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2022 | Buch

Normungs- und Standardisierungsstrategien in China und Indien

Im Spannungsfeld von Industrie- und Geopolitik und Implikationen für Europa

herausgegeben von: Joachim Freimuth, Siglinde Kaiser, Monika Schädler

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Normen bzw. Standards sind unterschätzte Teile von Modernisierung und Innovation. Sie wurden zudem lange als rein technische Angelegenheit betrachtet. Spätestens mit der Digitalisierung zeigt sich nun ihre ökonomische und politische Dimension. Dieses Buch betrachtet Normungs- und Standardisierungsansätze in Indien und China. Die Autoren aus Wissenschaft und Praxis analysieren die jeweiligen Kontexte und beleuchten exemplarisch konkrete Themenfelder. China verfolgt konsequent einen zentralen Plan mit einer geordneten Institutionenlandschaft.

In Indien kristallisiert sich ein hybrides Modell heraus, das die diverse Struktur des Landes spiegelt. Beide Länder verfügen über ein technologisches Potenzial, das zu einer bedeutsameren Rolle in der globalen Normungsdebatte führen wird. All das hat Implikationen für die deutsche und europäische Ökonomie, die abschließend betrachtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Einführung
Zusammenfassung
Normen bzw. Standards sind unterschätzte Teile von Modernisierung und Innovation. Sie wurden zudem lange als rein technische Angelegenheit betrachtet. Spätestens mit der Digitalisierung zeigt sich nun ihre ökonomische und politische Dimension. Dieser Herausgeberband betrachtet Normungs- und Standardisierungsansätze in Indien und China. Die Autoren aus Wissenschaft und Praxis analysieren die jeweiligen Kontexte und beleuchten exemplarisch konkrete Themenfelder. Das Kapitel führt in die Thematik des Buches ein. Es erläutert Hintergründe, Ziele und Grenzen des Herausgeberbandes, dessen Struktur sowie die Zusammensetzung der Autoren. Anhand der jeweiligen Zusammenfassungen werden die einzelnen Kapitel vorgestellt.
Joachim Freimuth, Siglinde Kaiser, Monika Schädler

Normung und Standardisierung – Kontext und Rahmen

Frontmatter
Die unterschätzte Macht technischer Normen
Zusammenfassung
Lange gehörten technische Normen zum Hintergrund-Rauschen in Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre Bedeutung für Innovation und Wachstum wurde unterschätzt. Mit der Verbreitung der ISO 9000 Normenfamilie zeigte sich, dass man bei ihrer Definition und auch der Umsetzung unterschiedlicher Meinung sein kann. Normen sind nicht a priori „normal“, es bedarf sog. Normalisierungsdiskurse, die mit Definitionsmacht verbunden sind. Dieser Zusammenhang wurde endgültig klar mit der Transformation zur Dienstleistungs- und Wissensökonomie. Die Struktur ihrer Wertschöpfung beruht auf Subjektivität und Interaktion, während Normen auf Objektivierung zielen. Gegenwärtig verändert die Digitalisierung in rasender Geschwindigkeit nicht nur die Wertschöpfung, sondern auch das gesellschaftliche Leben. Wer dort frühzeitig Normen setzt, verfügt global über irreversible Machtpositionen. Folglich tritt das Normenwesen endgültig aus dem Schatten und wird Gegenstand geopolitischer Diskurse.
Joachim Freimuth
„Weiter … als die Amerikaner“ – Das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. im gesellschaftlichen Kontext des frühen 20. Jahrhunderts
Zusammenfassung
Der Beitrag befasst sich mit der frühen Geschichte des deutschen Normungsinstituts DIN im Kontext gesellschaftlicher Rahmenbedingungen sowie spezifisch organisatorischer Fragen. Bezüglich ersterer werden die Reichsgründung 1871, das deutsche Modell des korporativen Kapitalismus, ein im internationalen Vergleich hoher Industrieanteil an der nationalen Wertschöpfung und eine starke Exportorientierung, sowie das im internationalen Spitzenfeld liegende Niveau technischer Bildung und Ingenieursorganisation hervorgehoben. Zweitere liegen auf den Feldern exzellenter Ingenieurs-Vorarbeiten bei der Firmen- sowie der Verbandsnormung um 1900, einer sehr aktiven nationalen Rezeption des efficiency movement, dem Momentum des Ersten Weltkrieges bzw. der besonderen Not der Nachkriegszeit sowie der zupackenden und professionellen Führung des 1917 gegründeten Normenausschusses. Bereits in der Zwischenkriegszeit galt das DIN als vorbildliche Normungsorganisation weltweit. Obwohl während und nach der NS-Zeit international schwere Einbußen hinzunehmen waren, konnten doch Teile dieser Vorbildwirkung bis ins 21. Jahrhundert hinübergerettet werden.
