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Über dieses Buch

Digitale Arbeitsmittel dringen in Arbeitsbereiche vor, in denen sie bislang nur eine untergeordnete Rolle spielten. Die Langzeitpflege ist einer dieser Bereiche, in dem die Arbeit am Menschen und mit dem Menschen im Mittelpunkt steht. Die Akzeptanz digitaler Technik ist daher bei den Beschäftigten in der Pflege voraussetzungsreich. Um Chancen verwirklichen zu können, die in der Technik für gute Arbeit in der Langzeitpflege liegen, bedarf es einer umfassenden Planung, Einführung und Begleitung von Digitalisierungsprojekten. In diesem Band werden zentrale Dimensionen und notwendige Ressourcen des „Veränderungsprojekts Digitalisierung in der Langzeitpflege“ diskutiert. Zu bedenken sind nicht nur technische, ethische, arbeits- und datenschutzrechtliche Aspekte. Zudem sind für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsalltag eine vorausschauende Arbeitsorganisation und Kompetenzentwicklung sowie eine partizipative und motivierende Lern- und Führungskultur bedeutend.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Zur Einführung

Zusammenfassung
Der Beitrag führt in die übergreifende Thematik des Bandes „Digitalisierung der Arbeit in der Langzeitpflege als multidimensionales Veränderungsprojekt“ ein. Er zeigt zunächst kurz die gegenwärtigen Herausforderungen der Arbeit in der Langzeitpflege auf, schildert die Ziele, die mit der Digitalisierung der Arbeit meist verbunden werden und macht deutlich, dass für die erfolgreiche Umsetzung von Digitalisierungsprojekten in der Langzeitpflege die Verbesserung der Arbeitsqualität in Wechselwirkung mit der Pflegequalität und Kosteneffizienz in den Fokus gerückt werden muss. Im Anschluss daran werden die Beiträge des Bandes kurz geschildert, die sehr praxisbezogene arbeits-, organisations- und technikwissenschaftliche Analysen zentraler Veränderungsaspekte der Digitalisierung von Arbeit in der Langzeitpflege vornehmen. Abschließend wird das vom BMBF und ESF geförderte Verbundprojekt KOLEGE dargestellt, das diesen Band initiiert hat und zahlreichen Unterstützer*innen zu Dank verpflichtet ist.
Peter Bleses, Britta Busse, Andreas Friemer

Digitalisierung in der Langzeitpflege: Entwicklung, Analyse, Implementation

Frontmatter

Kapitel 2. Veränderungsprojekte Digitalisierung der Arbeit in der Langzeitpflege. Anforderungen und Gestaltungsoptionen im Rahmen umfassender Veränderungsprozesse

Zusammenfassung
Auch die Arbeit in der ambulanten und stationären Langzeitpflege wird zunehmend digitalisiert. Dabei handelt es sich um ein Feld der Interaktionsarbeit am und mit Menschen, das traditionell keine primäre Orientierung auf einen weitgehenden Technikeinsatz besitzt. Die Anforderungen, die sich an eine erfolgreiche Digitalisierung der Arbeit in der Langzeitpflege richten, sind dementsprechend hoch. Der Beitrag empfiehlt, die Arbeitsqualität als ein Kernelement der Digitalisierung von Pflegearbeit einzubeziehen, konkrete Digitalisierungsvorhaben als vieldimensionale soziotechnische Veränderungsprojekte zu fassen sowie in deren Planung und Umsetzung ein an diesen verschiedenen Dimensionen orientiertes systematisches Vorgehen auszurichten. Im Zentrum des Beitrags steht die Beschreibung der Veränderungsdimensionen und der sich bietenden Gestaltungsoptionen.
Peter Bleses, Britta Busse, Andreas Friemer

