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10.07.2018 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Mobilitätsdienste ersetzen das eigene Auto

Autor:
Christiane Köllner

Das Statussymbol Auto verliert an Glanz. Immer mehr Autobesitzer sind bereit, auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten. Neue Mobilitätsdienste könnten vor allem in Ballungsräumen den Privat-Pkw verdrängen.

Lange Staus, drohende Fahrverbote, neue Mobilitätskonzepte: Immer mehr Menschen in Ballungsräumen überdenken den Besitz eines eigenen Autos. Vor allem das gestiegene Umweltbewusstsein ändert immer stärker die Einstellung zum Fahren und Fahrverhalten. "Natürlich werden Autos auch in Zukunft gekauft und verkauft. Jedoch wird sich die gesamte Branche wandeln. Auch die Lieferketten der Fahrzeugbauer werden sich grundlegend verändern, da das 'Endprodukt Auto' schon bald ein anderes sein dürfte, als wir es heute kennen", sagt Tom Riley, Portfolio Manager des Axa WF Framlington Robotech Fonds. 

Dementsprechend haben sich auch die Entscheidungskriterien für die Auswahl des Verkehrsmittels in den letzten fünf Jahren weiter verändert, zeigt eine aktuelle Studie der Managementberatung Bain & Company, die Einwohner der Ballungsräume Berlin, München, Rhein-Ruhr und Wien zu ihrer Einstellung gegenüber neuen Mobilitätskonzepten befragt hat. Sicherheit, Flexibilität und Verfügbarkeit seien urbanen Mobilitätskunden am wichtigsten, so die Studie. Die Folge der veränderten Kundenpräferenzen: Es müssen neue Lösungen für die urbane Mobilität her. 

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Erfolgsfaktoren künftiger Geschäftsmodelle von urbanen, geteilten Mobilitätsdienstleistungen

Auch wenn derzeit urbane, geteilte Mobilitätskonzepte wie CarSharing und Ride-Sharing bzw. dynamische Shuttle-Services noch einen Nischenmarkt im urbanen Mobilitätsmix darstellen, treffen sie zunehmend auf die Akzeptanz der Bevölkerung.

Das Umdenken ist bereits im Gange

Die wichtigsten Treiber dieser Entwicklung sind Politik, technologischer Fortschritt und die persönliche Einstellung der Stadtbevölkerung zur Mobilität. "Mobilität wird auch für die Menschen von morgen ein existenzielles Grundbedürfnis sein. Schätzungen zufolge wird sich die Anzahl der Autos bis 2040 weltweit auf etwa zwei Milliarden verdoppeln. Doch zwei Milliarden Autos benötigen auch zwei Milliarden Parkplätze", so der Axa-Manager Riley. Gehe man gleichzeitig davon aus, dass etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben und arbeiten werden, dränge sich unweigerlich die Frage auf, ob der öffentliche Raum für die Mobilität der Zukunft ausreichen werde.

Während Großstädte jetzt schon wegen überlasteter Verkehrswege und negativer Umwelteinflüsse Fahrverbote erwägen, steigen Autofahrer zunehmend auf Carsharing um. Das Teilen von Fahrzeugen ist ein großes Wachstumsfeld: Das Marktvolumen im Carsharing soll bis 2020 bei einem prognostizierten Wachstum von 30 Prozent pro Jahr auf über 5,6 Milliarden Euro anwachsen, zitieren die Springer-Autoren des Kapitels Aktuelle (E-)Carsharing-Systeme und -akteure aus dem Buch Carsharing in Deutschland das Beratungsunternehmen Roland Berger. Gleichzeitig sind individualisierte Mitfahrgelegenheiten (Ride-Hailing) im Kommen. Goldman Sachs untermauert diese Prognose mit Zahlen: Laut deren Schätzung wird der weltweite Markt für Fahrtenvermittler und Mitfahrgelegenheiten von gegenwärtig fünf Milliarden Dollar bis ins Jahr 2030 auf etwa 285 Milliarden Dollar anwachsen. "Bisher werden alternative Mobilitätsangebote vor allem als Ergänzung zum eigenen Auto genutzt", stellt Co-Autor der Bain-Studie Dr. Klaus Stricker fest. "Doch das Umdenken ist in den Köpfen vieler Städter bereits in vollem Gang."

Autobesitz wird in Ballungsgebieten unattraktiver

Sicherheit, Flexibilität und Verfügbarkeit sind für die Teilnehmer der Bain-Studie die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Wahl des Verkehrsmittels. Seit 2013 hätten insbesondere persönliche Sicherheit, Privatsphäre und Kommunikationsmöglichkeiten während der Fahrt an Bedeutung gewonnen. Verloren hätten dagegen Fahrspaß und Flexibilität. Die Mobilitätskosten würden weiterhin im Mittelfeld der Entscheidungskriterien liegen, ihr Stellenwert habe in den letzten fünf Jahren sogar leicht abgenommen.