Günther Luxbacher
Quality Infrastructure: National Systems and International Context
Abstract
Quality infrastructure (QI) ensures quality, safety, health, and environmental protection. The main components are standardisation, metrology, accreditation, conformity assessment and market surveillance. QI’s prehistory goes back to the Indus civilisation with its centralised system for weights and measures during the Bronze Age. Advanced civilisations in Egypt, China and Mexico already had sophisticated measures and standards. Modern QI began with the Industrial Revolution in England and spread across the globe via Western Europe and the United States. In the Southern Hemisphere, the development of QI started in the second half of the twentieth century. QI supports a barrier-free global trade. The mutual recognition of accreditations generates confidence between trade partners. QI bodies are committed to Sustainable Development Goals. The QI in developing countries benefits from international cooperation. Global organisations provide the platform for exchanging and developing a worldwide QI. Governments of the global South recognise the necessity of QI to enhance their economy.
Ulrich Harmes-Liedtke
Terminologie von Normung und Standardisierung – eine internationale (und kulturspezifische) Betrachtung
Zusammenfassung
Was sind Normen, was sind Standards und wer nutzt welchen Terminus in welchem Zusammenhang? Dies sind Fragen, die beantwortet sein wollen, wenn in der Normung über Sprachen und kulturspezifische Gegebenheiten hinweg zusammengearbeitet werden soll. Dies bedeutet nicht nur, sich auf technische Anforderungen zu einigen, sondern auch zu verstehen, vor welchem Hintergrund dieses Aushandeln geschieht: Kontexte und Konnotate, die alle Beteiligten immanent mitbringen und die erschlossen werden müssen, um das Instrument Normung über seine technischen Inhalte hinaus verstehen und einsetzen zu können – und zu verstehen, wie das Gegenüber dies sieht. Dieser Beitrag bietet Interpretationen und Einsichten in die Welt der Begriffe „Normen“ und „Standards“.
Siglinde Kaiser
Die Standardisierung von Digitaltechnologien in der Praxis – das 5G-Exempel
Zusammenfassung
Standardisierung ist von erheblicher Bedeutung für die konkrete Ausgestaltung wichtiger Digitaltechnologien und damit für das Entstehen der Märkte von Morgen. Obwohl 5G künftig für die Wettbewerbsfähigkeiten von Volkswirtschaften und Unternehmen essenziell sein dürfte, spielt Deutschland bei der Standardisierung dieser Technologie nur eine unterordnete Rolle. Gerade die künftigen Anwender dieser Technologie, die „traditionellen Industrieunternehmen“, stoßen hier auf neue Standardisierungswelten, mit neuen Akteuren, Regeln, Gremien und tun sich deshalb schwer, ihre spezifischen Anforderungen in der Standardisierung durchzusetzen. Allerdings ist 5G keine bestimmte Technologie, sondern lediglich ein bei der ITU-R festgelegter Anforderungskatalog, der besondere Leistungsmerkmale und Funktionen der nächsten Mobilfunkgeneration umreißt. Hier gäbe es eine leistungsfähige, europäische Alternative zum aktuellen „Mainstream“, die allerdings erst in die 5G-Familie aufgenommen werden muss, um an der technologischen Entwicklung vollwertig teilzuhaben.