Kapitel 3. Digitalisierungsprozesse und Interaktionsarbeit in der Pflege

Zusammenfassung
Digitale Technologien halten nicht nur in der Industrie, sondern auch bei personenbezogenen Dienstleistungen wie der Pflege Einzug. In der Langzeitpflege steht dabei insbesondere die Digitalisierung der Dokumentation und Pflegeprozessplanung im Vordergrund. Für die Akzeptanz und eine kompetente Handhabung dieser Technologien sind die Partizipation der Beschäftigten im Einführungsprozess sowie die Qualifikation und der Kompetenzaufbau für die IT-Nutzung von besonderer Relevanz. Die Pflegekräfte stehen nämlich nicht nur vor der Herausforderung, die Technologie sicher bedienen zu können, sondern sie müssen die Technikanwendung in die Pflegeinteraktion zu ihren Klientinnen und Klienten integrieren. Diese Vermittlungs- und Integrationsleistung schafft erst die Voraussetzung, dass die Techniknutzung ‚reibungslos‘ funktioniert. Sie ist im Zeitalter der Digitalisierung eine neue Arbeitsanforderung an professionell Pflegende.
Volker Hielscher

Digitalisierung in der Praxis: Arbeitsorganisation, Arbeitsqualität und Pflegequalität

Frontmatter

Kapitel 4. Digitalisierung der Pflegearbeit in der ambulanten Pflege: Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten guter Arbeitsqualität

Zusammenfassung
Die ambulante Pflege leidet wie alle anderen Pflegesektoren auch unter Personalmangel und daraus folgender Arbeitsverdichtung. Eine wichtige Strategie, um die Aufgaben in der ambulanten Pfleg auch weiterhin bewältigen zu können, bildet der voranschreitende Einsatz digital gestützter Verwaltungs- und zunehmend auch Pflegeabläufe. Im Mittelpunkt steht dabei derzeit die Einführung von mobilen Geräten (Smartphones und Tablets) für Pflegekräfte auf den Touren, die mittels Branchensoftware mit der Pflegezentrale vernetzt sind. Das steigert zwar die organisatorische Effizienz insbesondere der Tourenplanung und Leistungsabrechnung. Aber das bedeutet noch nicht, dass Pflegekräfte die Digitalisierung ihrer Arbeit am und mit Menschen begrüßen. Der Beitrag verfolgt die These, dass eine Akzeptanz dieses digitalen Veränderungsprojekts seitens der Pflegekräfte nur dann zu erreichen sein wird, wenn der Einsatz digitaler Technik auch zur dringend nötigen Verbesserung der Arbeitsqualität in der Pflege beiträgt. Gezeigt wird, welche Ideen Pflegekräfte dafür entwickeln, wo und wie diese umgesetzt und organisatorisch gerahmt werden können.
Peter Bleses, Britta Busse

Kapitel 5. Kollaborative Diensteplattform. Digitalisierung als Mittel teamorientierter Selbstorganisation

Zusammenfassung
Der Pflegeberuf wird als wenig attraktiv wahrgenommen: physische Belastungen, Schichtdienst, vergleichsweise geringes Gehalt sind – neben weiteren Faktoren – dafür ausschlaggebend. Negative Auswirkungen von Schichtarbeit können dadurch reduziert werden, dass das Autonomieerleben der Mitarbeitenden erhöht wird. Sie haben nicht mehr das Gefühl, dass (neben ihrem Berufsleben auch) über ihr Privatleben verfügt wird, sondern sie haben selbst die Chance, die Balance herzustellen und zu gestalten. Diesen Gestaltungsspielraum adressiert das Projekt GamOR: mit Hilfe einer kollaborativen, d. h. gemeinschaftlichen, und zugleich digitalisierten Dienstplanung soll die Zufriedenheit der Pflegekräfte erhöht werden.
Vanessa Kubek, Sebastian Velten, Alarith Uhde, Nadine Schlicker, Annette Blaudszun-Lahm

Kapitel 6. Digitale Patientendokumentationssysteme. Potenziale, Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten

