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28.08.2018 | Carsharing | Im Fokus | Onlineartikel

Neue Mobilitätsdienste verstopfen die Städte

Autor:
Patrick Schäfer

Eine aktuelle Studie aus den USA warnt vor den negativen Folgen der sogenannten Mobilitätswende. Neue Dienste wie von Uber erhöhen demnach die Verkehrsbelastung in den Städten deutlich.  

Unsere Mobilität, vor allem die Automobilität, befindet sich in einem Wandel, dessen Folgen zum Teil jetzt schon spürbar sind. Die Schaller-Studie "The New Automobility: Lyft, Uber and the Future of American Cities" möchte zu einer öffentlichen Debatte über App-basierte Fahrdienste und ihre Auswirkungen auf die städtische Mobilität und Umweltziele anregen.

Laut Autor Bruce Schaller führt die Mobilitätswende mit Shuttlediensten, Ride Sharing und Ride Hailing nicht zu einem umweltfreundlicheren Verkehr. Stattdessen stieg das Verkehrsvolumen in den USA im betrachteten Zeitraum teilweise um bis zu 180 Prozent. Städte und Kommunen werden nach diesen Zahlen noch stärker belastet – durch deutlich mehr Autos und mehr unternommene Fahrten. So haben die Transportation Network Companies in den Metropolen Boston, Chicago, Los Angeles, Miami, New York, Philadelphia, San Francisco, Seattle und Washington DC jährlich für 5,7 Milliarden Meilen zusätzlicher Fahrleistung gesorgt.

Eigentlich müsste der Verkehr in Zukunft sinken, um die Ballungsregionen zu entlasten: "Eine grundlegende Verkehrswende würde den Autoverkehr insgesamt deutlich verringern und damit insbesondere die Erreichung unserer Klimaschutzziele ermöglichen", meint auch Springer-Autor Frederic Rudolph im Interview "Vorteile durch Verkehrswende stärker kommunizieren".  Die Wahrheit sieht allerdings anders aus: Urbanisierung, neue Mobilitätsbedürfnisse und steigender E-Commerce sorgen schon heute spürbar für mehr Verkehr auf unseren Straßen. Und mit dem wachsenden Angebot an neuen Mobilitätsdienstleistungen wird dieser Trend verschärft. Denn die Mehrzahl der Nutzer steigen tatsächlich vom ÖPNV auf Shared Mobility um und sorgen so für mehr Fahrzeuge auf den Straßen und mehr Staus, führt Schaller in seiner Studie aus. Statt Bus und Bahn, Fahrrad und zu Fuß wird das nun vermeintlich "smarte" Auto genutzt.

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Auch in Deutschland drohen in naher Zukunft ähnliche Verhältnisse: Das große Potenzial für neue Mobilitätsdienstleistungen lässt sich an den zweistelligen Wachstumsraten beim Carsharing ablesen. "Auch wenn das Thema urbane, geteilte Mobilität derzeit noch eine Randerscheinung in der urbanen Mobilität darstellt, verzeichnet gerade dieser Bereich extrem hohe Zuwachsraten" heißt es im Buchkapitel "Erfolgsfaktoren künftiger Geschäftsmodelle von urbanen, geteilten Mobilitätsdienstleistungen" des Bandes Mobilität und digitale Transformation.  

Autonomes Carsharing verschlechtert Situation noch weiter

Als Rettung wird immer wieder das vernetzte, autonome Fahren genannt. Doch autonome Sharingdienste sind nicht die Lösung für das steigende Verkehrsaufkommen – im Gegenteil. Denn obwohl man davon ausgeht, dass sich die Anzahl der privat genutzten Pkw reduziert, erhöht sich trotzdem die Anzahl der unternommenen Fahrten: 

Carsharing mit autonomen Autos wird sich flächendeckend verbreiten und die meistgenutzte Form des Individualverkehrs werden. Auch auf dünn besiedelten Regionen wird sich autonomes Carsharing lohnen und dort den ÖPNV komplett ablösen", prophezeit Johannes Ritz in seinem Beitrag Autonomes Carsharing – Das Ende vom Privatauto?

Gerade der Umstieg vom Bus und Bahn auf Autos ist problematisch. In einer Simulation zu autonomen Taxisdiensten haben der Ingenieurdienstleister IAV und Wissenschaftler der TU Braunschweig am Beispiel der Stadt Cottbus aufzeigen können, dass die Tagesfahrleistung aller Fahrzeuge auch aufgrund vieler Leerfahrten stark anstieg, was sich vor allem auf das Verkehrsaufkommen auswirke. Der Hoffnungsträger autonomer Taxidienste führe zu negativen Ergebnissen wie erhöhtem Verkehrsaufkommen, so die Autoren. Auch hier wird eine Verringerung der ÖPNV-Nutzung bei gestiegener Fahrleistung und so eine Verschlechterung der Verkehrssituation prognostiziert.

Die Politik ist gefragt

Wenn die Politik nicht gegensteuert, endet die sogenannte Verkehrswende in einem Kollaps, lautet das Fazit der Schaller-Studie. Die sogenannte Shared Mobility könne demnach zwar als sinnvolle Erweiterung, nicht aber als Ersatz für den öffentlichen Personennahverkehr dienen. Denn die Kannibalisierung des ÖPNV führt letztlich in eine Sackgasse, so Bruce Schaller. 

Ein Gegensteuern der Politik erachten auch die Autoren in Die Mobilität von Morgen – wie Städte profitieren können aus der ATZextra 6/2017 als unabdingbar:  "Der ÖPNV spielt in der Stauprävention eine zentrale Rolle. Doch wenn die Verkehrsmittel zu selten oder zu langsam fahren oder aus anderen Gründen unbefriedigend sind‚ könnten Stadtbewohner auf günstige Shared Mobility 'on demand' umsteigen‚ was wiederum mehr Verkehr verursacht. Die Politik muss sicherstellen‚ dass der ÖPNV eine attraktive Alternative zum Individualverkehr bleibt." Dem sich ändernden Mobilitätsverhalten muss dringend eine umfassende verkehrspolitische Planung entgegengestellt werden, sonst endet die Verkehrswende im Stau – aller Digitalisierung und Shared Mobility zum Trotz. Die Stadt New York etwa hat auf den Trend zu immer mehr Fahrzeugen von Fahrdiensten reagiert und die Zahl der Lizenzen reduziert.

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