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08.12.2021 | Kapitalmarkt | Nachricht | Onlineartikel

Inflation bei der Portfolio-Ausrichtung berücksichtigen

Autor:
Michael Fuchs
3 Min. Lesedauer

Die Inflation hat in den vergangenen Monaten unerwartet massiv zugelegt. Noch gehen die meisten Volkswirte davon aus, dass die Inflationsraten im kommenden Jahr wieder fallen. Doch wenn es anders kommt? Anlageexperten raten dazu, dies in die Anlageentscheidung einzubeziehen.

Die jüngsten Zahlen zur Inflation im Euroraum sprechen eine eindeutige Sprache: Mit 4,9 Prozent lag sie nicht nur deutlich über den Erwartungen, sondern legte nach den schon hohen 4,1 Prozent im Oktober nochmals eine Schippe drauf. "Die Inflationsrate scheint derzeit nur den Weg nach oben zu kennen", stellt Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank lapidar fest. Die Verwerfungen der Corona-Krise sind damit im Geldbeutel der Verbraucher angekommen, ein Blick auf die Preisschilder der Einkaufsmärkte spricht für sich. "Die fehlenden Rohstoffe und Vorprodukte schlagen sich mittlerweile auch auf Konsumentenpreisebene deutlicher nieder", so Gitzel. 

Es drohen Zweitrundeneffekte

Doch wenn der Einkauf das monatliche Budget immer mehr strapaziert, wird der Ruf nach mehr Geld schnell laut. Dann drohen Zweitrundeneffekte. "Anhaltende Preissteigerungen werden unseres Erachtens die Arbeitnehmer dazu veranlassen, Lohnerhöhungen zu fordern", prophezeien die Investmentexperten Pascal Blanque und Vincent Mortier von der Fondsgesellschaft Amundi.

Neue Lockdown-Maßnahmen in vielen Staaten haben die Situation zuletzt verschärft. Auch wenn das Vorgehen bislang zurückhaltender ist als im vergangenen Winter, sind negative Folgen nicht auszuschließen. Hinzu kommt: Sollte sich die Lage mit der Virus-Mutation Omikron verschärfen, dürften die Notenbanken ihre extrem lockere Geldpolitik länger fortsetzen als bislang gedacht – und damit die Inflation weiter anheizen. Die Währungshüter könnten später dann in die Verlegenheit geraten, das selbst anheizte Feuer mit um so stärkeren Gegenmaßnahmen bekämpfen zu müssen. 

Hoch bewertete Technologieaktien reagieren empfindlich

Für Anleger liegen die Konsequenzen auf der Hand. Sie müssen das Thema Inflation bei ihren Investitionsentscheidungen ebenso berücksichtigen wie das Vorgehen der Notenbanken. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass gerade hoch bewertete Technologieaktien auf Inflationssorgen und Zinsängste empfindlich reagieren. Statt Wachstumswerten raten Mortier und Blanque daher, das Portfolio mit Value-Aktien sturmfest zum machen. Ihre Favoriten sind Unternehmen mit "inflationssicheren Geschäftsmodellen" ohne überhöhte Bewertungen.

Werthaltige Aktien sind auch die Favoriten der Fondsgesellschaft DWS. Investmentspezialist Björn Jesch berücksichtigt in seinem Ansatz, den er im Rahmen des Marktausblicks für 2022 vorstellte, aber auch die konjunkturelle Lage. In einem Szenario mit Wachstum und Inflation rät er zu einer Kombination aus Rohstoffen, Value-Aktien und börsennotierten Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur. Sollte sich jedoch ein stagflationäres Szenario, also eine stagnierende Konjunktur mit erhöhter Inflation, einstellen, favorisiert Jesch Gold und inflationsindexierte Anleihen.

Eine wichtige Rolle spielt auch, ob die Inflation den Erwartungen entspricht. Aktien entwickeln sich demnach am besten, wenn die Teuerung keine Überraschungen auf der Oberseite bringt. Ganz im Gegenteil zu Rohstoffen, die sich gerade bei unerwartet starker Inflation gut entwickeln. Die beiden Anlageklassen bieten durch die unterschiedliche Entwicklung in verschiedenen Szenarien einen gewissen Schutz. Diesen ergänzt Jesch durch alternative Anlagen, die sich unabhängig davon entwickeln, ob die Inflation den Erwartungen entspricht oder nicht. 

Anleihemarkt bleibt schwierig

Ein schwieriges Kapitel bleiben Anleihen. Sie werfen derzeit so wenig Rendite ab, dass sie die hohe Inflation nicht ausgleichen. Sollten die Notenbanken eines Tages aber an der Zinsschraube drehen, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bekommen, drohen bei den hoch bewerteten Papieren empfindliche Verluste. Die Amundi-Experten setzten daher auf Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen, die sich durch höhere Renditen auszeichnen. Entscheidend ist dabei eine kurze Duration (Kapitalbindungsdauer), denn die Zinssensitivität derartiger Papiere ist weit geringer als die langlaufender Anleihen.

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