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27.03.2024 | Innovationsmanagement | Schwerpunkt | Online-Artikel

Mit diesen Methoden werden Unternehmen innovativer

verfasst von: Andrea Amerland

6 Min. Lesedauer

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Deutschland droht bei den Innovationen global den Anschluss zu verlieren. Studien zeigen, was Methoden wie Open Innovation, internes Crowdfunding oder Design Thinking bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bringen.

Die Innovationskraft deutscher Unternehmen sinkt und zwar um 15 Prozent, hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben. Demnach bezeichnet sich nur noch jeder fünfte Betrieb als besonders innovativ. 2019, also vor der Pandemie, traf das noch auf jedes vierte Unternehmen zu. 

Grundlage dieser Ergebnisse ist eine Befragung von mehr als 1.000 Firmen. Nach deren Selbsteinschätzung stieg im Zeitraum von 2019 bis 2022 der Anteil der Unternehmen, die nicht aktiv nach Neuerungen suchen, von 27 auf 38 Prozent an. Das ist fatal. Auf eine Kurzformel gebracht, heißt das: Keine Innovationen, kein Wachstum, geringe Wettbewerbsfähigkeit und kaum Krisenfestigkeit auf internationalen Märkten. 

Die Gemengelage ist für Firmen derzeit nicht leicht. Sie müssen angesichts der wirtschaftlichen Situation aus Inflation und Energiekosten sparen. Nicht selten bleiben dabei wichtige Investitionen auf der Strecke. Mitunter scheitern Unternehmen aber auch an zu wenig Kreativität und schlechten Innovationsprozessen.

Internes Crowdfunding steigert Innovationskraft

Wie eine Studie der Kühne Logistics University ergibt, kann etwa internes Crowdfounding die Innovationskraft von Organisationen deutlich steigern. Die Untersuchung, die unter dem Titel "Opening the floodgates: How big companies can reap the benefits of internal crowdfunding" im Herbst 2023 erschienen ist, zeigt Vorteile von Ideenwettbewerben mit verteilter Entscheidungsfindung auf. 

Dazu haben die Wissenschaftler anonymisiert Daten einer Ideenplattfom ausgewertet, die Siemens für internes Crowdfunding seit 2015 einsetzt. Dort stellen Beschäftige ihre Projetideen und den Nutzen für das Unternehmen inklusive des benötigten Budgets vor und lassen es von Kollegen mit Likes und Feedback bewerten. Anonyme Investoren aus der Belegschaft, die per Los ermittelt wurden, erhalten ein Budget und können es auf die Ideen verteilen. Die Vorhaben, die ihre Fördersumme erreichen, werden dann realisiert. 

Key Learnings aus diesem Best Practice sind für die Forschenden, dass verteiltes und brach liegendes Wissen durch internes Crowdfunding im Unternehmen nutzbar gemacht wird. Gleichzeitig entstehe produktiver Austausch sowie Zusammenarbeit über Abteilungen hinweg. "Zudem haben wir beobachtet, dass das Engagement und die Motivation der Mitarbeitenden steigen, wenn ihre Ideen wertgeschätzt und ihre Entscheidungen anerkannt werden - das Management hatte kein Vetorecht", erklärt Christina Raasch, Professorin für Digital Economy an der KLU und Wissenschaftlerin am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). Auch ließe sich auf diese Weise großer Ideenreichtum managen, da die Bewertung auf viele Schultern verteilt wird.

Tipps für internes Crowdfunding der KLU-Forschenden: 

  • Innovationsmanager sollten das Vorgehen gut durchdenken und an das jeweilige Unternehmen anpassen.
  • Investoren dürfen nicht mit Vorschlägen überfordert werden, in dem der Kreis der Ideengeber überschaubar gehalten wird.
  • Das Management muss den Prozess voll und ganz unterstützen, die Mitarbeitenden entscheiden lassen, ohne ihr Votum später zu kassieren.
  • Es muss klar sein, woher das Geld kommt, dass die internen Investoren verteilen.
  • Alle Ideengeber müssen namentlich sichtbar sein, um die Motivation und Zufriedenheit der Beteiligten zu erhöhen.

Open-Innovation-Prozesse managen

"Die Zeiten sind vorbei, wo es fast ein Jahr dauerte, bis ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt und im Markt eingeführt wurde", schreibt Daniel Fasnacht in einem Kapitel zum Thema. Geschwindigkeit zählt und daher müssen sich auch die Methoden zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen ändern. An dieser Stelle kommt Open Innovation ins Spiel, dessen Ziel es ist, "Drittanbieter in die Entwicklung und Vertriebswege zu integrieren", statt Produkte intern zu entwickeln und aus eigener Kraft auf den Markt zu bringen. "Flexible und schnelle Integrierbarkeit über offene Schnittstellen ist zu einem entscheidenden Kompetenz- und Erfolgsfaktor geworden", betont Fastnacht.

