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Über dieses Buch

Schule kommt eine Schlüsselfunktion in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus zu. In ihrem bildungspolitischen Auftrag kann Schule nicht neutral sein. Sie hat die Aufgabe, pluralistische, demokratische und menschenrechtsorientierte Haltungen und Werte zu vermitteln. Dieser Band gibt einen Überblick über das Thema Rechtsextremismus und Schule sowie Verweise auf praktische Handlungsperspektiven. Neben einer Bestandsaufnahme schulischer Ansätze zur Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus wird auch die Lehrkräftebildung in den Blick genommen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Rechtsextremismus und Schule: Herausforderungen, Aufgaben und Perspektiven

Zusammenfassung
Der Schule kommt eine Schlüsselfunktion in der Rechtsextremismusprävention zu. Sie hat einen bildungspolitischen Auftrag zur kontroversen Auseinandersetzung mit politischen, sozialen und ethischen Fragen. Schule soll keinesfalls eine neutrale, unpolitische Haltung fördern, sondern pluralistische, demokratische und menschenrechtsorientierte Haltungen und Werte vermitteln. Dazu bedarf es nicht nur entsprechenden Unterrichts, sondern dies ist eine Aufgabe der Schule als Institution. Entsprechendes deklaratives Wissen, Handlungskompetenz, Professionsverständnis und pädagogische Reflexivität sollten deshalb fachübergreifend Teil der Lehrkräftebildung sein.
Jan Schedler, Gabi Elverich, Sabine Achour, Annemarie Jordan

Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus, Extreme Rechte, Rechtspopulismus, Neue Rechte? Eine notwendige Klärung für die politische Bildung

Zusammenfassung
Im Themenfeld Rechtsextremismus wird eine Vielzahl zum Teil widersprüchlicher Termini genutzt, was auch Auswirkungen auf die politische Bildungsarbeit hat. In diesem Beitrag werden der gängige Rechtsextremismus-Begriff reflektiert, Alternativen diskutiert und Spezifika und Implikationen weiterer Begriffe wie etwa dem des Rechtspopulismus erklärt.
Jan Schedler

Rechtsextremismus als Herausforderung für die Schule

Zusammenfassung
Rechtsextremismus ist eine Herausforderung für die Schule. Der Beitrag benennt dazu verschiedene Dimensionen in der schulischen Praxis und verweist sowohl auf politische Einstellungen von Schüler*innen als auch die strukturellen Ambivalenzen der Institution Schule. Es werden direkte und indirekte Strategien des Umgangs mit Rechtsextremismus in der Schule vorgestellt und übergreifende Schlussfolgerungen formuliert.
Wilfried Schubarth, Saskia Niproschke, Juliane Ulbricht, Sebastian Wachs

Schule und Rechtsextremismus?! Eine Diskurskritik

Zusammenfassung
Nicht selten wird Rechtsextremismus als Jugendproblem und Ausdruck individueller „Pathologien“ interpretiert. Gerade in pädagogischen Institutionen wird Rassismus häufig durch die Reduktion von Rechtsextremismus auf rechtsextreme Gewalt als ein zu bearbeitendes Problem der Klientel verstanden, während die Konfrontation mit rassistischen Zuschreibungen und Selektionspraktiken als Teil pädagogischer Arbeit weitgehend ausgeblendet wird.
Nicolle Pfaff

Rechtsextremismusprävention als Schulentwicklungsthema

Zusammenfassung
Rechtsextremismus lässt sich auch auf der strukturellen Ebene von Schule begegnen. Anhand von Praxisbeispielen werden hier längerfristige Schulentwicklungsprozesse zu Themen wie Demokratieentwicklung und Diversity illustriert und deren Perspektiven aufgezeigt. Es werden aber auch Problemstellen schulischer Praxis wie fehlende Antidiskriminierungsarbeit und Defizite in der Lehrkräftebildung und der Entwicklung von Lehr-, Lernmethoden und Lehrmaterialien sowie entsprechende Veränderungspotenziale benannt.
Dorothea Schütze

Was Schulen dazu beitragen können, Diskriminierung zu (ver-)lernen. Exemplarische Überlegungen zur schulischen Diskriminierung von Sinti und Roma

