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22.01.2014 | Bankenaufsicht | Im Fokus | Onlineartikel

Kein Aufschrei wegen Boni-Rüge

Autor:
Anja Kühner

Seit der Kritik der Finanzaufseher um zu hohe Boni in Banken sind einige Tage ins Land gegangen. Die Medien beherrschte das Thema nicht. Banken und ihren Interessenvertretungen dürfte das recht sein.

Die Finanzaufsicht Bafin hat Mitte Januar vielen deutschen Großbanken schlechte Noten für den Umgang mit ihren Boni ausgestellt (Bafin-Bericht). Nur bei vier von 15 Banken, die die Bafin im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen hat, erreichten die Boni maximal die Höhe des Grundgehalts – wie es seit Jahresbeginn EU-weit vorgeschrieben ist. Sieben weitere brauchen laut Bafin für die versprochenen Boni die Zustimmung ihrer Eigentümer, weil sie in der Spitze das Doppelte der Fixgehälter erreichen. Die übrigen geben ihren Bankern noch höhere Boni. „Wir sind mit keiner Bank vollständig zufrieden“, zitieren Medien Raimund Röseler von der Bafin. „Keine war gut, viele waren schlecht.“ Oft passten die Boni nicht zu den für die ganze Bank vorgegebenen Zielen. Die Institute reagierten oft nur auf Druck der Aufseher.

Dagegen verwehrt sich die Deutsche Kreditwirtschaft (DK). „Der teilweise in der öffentlichen Diskussion erhobene Vorwurf, die Institute würden die Obergrenze (Bonus-Deckel) missachten, trifft nicht zu“, heißt es in einem Statement. Schließlich seien diese Obergrenzen erst ab 2014 zu beachten. Allerdings seien die Institute „nicht nur vor dem Hintergrund der Prüfungsergebnisse der Bafin zur Qualität der Vergütungssysteme gefordert, ihre Vergütungssysteme erneut zu überprüfen“.

Banken halten sich bedeckt

Zu einzelnen Instituten äußerte sich die Finanzaufsicht nicht. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" hat die Aufsichtsbehörde unter anderem das Vergütungssystem der Deutschen Bank gerügt. Das Institut wollte den Bericht auf Anfrage von Springer für Professionals nicht kommentieren. Nicht nur die Großbanken übertrieben, betonte die Bafin. „Wir haben besonders gravierende Mängel auch bei Banken gefunden, bei denen wir das nicht erwartet hätten“, wird Röseler zitiert.

Die "Stuttgarter Zeitung" kommentiert dazu: „Noch immer also wird hohes Risiko auch hoch belohnt, vorausgesetzt, der erhoffte Erfolg hat sich eingestellt, sprich, die Wette ist aufgegangen. Das Fazit: Die Banken haben aus der Krise nicht gelernt. Sie haben aus eigenem Antrieb wenig oder nichts an ihren Vergütungssystemen geändert.“

Das sieht die Finanzbranche selbst naturgemäß anders. Institute verändern ihre Vergütungsmodelle und reagieren auf Diskussionen darüber, dass insbesondere Provisionen in der Anlageberatung zu Fehlanreizen führen. Wie das Bankmagazin in einem Beitrag schreibt, haben beispielsweise Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, HSBC Trinkaus & Burkhardt und Hypovereinsbank ein gemeinsames Grundsatzpapier entwickelt. Darin verpflichten sie sich, Management-Vergütungen ethisch zu fundieren, Vergütungssysteme transparent zu gestalten und Fehlanreize auszuschließen. 

Allerdings zählen Banker nach wie vor zu den Top-Verdienern, wie eine Studie kürzlich belegt hat. Auch erwarten sie weiterhin Boni, wie eine andere Untersuchung ergab.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.01.2014 | Titel | Ausgabe 1/2014

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