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27.06.2018 | Wasserwirtschaft | Kommentar | Onlineartikel

Deutsches Talsperren-Know-how kann sich sehen lassen!

Autor:
Dr.-Ing. Hans-Ulrich Sieber

Zum ICOLD-Kongress 2018 in Wien macht das Deutsche Talsperrenkomitee (DTK) auf das vielfältige Wissen der deutschen Spezialisten aufmerksam. Dr. Hans-Ulrich Sieber, Präsident des DTK,  kommentiert.

Der Bau und die Bewirtschaftung von Talsperren haben in Deutschland eine lange Tradition. Die Errichtung von Staubecken für den Bergwerksbetrieb im Harz und im Erzgebirge reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Und das Besondere daran ist, dass viele dieser zumeist Erdstaudämme noch heute genutzt werden.

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Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann die ersten Bruchsteinstaumauern nach noch heute geltenden Bemessungsprinzipien für Gewichtsstaumauern gebaut. Die Bevölkerungsentwicklung und die Entstehung von industriellen Zentren verlangten nach Bereitstellung von Wasser auch in abflussarmen Zeiten und befeuerten so den Talsperrenbau. Bis heute sind in Deutschland etwa 375 gemäß ICOLD-Kriterien große und zahllose kleine Stauanlagen entstanden. All diese Anlagen müssen sachgerecht betrieben, überwacht und entsprechend dem technischen Fortschritt ertüchtigt werden. Dies ist auch in Deutschland eine gesetzliche Verpflichtung für alle Anlagenbetreiber. Die Gewährleistung der Sicherheit der Stauanlagen ist dabei von herausgehobener Bedeutung.

Der Fokus liegt auf der Sanierung und Ertüchtigung

Die jüngste wirklich große Talsperre, die in Deutschland gebaut wurde, ist die 2004 fertiggestellte Talsperre Leibis/Lichte mit einer rund 100 m hohen Gewichtsstaumauer. Seitdem beschränkt sich der Neubau vor allem auf zumeist "grüne" und kleinere Hochwasserrückhaltebecken. Das bedeutet, dass der Fokus bei Planungs- und Bauleistungen für Talsperren in Deutschland in der Gegenwart auf die Sanierung der bestehenden Talsperren gerichtet ist. Jeder, der etwas davon versteht, wird bestätigen können, dass Bauen im Bestand keine einfachere Herausforderung darstellt als der Neubau. So ist es kein Wunder, dass sich hierzulande ein hervorragendes Know-how auf diesem Gebiet herausgebildet hat und verfügbar ist.

Vielfalt und Komplexität zeichnen alle vorgestellten Maßnahmen aus

Dem Deutschen Talsperrenkomitee e. V. (DTK) als nationaler ICOLD-Gruppierung liegt es am Herzen, die nationale und internationale Fachwelt auf dieses angesammelte Wissen und diese Erfahrungen mit Ausgabe 06/2018 der WasserWirtschaft aufmerksam zu machen. Sanierungsmaßnahmen an 18 deutschen Talsperren werden vorgestellt. Ziel ist es dabei, sowohl die Komplexität und Vielfalt der ausgeführten technischen Maßnahmen als auch die Verflechtungen mit bewirtschaftungsseitigen Aspekten aufzuzeigen. Ebenso sollen die in Deutschland typischen Absperrbauwerkstypen, wie Schüttdämme, Bruchstein- und Betonstaumauern, erfasst werden. Insofern finden sich unter den präsentierten Sanierungsmaßnahmen einige, die bereits länger zurückliegen, aber aufgrund ihrer Spezifik und Nichtalltäglichkeit es wert waren, präsentiert zu werden. Voraussetzung dafür war, dass sich diese Maßnahmen bewährt haben. Zusätzlich werden zwei Neubauprojekte ​​​​​​​im Ausland vorgestellt, bei denen die hohe Fachkompetenz von deutschen Ingenieuren eingeflossen ist und zur Modifizierung der ursprünglichen Planung beigetragen hat.

Parallel zu dieser Ausgabe erscheint die englischsprachige "WasserWirtschaft extra" mit etwas ausführlicheren Fassungen der Beiträge in Form eines frei zugängigen e-Journals aus Anlass des ICOLD-Kongresses vom 1. bis 7 Juli 2018 in Wien. Das DTK hofft, mit diesen Veröffentlichungen zur Verbreitung von deutschem Know-how auf dem Gebiet der Ertüchtigung von Talsperren beizutragen sowie nationale und internationale Betreiber von Talsperren anzuregen von dieser Fachkompetenz auch in Zukunft Gebrauch zu machen.

Dieser Kommentar ist in Ausgabe 06/2018 der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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