Diese Ergebnisse gehen einher mit einem weiteren Imageverlust des Autos. Nur noch 29 Prozent der Befragten betrachten das Auto als Statussymbol. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als 2013. In Wien liegt dieser Wert mit 25 Prozent am niedrigsten. Abhängig vom jeweiligen Zukunftsszenario sind 17 bis 34 Prozent der Autobesitzer in den vier untersuchten Ballungsräumen bereit, bei passenden Mobilitätsalternativen auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten.

Geschäftsmodell und Mobilitätsangebot weiterentwickeln

Noch ist offen, welche Zukunftskonzepte sich durchsetzen werden. Voranschreitende Verbesserungen bei Batterien und anderen Technologien lassen annehmen, dass der Markt für "Mobility as a Service" weiterhin wachsen wird. Einer aktuellen Studie von McKinsey zufolge könnte 2030 jedes zehnte Auto ein "Shared Vehicle" sein. "Allerdings laufen die Autohersteller Gefahr, dass sich andere Player zwischen sie und ihre heutigen Kunden drängen", erklärt Co-Autor der Bain-Studie Ralf Kalmbach. "Schnittstelle und Interaktion mit den Kunden drohen verloren zu gehen, was sich negativ auf die Profitabilität auswirken kann." Bei neuen Mobilitätslösungen stehen die Automobilhersteller zunehmend im Wettbewerb mit Technologieunternehmen wie Waymo, Uber, Didi oder Apple, die traditionelle OEMs mit neuen Produkten und Dienstleistungen herausfordern, wie Springer-Autor Guy Fournier im Kapitel The New Mobility Paradigm. Transformation of Value Chain and Value Proposition Through Innovations aus dem Buch The Automobile Revolution beschreibt.

Viele Autohersteller etablieren bereits neue Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle. Kaum einer von ihnen wird jedoch die gesamte neue Mobilitätswertschöpfungskette allein abdecken können. Für die Unternehmen gelte es zu entscheiden, in welchen Bereichen sie in Zukunft eigenständig agieren und in welchen sie Partnerschaften eingehen wollen, erklären die Bain-Analysten. So erfordere beispielsweise die Entwicklung des autonomen Fahrens Milliardeninvestitionen. Für Unternehmen, die mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nicht zu den Vorreitern aufschließen können, seien Partnerschaften oder zugelieferte Technologien von Spezialisten wie Waymo sinnvoller. 

Es besteht noch Forschungsbedarf

"Hersteller, die versuchen, ihre dominante Führungsrolle im bisherigen Automobilgeschäft eins zu eins auf die neue Mobilitätswelt zu übertragen, werden scheitern", betont Bain-Partner Stricker. Daher stehen insbesondere die Automobilhersteller vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle, Prozesse und Strukturen auf deren Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen und neu zu definieren. Und hierbei gibt es noch Defizite, glaubt man den Springer-Autoren Gouthier und Nennstiel. Im Kapitel Neue Mobilitätskonzepte – Eine konzeptionelle Analyse aus dem Buch Service Business Development fordern die Autoren, neue Mobilitätskonzepte und deren Auswirkungen detaillierter zu erforschen:

Letztlich ist das Thema der neuen Mobilitätskonzepte und deren Auswirkungen auf die Automobilindustrie jedoch sowohl theoretisch-konzeptionell als auch empirisch noch vergleichsweise wenig erforscht. Infolgedessen bedarf es weiterer Forschungsaktivitäten, die Thematik umfassender und tiefgreifender zu beleuchten".

Mehr Licht ins Dunkel wollen zum Beispiel die Springer-Autoren Pielen, Röth und Flatten im Kapitel Erfolgsfaktoren künftiger Geschäftsmodelle von urbanen, geteilten Mobilitätsdienstleistungen aus dem Buch Mobilität und digitale Transformation bringen. Die Autoren beschreiben, welche Rahmenbedingungen als besonders erfolgskritisch für die Implementierung von neuen, geteilten Mobilitätsdienstleistungen gelten. Laut Bain-Studie ist vor allem die Konzentration auf Teilaspekte der neuen Mobilitätswertschöpfungskette und Kooperationen mit neuen Wettbewerbern zentral, um der Transformation der Mobilität erfolgreich begegnen zu können. 

"Diejenigen Unternehmen, die umweltfreundliche, miteinander vernetzte und künstlich intelligente Autos bauen, werden am Automobilmarkt immer dominanter – und sie werden entsprechende Gewinnmargen realisieren. Folglich gehen mit diesem Wandel und Wachstum neue Chancen für Anleger einher", ist indes Axa-Manager Riley überzeugt. Investoren der Branche werden künftig nicht nur vor die Wahl zwischen Ford oder Toyota gestellt. Sie werden sich auch nicht nur zwischen Tesla oder dem Nissan Leaf entscheiden müssen. "Vielmehr müssen sie bei ihren Anlageentscheidungen vermehrt auch App-Entwickler, Batteriehersteller und Chip-Produzenten berücksichtigen", resümiert der Experte.

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