Skip to main content
main-content

04.07.2017 | Fintechs | Im Fokus | Onlineartikel

Kooperieren oder aufkaufen?

Autor:
Barbara Bocks

 

Ob Fondsgesellschaften wie Blackrock oder Kreditistitute wie die Commerzbank: Klassische Unternehmen in der Finanzbranche lassen sich mehr und mehr auf Fintechs ein. Wie sie dies angehen, ist allerdings ganz unterschiedlich.

Die Kooperation mit Fintechs ist in der weltweiten Finanzbranche nichts Neues mehr. Sechs von zehn der befragten Entscheidern in deutschen Kreditinstituten arbeiten bereits mit Fintechs zusammen. Ebenso viele planen derzeit Kooperationen, Gründungen oder Käufe von Start-ups aus der Finanztechnologie. Das geht aus der Studie "Branchenkompass Banking 2017" von Sopra Steria Consulting mit dem F.A.Z.-Institut hervor. Für die Studie wurden unter anderem 103 Führungskräfte aus Kreditinstituten mit Bilanzsummen über 500 Millionen Euro befragt. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | Supplement | Buchkapitel

Best of Both Worlds: Banken vs. FinTech?

Die Digitalisierung kommt einer Revolution gleich, denn sie verändert das Leben der Menschen ähnlich nachhaltig wie die erste industrielle Revolution. 

Erst kürzlich ist Blackrock, eine der weltweit größten Fondsgesellschaften, bei dem deutsch-britischen Fintech "Scalable Capital", einem digitalen Robo Advisor, eingestiegen. Am 20. Juni 2017 hat sich "Bilendo", ein Fintech-Anbieter im Bereich des Mahnwesens, in einer Finanzierungsrunde unter anderem vom "Main Incubator" neues Geld besorgt. Die Investor-Initiative dient als Wagniskapitalfirma und unterstützt als Tochterunternehmen der Commerzbank seit ihrer Gründung 2014 Fintechs von der Gründungsphase bis zur Marktreife. Das Institut selbst agiert als Anker-Investor. Und die Deutsche Bank will im Fintech-Bereich laut einem Management Paper von Accenture bis zum Jahr 2020 über 750 Millionen Euro investieren. Banken fungieren also als mittel- bis langfristige Kapitalpartner. 

Kooperationen sind besonders attraktiv

Der Trend zu Kooperationen dokumentiert sich auch in weiteren Zahlen: Im Durchschnitt erwarten 82 Prozent der 1.308 befragten Führungskräfte aus Unternehmen der weltweiten Finanzbranche, darunter knapp ein Drittel Banken, in der "PwC Global FinTech Survey 2017", ihre Kooperationen mit Fintech-Unternehmen in den kommenden drei bis fünf Jahren auszubauen. Die befragten deutschen Manager, die von einer Zunahme bei Fintech-Kooperationen ausgehen, liegen mit 78 Prozent knapp unter dem weltweiten Durchschnitt. 70 Prozent der deutschen Studienteilnehmer geben in der PwC-Studie jedoch auch an, dass sie bereits Kooperationen mit Fintech-Unternehmen eingegangen sind, und damit wesentlich mehr als der weltweite Durchschnitt mit 45 Prozent. Die Verteilung zeigt die nachstehende Grafik:

Quelle: PwC Global FinTech Survey 2017

"Für Banken erscheinen vor allem Fintechs aus dem Bereich Zahlungsverkehr besonders attraktiv", sagt Dr. Thomas Funke, Co-Director TechQuartier, gegenüber Springer Professional mit Blick auf die Entwicklung bei den Kreditinstituten. Das zeige sich unter anderem an der Kooperation zwischen Deutscher Bank und Gini, einem Start-up mit speziellem Überweisungsservice. Auch die Bereiche Marketplace Lending und Crowdinvesting ziehen laut Funke viele Geldhäuser an. Der Grund: Über Kooperationen könnten Banken die Kundenbedürfnisse mit geringem finanziellen Risiko abdecken und ihre IT-Systeme verbessern, erklärt er. Kreditinstitute können Funke zufolge zudem in separaten Unternehmenseinheiten wie Acceleratoren oder Inkubatoren Innovationen ohne komplexe juristische Prüfungen testen.