Zusammenfassung
Ausgehend von einem Verständnis von Menschenrechtsbildung, welche das Anti-Diskriminierungsprinzip ins Zentrum stellt, wird hier aufgezeigt, dass Schule dazu befähigen und motivieren kann, diskriminierende Unterscheidungen zu erkennen, zu kritisieren und als Grundlage des eigenen Denkens und Handels abzulehnen. Exemplarisch verdeutlich wird dies am Fall der schulischen Diskriminierung von Sinti und Roma.
Albert Scherr

Wider das Märchen von der Neutralität. Wie Schule mit der AfD umgehen sollte

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die rechtlichen und didaktischen Grundlagen für den Umgang mit Parteien sowie die Werte, denen Schulen verpflichtet sind, dar. Anschließend wird herausgearbeitet, inwiefern die AfD diese Werte und damit die Grundlagen der pluralistischen Demokratie infrage stellt. Anhand der Bereiche Schulgemeinschaft, Lehrkräfte und Politikunterricht wird – auch mittels konkreter Beispiele wie einer Unterrichtsreihe oder der Frage, ob die AfD zu Schulveranstaltungen eingeladen werden sollte – ausführlich erläutert, wie eine der Demokratie verpflichtete Schule mit der Partei umgehen sollte.
Carsten Koschmieder, Julia Koschmieder

Rechtsextremismus als Herausforderung für den Unterricht. Empirische Zugänge und didaktische Perspektiven

Zusammenfassung
Was gibt es für Ansatzpunkte für die Gestaltung von Unterricht gegen Rechts? Fokussiert werden hier einerseits Lernvorrausetzungen von Schüler*innen im Kontext des Rechtsextremismus und andererseits der Umgang von Lehrkräften mit dem Thema im Unterricht. Während Schüler*innen Rechtsextremismus oft externalisieren, zeigt ein Projekt, dass Lehrkräfte dazu neigen, die politische Dimension extrem rechter Aussagen zu unterschätzen und der eigenen Bewährung im Unterrichtsgeschehen Vorrang vor einer Auseinandersetzung mit ausgrenzenden Haltungen einzuräumen.
Sebastian Fischer

„Aus meiner Sicht richtet er keinen Schaden an!“ – Schulforschung und Pädagog*innenkonzepte

Zusammenfassung
Wie reagieren Lehrkräfte auf extrem rechtes Verhalten im Unterricht? Am Beispiel eines Modellprojekts werden konkrete Handlungsperspektiven vorgestellt. Dazu werden zunächst drei verschiedene Handlungsmuster der Auseinandersetzung identifiziert und anschließend bestimmte Rollen- und Professionsverständnisse herausgearbeitet. Es wird gezeigt, wie Lehrkräfte durch eine Kombination von Qualifizierung, Vernetzung und Supervision für diese Interaktionen gestärkt und die Schulkultur als Ganzes positiv beeinflusst werden kann.
Rico Behrens

„Politische Bildung“ als Format der Prävention und die Bedeutung des Beutelsbacher Konsens

Zusammenfassung
Was bedeutet der Beutelsbacher Konsens für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus im Politikunterricht? Ziel muss die Ausbildung von Urteilsfähigkeit und Demokratiekompetenz sein. Der Beutelsbacher Konsens darf deshalb nicht im Sinne einer falsch verstandenen Neutralität fehlinterpretiert werden. Stattdessen steht er für eine Verpflichtung zur Kontroversität, weshalb Schüler*innen auf eine Positionierung in gesellschaftlichen Kontroversen vorzubereiten sind und ihnen diese nicht vorenthalten werden dürfen. Gleichzeitig verlangen die Ziele des Faches zwingend eine klare Bearbeitung antidemokratischer oder diskriminierender Aussagen von Schüler*innen.
Gudrun Heinrich

Vom Heckerlied zum Sommermärchen – Rassismuskonstruktionen in rechter Musik im Wandel der Zeit

Zusammenfassung
Wie lassen sich Rassismus und Rechtsextremismus im Unterricht behandeln? Der Beitrag zeigt am Beispiel rechter Musik auf, wie sich diese im Unterricht für eine Analyse der Anschlussfähigkeit von Rassismuskonzeptionen an gesellschaftspolitische Kontexte und Diskurse nutzen lässt.
Christina Brüning

Jugendstudien und „rechte“ Jugendliche – was sagt das zu Politik-Unterricht?