Ulrich Sandl

Normung und Standardisierung in China

Frontmatter
Modernisierungs- und Industriepolitik in China
Zusammenfassung
Nach der Abkehr von der orthodoxen Planwirtschaft verfolgte China seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Ende der 1970er-Jahre eine eher pragmatische und experimentierfreudige Politik, deren primäres Ziel das quantitative Wachstum war. Maßgeblich trug dazu der private Sektor bei. Trotz periodischer Krisen, die jeweils ein hartes Gegensteuern erforderten, führte diese Politik zu beeindruckenden Wachstumsraten. Nach 2006 veränderte sich der Fokus jedoch stärker zu einer interventionistischen Industriepolitik. Standen zunächst im Zuge der Weltfinanzkrise Konjunkturprogramme im Vordergrund, änderte sich unter Präsident Xi Jinping die Zielsetzung. Mit massiven Investitionen und staatlicher Förderung will China nicht nur zu den führenden Nationen aufschließen, sondern Zukunftsindustrien entwickeln und im nationalen Interesse nutzen. Im 14. Fünfjahresplan, der im März 2021 verabschiedet wurde, verfolgt China unter dem Schlagwort „dual circulation“ vornehmlich seine nationalen Ziele und will sich stärker vom Ausland abgrenzen. Für eine Analyse, ob diese Politik tatsächlich erfolgreich sein kann, so der Autor, ist es noch zu früh.
Helmut Janus
Die Modernisierung des chinesischen Normungssystems
Zusammenfassung
Das chinesische Normungssystem unterliegt seit Gründung der Volksrepublik 1949 einem kontinuierlichen Wandel. Mit der wirtschaftlichen Öffnung und wachsender Bedeutung am internationalen Handel wurde jedoch eine umfangreichere Modernisierung des chinesischen Normungssystems unausweichlich. Nachdem erste Versuche der Erneuerung des Normungssystems im Hauruckverfahren wenig Erfolg zeigten, geht China seit 2015 nun im Rahmen seiner Reformpläne für das Normungssystem einem ganzheitlicheren Ansatz nach. Einem Ansatz, der den Anforderungen und Ansprüchen einer führenden Wirtschaftsmacht in einem globalen Markt entspricht. Im Vergleich zu anderen führenden Normungsmächten wie Europa oder die USA gilt China als Nachzügler in der internationalen Normung. Das bietet jedoch den Vorteil, dass China aus den Erfahrungen anderer Nationen lernen und selbst ein Normungssystem etablieren kann, welches die besten Aspekte anderer Systeme aufgreift und gleichzeitig Chinas wirtschaftlichem Führungsanspruch gerecht wird.
Sabrina Weithmann
An Overview on Legislation and Organization of Standardization in China: With Special Reference to Consumer Products
Abstract
This chapter gives an overview on China’s standardization-related laws and regulations, supervisory agencies and other institutions and on the types of Chinese standards. It compares the old (1988) and the new “Standardization Law” of 2018 and gives an insight into the reform process citing relevant regulations starting with the issuance of the “Reform Plan for Deepening Standardization Work” in 2015. It further gives details on the responsibilities of relevant departments and bureaus of the State Administration for Market Regulation and elaborates on the responsibilities of scientific research institutions and associations. With the example of standardization technical committees related to consumer products, and especially the National Consumer Product Safety Standardization Technical Committee it introduces the work of these institutions which support the standardization work of the government. All the materials in this chapter are from official websites.
Xia Liu
Chinas Standardisierungsstrategie – Entstehung und Inhalte
Zusammenfassung
Der Beitrag legt den Werdegang und Inhalte der am 10.10.2021 veröffentlichten Standardisierungsstrategie Chinas „Outline for National Standardization Development“ dar. Vorangegangen waren seit Anfang 2018 Forschungen zu einem Aktionsplan „China Standards 2035“. Inhaltlich ist die Standardisierungsstrategie allumfassend. Bestätigt und weiter ausgeführt wird sie kurz nach ihrem Erscheinen vom erstmalig aufgelegten „14. Fünfjahresplan zur Entwicklung eines Nationalen Standardisierungssystems für die Förderung der qualitativ hochwertigen Entwicklung“. Outline wie auch 14. Fünfjahresplan beziehen sich nicht nur auf technologische Standards, sondern schließen – ganz wesentlich – Standards für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Stadt und Land sowie für eine grüne Entwicklung ein. Für 2025 werden konkrete Ziele vorgegeben, für 2035 allgemeine in der Outline. Eine wichtige Rolle kommt der Strukturierung von Prozessen und Transparenz, Koordination mit allgemeinen Entwicklungszielen und internationalem Austausch zu.
