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06.09.2017 | Finanzbranche | Nachricht | Onlineartikel

Eine Chance namens Brexit

Autor:
Stefanie Hüthig

Für John Cryan, Chef der Deutschen Bank, ist Frankfurt am Main die "natürliche Anlaufstelle" für Finanzinstitute nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – und die einzige. Die Stadt, das Land Hessen und die Bundesrepublik müssten das nur wollen.

Das Plenum der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" fühlt sich 2017 an wie ein Wohnzimmer. Halbhohe Lampen mit Schirmen aus Stoff verbreiten gedämpftes Licht, die Besucher sitzen in hellen Sesselchen, zu Halbkreisen gruppiert. Dazu passt es famos, dass Deutsche Bank-Chef John Cryan die Finanzwelt nach Frankfurt einlädt. In seinem Plädoyer in deutscher Sprache bezeichnete er den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als "riesiges Konjunkturprogramm" für die Stadt am Main. Frankfurt selbst sowie die Politik auf Landes- und Bundesebene müssten die "Chance namens Brexit" nur ergreifen wollen. Und diesen Eindruck hat Cryan. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hält Frankfurt als einzig geeigneten Standort in Europa für Finanzinstitute nach dem Brexit. Die Frage sei nicht, ob, sondern wie viel Geschäft die Stadt bekommen werde. Cryan betonte, dass sich Frankfurt nicht mit beispielsweise Dublin, sondern mit "New York oder Singapur" messen lassen müsse. Nachholbedarf sieht er bei der Infrastruktur. Frankfurt benötige ein Netzwerk von Dienstleistern, zusätzliche attraktive Wohnviertel, internationale Schulen sowie mehr Theater und Restaurants. Hier soll sich Frankfurt wohl an London orientieren, dessen Infrastruktur Cryan "einzigartig" nennt.

Konsolidierung muss sich beschleunigen

Weniger zuversichtlich als für die Zukunft Frankfurts ist Cryan für den deutschen Bankenmarkt. Ein zersplitterter Markt mit immer noch mehr als 1.700 Instituten sei eine schlechte Voraussetzung, um mehrere international wettbewerbsfähige Geldhäuser hervorzubringen. Dabei sei es schon fünf nach zwölf. Die Konsolidierung in Europa und Deutschland muss sich nach Ansicht des Deutsche Bank-Chefs gerade beschleunigen, weil Banken heute technologiegetrieben und in vielen Bereichen ein reines Skalengeschäft seien. Auf Dauer könnten nur Institute mit einer gewissen Größe bestehen, zumindest im Geschäft mit Privat- und kleineren Geschäftskunden.

Künftig kommen Finanzdienstleister mit deutlich weniger Personal aus. "Momentan haben wir Menschen in der Bank, die sich wie Roboter benehmen, also mechanische Tätigkeiten ausführen", erklärte Cryan in der seinem Vortrag anschließenden Fragerunde dann in englischer Sprache. "In Zukunft werden wir Roboter haben, die sich wie Menschen benehmen."

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