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13.03.2017 | IT-Strategie | Im Fokus | Onlineartikel

Veraltete IT erfolgreich modernisieren

Autor:
Sven Eisenkrämer
5 Min. Lesedauer

Veraltete IT-Architekturen bedeuten technische Schulden und ein Risiko für Unternehmen und auch Banken. Die Modernisierung ist wichtig und kann flexibel und ressourcenschonend realisiert werden.

In vielen Top-Unternehmen und Instituten, besonders im Handel, bei Konsumgüterherstellern, Versicherungen und Banken, ist eine veraltete IT-Infrastruktur zu finden. Allein durch dieses technologische Defizit sieht ein Drittel der Chief Information Officers (CIOs) von großen Unternehmen und Instituten das Erreichen von wichtigen Unternehmenszielen gefährdet. Das ist eins der Ergebnisse einer Studie der Managementberatung Bain & Company. Mehr als 150 IT-Entscheider von europäischen oder US-Konzernen mit einem Jahresumsatz von mehr als drei Milliarden Euro wurden von Bain zur Modernisierung der IT-Architektur im Unternehmen in "Mehr Tempo, weniger Altlasten: IT-Architektur im digitalen Zeitalter" befragt. 63 Prozent der Bank-CIOs, etwa die Hälfte der Versicherungs-IT-Manager und 40 Prozent der CIOs von Handelsunternehmen und Konsumgüter-Herstellern sehen für die kommenden Jahre die Gefahr einer wachsenden "technischen Schuld".

Empfehlung der Redaktion

01.12.2016 | Spektrum | Ausgabe 6/2016

Ablösung von Legacy-Systemen in Zeiten des digitalen Wandels

Betriebliche IT-Kernsysteme, die Unternehmen zur Unterstützung von Geschäftsprozessen einsetzen, zählen zu den langlebigen und komplexeren Systemen in der IT-Branche. Ihre Entwicklung ist zeit- und kostenintensiv. Aber auch solche Systeme werden früher oder später abgelöst: Aussterbende Technologien, angestrebte digitale Transformation, Unternehmensfusionen oder das Herauslösen von Geschäftseinheiten sind die häufigsten Gründe dafür. Hierbei lassen sich unterschiedliche Strategien und Methoden verfolgen.


"An manchen Tagen hat es den Anschein, als sei Sisyphos der Pate von IT-Abteilungen", schreiben die Studien-Autoren Ingolf Zies und Uwe Schmid in der Veröffentlichung. "Mit viel Engagement und hoher Geschwindigkeit treiben die Mitarbeiter neue Projekte voran, entwickeln eine App nach der anderen und verbessern so kontinuierlich das Kundenerlebnis im digitalen Zeitalter. Doch dann, kurz vor dem Gipfel, wirft sie die bestehende IT-Architektur wieder zurück." Um die neue digitale Welt mit den Altsystemen, auch Legacy Systems genannt, zu verbinden, sei jede Menge Erfindungskraft nötig, meinen die Autoren. "Und der Berg aus Altlasten scheint unüberwindbar. Kein Unternehmen kann es sich leisten, mit einer völlig neuen IT-Architektur auf der grünen Wiese zu starten." 

Verschiedene IT-Schwachstellen je nach Branche

Handel und Versicherer klagen der Studie zufolge vor allem über Defizite auf dem Weg hin zu einem stabilen Omnikanal-Erlebnis. Jeder zweite Konsumgüterhersteller weist auf Schwächen bei den Themen Beschaffung und Datenanalysen hin. Bei den Banken liegen die zentralen Schwierigkeiten in der voll automatisierten Abwicklung sowie im Personal- und Risikomanagement.

Trotz dieser Defizite würden lediglich 35 Prozent aller befragten Unternehmen die nächste aufbauende Investition dazu nutzen, ihre IT auf die Digitalisierung vorzubereiten. Rund 20 Prozent fließen in die Optimierung der veralteten Systeme und der Rest in verbesserte Prozesse.

