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13.10.2020 | Unternehmenskredit | Nachricht | Onlineartikel

Banken sollen Darlehen an gute Kreditnehmer vergeben

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie belasten die Realwirtschaft. Dennoch haben staatliche Maßnahmen und Bankkredite schnell gegriffen, so die Deutsche Bundesbank. Nun sollen Banken ihre Kapitalpuffer flexibel nutzen, um ihre zentrale Rolle als Kreditgeber zu erfüllen.

Anders als bei der Finanzkrise treffen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht nur die entwickelten Wirtschaften, sondern die ganze Welt. Besonders der Dienstleistungssektor ist überproportional stark betroffen. Dennoch konnten die Regierungen die drohende Liquiditätskrise der Realwirtschaft durch fiskalische Maßnahmen abwenden. Das ist die zentrale Aussage des Finanzstabilitätsberichts 2020 der Deutschen Bundesbank. 

Moderate Steigerung der Insolvenzen erwartet

"Das deutsche Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen. Bislang hat es in der Corona-Pandemie seine zentralen Funktionen erfüllt", sagte Claudia Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, auf einer virtuellen Pressekonferenz. Allerdings rechnet das Institut mit steigenden Insolvenzzahlen ab 2021. Laut der Prognose könne die Gesamtzahl der Insolvenzen auf 6.000 im ersten Quartal steigen. Von einer Pleitewelle will Buch dabei aber nicht sprechen. Denn der Anstieg sei geringer als zur Finanzkrise von 2008 und 2009.

Auch dass es zu Wertberichtigungen der Firmenkredite in den Bilanzen der Banken kommen wird, ist laut Bericht sehr wahrscheinlich. Ende Juni zählte die Bundesbank 1,6 Billionen Euro an Darlehen für Unternehmen und Selbstständige. Laut ihrer Berechnungen komme man bei einem Ausfall von 0,8 Prozent auf rund 13 Milliarden Euro. Dennoch könnten andere Annahmen aber auch zu deutlich höheren Wertberichtigungen kommen, hieß es. 

Welche Institute besonders betroffen sind, wollte Joachim Wuermeling, der im Vorstand der Bundesbank für Bankenaufsicht zuständig ist, nicht konkretisieren. Dass die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen als regionale Partner vieler Unternehmen besonders im Fokus stünden, greife zu kurz. Die Folgen hängen Wuermeling zufolge von der Rentabilität und der Region ab, in der jedes einzelne Institut in Deutschland agiere, können aber im Einzelfall durchaus gravierend sein. 

Banken sollen ihre Kapitalpuffer flexibel einsetzen

Um Auswirkungen auf die Kreditvergabe zu mindern, sollten die Banken ihre Kapitalpuffer bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage flexibel nutzen, mahnt Buch an. Denn seit der Finanzkrise seien die Institute besser kapitalisiert. Die Puffer wurden präventiv in guten Zeiten aufgebaut, damit sie in Krisenzeiten genutzt werden können, so die Expertin. Der Schlüssel zu einer guten Vorbereitung auf steigende Insolvenzen liege für Banken, Politik und öffentliche Verwaltung darin, "ausreichende administrative Kapazitäten zu schaffen, erfahrenes Personal bereitzustellen und die Vereinfachung von Insolvenzverfahren zu prüfen".

Doch trotz der großen Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems, sei die Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor gestiegen, und niedrige Zinsen begünstigten eine Suche nach Rendite und eine Unterschätzung von Kreditrisiken. "Das Finanzsystem muss ausreichend robust sein, um mit negativen Entwicklungen umgehen zu können. Die Reformagenda der vergangenen zehn Jahre sollte konsequent fortgeführt werden", betonte Buch. 

Banken müssen auf Risikomanagement achten

"Die Banken funktionieren, die Kreditvergabe läuft. Aktuell erfüllt das Bankensystem damit seine zentrale Rolle", ergänzt Wuermeling. "Wichtig ist jetzt, dass die Banken weiterhin ihre Aufgabe erfüllen: gute von schlechten Risiken zu unterscheiden – und Kredite an gute Kreditnehmer auch zu vergeben."

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