Zusammenfassung
Auf Basis empirischer Jugendstudien wirft der Beitrag die Frage auf, was die politischen Einstellungen von Schüler*innen für den Politikunterricht bedeuten. Am Beispiel einer Fallstudie werden Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus thematisiert.
Sibylle Reinhardt

„Der Islam“ im Fokus von rechts: Was heißt das für die Lehrkräftebildung?

Zusammenfassung
Aus den Einstellungen von Lehrkräften zu Islam und Vielfalt sowie ihrem Handeln in der Schulpraxis lassen sich Handlungsansätze für die Lehrkräftebildung ableiten. Die Einstellungen der Lehrkräfte beeinflussen sowohl den Bildungserfolg und die schulische Teilhabe von Kindern mit Migrationsgeschichte als auch die Thematisierung von Vielfalt und wie und ob auf Diskriminierungen und Ausgrenzungen reagiert wird. Auch wenn Lehrkräfte vergleichsweise liberale Einstellungen zu muslimischem Leben und zu Aspekten von Vielfalt wie Zugehörigkeit und Religionspolitik besitzen, so zeigen sich doch deutliche Bildungsdisparitäten, die nicht nur Folge „sozialer Herkunft“, sondern auch von defizitorientierten Zuschreibungen und Stereotypen bei Lehrkräften sind. Deshalb sollten Lehrkräfte mit Wissen zu Flucht, Migration, Islam sowie mit Strategien zur gezielten Förderung besonders im Umgang mit Fluchterfahrungen und zur Sprachbildung ausgestattet werden. Zudem sollten sie für Prozesse der Exklusion, Ausschlussmechanismen und Barrieren für Teilhabe sensibilisiert und die Selbstreflexion eigener (unbewusster) Diskriminierungspraxen gefördert werden. Zusätzlich müssten gleichzeitig Curricula, Lehrpläne und Lehrer*innenzimmer hinsichtlich migrationsbedingter Vielfalt geöffnet werden.
Sabine Achour

Dem Hass begegnen – Demokratielernen und Antidiskriminierung als Herausforderung für die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte

Zusammenfassung
Themen wie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Demokratielernen und Antidiskriminierung sind bislang in den drei Phasen der Qualifizierung von Lehrkräften nicht weit verbreitet. Entsprechende Angebote existieren bisher vor allem in der Weiterbildung. Im Vorbereitungsdienst bzw. der Referendariatsphase hingegen sind sie bislang selten. Handlungsmöglichkeiten bieten etwa Kompetenzbausteine, in denen berufliche Persönlichkeit und Haltung im Mittelpunkt stehen.
Benjamin Winkler-Saalfeld, Julia Wolrab

„Wir brauchen mehr Lehrkräfte mit ‚Migrationshintergrund‘“! Die kritische Reflexion einer politischen Forderung

Zusammenfassung
Viele Bundesländer sind bestrebt, den Anteil von Lehrkräften mit ‚Migrationshintergrund‘ zu erhöhen. Jedoch nicht, weil sie Diskriminierung und institutionellem Rassismus im Schulsystem begegnen möchten, sondern vielmehr, weil sie sich positive Effekte für Schulentwicklung, Elternarbeit und Schulperformanz von Schüler*innen ‚mit Migrationshintergrund‘ versprechen. Hier sind einerseits ein schizophrener Umgang mit bestimmten nicht-deutschen Sprachen in der Institution Schule und überzogene Kompetenzerwartungen gegenüber Lehrkräften ‚mit Migrationshintergrund‘ zu konstatieren. Andererseits wird Rassismus in der Ausbildung kaum thematisiert, während Lehrkräfte ‚mit Migrationshintergrund‘ und im Berufsalltag verschiedene Formen von Rassismus erfahren.
Karim Fereidooni
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