Zusammenfassung
Digitale Patientendokumentationssysteme (PDS) gehören seit etlichen Jahren zu den wesentlichen digitalen Technologien, die als organisatorisches Veränderungsprojekt zunehmend Eingang in den bundesdeutschen Versorgungsstrukturen finden. Im Rahmen der stationären Pflege sollen sie die Pflegearbeit effektivieren, das operative Management der Einrichtungen erleichtern und die Versorgung gemäß den Qualitätsstandards sicherstellen. Der Artikel wendet sich neben diesen Potenzialen der digitalen PDS auch jenen nicht intendierten Effekten auf die Interaktionsarbeit zu, die eine gelingende Implementierung und gute Pflegearbeit erschweren können. Im Sinne einer reflektierten Technikgestaltung wird hierauf aufbauend eine lösungsorientierte Perspektive auf eine mögliche Gestaltung von ethischen, rechtlichen und habituellen Rahmenbedingungen eröffnet.
Monika Urban, Lena Schulz

Technikgestaltung für die Praxis: Nutzerorientierung und Datenschutz

Frontmatter

Kapitel 7. Praxisorientierung und Partizipation. Schlüssel für Technikgestaltung in Veränderungsprojekten

Zusammenfassung
Technikgestaltung und -einführung gelingen umso erfolgreicher, je höher die Akzeptanz in der Praxis ist. Eine beteiligungs- und praxisorientierte Technikgestaltung ist ein wesentlicher Schritt zur Erhöhung dieser Akzeptanz. Die Entwicklung und die Einführung einer Kommunikations- und Lern-App in der ambulanten Pflege wurden als ein solches partizipatives Veränderungsprojekt gestaltet. Der Praxiseinbezug gestaltete sich dabei als anspruchsvoll, aber hilfreich. Eine zentrale Frage war, wie die neue digitale Technik so umgesetzt werden kann, dass diese nicht nur einer effizienteren Organisationsgestaltung dient, sondern aus Sicht der Pflegekräfte auch als Mittel zur Verbesserung ihrer Arbeitsqualität bewertet werden kann. Dazu wurde eine Vielzahl von Anforderungen beobachtet, diskutiert, destilliert und bewertet. Unter der Beachtung diverser Rahmenbedingungen fokussiert die App Kommunikations-, Informations- und (Weiter-)Lernbedarfe, wobei Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz zwei zentrale Aspekte sind. Der Analyse-, Entwicklungs-, Erprobungs- und Evaluationsprozess ist bei beteiligungsorientierter Technikgestaltung langwierig – die daraus resultierenden Veränderungen werden in der Praxis aber besser akzeptiert und angewendet.
Jens Breuer, Peter Bleses, Luka Philippi

Lernen und Kompetenzentwicklung

Frontmatter

Kapitel 8. Blended Learning in der ambulanten Pflege: Partizipative Gestaltung unter Berücksichtigung der Diversität von Pflegekräften

Zusammenfassung
Digital gestützte Lernformate in der betrieblichen Fort- und Weiterbildung bieten eine besondere Chance Diversität in der Belegschaft zu begegnen. Umgekehrt bietet die Diversität der Beschäftigten neben Herausforderungen vor allem Chancen, die eine gute Nutzung von und Beteiligung an digitalen Lernformaten fördern können. Das Erkennen und Beachten von diesen Diversitäten ist in der Gestaltung von Veränderungsprozessen hinsichtlich der Digitalisierung von Arbeit als auch in der Gestaltung von Blended Learning unabdingbar. Dieser Beitrag beschreibt, welche der Diversitätsmerkmale der Beschäftigten in der ambulanten Pflege hierbei eine besondere Rolle spielen und wie diese in der konkreten Gestaltung von E-Learning im Zuge des KOLEGE-Projekts genutzt und berücksichtigt wurden.
Rebecca Kludig, Andreas Friemer

Kapitel 9. Digitale Technik droht? Bedroht? Wirklich nur? Kompetenzentwicklung in Veränderungsprojekten

