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"Consulting 4.0 sollte mehr sein, als die Digitalisierung der Beratungsbranche"

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Interviewt wurde:
Prof. Dr. Dirk Lippold

ist Gastprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin und lehrt darüber hinaus an verschiedenen Privathochschulen. 

Ein Buzzword geistert durch die Beraterbranche: Consulting 4.0.  Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff? Springer-Autor Dirk Lippold bringt im Gespräch mit Springer Professional Licht ins Dunkel.

Für Unternehmensberatungen ist durch die Digitalisierung die Zeit des Consulting 4.0 angebrochen, heißt es. Wie definieren Sie den Begriff?

Wir sprechen heute von Technologie 4.0, von Arbeit 4.0, ja sogar von Deutschland 4.0 und das alles deshalb, weil Industrie 4.0 derzeit in aller Munde ist. Nicht ohne Grund, denn die Dampfmaschine brachte die erste industrielle Revolution. Elektrizität und Fließband initiierten die zweite Revolution und die Mikroelektronik löste die dritte industrielle Revolution aus. Als Fortsetzung dieser Entwicklung wurde in Deutschland mit der kommenden Verschmelzung von Industrie und Informationstechnik der Begriff Industrie 4.0 als vierte industrielle Revolution eingeführt.

Auch wenn solche einschneidenden Entwicklungsschritte im Consulting bei weitem nicht so klar definierbar oder abgrenzbar ist, so existieren doch Erklärungsversuche: Consulting 1.0 steht für den klassischen Lösungsberater, 2.0 für den Prozessberater und Consulting 3.0 für den heutigen Prozess- und Fachberater mit hoher sozialer Kompetenz. Na ja, und Consulting 4.0 steht dann für alles, was mit digitaler Transformation, Big Data, Analytics und Expertise Industrie 4.0 zu tun hat. Aber ist das wirklich schon Consulting 4.0? Ich halte das für zu kurz gesprungen. Industrie 4.0-Inhaltsberatung und ein wenig Remote-Beratung, die langsam eine Trennung der bislang für untrennbar gehaltenen Beziehung von Reisetätigkeit und Beraterdasein aufweicht und das Ganze verknüpft mit rudimentärer Strategieexpertise, aber sonst weitermachen wie bisher – das rechtfertigt doch nicht einen so anspruchsvollen Begriff.

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11.01.2016

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Also verändert die Digitalisierung Beratung gar nicht so sehr ...? 

Consulting 4.0 sollte mehr sein, als die Digitalisierung der Beratungsbranche nach innen und außen. Die Frage ist doch, ob das Consulting nicht vor einer größeren Umwälzung steht. Sicher, die neuen technologischen Entwicklungen machen auch vor den Beratungsunternehmen nicht halt, aber das war immer so. Sind diesmal aber nicht Berater gefragt, die erkennen und vor allem wissen, dass durch die neuen technologischen Möglichkeiten disruptive Geschäftsmodelle oder wenigstens doch neue attraktive Anwendungsfelder bei den Kundenunternehmen entstehen? Dazu müssen in den Betrieben die gesamte primäre Wertschöpfungskette überarbeitet, digitale Informationen gesammelt, verarbeitet und in marktfähige Angebote übertragen werden. Gefragt ist also ein Berater-Typ, der es den Kundenunternehmen ermöglicht, innovative Lösungen, die größtenteils durch die digitale Transformation möglich werden, zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis anzubieten und umzusetzen. Aber rechtfertigt dieser Beratertyp bereits die Bezeichnung Consulting 4.0, obwohl es streng genommen zuvor gar kein Consulting 2.0 oder 3.0 gab?

In diesem Zusammenhang heißt es auch: "Der ideale Berater der Vergangenheit war Generalist, der Berater der Zukunft ist Spezialist." Richtig oder falsch?

Ich halte von der Abgrenzung Generalist versus Spezialist nicht viel. Der von mir skizzierte Umwälzungsprozess erfordert – wie gesagt – mehrdimensionales Spezialistenwissen. Eine solche Expertise muss ja nicht zwingend in einer Person zusammenkommen. Wichtig ist, dass beide Richtungen in einem Beratungsunternehmen ausreichend und in der erforderlichen Tiefe vorhanden sind. Strategie- und Technologieberatung, konzeptionelle und Umsetzungsberatung werden immer mehr zusammenwachsen. Die Digitalisierung mit ihren neuen Anwendungsfeldern ist das beste Beispiel dafür.

Muss sich auch die Management-Ausbildung beziehungsweise das Managementstudium verändern?

Ein eindeutiges "ja" – aber nicht nur wegen der Digitalisierung. Da es ohnehin für Berater keine vorgeschriebenen Ausbildungspläne gibt und wohl auch nie geben wird, sollten die über 40 in Deutschland eingerichteten Consulting-Studiengänge wenigstens mit Lehrmaterialien ausgestattet sein, die ein umfassendes Grundwissen für den angehenden Berater sicherstellen. Heute wird in jedem Studiengang gelehrt, was der Dozent weiß bzw. was er in seiner individuellen Praxis erlebt hat. Doch das ist in aller Regel zu wenig beziehungs zu einseitig. Methodisch fundierte Consulting-Lehrbücher sind Mangelware und die allgemeine Verunsicherung unter den Hochschulabsolventen ist groß. Einzig die großen, international ausgerichteten Beratungsgesellschaften sind in der Lage, diese Defizite durch ein eigenes Aus- und Weiterbildungsangebot wohl oder übel zu kompensieren. Solche internen Ausbildungsmaßnahmen schlagen sich dann allerdings auch in den Honoraren nieder.

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