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20.02.2018 | Gesamtbanksteuerung | Nachricht | Onlineartikel

Genossen stellen sich auf neues Kundenverhalten ein

Autor:
Barbara Bocks

Die Volks- und Raiffeisenbanken blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurück und stellen gerade die Weichen für die kommenden Jahre. Eine neue Richtlinie stößt jedoch auf Kritik bei den Genossen.

"Für die Zukunft der Volks- und Raiffeisenbanken werden Investitionen in die Digitalisierung von großer Bedeutung sein. Wir müssen in der Lage sein, die Wünsche der Kunden auf allen Vertriebswegen zu erfüllen“, betonte Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender Genossenschaftsverbands – Verband der Regionen anlässlich der Jahrespressekonferenz am 19. Februar 2018. Dem diene auch das im Dezember 2018 in Hessen angelaufene Projekt zum Bezahlen mit dem Smartphone auf Basis der Girocard und der Kreditkarte. Der Kundenbedarf nach kompetenter Beratung und sicherem Online-Banking nimmt laut Barkey beständig zu. Demgegenüber sinke die Nachfrage nach persönlichem Service bei einfachen Bankangelegenheiten wie Geld abheben kontinuierlich. Daher seien Filialschließungen laut Barkey eine Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten und kein Ausdruck aktiver Strukturpolitik. Im Jahr 2017 ging die Zahl der Filialen im Gebiet des Genossenschaftsverbands um 3,8 Prozent zurück.

Zu viel Aufwand durch Mifid II

Was die aktuellen europäischen Regulierungsinitiativen angeht, gehen die aktuellen Vorschläge zur Entlastung kleiner Geldhäuser Barkey noch nicht weit genug: "Wir brauchen sofort ein Moratorium für neue Meldepflichten bei kleinen Banken. Insbesondere in der Einführungsphase entstehen kleinen Kreditinstituten überproportional hohe Kosten", argumentiert der Verbandschef. Die Mifid II-Richtlinie sowie die begleitende Verordnung Mifir schreiben laut des Verbands unter anderem vor, dass telefonische Beratungsgespräche aufgezeichnet werden. Der bürokratische Aufwand für die Umsetzung der insgesamt mehrere tausend Seiten starken Regelwerke sei so groß, dass einige kleinere Volksbanken und Raiffeisenbanken erwögen, die telefonische Kundenberatung ganz aufzugeben, erklärt Barkey. "Diese Probleme hätte man nur vermeiden können, indem man die Umsetzungsfristen für Mifid und Mifir länger angesetzt und die Vorgaben insgesamt deutlich entschlackt hätte".

Auf die Kosten der Regulierung und den Margendruck durch das aktuelle Zinsumfeld müssen die Genossenschaftsbanken laut eigenen Angaben unter anderem mit einer Anpassung der Gebührenpolitik reagieren, die auch dem veränderten Kundenverhalten Rechnung trage. "Das Kundenverhalten differenziert sich zunehmend aus. Wir brauchen mehr individuelle Preismodelle je nach tatsächlichem Leistungsbedarf“, so Barkey. Angesichts der Bankendichte in Deutschland ist es aus Sicht des Verbands allerdings unrealistisch, dass das flächendeckend eingeführt wird.

2017 bringt Plus bei Einlagen und Krediten

Trotz des herausfordernden Marktumfelds schafften die Volksbanken und Raiffeisenbanken 2017 ein Plus von 4,2 Prozent bei den Einlagen, die damit auf insgesamt 319,1 Milliarden Euro anstiegen. Die Kundengelder flossen vor allem in Sichteinlagen, die um 7,3 Prozent, also 14,3 Milliarden Euro anstiegen. Deren Anteil an den gesamten Einlagen beträgt daher mittlerweile rund zwei Drittel. Die genossenschaftlichen Banken haben auch ihre Kredite um 6,7 Prozent auf 277,5 Milliarden Euro ausgeweitet. Wachstumstreiber ist laut Angaben des Verbands insbesondere das gewerbliche Kreditgeschäft mit einem Plus von 7,8 Prozent. Deren Wachstum liegt um 2,8 Prozentpunkte über dem der privaten Krediten und kommt vor allem von den Baufinanzierungen, die 2017 um 6,9 Prozent wuchsen. Die gesamte Bilanzsumme der genossenschaftlichen Institute, die der Genossenschaftsverband vertritt, stieg 2017 um 5,2 Prozent auf 437 Milliarden Euro. Das ordentliche Betriebsergebnis steigt nach der Vorschaurechnung des Verbands auf  vier Milliarden Euro an. Das entspricht einem Plus von 283 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

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