Der Begriff Open Innovation wurde von Henry Chesbrough als Rahmen für Innovation und neues Wachstum basierend auf der Nutzung von Technologien eingeführt. Er bewertete die beiden Modelle - geschlossene Innovation und offene Innovation - und sah bereits vor 20 Jahren in der offenen Innovation das Modell der Zukunft." Daniel Fastancht, "Open Innovation als Grundlage"

Dabei wird über Unternehmensgrenzen hinweg Know-how in den Innovationsprozess integriert, indem das Wissen von "Kunden, Lieferanten, Universitäten, Innovationslaboren, Beratern, Regulierungsbehörden, Technologie- und Plattformanbietern" eingebunden wird. Iterative Prozesse sind kennzeichnend für diese agile Arbeitsmethode. "Dabei durchläuft etwas so lange einen Entwicklungs- oder Verbesserungsprozess, bis alle Anspruchsgruppen mit dem Ergebnis zufrieden sind", so Fastnacht weiter.

Allerdings hat Open Innovation bei vielen Vorteilen auch Schwachstellen, zeigt eine Studie der European School of Management and Technology (ESMT). Demnach unterscheiden sich die Merkmale, anhand derer Beteiligte beurteilen, ob ein Vorschlag erfolgreich sein wird, je nach Stadium der Idee deutlich. Während in der frühen Entwicklungsphase mehr auf den Status des Ideengebers und eine sorgfältig ausgearbeitete Präsentation geachtet wird, was wenig über die Erfolgsaussichten einer Innovation aussagt, beurteilen Menschen in späteren Stadien, wie populär die Idee bereits ist und wie diese Popularität zunimmt, heißt es in der Studienzusammenfassung.

Schlechte Ideen automatisiert herausfiltern

Zudem ging es in der Untersuchung um die Frage, inwieweit Machine Learning schlechte Ideen in der Anfangsphase der Ideengenerierung aussortieren und die erfolgversprechenden Vorschläge auswählen kann. Dazu wurden Daten der Lego-Ideas-Plattform ausgewertet, auf der User Vorschläge einreichen bis der Favorit via Crowdsourcing gekürt wird.

Es zeigte sich, dass Algorithmen zur Vorfilterung früher Ideen eingesetzt werden können, die Gewinner in späteren Phasen aber maschinell weniger vorhersehbar sind. Die Forscher folgern daraus, dass der Einsatz zur automatischen Vorfilterung Vorteile bringt, etwa um Ressourcen zu sparen oder die Aufmerksamkeit der Crowd voll und ganz auf die wertvollsten Innovationen zu lenken. Ein höherer Anteil an hochwertigen Ideen mache die Plattform zudem attraktiver und könne zu längeren und häufigeren Besuchen motivieren. Auch können Manager von einer frühen Crowd-Unterstützung bei ihren Entscheidungsprozessen profitieren.

"Unsere Forschung gibt Innovationsmanagern einen Fahrplan an die Hand", sagt Linus Dahlander, Professor of Strategy an der ESMT und Inhaber des Lufthansa Group Chair in Innovation. "Indem sie diese kritischen Merkmale erfolgreicher Ideen verstehen, können Manager unzureichende Konzepte bereits in der Anfangsphase aussieben. Die langfristigen Auswirkungen? Besser informierte, strategische Entscheidungen im Innovationsmanagement."

Der Innovationsansatz Design Thinking 

Neben Crowdfunding oder Open Innovation hat sich Design Thinking als Methode in Unternehmen etabliert, ergibt eine globale Studie des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) von 2022. Die zentralen Grundsätze des Design Thinkings, auf Nutzerzentriertheit, Experimentierfreudigkeit, interdisziplinäre Teams und Prototyping zu setzen sowie auch den Mut zum Scheitern mitzubringen, werden demnach seit rund 15 Jahren in Unternehmen praktiziert. 

Aktuell hat sich der Einsatz der Methode zunehmend in die Richtung einer Lösung komplexer Aufgaben verschoben, so Peter Kinne, Jürgen Kopfmüller, Jan Reisener und Hans Strikwerda im Buchkapitel "Warum Design Thinking?". Wesentliche Bestandteile der Methode sind den Autoren zufolge: 

  1. Betrachtung der Nutzer in ihrer Umwelt, Entwicklung eines vertieften Verständnisses ihrer (unerfüllten) Bedürfnisse.
  2. Arbeit in Teams aus Menschen mit unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungshorizonten. Komplexe Probleme sollen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und möglichst vollkommen verstanden werden.
  3. Dialoge auf Augenhöhe, um Bedeutungen und Sinn gemeinschaftlich zu erkennen. Hier spielt psychologische Sicherheit eine wichtige Rolle.
  4. Entwicklung unterschiedlicher Lösungsoptionen, um die Chance einer erfolgreichen Einführung zu verbessern.
  5. Stringente Methode aus Analyse, Synthese, Experiment und Test.

Welche der Innovationsmanagement-Methoden letztendlich für ein Unternehmen passt, hängt von den Zielen und Schwerpunkten der Geschäftsmodell-und Produktentwicklung ab. Angesichts des aktuellen Kosten- und Zeitdrucks sollte der Lösungsweg vor allem effektiv und einfach sein, damit Unternehmen sich nicht in xig Kreativitätstechniken verzetteln.

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