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13.06.2019 | Rennwagen | Interview | Onlineartikel

"Motorsport ist und bleibt eine sehr emotionale Angelegenheit"

Autoren:
Andrea Amerland, Christiane Köllner
Interviewt wurde:
Prof. Dr. Bettina Reuter

lehrt und forscht an der HS Kaiserslautern in den Bereichen Logistik, Supply Chain Management, Auto-ID-Technologien (RFID) und Motorsportlogistik. Sie ist Gründerin und Studiengangsleiterin des MBA-Studiums Motorsport-Management. Anfang 2001 gründete sie das An-Institut ed-media.

Der Beruf des Motorsport-Managers ist komplex, sagt Bettina Reuter. Welche Qualifikationen für den Job nötig sind und wie sich Rennsport in Zeiten von Nachhaltigkeitsdebatten behaupten kann, erläutert die Motorsport-Expertin im Gespräch.

Welche besonderen Managementkompetenzen sind im Motorsport im Vergleich zu anderen Branchen gefragt?

Der Motorsport hat eine komplexe Struktur, eine Kombination aus Technik, Management, Marketing und Personalführung. Das erfordert interdisziplinäres Management, das strukturiert, aber auch flexibel die komplexen Prozesse steuert. Wer den Anforderungen gerecht werden will, muss eine Vielzahl an Qualifikationen und Herzblut mitbringen. Motorsport ist und bleibt eine sehr emotionale Angelegenheit. Die Anforderungen varieren je nach Blickwinkel: So sind die Aufgaben als Fahrzeughersteller, Teamchef, Fahrerbetreuer, Sponsor, Serienveranstalter, Dachverband, Promotor oder Funktionär sehr unterschiedlich. Eine Führungskraft im Motorsport managt technik- und marketingorientierte Events oder Teams und überträgt technische Innovationen in die Serie. Neben betriebswirtschaftlichen, rechtlichen oder finanztechnischen Grundlagen sind Marketingkenntnisse gefragt, daneben Teammanagement, Finanzierung und Sponsoring, aber auch Kenntnisse der Motorsportprozesse und -regularien, der Logistik und PR. 

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Qualifikation im Motorsport-Management

Der Motorsport von heute ist konfrontiert mit neuen Werten und einem erhöhten Wunsch für Nachhaltigkeit und Ressourcenerhaltung unseres Planeten. Dabei kann der Motorsport selbst aber auch Katalysator für diesen Fortschritt sein. Dazu muss aber auch das Management den veränderten Herausforderungen in Zeiten des Wandels gewachsen sein. 

Müssen angehende Führungskräfte auf diesem Gebiet einen der darauf ausgerichteten MBA-Studiengänge absolviert haben oder wie sehen die Karrierewege aktuell aus?

Ein darauf ausgerichteter MBA ist auf jeden Fall sehr hilfreich und kann einen Einstieg in die Motorsportbranche sehr erleichtern. Daneben gibt es aber auch Wege in den Motorsport zum Beispiel über die Formula Student oder durch den ehrenamtlichen Einsatz in Motorsportvereinen und -verbänden. Entscheidend für den Erfolg als Führungskraft sind aber, neben viel Herzblut, Managementwissen und Motorsportkompetenz. 

Die Hälfte der Deutschen hält die Formel 1 für nicht mehr zeitgemäß, hat eine Yougov-Umfrage ergeben. Wie sollten zukünftige Motorsport-Manager mit dieser veränderten Haltung umgehen?

Für die Formel 1 müssen neue, modernere Konzepte entwickelt werden, die dem Kundenbedürfnis angepasst sind – zum Beispiel viel Spannung, Heros, Vernetzung über Social Media etc. – um den Zuschauer beziehungsweise die Fans wieder stärker einzubinden und zu fesseln. Dazu ist es notwendig die Fanwünsche und -bedürfnisse genau zu analysieren und umzusetzen. Was die Formel 1 braucht, sind Manager beziehungsweise Managerinnen, die neuen Marketingideen gegenüber aufgeschlossen sind, die Unternehmen, Verbände, Fahrer und Fans stärker als bislang vernetzen und das Bild der Formel 1 auf eine attraktivere Bühne heben.

Der Motorsport von heute sieht sich konfrontiert mit einem erhöhten Wunsch der Menschen nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Inwiefern kann der Motorsport selbst Katalysator für den "grünen" Wandel sein?

Motorsport bedeutet immer Weiterentwicklung, Innovationen und neue Technologien. Es werden deshalb neben der technischen Weiterentwicklung auch gesellschaftskritische Themenbereiche aufgegriffen werden, wie nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. Ökologische Aspekte im Motorsport umfassen insbesondere den Energieverbrauch, die Ressourceninanspruchnahme und die Umweltbelastungen. So werden in Deutschland bereits seit circa 20 Jahren alle Motorsportveranstaltungen bezüglich der Umweltbelastungen begleitet und dokumentiert, Umweltbeauftrage erstellen Umweltberichte und versuchen die Belastungen auf ein Minimum zu reduzieren. Ebenso werden neue "grüne" Technologien im Motorsport erprobt und getestet. Von diesen Erfahrungen können sowohl die Automobilindustrie als auch andere Veranstaltungen lernen und profitieren.

Wie wichtig ist die Formel E für die Popularisierung der Elektromobilität?

Die Formel E ist ein komplett neues modernes Veranstaltungsformat: Zum einen kommt der Motorsport zu den Zuschauern, also in die Städte, zum anderen wird hier die aktive Einbeziehung der Zuschauer vorgelebt, durch den Fanboost. Zusätzlich gibt es eine Veranstaltung rundherum, die Fans und insbesondere auch Familien viel Unterhaltung und Wissensvermittlung über Digitalisierung und neue Technologien bietet. Für die Elektromobilität hat das viele positive Auswirkungen. Sie wird dadurch präsenter und zeigt sich auch als Antriebsart, die in der Königsklasse des Motorsports anwendbar ist. Im Zentrum des Gesamtkonzepts stehen Werte wie Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit. Das hat sehr positive Auswirkungen auf das Image der E-Mobilität.

Wie wirken sich Veränderungen in der Autobranche, etwa Skandale, Rückrufaktionen oder Kostendruck auf das Motorsport-Management aus?

Öffentlichkeitsarbeit ist eine Hauptaufgabe des Motorsportmanagers. Skandale wirken sich natürlich auch immer auf die Branche aus und erfordern daher eine vorausschauende Imagebildung und auch ein entsprechendes Auftreten in aktuellen Fällen. Hierzu müssen die Fans und die Öffentlichkeit dann auf allen Medien, insbesondere in den sozialen Netzwerken informiert werden. Kostendruck ist im Motorsport allgegenwärtig. Ohne gute Finanzierung gibt es im Motorsport keinen Erfolg. Ein guter Businessplan und finanztechnische Kompetenz sind hier unbedingt erforderlich.

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