Monika Schädler
A Comparison of the Standardization Systems in the EU and in China and the Role of SESEC
Abstract
The contribution explains essential differences between the Chinese and the European standardization systems. Concerning the concept of standards, China provides for a larger scope with five different kinds of standards and the division between a government-led and a market-driven sector of standards. While Chinese mandatory national and sector standards are similar with European technical requirements, European standards and national standards of member states could be approximated to China’s voluntary national and local standards. Further differences are highlighted concerning the role and functions of standards, standards development organizations, the operation of the standardization system as well as the participation in international standardization. The contribution concludes with a short presentation of the Seconded European Standardization Expert for China (SESEC) project launched in 2006 and operated by CEN, CENELEC, ETSI and other European institutions to raise awareness on the European Standardization System in China.
Betty Xu
Deutsch-chinesische Kooperation in der Normung
Zusammenfassung
Im Rahmen der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit auf Regierungsebene beschäftigt sich seit 2006 eine Arbeitsgruppe mit der Normung. Aus dieser Arbeitsgruppe ging 2011 die Deutsch-Chinesische Kommission Normung (DCKN) hervor, deren aktuelle Schwerpunktthemen Elektromobilität, Industrielle Automatisierung sowie Autonomes und Vernetztes Fahren sind. Relevant für die Thematik der deutschen Zusammenarbeit mit China in der Normung ist zudem die CEN-CENELEC Task Force on China, die den Austausch mit China auf europäischer Ebene zum Ziel hat. Den bisherigen Höhepunkt der Zusammenarbeit in der Normung bildet die 2019 eingerichtete Deutsch-Chinesische Arbeitsgruppe „Normungsstrategie“. Mit der Normung befasste deutsche Experten plädieren für die Fortführung und den Ausbau der Zusammenarbeit und zugleich die Fortsetzung der jahrzehntelangen wichtigen Rolle in der Normung in wichtigen Technologien und deren Aufbau in strategischen Zukunftstechnologien.
Sibylle Gabler, Monika Schädler
Herausforderungen der Standardisierung in China im Bereich Automobilindustrie – ein Erfahrungsbericht
Interview der Herausgeber:innen mit Prof. Tilmann Tillmann, VDA QMC China
Zusammenfassung
Das Interview stellt die allgemeinen Aufgaben des VDA QMC China beim Aufbau einer Informations- und Wissensinfrastruktur zum Thema Qualitätsmanagement im Automobilbereich in China vor. Anhand eigener Erfahrungen werden Entwicklungen des Qualitätsmanagements im chinesischen Automobilsektor nachvollzogen und die Rolle von VDA-Standards in China beleuchtet. Einzelne Schritte der Regulierung und Standardsetzung durch DPAC (SAMR) werden am Beispiel des Rückrufmanagements und der Sino-German-Working Group unter der Führung des VDA QMC China, detailliert beschrieben. Deutsches Experten-Know-how ist im Automobilbereich bei der Gestaltung von neuen Standards (GB und GB/T) in China nach wie vor sehr willkommen. Besonders relevant ist aktuell die künftige Gestaltung von Regulatorik im Bereich Cyber Security, OTA (Software-Updates-Over-The-Air) und autonomes Fahren. Auch die VDA-Standards werden den neuen digitalen Herausforderungen in der Automobilindustrie angepasst und die Erfahrungen deutscher Automobilhersteller in China spielen eine zunehmend wichtigere Rolle.
Tilman Tillmann, Joachim Freimuth, Siglinde Kaiser, Monika Schädler
Baunormen in Deutschland und China – Vergleichende Betrachtung und die Auswirkungen auf den globalen und deutschen Baumarkt
Zusammenfassung
Die Nachhaltigkeit gebauter Infrastruktur spielt eine immer größere Rolle weltweit. Sichergestellt werden soll diese in Regelwerken und Normen. Anhand der Betrachtung eines Ausschnitts der Bauindustrie, nämlich der Betonherstellung, führt der Beitrag einen Vergleich für Deutschland und China durch. Vergleichbar ist die Definition von Klassen der Beanspruchungen, wohingegen sich die Beschreibungen der Bedingungen für Expositionsklassen deutlich unterscheiden. Parallelen finden sich in der Formulierung von Betonrezepturen ausgehend von Expositionsklassen ebenso wie in modernen Regelwerken, die dem Planer größere Spielräume bei der Ausführungsplanung einräumen. Insgesamt ist China durch die Größe und Finanzstärke seiner Baukonzerne strukturell besser aufgestellt als die deutsche Bauwirtschaft, die eher aus vielen kleineren Unternehmen besteht. Letztere müssten ihre Anstrengungen bei der Technologieentwicklung und -transfers deutlich verstärken, um als Innovator eine belastbare Position im nationalen und internationalen Baumarkt einzunehmen, und zugleich müssten Fest- und Auslegung technischer Richtlinien und Normen flexibler gestaltet werden.
