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18.05.2015 | Bankvertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Geschäftsmodelle der Banken im Engpass

Autor:
Eva-Susanne Krah
2:30 Min. Lesedauer

Deutsche Kreditinstitute stehen weiter unter Ertragsdruck. Welche Maßnahmen sie jetzt ergreifen müssen, um das Privatkundengeschäft dem massiven Marktwandel anzupassen.

Die Erträge deutscher Geldhäuser werden laut einer aktuellen Analyse der Boston Consulting Group (BCG) in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Besonders hart könnte es das Privatkundengeschäft treffen. Dort könnten die Erträge in den nächsten fünf Jahren im schlechtesten Fall um bis zu 25 Prozent sinken. Die Analyse von BCG festigt Ergebnisse einer früheren Studie des Beratungshauses bei Großbanken, wonach die untersuchten Kreditinstitute in der Summe knapp zehn Milliarden Euro zu wenig Gewinn erzielt haben, um tatsächlich Wertschöpfung zu erzielen.

Geschäftsmodelle den Marktbedingungen anpassen

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Die Ursachen für diese Entwicklung zeichnen sich inzwischen deutlich ab:

  • ein anhaltend niedriges Zinsniveau,
  • innovative neue Wettbewerber, die in den Markt drängen sowie
  • steigende regulatorische Vorgaben

setzen die Banken seit geraumer Zeit zunehmend unter Druck, ihre Geschäftsmodelle auf die neuen Marktbedingungen auszurichten. Mit umfangreichen Kostensenkungsprogrammen haben die Kreditinstitute bisher den inflationsbedingten und regulatorischen Kostenanstieg laut BCG weitgehend ausgleichen können. Rüdiger Filbry, Leiter der Banken-Praxisgruppe des Beratungshauses, stellt aber fest: "Wer jedoch ein strukturell niedrigeres Kostenniveau anstrebt, kommt an einer tiefgreifenden Transformation nicht vorbei".

Digitaler und effizienter

Um mehr Effizienz und Kostenvorteile im Bankvertrieb zu erzielen, müssen Geldhäuser nach Einschätzung der BCG-Experten vor allem stärker in die Automatisierung und Digitalisierung investieren, zum Beispiel in der Anlageberatung. Aus der Verbesserung der Produktivität ließen sich Effizienzgewinne von 20 bis 30 Prozent realisieren, würde die Automatisierung von Prozessen konsequent betrieben, sagte Filbry gegenüber der "Börsen-Zeitung". Darüber hinaus prognostiziert das Beratungshaus, dass in den kommenden Jahren eine weitere Schrumpfung der Filialkapazitäten um 30 bis 50 Prozent notwendig sein wird, da sich das Kundenverhalten stark in Richtung Online-Nutzung verändert. Das Filialgeschäft der Geldhäuser stellt laut "Börsen-Zeitung" mit 45 Prozent den größten Kostenblock im Bankvertrieb. Weil künftig eine Differenzierung nur über Produkt und Preis allein nicht mehr erfolgversprechend ist, rät Til Klein, Retail-Banking-Experte der BCG, dass die Kreditinstitute der Innovation Priorität einräumen und bei ihren Angeboten den Kundennutzen in den Vordergrund stellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung ermögliche es, gleichzeitig die Effizienz und den Kundennutzen zu steigern. Dazu müssten die etablierten Banken ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle allerdings fundamental ändern.

Axel Liebetrau, Autor des Springer-Buchs "Client Value Generation", bestätigt, dass unter anderem die digitale Transformation das Bankgeschäft stark verändert und "zu allererst innovative Geschäftsmodelle" erfordert. Wie Banken nach neuen Erlösquellen suchen und ihre Geschäftsmodelle überdenken, beschreibt der Autor Stefan Terliesner in seinem Titelbeitrag "Nachhaltige Wachstumsimpulse auslösen" in der Februar-/Märzausgabe von Bankmagazin (Seite 12-19). Die Kreditwirtschaft entwickle "eine Vielzahl an Initiativen", um die Erträge dauerhaft zu steigern, die Herausforderungen blieben allerdings gewaltig.

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Quelle:
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