Wachstum der Fintechs

Banken sind an Kooperationen mit Fintechs immer stärker interessiert, weil sie für einen schnellen Know-how- und Innovationszuwachs sorgen. Bereits 87 Prozent der Banken, die für eine Studie des Bundesfinanzministeriums (BMF) befragt wurden, kooperieren mit den Start-ups im Wettbewerb um neue Geschäftsmodelle im Bankensektor. Das Gesamtmarktvolumen der Fintech-Unternehmen in den Teilsegmenten 

  • Crowdfunding, 
  • Kredite und Factoring, 
  • Social Trading, 
  • Robo Advice sowie
  • Geldanlage und Banking 

betrug 2015 rund 2,2 Milliarden Euro.

Schutz der Daten ist wichtig 

Bei der strategischen Zusammenarbeit mit Fintechs ist der Datenschutz laut Christian Hoppe vom "Main Incubator" eines der wichtigsten Themen. "Daher führen wir für Kooperationen mit technischer Einbindung von Fintechs umfangreiche Approval-Prozesse durch. Das Fintech muss akkreditiert sein und von Back-up-Servern bis zu entsprechenden Datenschutzrichtlinien alle Standards der Finanzaufsicht einhalten", betont Hoppe im Bankmagazin-Artikel "Wenn David und Goliath kooperieren" (Ausgabe August 2016, Seite 47).

"Die Fintech-Affinität der Banken hängt im Wesentlichen mit dem Geschäftsmodell zusammen", argumentiert Stefan Lamprecht, Division Director Banking von Sopra Steria Consulting, gegenüber Springer Professional. Daher seien vor allem die Direktbanken sehr aufgeschlossen gegenüber Fintechs. Großbanken würden ihre Leistungen eher selektiv ergänzen und mehr selbst entwickeln, so Lamprecht weiter. Übernahmen von Fintechs durch Kreditinstitute seien laut Lamprecht im Gegensatz zu Kooperationen weniger stark verbreitet. "Zwar verspricht die Übernahme erfolgreich am Markt tätiger Fintechs eine exklusive Nutzung der Technologien", erläutert der Fintech-Experte. Sie sei jedoch mit hohen finanziellen Belastungen verbunden. Dazu komme die schwierige Integration beider Unternehmenskulturen. "Durch Kooperationen lassen sich dagegen mit wenig Aufwand und Risiko schnell Leistungen ergänzen", so Lamprecht. Außerdem sei der Markt sehr schnell. "Es ist ungewiss, welche Produkte sich letztendlich durchsetzen und vom Kunden akzeptiert werden", fügt er hinzu. Mit Kooperationen seien kurzfristige Wechsel der Anbieter und der Technologien je nach Marktentwicklung steuerbar.

Wann es für Banken sinnvoll ist, ein Fintech zu kaufen

Spielt ein Geldinstitut mit dem Gedanken, ein Fintech zu erwerben, gibt es laut Antoine Baschiera, CEO der europäischen Rating-Agentur "Early Metrics", die sich auf Start-ups fokussiert hat, vier mögliche Szenarien, bei denen diese Entscheidung für Kreditinstitute sinnvoll sein kann, wie er gegenüber Springer Professional ausführt:

  • Das Fintech-Produkt ist sehr wichtig für die Aktivitäten der Bank, aber wächst nicht, dadurch kann die Bank das Produkt "retten", indem es das Fintech kauft.
  • Das Fintech-Unternehmen ist eine direkte und signifikante Konkurrenz für die Bank. Dieses Phänomen kommt allerdings bisher selten vor.
  • In manchen Fällen macht es ökonomisch mehr Sinn, einen Fintech-Provider zu kaufen und seine Dienstleistungen in das Kerngeschäft zu integrieren als dafür zu zahlen.
  • Banken müssen Dienstleistungen und Produkte aus Sicherheits- oder Compliance-Gründen intern abbilden.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

26.06.2017 | Fintechs | Kolumne | Onlineartikel

Die erste Fintech-Welle neigt sich dem Ende zu

Premium Partner

micromNeuer InhaltNeuer InhaltNeuer InhaltPluta LogoNeuer Inhalt

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Digital Banking braucht Strategie und Kundenorientierung

Das englischsprachige Whitepaper „Successful Digital Banking: Aligning business strategy with technology“ untersucht, wie der Digitalisierungseifer in der Bankenbranche und eine fehlende Strategie das Kundenerlebnis beeinträchtigen – und was die zentralen Erfolgsfaktoren beim Digital Banking sind. Die Studie macht deutlich, mit welchem Eifer die Bankenbranche die Digitalisierung vorantreibt. Allerdings fühlen sich einige Kunden dabei von der Vielfalt neuer Funktionalitäten einfach überfordert. Letztlich sind digitale Strategien immer dann erfolgreich, wenn sie ein positives Kundenerlebnis über alle Touchpoints hinweg im Blick haben.
Jetzt gratis downloaden!