Andreas Gerdes, Jessica Le
Standardization in China’s Building Energy Efficiency Industry: The Development of a National Standard for Passive Houses in China
Abstract
Standardization in China’s building energy efficiency market is one example for how China is building up its standardization capacities and processes. The paper analyses how stakeholders of the corporate sector, industry associations and research institutes as well as government bureaus participate in the development of a national standard for passive houses in China. The analysis of their interests and activities gives insights into the creation of such a standard and about the role of expert advice for regulating technical complex topics. Information widely drawn from field research until 2015 shows the functioning and interplay of the various actors and examines the viability and challenges of the Chinese standardization process for passive houses. Though intimately focussing on a very specific section of China’s economy, it opens the view on China’s standardization approach in general.
Susann Lüdtke
Datenerfassung, -nutzung und -sicherheit – Entwicklungen in China
Zusammenfassung
Bis zum Inkrafttreten des „Personal Information Protection Law“ („PIP Law“) im November 2021 stellen Standards für den Schutz personenbezogener Daten die wesentliche Grundlage dar. Mit empfohlenen Standards testet die chinesische Regierung teilweise neue Themen am Markt, bevor die Materie in Gesetzesform gegossen wird. Im Bereich Datenschutz spielt der empfohlene Standard „Personal Information Security Specification“ („PI Specification“) eine zentrale Rolle. Es ist davon auszugehen, dass die PI Specification (ggf. in angepasster Form) neben dem PIP Law bestehen bleiben wird. Jedenfalls sind die Mustertexte (z. B. für Datenschutzerklärungen) der PI Specification in der Praxis hilfreich und bleiben auch nach dem Inkrafttreten des PIP Law relevant. Daneben gibt es weitere Standards mit spezifischen Vorgaben zu Einzelaspekten im Datenschutz. Besonders internationale Unternehmen benötigen einen Überblick über die Rechtslage im Datenschutz. Denn beim grenzüberschreitenden Datenaustausch gibt es zukünftig Einschränkungen. Zudem müssen Unternehmen Daten lokal in China speichern, sofern bestimmte Schwellenwerte überschritten werden.
Florian Kessler, Jost Blöchl

Normung und Standardisierung in Indien (Standardisation in India)

Frontmatter
Indiens wirtschaftliche Entwicklung, Wirtschaftspolitik und aktuelle Probleme
Zusammenfassung
Indien hat nach den vergleichsweise wenig revolutionären wirtschaftlichen Reformen 1990/1991 einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, der das Land in die Reihe der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften katapultierte und seine einstmals mäßige Integration in die globale Wirtschaft erheblich ausweitete. Eine ganze Anzahl weniger schnell umsetzbarer Reformen wurde allerdings nur zögerlich angepackt mit dem Ergebnis kürzlich nachlassender Entwicklungsdynamik. Dies betrifft vornehmlich die Sanierung des Staatshaushalts, den Ausbau der Infrastruktur, die Reform der Landwirtschaft und des Finanzsektors. Hauptdefizit der bislang erreichten Wachstumsbeschleunigung ist aber, dass sie nicht oder nur ungenügende Breiten- und Beschäftigungswirksamkeit entfaltete, sie also für die Masse der neu auf den Arbeitsmarkt strömenden Kräfte zu wenig und zu gering qualifizierte Arbeitsplätze schuf und die früher moderat ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung deutlich verschlechterte.
Joachim Betz
Current Challenges in India’s Quality Promotion Strategy
Abstract
Quality infrastructure in general has the role to increase competitiveness of the industry, to facilitate international trade, to contribute to ensuring the safety of products, and to ensure protection of consumers. This contribution is authored by the Quality Council of India, which was established in 1997 and is entrusted with the overall promotion of quality in India and the establishment and operation of National Accreditation Programs in accordance with international standards. It presents and analyses India’s Quality Infrastructure Ecosystem and its challenges. The main bodies for three pillars of QI – metrology, standardization, accreditation – and their responsibilities are introduced, and the objectives, activities and achievements of the Quality Council of India are discussed in detail for a broad range of sectors. International and domestic challenges for India’s Quality Infrastructure are analyzed before a conclusion highlights the needs for improvement and change.
