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Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch behandelt die makroökonomische Rolle des Wechselkurses und des Wechselkurssystems. Es baut Studierenden eine Brücke zwischen den etablierten, aus dem Grundstudium vertrauten Werkzeugen der monetären Makroökonomik offener Volkswirtschaften und fortgeschritteneren Fragen und Modellen, die näher an der aktuellen Forschung stehen. Elementare Konzepte der monetären Aussenwirtschaft und das Mundell-Fleming-Modell werden in den ersten drei Kapiteln ausführlich behandelt. Nach dieser Grundsteinlegung führt das Buch über Standardmodelle der monetären Aussenwirtschaft (Dornbusch-Modell, Währungssubstitution und Vermögensbestandsansatz) und Themen wie Wechselkurszielzonen und Seifenblasen hin zu intertemporalen Gleichgewichtsmodellen und Erklärungen von Währungskrisen. Um den Zugang auch Lesern mit geringeren Vorkenntnissen zu ermöglichen, werden viele Ergebnisse formal, verbal und grafisch entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Makroökonomik offener Volkswirtschaften: Einführung und Übersicht

Zusammenfassung
Im Zuge des viel diskutierten Globalisierungsprozesses nimmt die weltweite wirtschaftliche Integration ständig zu. Nicht nur der Handel mit Gütern und Dienstleistungen, sondern insbesondere die grenzüberschreitenden Kapitalbewegungen sind in den letzten Jahrzehnten stark angewachsen. Ohne Zweifel hat dieser Prozess viele positive Auswirkungen, da sich durch die wachsende Integration der Güter-, Dienstleistungs-und Kapitalmärkte die allokative Effizienz verbessert. Durch diese Entwicklungen erhalten viele volkswirtschaftliche Fragestellungen eine internationale Dimension. Dies betrifft insbesondere die Makroökonomik, da sie sich mit der nationalen Wirtschaft als Ganzes beschäftigt und somit Transaktionen mit dem Ausland eine wichtige Rolle spielen.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 2. Das Mundell-Fleming-Modell

Zusammenfassung
Die ersten systematischen Analysen der Makroökonomik offener Volkswirtschaften bei flexiblen und festen Wechselkursen gehen auf Marcus Fleming (1962) und auf Robert Mundell (1963) zurück, dem sein Beitrag im Jahre 1999 mit zum Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verholfen hat. Auch wenn das schon in die Jahre gekommene, später Mundell-Fleming-Modell getaufte Synthesemodell heute nicht mehr an der Front der Forschung steht und man ihm mit Recht eine Reihe von Schwächen attestiert, spielt es in der angewandten monetären Makroökonomik offener Volkswirtschaften nach wie vor eine wichtige Rolle. Seine Transparenz und Robustheit bei der Beschreibung kurzfristiger, konjunktureller Zusammenhänge geben ihm den Status eines Arbeitspferds der Konjunkturanalyse offener Wirtschaften. Es hilft in vielen Fällen, eine erste Struktur in aufgeworfene Fragen zu bringen. Darüber hinaus dient es auch als lingua franca in der Arbeit und Diskussion mit Nichtspezialisten.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 3. Das Mundell-Fleming-Modell: Erweiterungen

Zusammenfassung
Im letzten Kapitel wurde das Mundell-Fleming-Modell als Arbeitspferd der monetären Makroökonomik offener Volkswirtschaften vorgestellt. Diskutiert wurden die Funktion und Interaktion der drei Märkte des Modells, und wir haben uns ausführlich mit den Chancen eines wirksamen Einsatzes der Geld- und Fiskalpolitik zur Stabilisierung des Einkommens bei gegebenen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschäftigt.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 4. Kapitalmarktbestimmte Wechselkurse bei trägen Preisen: Das Dornbusch-Modell

Zusammenfassung
Das in den letzten beiden Kapiteln vorgestellte Modell von Robert Mundell und Marcus Fleming ermöglicht einen reibungslosen Übergang vom IS-LM-Modell für die geschlossene Wirtschaft zur Analyse offener Volkswirtschaften bei festen und flexiblen Wechselkursen. Allerdings besitzt das Modell die gleichen Schwachstellen wie die keynesianische Lehrbuchliteratur:
  • Das Volkseinkommen wird ausschliesslich von der aggregierten Nachfrage bestimmt Dies ist dann zu rechtfertigen, wenn in keynesianischer Tradition Unterbeschäftigung unterstellt wird.
  • Das Preisniveau ist fix. Auch dies ist bestenfalls bei Unterbeschäftigung als erste Annäherung an die Wirklichkeit zu vertreten.
  • Die Rendite für zinstragende Anlagen im Ausland wird dem ausländischen Zinssatz gleichgesetzt. Damit werden implizit stationäre Wechselkurserwartungen unterstellt (d.h. die Akteure glauben immer, der Wechselkurs bleibe auch morgen dort, wo er heute ist).
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 5. Wie robust ist das Überschiessen im Dornbusch-Modell?

