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Smartphone first, Auto bestenfalls second

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Smartphones haben das Car-Sharing deutlich vereinfacht.


Der Lack ist ab: Laut einer Umfrage findet die Mehrheit der 18- bis 34-Jährigen das neueste Smartphone wichtiger als das aktuellste Automodell. Die Autobranche muss umdenken.

Für zwei Drittel der jungen Leute heute spielt das Auto als Statussymbol keine Rolle. Dafür halten 71 Prozent der 18- bis 34-Jährigen Car-Sharing für eine gute Alternative zum Autobesitz. Und für 69 Prozent der sogenannten Millennials käme beim Kauf auch kein Neuwagen in Frage. Sie bevorzugen einen Gebrauchtwagen, um das gesparte Geld lieber für Elektronik, Freizeit oder Reisen auszugeben. Dies hat das Beratungsunternehmen Prophet im Februar 2015 bei einer Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern zwischen und 18 und 34 Jahren herausgefunden.

Mobilität gestalten statt Auto kaufen

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"Die Einstellung zum Auto hat sich fundamental geändert. Für junge Leute insbesondere in urbanen Räumen ist es heute wichtiger, ein Auto nutzen zu können als es zu besitzen. Die Millennials stellen sich nicht die Frage, welches Auto sie kaufen, sondern wie sie Mobilität gestalten können", sagt Felix Stöckle, Partner bei Prophet. Und dabei beziehen die Digital Natives dank Smartphone und passender Apps problemlos alle Verkehrsmittel mit ein, vom ÖPNV über Car-Sharing bis zu neuen Mobilitätsanbietern wie den Taxi-Konkurrenten Uber.

Viele Hersteller hoffen nun, mit digitaler Aufrüstung und Vernetzung auch mehr junge Autokäufer zu begeistern. Schließlich sind Neuwagenkäufer laut Statista mittlerweile im Schnitt 52,2 Jahre alt. Zudem gewinnen mobile Online-Dienste beim Autokauf zunehmend an Bedeutung, betont etwa eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Unternehmensberatung Bearing Point erneut. Die Prophet-Umfrage zeichnet hingegen ein etwas anderes Bild: Demnach fühlen sich 75 Prozent der Befragten von ihrem Smartphone bereits bestens mit Internet, Kommunikation und Navigation versorgt und benötigen kein komplett vernetztes Auto. Tatsächlich finden sogar 61 Prozent, dass weitere Dienste und Services im Auto die Unfallgefahr erhöhen.

"Digitale Ökosysteme" der Autohersteller sind unnötig

Welchen Weg sollte die Autobranche also gehen? Zwar hätten sich die Automobilhersteller bereits frühzeitig Gedanken über Mobilitätsangebote und zusätzliche Services gemacht, um dieses Feld nicht anderen Anbietern zu überlassen, lobt Felix Stöckle, jedoch schränkt er ein: "Der Versuch der Hersteller, ihre Produkte als eigene 'digitale Ökosysteme' aufzubauen, ist aber ein Fehler. Denn mit dem Smartphone haben die Konsumenten im Prinzip schon alle Funktionalitäten." Die Autohersteller müssten ihre Angebote vom Kunden aus denken, statt vom Produkt. Es gehe darum, Services für die Kunden optimal nutzbar zu machen und eine ganzheitliche Customer Experience zu gestalten. Dies könnten etwa Schnittstellen fürs Smartphone im Auto sein, zusätzliche Mobilitätsfunktionen oder auch individuelle Vertriebswege wie der Kauf im Internet und die persönliche Lieferung des Autos nach Hause inklusive Einweisung vor Ort.

Konsequente Nutzer- statt Produktorientierung

Angesichts der gestiegenen Marktmacht der Konsumenten im Social-Media-Zeitalter und mit den Digital Social Natives als Zielgruppe "müssen Unternehmen ihre komplette DNA – also Struktur und Kultur – anpassen, um bestehen zu können", betonen auch Klemens Skibicki und Frank Mühlenbeck in dem Fachbeitrag "Digital Immigrants und Digital Natives – Neue Evolutionsformen der Spezies 'Kunde'". Das beste Erfolgsbeispiel sei der US-Konzern Apple, der so vom Nischen-Computer-Produzenten zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen sei. "Es war nicht allein der Innovationsgrad der Produkte, sondern deren konsequente Nutzerzentrierung und Individualisierung, die sich bis in das verbindende Wording des 'i' durchzog." (Seite 175)

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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