Ravi P. Singh, Rajesh Maheshwari, Rudraneel Chattopadhyay
Challenges for India in the WTO Regime
Abstract
After an introduction to WTO Agreements impacting trade on a global scale, the article is analyzing the implications for India, focusing in the first part on the Indian regime of technical regulation, including Good Regulatory Practice, adoption of international standards, and conformity assessment, and pinpointing to where technical regulation needs enhancement to facilitate a more flexible approach to regulation. In the second part, voluntary certification schemes are discussed that fill gaps in those areas where Indian regulation is not yet available, but where a demand on the market is existing. The article is closing with the recommendation for India to evaluate its activities relating to technical regulations, standards and conformity assessment so that India can take the leading role in the global scene that its growing economy would lead to.
Anil Jauhri
Development of the Indian National Strategy for Standardization
Abstract
When gaps in quality infrastructure were beginning to impact the national bargaining position in trade negotiations of India, the 2016 Standards Conclave, a national dialogue forum on quality infrastructure in India, raised the necessity to develop a comprehensive Indian National Strategy for Standardization. A participatory approach was taken to capture the needs of stakeholders concerning needs in standardization, technical regulation, and conformity assessment, while also considering regional disparities in the country. This INSS addresses 23 goals, among them a clear separation of roles among agencies involved, advocating national interests in global standards setting fora, distinguishing between technical regulations and voluntary standards, promoting Indian accreditation to enhance overseas market access, and creating a national response mechanism to overseas developments and to the impact of sub-standard imports on the Indian domestic industry.
Anupam Kaul
The Role of Industry Associations in Enhancing Quality and Capacity Building in India: The Example of the Confederation of Indian Industry
Abstract
The Confederation of Indian Industry (CII), a non-government, not-for-profit, industry-led, and industry-managed organization founded in 1895, has been involved in leading and participating positions of a broad range of quality improvement activities ever since the start of the quality movement in India. The starting point were quality circles organized by CII since the early 1980s, By the early 1990s, CII in co-operation with the EU and the Department of Industrial Promotion developed the blueprint for the Quality Council of India. It supported the introduction of Total Quality Management and organized several related competitions and awards. A cluster approach was especially meant to enhance quality for Indian SMEs. CII led several movements to promote quality management methods, and it is holding the annual CII Quality Summit bringing together hundreds of delegates from all over India and overseas. This contribution further introduces the CII Institute of Quality and concludes with an outlook on next challenges such as “Quality 4.0” referring to the future of quality and organizational excellence within the context of Industry 4.0.
Vipin Sahni, N. Deep
Cooperation Between EU and India with a Focus on Standardization
Abstract
This chapter presents an overview of the strategic cooperation between EU and India with emphasis on trade and investments, cooperation agreements, and standardisation related projects. Standardisation is a key factor for trade policy and is at the forefront of technological development. Through the “EU-India Strategic Partnership: A Roadmap to 2025”, both sides, having agreed on provisions to strengthen trade and market access and notably on alignment to international standards, took a significant step in facilitating bilateral as well as international trade. This chapter specifically covers projects and cooperation instruments, which have been established by the EU and Germany in India defining the commitment to deepen the collaboration on standards, namely the “Seconded European Standardization Expert in India”, the “India-EU Cooperation on ICT-Related Standardisation, Policy and Legislation” and the “The International Digital Cooperation – ICT Standardization” for the collaboration on 5G & beyond, IoT, Artificial Intelligence, Blockchain etc. Technologies including their security aspects.