Zusammenfassung
Die Digitalisierung der Arbeit in der ambulanten Pflege hat nach den Verwaltungs- und Organisationsbereichen inzwischen auch die Pflegearbeit am und mit dem Menschen erreicht. Bei Pflegekräften erzeugt die Ankündigung eines digitalen Veränderungsvorhabens in ihren ureigenen Arbeitsbereichen häufig ein Unsicherheitsgefühl, da die damit einhergehenden (Qualifikations-)Anforderungen oftmals unklar erscheinen. Für die Pflegekräfte bedeutet das trotzdem: ‚Wegducken geht nicht‘ – sie müssen sich den Anforderungen stellen. Für die Bereitschaft, sich an den erforderlichen Aneignungsprozessen zu beteiligen, ihre neue(n) Rolle(n) im Gesamtprozess verorten zu können und die benötigten Befähigungen zur Arbeit mit den neuen Arbeitsmitteln zu erlangen, benötigen sie entsprechende Kompetenzen – fachliche und überfachliche. Um diese bilden zu können, bedarf es jedoch zwingend eines verlässlichen betrieblichen Handlungs- und Entwicklungsrahmens. Der Beitrag fokussiert die Perspektive der Pflegekräfte in Hinblick auf die Veränderungsdimension Kompetenzen als Basis für berufliche Handlungsfähigkeit und thematisiert darüber hinaus die Potenziale der neuen Technologien für die personale Weiterentwicklung von Beschäftigten.
Andreas Friemer

Kapitel 10. Digitalisierung für die Altenpflege. „Lernreise“ als Instrument des betrieblichen Capacity-Buildings

Zusammenfassung
Digitale Technologien in der Altenpflege versprechen einen Fortschritt für Teilhabe, Versorgungs- und Arbeitsqualität. Doch in der betrieblichen Praxis zeigt sich, dass Digitalisierungsprojekte nicht selten ein hetzendes ,Muddling Through‘, mehr Zeitdruck und neue Improvisationserfordernisse der Beschäftigten zur Folge haben. Partizipative Gestaltungsstrategien werden durch unterschiedliche betriebliche Innovationskulturen, Zeitverwendungskonkurrenzen, fehlende strategische Perspektiven oder durch konfliktbehaftete betriebliche Arbeitsbeziehungen zusätzlich erschwert. Der Beitrag stellt mit der „Lernreise“ ein Instrument vor, mit dem sich Führungskräfte, Beschäftigte und betriebliche Interessenvertretungen gemeinsam Innovationsperspektiven und Gestaltungskapazitäten für einen sinnvollen Technikeinsatz erschließen können. Dies leistet, wie im Projekt DIALOGSPLUS gezeigt werden konnte, einen Beitrag zur Erhöhung der subjektiven und betrieblichen Innovationsfähigkeit und -bereitschaft.
Michaela Evans, Christine Ludwig, Wolfram Gießler, Gertrud Breuker, Wolfgang Scheda

Offene Fragen und Perspektiven

Frontmatter

Kapitel 11. Betriebliche und überbetriebliche Handlungs- und Regulierungsanforderungen in Veränderungsprojekten der Digitalisierung in der Langzeitpflege

Zusammenfassung
Zunächst werden einige zentrale Ergebnisse der Beiträge dieses Bandes resümiert, die für ein Gelingen digitaler Veränderungsprojekte der Arbeit in der Langzeitpflege unter Beachtung der Arbeitsqualität ausschlaggebend sind. Es zeigen sich in der Branche aber auch übergreifende Handlungs- und Regulierungsanforderungen (insbesondere in den Bereichen Arbeitszeit/Erreichbarkeit/Ruhezeiten, Datenschutz und -sicherheit, digitale Kompetenzen in der Pflegeaus- und -fortbildung). Diese sind für die Handlungs- und Erwartungssicherheit sowie Entwicklungsfähigkeit der Pflegekräfte und damit für ihre Belastungssituation ebenso wichtig wie für die Veränderungsfähigkeit und Rechtssicherheit der Organisationen. Abschließend wird gefragt, welche Akteure oder Instanzen arbeitsrechtliches Wissen einbringen, verbindliche Vereinbarungen treffen oder Regeln durchsetzen können, wenn und solange das mittels Kollektivvereinbarungen im Rahmen des Betriebsverfassungs- und Tarifrechts nicht ausreichend möglich ist.
Carola Bury, Peter Bleses
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