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30.04.2015 | Fahrzeugtechnik | Schwerpunkt | Online-Artikel

Von der Elektromobilität muss man überzeugt sein

verfasst von: Andreas Burkert

4 Min. Lesedauer

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Siemens eröffnet die Geschäftseinheit eCar Powertrain Systems und zeigt sich bestens gerüstet für die künftige Elektromobilität. Doch genügt das? Nein, sagen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Rahmen der Standort-Eröffnung. Politik und OEMs müssen für den Erfolg der E-Mobilität in Vorleistung gehen.

"Die Elektromobilität kommt". Da ist sich der Siemens-Vorstand Klaus Helmrich seiner Sache sicher. Dass Bayern sich dabei als Leitanbieter an der Spitze der Elektromobilität etabliert hat, davon ist Ilse Aigner überzeugt. Dies hat die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie am Montag mehrmals betont. Sie war als Ehrengast zur Eröffnung des neuen Siemens-Standorts der Geschäftseinheit eCar Powertrain Systems nach Erlangen geladen, um dort mit Helmrich symbolisch zwei Starkstromkabel miteinander zu verbinden. Weil Motoren und Umrichter die zentralen Bestandteile der elektrischen Antriebssysteme für Hybrid- und Elektrofahrzeuge sind, ist sich Helmrich sicher, dass das Geld gut angelegt ist.

Allerdings weiß auch er, dass das für eine erfolgreiche Elektromobilität allein nicht genügt, dass "dafür noch viele Schritte notwendig sind". Wie die aussehen können, wollen an dem Tag Experten aus der Forschung, der Industrie und der Politik klären. So diskutierten vor der offiziellen Eröffnung neben der Staatsministerin Aigner und Siemens-Mann Grotendorst auf dem Podium Professor Franke, Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik am FAU Erlangen, Dr. Jürgen Brandes, CEO Mobility Management und Markus Schöttle, stellvertretender Chefredakteur der ATZelektronik.

Komplexe Handlungsfelder bestimmen den Erfolg der Elektromobilität

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Und alle sind sie von den Vorteilen der Elektromobilität überzeugt. Aigner von den Möglichkeiten, die strengen CO2-Vorgaben zu erreichen, Grotendorst von der geräuscharmen Mobilität und Franke von der hochdynamischen Beschleunigung, die sich mit keinem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor erreichen lässt. Dennoch wurden im vergangenen Jahr nur knapp 8500 Elektroautos zugelassen. Im Verlauf der Podiumsdiskussion zeigt sich dann auch, dass der Erfolg der Elektromobilität nicht allein durch den technischen Fortschritt bestimmt wird.

Die Runde lieferte dann auch beeindruckende Erklärungen für die noch zögerliche Einführung einer Elektromobilität. So werden vor allem die Reichweite und die hohen Kosten angeführt. Das allerdings kritisiert Schöttle vehement. Zwar glaubt er, dass die deutsche Industrie alles kann, außer Batteriezellen. Das Defizit aber liegt seiner Ansicht nach im Technologie-Marketing und der Vermarktung der Elektromobilität. "Es hakt dort gewaltig", richtet er sich direkt an die Ministerin und an Joachim Herrmann, dem Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr.

Fundierte Politikberatung abseits bunter Bilder notwendig

So hält er es für wichtig, dass es seitens der Industrie eine fundierte Politikberatung geben müsste, die "ohne bunte Bilder und überzogene Versprechungen funktioniert". Das Ziel, bis 2020 etwa eine Millionen Elektrofahrzeuge am "Start zu haben", hält er für "absolut nicht realisierbar". Auch deshalb, weil "lieber Doktorarbeiten geschrieben werden, anstatt einfach zu beginnen", kritisiert er die zögerliche Haltung einiger Auto-Vorstände. Warum nicht "den einen Supersportwagen in Kleinstserie auf den Markt bringen und im Feldversuch Erfahrungen sammeln, auch wenn die Entwicklung noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen ist?".

So können die Hersteller ein Gefühl dafür bekommen, wer die ersten Kunden sind und was sie wollen. Dem stimmt auch Ilse Aigner zu: "Sicher müssen noch zahlreiche Hausaufgaben gemacht werden. Aber die Leute müssen die Elektromobilität im wahrsten Sinne des Wortes erfahren". Und Schöttle ergänzt: "Alle Beteiligten müssen vom Erfolg der Elektromobilität auch überzeugt sein".

Deutschland muss in der E-Mobilität technologisch führen

Ist damit also der gordische Knoten gelöst? Professor Franke mahnt: "Wir dürfen nicht zu euphorisch in den Markt gehen". Immerhin bestimmen die Technologien der konventionellen Antriebstechnik, die Produktionslinien, die Patente, vor allem aber die Marktposition, die "wir in den zurückliegenden Jahrzehnten weltweit erreicht haben“ das Handeln. All dieses muss "in der komplett neuen Technologie erst einmal erarbeitet werden". Wie gefährlich im Übrigen solch eine disruptive Technologie sein kann, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt.

So sind "eigentlich alle etablierten Anbieter von Mobil-Telefonen vom Markt verschwunden". Der Übergang muss seiner Ansicht nach in mehreren Stufen erfolgen. Die deutsche Industrie muss sich dabei auf jene Technologien konzentrieren, in der auch eine Technologieführerschaft möglich ist - so wie sie derzeit bei konventionellen Antriebstechnik vorherrscht. Denn eines ist klar: Ein Synchronmotor für Elektrofahrzeuge lässt sich grundsätzlich überall produzieren. "Das können die Chinesen ebenso gut wie die Koreaner und vor allem die Japaner". Und die fertigen auf einem ganz anderem Produktionskostenniveau.

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