Dinesh Chand Sharma
Promoting Indo-German Trade with Standards: Role of the Global Project Quality Infrastructure (GPQI)
Abstract
This chapter explores the role standards play in fostering trade between India and Germany, and how the Indo-German Working Group on Quality Infrastructure provides a framework for a policy and expert dialogue. The dialogue oriented multi-stakeholder partnerships on QI are important assets in international cooperation and contribute especially to the Sustainable Development Goals (SDGS) 9 and 12 of United Nation’s 2030 Agenda. In the first part, this paper describes current priorities and developments of the Indian standardisation landscape and compares its approach with the German system. In the second part, the paper provides information on key achievements of the Working Group in standardisation, highlighting the positive impacts in India, for instance on machinery safety through the adoption of international standards or for electric vehicle charging infrastructure. The conclusion proposes next steps to further intensify cooperation between Germany and India on standards and quality infrastructure to facilitate bilateral trade.
Alok Kesari, Himanshu Dhundia, Khushwant Singh
Energiepolitik und Energienormen in Indien
Zusammenfassung
Indien ist zu einem der weltweit großen Energieverbraucher und Klimagasemittenten geworden, eine Folge des rasanten Wachstums, aber inzwischen auch des Konsumentenverhaltens. Die indische Regierung steuert allerdings seit über einer Dekade in Richtung höherer Energieeffizienz und der starken Förderung erneuerbarer Energien um, bedingt durch steigende Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern und wachsender Kompetenz bei der Nutzung erneuerbarer Quellen. Dies nicht ohne deutliche Erfolge, wie sich an der sinkenden Energieintensität der Produktion und des Konsums erweist. Hilfreich bei der Politikwende waren Normen und Kodizes für den Wohnungsbau, für Haushaltsgeräte, für Kraftfahrzeuge und für den Energieverbrauch von Industrieunternehmen, besonders aber die starke Förderung der Windkraft und noch stärker der Solarenergie. Freilich relativieren sich diese Erfolge durch die wachstumsbedingte Steigerung von Energienachfrage und Emissionen.
Joachim Betz
The Example of Standards for the Food Sector
Abstract
Safety and quality of food is receiving increased attention, and is on the agenda of many countries and internationally. Food standards have since decades played an important role in both protection of health and safety of consumers, ensuring fair trade practices and facilitation of international trade. Many countries are imposing increasingly stringent standards or requirements for protecting the health and safety of their populations from products produced domestically as well as those imported. This chapter clarifies issues related to food standards starting from an understanding of the role, importance and requirements of the WTO SPS/TBT Agreements, different terminology that are being used across countries to define standards, types of standards, basic good principles or practices of standards development, institutional framework for standards with specific reference to India, and issues and challenges being faced by countries in relation to standards.
Shashi Sareen
The Example of Standards for the Healthcare Sector
Abstract
One of the important aspects of quality management is bringing uniformity in the output of processes. In healthcare this is practiced by either certifications or accreditation. These are carried out by addressing various processes within the organization or by the implementation of standard treatment guidelines or both. There are also various structural guidelines such as building codes applicable to the tangible aspects of the healthcare organizations. These address both, the public and the private sector. Healthcare outcomes in India are addressed through standards such as National Quality Assurance Standard (NQAS), Labour Room Quality Improvement Initiative (LaQshya) and National Accreditation Board for Hospitals and Healthcare Providers (NABH). In this chapter we have taken an overview of measures taken for standardization of healthcare in India and the effectiveness of their implementation.
Harish Nadkarni, Anita Nadkarni
Broadband Communication Standards and Rural India
Abstract
Access to (mobile) broadband still eludes a sizeable population in rural India despite extensive presence of cellular networks in the country. Apparently, a poor alignment of cellular broadband technologies with the connectivity requirements of rural-areas, especially those in countries like India, is behind this incongruity. This chapter identifies the key requirements and challenges that should be addressed by wireless broadband technologies to be suitable for deployment in rural India. It also provides details on the efforts undertaken by the Indian telecom standardization community to address these challenges. The efforts have resulted in two standards proposals, namely, the “Low Mobility Large Coverage Area Cell (LMLC)” and “Frugal 5G Networks” as enhancements to the 5th Generation (5G) wireless technology standards. The chapter provides a brief description of these proposals, their architecture and the capabilities. LMLC is already integrated with ITU’s 5G technology standards while “Frugal 5G Networks” is currently being standardized under IEEE.
Pranav Jha, Abhay Karandikar

Konklusion: Standardisierung in Indien und China und was heißt das für Europa und Deutschland?