Zusammenfassung
Die zentrale Botschaft des Dornbusch-Modells lautet: Wechselkurse sind volatiler als die den Wechselkurs langfristig bestimmenden Fundamentalvariablen. Dieses Resultat wurde in Kapitel 4 exemplarisch für den Fall einer Geldmengenausdehnung abgeleitet. Während diese Aussage wohl insgesamt charakteristisch für das Verhalten flexibler Wechselkurse während der letzten drei Jahrzehnte ist, so fällt es insgesamt doch nicht schwer, Gegenbeispiele zu finden: Wechselkurse reagieren nicht immer so stark, wie es die Fundamentalvariablen langfristig verlangen; gelegentlich reagieren sie auch gar nicht, oder zunächst in die falsche Richtung.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 6. Monetäre Wechselkurstheorie

Zusammenfassung
Der monetäre Ansatz zur Erklärung des Wechselkurses lässt sich in der Geschichte der ökonomischen Lehrmeinungen und Modelle an mindestens zwei Stellen einfügen: Einerseits ergibt er sich aus der monetären Zahlungsbilanztheorie, die ja bei festen Wechselkursen Zahlungsbilanzungleichgewichte und damit die Veränderung der Devisenreserven von Notenbanken erklärt.1 Bei flexiblen Wechselkursen sind Zahlungsbilanzungleichgewichte ausgeschlossen, und die gleiche Theorie erklärt dann Wechselkursbewegungen, also die Bewegung des Preises, der kurzfristig den Zahlungsbilanzausgleich herbeiführt. Andererseits ergibt sich das monetäre Wechselkursmodell direkt aus dem in den Kapiteln 4 und 4 ausführlich diskutierten Dornbusch-Modell, sobald man die Annahme träger Preise aufgibt.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 7. Währungssubstitution und Wechselkurs

Zusammenfassung
Die moderne Wechselkurstheorie geht davon aus, dass der Wechselkurs nicht in erster Linie durch die aus Güterströmen resultierende Nachfrage nach Fremdwährung bestimmt wird, sondern durch die Aufteilung von Vermögen auf verschiedene Anlageformen. Vermögensportefeuilles entstehen aus einem zweistufigen Entscheidungsprozess, den man sich anhand von Abbildung 7.1 verdeutlichen kann. In einem ersten Schritt ist zu bestimmen, welcher Vermögensanteil in liquider Form gehalten wird, also als Kasse, und welcher Anteil in Form zinstragender Anlagen mit eingeschränkter Liquidität. Die Geldnachfragefunktion beschreibt diese Entscheidung, indem sie die relevanten Bestimmungsgrössen aufführt und Hypothesen über die Reaktion der gewünschten Kassenhaltung auf Veränderungen dieser Bestimmungsgrössen formuliert.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 8. Vermögensbestandsansätze

Zusammenfassung
Bei der Einführung zu Kapitel 7 hatten wir uns einer stilisierten Darstellung der Vermögensaufteilung in einer offenen Wirtschaft bedient. Abbildung 8.1 wiederholt diese Darstellung, nun allerdings mit dem Ziel, die speziellen Annahmen der Vermögensbestandsansätze zur Wechselkursbestimmung herauszustellen.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 9. Der reale Wechselkurs in der langen Frist

Zusammenfassung
In den monetär orientieren Wechselkursmodellen dieses Lehrbuchs stellt die Kaufkraftparität eine langfristige Gleichgewichtsbedingung für den realen Wechselkurs dar. Die empirische Evidenz für die Gültigkeit der Kaufkraftparität ist jedoch nicht sehr überzeugend. Nicht nur sind die Abweichungen von der Kaufkraftparität gross, sie sind auch dauerhaft. Diese Beobachtungen wurden von K. Rogoff (1996) als ‘purchasing power parity puzzle’ bezeichnet. Das Dornbusch-Modell liefert über die träge Anpassung der Güterpreise eine Erklärung dafür, warum es überhaupt zu Abweichungen von der Kaufkraftparität kommen kann. Wie lange diese Abweichungen andauern, hängt dann vom Ausmass der Preisträgheit ab. Im Extremfall konstanter Preise, der im Rahmen des Mundell-Fleming-Modells diskutiert wurde, sind Veränderungen des realen Wechselkurses permanent.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 10. Feste Wechselkurse, Devisenmarktinterventionen und Wechselkurszielzonen

Zusammenfassung
Das in den Kapiteln 4–8 unterstellte Regime vollkommen flexibler Wechselkurse charakterisiert im Kern das internationale Währungssystem, wie es sich nach Aufgabe des Fixkurssystems von Bretton Woods Anfang der 1970er Jahre darstellt. Prominente Beispiele, die durch dieses Regime charakterisiert werden, sind die Wechselkurse zwischen den drei grossen Währungsblöcken, Euro, US Dollar und Yen. Aber von dieser grundsätzlichen Freigabe der Wechselkurse gibt es bedeutende Abweichungen. Zum Beispiel fixieren viele kleinere Länder den Preis ihrer Währungen gegenüber einer aus Sicht des Landes wichtigen Weltwährung — meist gegenüber dem US Dollar, aber auch gegenüber dem Euro, und zuvor gegenüber der D-Mark und dem französischen Franc.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Kapitel 11. Währungskrisen

Zusammenfassung
Die grossen Krisen der 1990er Jahre — EWS 1992/3, Mexiko 1994 und Asien 1997 — haben das Thema Währungs- und Finanzmarktkrisen zu einem wichtigen Teil der monetären Aussenwirtschaft gemacht. Die darauffolgenden Krisen in Russland, Brasilien und Argentinien haben die Bedeutung dieses Themas nur noch erhöht. Die Häufung und das Ausmass der Krisen in den letzten 15 Jahren sind auch auf ein verändertes institutionelles Umfeld zurückzuführen, da sich während des gleichen Zeitraums die Kapitalmobilität bedeutend erhöht hat.
Manfred Gärtner, Matthias Lutz

Backmatter

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