CIOs sind sich der "technischen Schuld" bewusst

Die bestehenden Schwächen geben den Studienautoren Aufschluss darüber, warum so viele Unternehmen ihre IT-Architektur als Hypothek auf die Zukunft sehen. Meist wissen die Chefs, wo es hakt. Der Studie zufolge bescheinigen im Durchschnitt 65 Prozent der Teilnehmer, sich ihrer "technischen Schuld" und damit der aktuellen Defizite bewusst zu sein. Lediglich in der Konsumgüterbranche geben 17 Prozent an, dass ihr Wissen diesbezüglich gering ist. "Nicht zuletzt aufgrund von Budgetengpässen können sie jedoch oft keine konsequente Roadmap für die durchgängige Modernisierung ihrer IT-Architektur umsetzen", sagt Ingolf Zies, Leiter der Bain-Praxisgruppe Informationstechnologie im deutschsprachigen Raum. Ein Problem bildet bei der Legacy-IT natürlich auch der Sicherheitsapsekt. In Zeiten der Industrie 4.0 sind veraltete Systeme besonders anfällig für Angriffe von außen (auf dieses Thema gehen die Springer-Autoren Till Hänisch und Stephan Rogge in ihrem Buchkapitel "IT-Sicherheit in der Industrie 4.0" genauer ein). 


In einem Fachartikel im Springer-Magazin Wirtschaftsinformatik & Management (6/2016) beschreibt auch Andreas Martens das Problem. "Betriebliche IT-Kernsysteme, die Unternehmen zur Unterstützung von Geschäftsprozessen einsetzen, zählen zu den langlebigen und komplexeren Systemen in der IT-Branche. Ihre Entwicklung ist zeit- und kostenintensiv. Aber auch solche Systeme werden früher oder später abgelöst: Aussterbende Technologien, angestrebte digitale Transformation, Unternehmensfusionen oder das Herauslösen von Geschäftseinheiten sind die häufigsten Gründe dafür. Hierbei lassen sich unterschiedliche Strategien und Methoden verfolgen", schreibt Martens im Beitrag "Ablösung von Legacy-Systemen in Zeiten des digitalen Wandels".   

Viele erprobte Möglichkeiten für die Ablösung von Legacy-Systemen stehen bereits zur Verfügung. Sie alle haben eigene Vor- und Nachteile. Wie effizient ein Ablösungsweg ist, hängt stark von den Zielen des Unternehmens und den Rahmenbedingungen im Projekt ab."
Andreas Martens im Fachbeitrag "Ablösung von Legacy-Systemen in Zeiten des digitalen Wandels" in der Wirtschaftsinformatik & Management (6/2016).  

Als Ablösungsstrategie kommen drei grundlegende Möglichkeiten infrage:

  1. Ein von Grund auf neu entwickeltes System, das ausschließlich für die Befürfnisse des Unternehmens entwickelt wird – ein optimal wirksames, aber sehr aufwendiges und kostenintensives Vorgehen.
  2. Die Ablösung des Legacy-Systems durch eine existierende, zu kaufende und an das Unternhemen anpassbare Standardsoftware – günstiger als eine neue Komplettlösung und durch den Hersteller skalierbar und künftig anpassbar, aber nicht immer sind Sonderanforderungen des Unternehmens umsetzbar.
  3. Die Migration des bestehenden Legacy-Systems auf einen neuen Technologie-Stack mit den unterschiedlichen Ansätzen Re-Implementierung, Kapselung und Konvertierung.  

Als Kernthesen stellt Martens auf: "Jedes IT-Kernsystem wird früher oder später zu einem Legacy-System. Ein neues, modernes System löst es dann ab. Die Auswahl eines Ablösungswegs soll sich in erster Linie an den Bedürfnissen des Unternehmens und an der Struktur des Legacy-Systems orientieren. Ein Big-Bang ist dabei schnell und günstig, bringt aber hohe Risiken mit sich. Eine mehrstufige Systemablösung reduziert diese Risiken und macht große Ablösungsprojekte kontrollierbar."

Vor- und Nachteile einzelner Ablösungswege von Legacy-Systemen

Als Handlungsempfehlungen gibt der IT-Stratege Unternehmen drei Punkte mit auf den Weg: "In jedem Ablösungsprojekt müssen die Verantwortlichen die Vor- und Nachteile einzelner Ablösungswege im gegebenen Projektkontext abklären und basierend auf den Ergebnissen eine Entscheidung treffen. Kein Weg ist pauschal der beste oder pauschal ungeeignet. Der definierte Ablösungsweg ist anschließend durch einen Migrationsprozess zu ergänzen. Ein Migrationsprozess beschreibt zum Beispiel, wie die Datenqualität in dem Quellsystem verbessert werden soll oder wie der Cut-over-Prozess durchgeführt wird."  

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

IT-Sicherheit in der Industrie 4.0

Quelle:
Industrie 4.0

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Legacy Systems and Integration

Quelle:
Guide to Software Development

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