Frontmatter
Standardisierung in Indien and China aus Unternehmensperspektive
Interview der HerausgeberInnen mit Matthias Gommel, Siemens AG, im Juli 2021
Zusammenfassung
Im Interview berichtet der Autor eines deutschen Global Players von seinen Erfahrungen in der internationalen Standardisierung, mit dem Fokus auf Indien und China. Er reflektiert landesspezifische Besonderheiten, die Arbeit in nationalen Normungsgremien sowie die Zusammenarbeit in internationalen Gremien. Beides sei gleichermaßen wichtig, dennoch folge man dem Credo „Internationale Normung vor nationaler Normung“. ISO und IEC haben gut etablierte Regeln. Mit der verstärkten Beteiligung Chinas und Indiens werde dennoch ein Reformbedarf sichtbar. Insbesondere das Thema Schnelligkeit spiele hier eine Rolle. Die Digitalisierung des Normungserarbeitungsprozesses und der Normen sei ein möglicher Ansatz, gleichzeitig die Erarbeitung der maschinen-interpretierbaren Norm oder auch die stärkere Nutzung virtueller Meetings könnten helfen. Wichtig sei es, die neuen Teilnehmer rasch in das existierende Normungssystem einzubeziehen und gegenseitige Wünsche anzugleichen. Das sei ein gemeinsamer partizipativer Lernprozess.
Matthias Gommel, Joachim Freimuth, Siglinde Kaiser, Monika Schädler
Die neue technische Standardisierungsmacht China – Eine Herausforderung für Europa
Zusammenfassung
Technische Standards, die lange als unpolitische Produktspezifikationen galten, werden zunehmend Gegenstand machtpolitischer Rivalität. Dies ist das Ergebnis von drei Faktoren: Erstens entwickelt sich Hochtechnologie zu einem zentralen Feld machtpolitischen Wettbewerbs zwischen China und den USA. Zweitens verfolgt China einen Standardisierungsansatz, der nicht auf das klassische Prinzip privater Selbstregulierung, sondern auf staatliche Steuerung setzt. Damit werden technische Standards zum Gegenstand chinesischer Industriepolitik. Drittens bergen technische Standards ein häufig übersehenes machtpolitisches Potential, das gerade wiederentdeckt wird. Dass technische Standardisierung zum Gegenstand von Machtpolitik wird, ist eine zentrale Herausforderung für die Europäische Union, die traditionell einen erheblichen Einfluss auf technische Standardsetzung ausübt. Dieses Kapitel zeichnet die sich wandelnde Rolle technischer Standards nach, indem es das Konzept der „technischen Standardisierungsmacht“ entwickelt, und erläutert, wie China seine parteistaatlich durchdrungene Wirtschaft effektiv einsetzt, um technische Standardisierungsmacht zu erlangen. Abschließend fasst das Kapitel die Implikationen für die Europäische Union zusammen, entwickelt vier Zukunftsszenarien und skizziert, wie Europa auf diese Entwicklung regieren sollte.
Tim Nicholas Rühlig
Ein Vergleich der Normungsstrategien Indiens und Chinas – 11 Thesen und Implikationen für Deutschland und Europa
Zusammenfassung
Um die Normungsstrategien beider Länder verstehen und vergleichen zu können, muss man sie im Kontext ihrer Entwicklungs- und Modernisierungsstrategien betrachten, die beide Mitte des 20. Jahrhunderts mit der nationalen Unabhängigkeit begannen. Eine dahinter liegende Referenz sind die historischen, sozioökonomischen und geopolitischen Rahmenbedingungen. In China führten diese zu einem zentralistischen Entwicklungspfad in Wirtschaft und Gesellschaft, während Indien Mühe hatte, seine fragmentierten sozialen und ökonomischen Strukturen zusammenzuhalten. Diese Muster spiegeln sich in der gegenwärtigen Entwicklung einer mehr an strategischen Zielen ausgerichteten Normung. China verfolgt konsequent einen klaren und zentral verfassten Plan mit einer geordneten Institutionenlandschaft, während sich in Indien eher ein hybrides Modell herausbildet.
Joachim Freimuth, Siglinde Kaiser, Monika Schädler
Metadaten
Titel
Normungs- und Standardisierungsstrategien in China und Indien
herausgegeben von
Joachim Freimuth
Siglinde Kaiser
Monika Schädler
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-38204-9
Print ISBN
978-3-658-38203-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38204-9

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