassen hat und deren (vor allem weiße) Mitglieder sich in beispielloser Weise immer weiter aufrüsten, liefert dieser Mythos fortdauernde Identifikationssymbole und eine Deutung ihrer Ursprünge als Fortschritt durch Anwendung von Gewalt. Seine Prägekraft trägt zur Verhärtung einer Schusswaffenkultur bei, in der sich trügerisches Sicherheitsgefühl und ständige Verunsicherung mischen. Der Mythos befeuert die Sehnsucht nach den „einfachen“ Lösungen einer verklärten Vergangenheit, die Millionen amerikanischer Bürger anfällig macht für autoritäre Demagogie à la Tea Party und Donald Trump. Im Mittelpunkt des Mythos steht die Legende vom Revolverkämpfer als Lichtfigur, die das Buch am Beispiel ihres Prototyps erörtert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Amerikas nationaler Entwicklungsmythos: Fortschritt durch Anwendung von Gewalt

Zusammenfassung
Populärkultur prägt politische Kultur: In Gestalt des Revolverkämpfers beschwört der Westernmythos den „moralischen“ Sinn von Waffenbesitz und -gebrauch, die im Ausdehnungsprozess der USA zum Pazifik dem Fortschritt zum Durchbruch verholfen hätten. Der sich immer noch weiter aufrüstenden amerikanischen Gesellschaft wird damit ein fatales Identifikationsmuster geliefert. Zum Prototyp des Mythos hat sich „Wild Bill“ Hickok (1837–1876) entwickelt. Seine Biographie – die wirkliche wie die legendär aufgebauschte – wirft Licht auf das ins 21. Jahrhundert weiterwirkende Ausmaß der Gewöhnung an Gewalt in den USA.
Rainer Eisfeld

Kapitel 2. Kein Gesetz westlich von Hays City – kein Gott westlich von Carson City

Zusammenfassung
Hays City, heute bescheidener Hays, an der „Grenze“ in Kansas war 1868/1869 Schauplatz bewaffneter Zusammenstöße zwischen Zivilisten und Soldaten des nahen Forts. Gutsituierte Bürger gründeten einen Selbstjustizausschuss. Als der Bezirkssheriff verschwand, organisierte der Ausschuss eine irreguläre Wahl. Gewählt wurde Hickok, zuvor Kundschafter im Bürgerkrieg und bei den Kämpfen gegen die Prärieindianer. Während und nach seiner Amtszeit erschoss er drei betrunken randalierende Männer – sinnlose, ordinäre Zusammenstöße, von der Fama umgebogen zu bedeutsamen Episoden in den Annalen des Westens.
Rainer Eisfeld

Kapitel 3. Vom Buschkrieg in Kansas zum „Massaker“ am Rock Creek (Nebraska)

Zusammenfassung
„Im Grabe modernd liegt der Leib John Browns, doch schreitet fort sein Geist“: Der Geist der Gewalttat des 1859 hingerichteten Fanatikers prägte im „blutenden Kansas“ schon vor dem Bürgerkrieg die hasserfüllten Konflikte zwischen Sklaverei-Gegnern und -Befürwortern. Auch auf den jugendlichen Hickok wirkten sie brutalisierend. Eine Auseinandersetzung, in die er 1861 geriet und die in Mordtaten mündete, wurde 1867 in der verbreiteten Zeitschrift Harper’s Magazine zum außerordentlichsten Kampf im Dienst einer „gerechten Sache“ stilisiert, der sich an der „Grenze“ jemals zutrug. Der Artikel begründete den Hickok-Mythos.
Rainer Eisfeld

Kapitel 4. Die Entstehung des „Showdown“-Mythos in Springfield (Missouri)

Zusammenfassung
Am 21. Juli 1865 bewegten die beiden Berufsspieler Davis Tutt und Hickok sich über den Marktplatz von Springfield (Missouri) aufeinander zu, schossen, und Hickok zielte genauer. Banaler Grund: Ein Streit über eine Spielschuld. Auch diesen Zweikampf machte Harper’s Magazine landesweit bekannt. Der „Showdown“ zwischen Hickok und Tutt lieferte das Muster, nach dem man sich bis heute bewaffnete Konfliktabläufe an Amerikas „Grenze“ zurechtphantasiert. Die meisten Beteiligten hegten keine derartigen Illusionen. Strikte Regeln, die es zu respektieren gelte, waren eine Erfindung des Westernmythos.
Rainer Eisfeld

Kapitel 5. Abilene (Kansas): „Recht und Ordnung“ in einer weit offenen Boomstadt

Zusammenfassung
Als „weit offen“ für Glücksspiel, Prostitution und Gewalt hat man die Rinderstädte von Abilene bis Dodge City während der „Cowboy-Ära“ beschrieben. Zwei Jahrzehnte lang, 1867–1887, wurde texanisches Vieh nach Kansas getrieben, um von dort mit der Bahn zu Chicagos Schlachthöfen befördert zu werden. Hickok, 1871 als Marshal in Abilene eingesetzt, unterließ es, das von seinem Vorgänger eingeführte Schusswaffenverbot rigoros durchzusetzen. Bei einer Konfrontation erschoss Hickok einen texanischen Spieler und versehentlich einen herbeigeeilten Privatpolizisten. Nach acht Monaten Amtszeit wurde er vom Stadtrat entlassen.
Rainer Eisfeld

Kapitel 6. Gewalt und Tod in den Black Hills (Dakota)

Zusammenfassung
Während der fünf Jahre, die ihm noch blieben, führte Hickok ein unstetes Wanderleben als Berufsspieler, unterbrochen durch schauspielerische Gehversuche mit „Buffalo Bill“ Cody im Osten. Ein Goldrausch in den Black Hills, Vorspiel der Niederlage amerikanischer Truppen gegen die Sioux am Little Bighorn, zog Hickok 1876 zur Goldgräbersiedlung Deadwood – als Spieler, nicht etwa als Schürfer. Am Pokertisch sitzend, wurde er hinterrücks erschossen. Seine Ermordung verlieh ihm den nötigen Hauch Märtyrertum. Die Legende stattete Hickoks Biographie mit historischem Sinn aus als vorgeblicher „civilizer“ des Westens.
Rainer Eisfeld

Kapitel 7. „Gott erschuf die Männer – Colonel Colt machte sie gleich“: Vom Westernmythos zur Schusswaffenkultur

Zusammenfassung
Mit dem „Ende“ der Siedlungsgrenze setzte der eigentliche Phantasieschub ein. „Seriöse“ Leinenbände, Groschenhefte, Massenillustrierten, bald auch Filme, schließlich TV-Serien stilisierten den „rauen“, den „wetterfesten“ Individualismus des Westens zum „reinsten“ Amerikanertum. Durchgängig mitgedacht wurde dabei das Element der Gewaltsamkeit. Der romantisierende Mythos überhöhte berittene und bewaffnete Cowboys, Kundschafter, Revolverkämpfer zu Sinnbildern von Freiheit und, Integrität. Selbst einem amerikanischen Präsidenten schien Hickok dafür das Paradebeispiel zu liefern.
Rainer Eisfeld

Backmatter

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